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Full text of "Die etymologie der phanerogamennomenclatur : Eine erklärung der wissenschaftlichen, der deutschen, französischen, englischen und holländischen pflanzennamen"

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Dr,  Frlederlch  Kannglesser 


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<t  1909  » Verlag  Friedrldi  oon  ZezsAml^ 


Die  Ciymologie 

der 

Phanerogamennomenclaiur. 

Eine  Erklärung  der 

wlssensdiaftlidien,  der  deutschen,  französischen, 
englischen  und  holländischen  Pflanzennamen. 

Von 

Dr.  Friederidi  Kanngiesser 


Sera 


F.  pon  ZezsdiwHz 
1908 


OJOIHiA 
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Drack  von  Ramm  & Seemann  in  Leipzig. 


Vorwort. 


Vorliegende  Arbeit  befaßt  sich  mit  der  Erklärung  der  Phanero- 
gamen-Nomenklatur.  Es  werden  im  allgemeinen  nur  jene  Pflanzen- 
namen erläutert,  deren  Vertreter  zugleich  in  den  Floren  von  Deutsch- 
land, Frankreich,  Holland  und  England  einheimisch  sind.  Die  offizielle, 
d.  h.  griechisch -lateinische  Nomenklatur  wird,  wo  nur  möglich,  mit 
den  eigenen  Worten  der  Schriftsteller  des  Altertums  erläutert.  Von 
der  neusprachlichen,  d.  h.  deutschen,  französischen,  englischen  und 
holländischen  Benennung  wurden  die  gebräuchlichsten  Bezeichnungen 
sämtlich  erwähnt.  Wo  in  vereinzelten  Fällen  eine  Erklärung  nicht 
gelang,  wurde  dies  ausdrücklich  vermerkt  oder  durch  ein  dem  Wort 
beigefügtes  „?“  hervorgehoben.  Die  Synonymik  fand  insoweit  Be- 
rücksichtigung als  ein  sprachliches  oder  allegorisches  Interesse  vor- 
lag. Von  der  binären  Nomenklatur  wurden  meist 'nur  die  Genus- 
bzw.  Geschlechts-  oder  Gattungsnamen  erläutert;  die  gewöhnlich 
lateinischen  Spezies,  bzw.  Art-  oder  Sortennamen  hingegen,  die 
meist  leicht  verständlich  sind,  wurden  nur  dann  erwähnt,  falls  sie 
selbst,  bzw.  ihre  neusprachlichen  Äquivalente  der  Erklärung  be- 
durften. Für  die  des  Holländischen  Unkundigen  sei  an  dieser  Stelle 
bemerkt,  daß  holl,  ou  wie  au,  eu  wie  ö,  ui  wie  eu,  u wie  ü,  ij  oder 
y wie  ei,  oe  wie  u und  z wie  s ausgesprochen  wird.  Manch  fremd 
aussehendes  holländisches  Wort  wird  alsdann  dem  Deutschen  leicht 
verständlich  sein.  — Schließlich  sei  noch  ausdrücklich  bemerkt,  daß 
die  botanische  Identität  der  wissenschaftlichen  Pflanzennamen  mit 
den  gleichlautenden  römischen  und  altgriechischen  Namen  mehr 
denn  oft  auf  sehr  schwanken  Füßen  steht.  Die  Entstehung  und 
Sprache  der  wissenschaftlichen  Nomenklatur  ist  ja  bekanntlich  auf 
die  Versuche  von  Kräuterkundigen  zurückzuführen,  die  Pflanzen  des 
Dioscorides  und  Plinius  usw.  mit  denen  unserer  Flora  zu  identi- 
fizieren. Erst  dem  Botaniker  Fuchs,  der  um  die  Mitte  des 
i6.  Jahrhunderts  in  Tübingen  dozierte,  war  die  Entdeckung  Vorbe- 
halten, -daß  jedes  Land  seine  eigene  Flora  hat,  daß  die  deutschen 
Pflanzen  oft  andere  als  die  der  alten  Griechen  seien.  Es  können 
bei  Besprechung  der  einzelnen  Gattungen  diese  Momente  nur  ge- 
streift werden.  Des  näheren  darauf  einzugehen,  liegt  außerhalb 
des  Rahmens  dieser  Abhandlung.  Schließlich  sei  noch  insbesondere 
hervorgehoben,  daß  gerade  Finne  sich  der  griechischen  Nomen- 
klatur oft  zur  Bezeichnung  ganz  anderer  Pflanzen  bedient  hat. 


Literaturnachweis. 


Griechische  Autoren. 

QeocpQaOTOv  Ttegl  cpvTcov  loToglag.  Paris  1866.  Theophrast,  ein 
Schüler  des  Plato  und  Aristoteles,  lebte  um  372 — 287  v.  Chr.  Er  war 
Philosoph  und  Botaniker. 

HedavLOV  J LOOv.OQidov  yivaLaQßetog  tieqI  largr/.rig.  Bißliov 

yL — J.  Leipzig  1829.  Dioskorides,  ein  griechischer  Arzt  aus  Kilikien, 
lebte  um  50  n.  Chr. 

ralr^vov  tzeqI  y^QacJEcog  ymI  dvvdfXEtog  tojv  aTtltov  cpaQixdvxov. 
BißlLOv  Z — ©.  Leipzig  1826.  Galenus  Claudius,  Arzt,  geb. 
1 3 1 n.  Chr.  zu  Pergamon  in  Kleinasien,  gest.  um  201  n.  Chr.  in  Rom 

Hippokrates,  ein  griechischer  Arzt  zu  Kos  (460 — 360  v.  Chr.), 
erwähnt  die  Pflanzen  nur  in  aller  Kürze  als  Heilmittel,  ohne  auf  ihre 
botanischen  Eigenschaften  näher  einzugehen.  — Die  zwei  Bücher  über 
die  Pflanzen  des  Aristoteles  (394 — 322  v.  Chr.)  sind  leider  verloren 
gegangen.  — Nikander,  griechischer  Arzt,  lebte  um  150  v.  Chr.  und 
verfaßte  zwei  Lehrgedichte:  Qr^Qta/.a  vmI  d?x§iq)dQiiayM,  in  denen  er 
der  Heilwirkungen  der  Pflanzen  gedenkt.  — Lange  Zeit  wurden  die 
zwei  Bücher  über  die  Pflanzen  des  Nikolaos  von  Damaskus  (um 
Chr.  Geb.)  für  die  Aristotelischen  gehalten.  Der  griechische  Text  ist 
verloren,  doch  ist  aus  erhaltener  arabischer  Version  des  Isaak  Ben 
Honain  eine  lateinische  Übersetzung  von  Alfredus  vorhanden  (Leipzig 
1841).  Das  Werk  handelt  von  den  Pflanzen  im  allgemeinen,  ohne  auf 
Namenserklärungen  einzugehen.  — Aetios  lebte  im  6.  Jahrhundert 
n.  Chr.  Er  stammte  aus  Amida  in  Mesopotamien  und  war  kaiserlicher 
Leibarzt  in  Konstantin opel.  Sein  Abriß  der  Heilkunde  in  16  Büchern 
ist  eine  abgekürzte  Abschrift,  vornehmlich  des  Galen.  — Schließlich  sei 
bemerkt,  daß  Homers  (900  v.  Chr.),  Hesiods  (800  v.  Chr.),  Hero- 
dots  (500  V.  Chr.),  teilweise  Xenophons  Werke  (400  v.  Chr.)  und 
die  Geographie  Strabos  (um  Chr.  Geb.)  auf  etymologische  Notizen  hin 
durchgearbeitet  worden  sind. 


V 


Lateinische  Autoren. 

C.  Plinii  Secundi  naturalis  historia.  Berlin  1866.  Plinius 
lebte  23  — 79  n.  Chr.  Als  Enzyklopädist  ist  er  unzweifelhaft  von  großer 
Bedeutung;  wie  wenig  Beachtung  er  aber  als  Naturforscher  verdient,  er- 
hellt am  besten  aus  einer  Briefstelle  seines  Neffen  C.  Plin.  Caecil.  Sec.; 
vergl.  Ep.  III.  6.  Repeto  me  correptum  ab  eo  (sc.  Plinio)  cur  ambu- 
larem:  „poteras“  inquit  „has  horas  non  perdere“  nam  perire  omne 
tempus  arbitratur  quod  studiis  non  impenderetur.  Schon  dieser  Um- 
stand spricht  eigentlich  zu  ungunsten  des  Plinius  in  der  Polemik  über 
Dioskorides  und  Plinius.  Beide  waren  bekanntlich  Zeitgenossen,  und 
wegen  der  Übereinstimmung  vieler  Stellen  ihrer  erwähnten  Werke  wurde 
ihnen  Plagiat  vorgeworfen.  Die  einen  stellen  sich  auf  die  Seite  des 
Dioskorides,  die  anderen  ergreifen  für  Plinius  Partei.  Nach  dritter 
Meinung  soll  die  Ähnlichkeit  verschiedener  Stellen  auf  eine  gemeinsame 
Quelle  zurückzuführen  sein,  als  diese  werden  die  Compositiones  medicae 
des  Scribonius  Largus  angegeben.  Doch  möchte  ich  letzterer  Ansicht 
nicht  beipflichten,  da  ich  bei  der  Lektüre  dieses  Autors  keinerlei 
zwingende  Beweisgründe  in  dieser  Hinsicht  vorfand. 

Lucius  Apulejus.  De  medicaminibus  herbarum  über.  Nürnberg 
und  Altorf  1788.  Der  Urheber  dieser  Schrift  lebte  in  der  ersten  Hälfte 
des  5.  Jahrhunderts  n.  Chr.  und  hat  seinen  Namen  von  dem  bekannten 
Dichter  aus  Madaura  usurpiert. 

Marcus  Porcius  Cato  Major  (234 — 149  v.  Chr.).  De  agri- 
cultura  s.  de  re  rustica.  Der  lateinische  Text  stellt  wahrscheinlich  nur 
eine  Überarbeitung  aus  späterer  Zeit  dar.  — Marcus  Terentius 
Varro,  f 116  v.  Chr.,  schrieb:  De  re  rustica  und  de  lingua  latina.  — 
Des  Publius  Vergilius  Maro  (70 — 19  v.  Chr.)  Georgicon  ist  ein  Lehr- 
gedicht über  den  Landbau.  — Vitruvius  Pollio  lebte  unter  Caesar 
und  Augustus.  Er  schrieb  10  Bücher:  De  architectura.  Buch  XII.  9 
handelt  ausführlich  von  den  Bauhölzern;  Buch  VH.  14  finden  sich 
einige  Notizen  über  Farbstoff  liefernde  Pflanzen.  — Aul.  Corn.  Celsus 
lebte  um  25  n.  Chr.  und  schrieb:  De  medicina;  die  Pflanzen  werden 
nur  als  Heilmittel  erwähnt.  — L.  Jun.  Moderatus  Columella  lebte 
um  60  n.  Chr.  und  schrieb  de  re  rustica,  wie  eine  besondere  Abhand- 
lung: De  arboribus.  — Ebenfalls  de  re  rustica  schrieb  Rut.  Taur. 
Aemil.  Palladius.  Er  lebte  im  4.  Jahrh.  n.  Chr.  — Marcellus 
Empiricus  lebte  zu  Anfang  des  5.  Jahrhunderts  am  Hofe  des  Kaisers 
Theodosius.  Er  schrieb:  De  medicamentis.  — Vegetius  Renatus 
Flavius,  der  ungefähr  zur  selben  Zeit  lebte,  schrieb  eine  Ars  veterinaria 
s.  mulomedicina.  — Die  in  diesem  Absatz  erwähnten  Schriftsteller  geben 
entweder  überhaupt  nicht,  oder  nur  sporadisch  Erklärungen  von  Pflanzen- 
namen, 

Lexika. 

Isidorus  Hispalensis,  Originum  s.  etymologiarum  libri  XX.  Leip- 
zig 1833.  Isidor,  seit  594  Bischof  von  Sevilla,  gibt  im  vorstehenden 


VI 


Werk  eine  Reihe  Erklärungen  lateinischer  Worte.  Speziell  im  XVII.  Buch 
handelt  er  von  den  Pflanzennamen  ab.  — Das  griechische  Lexikon,  das 
Hesychios  von  Alexandria  im  5.  Jahrh.  n.  Chr.  verfaßte,  nennt  die 
Pflanzennamen,  gibt  aber  keine  Etymologie  derselben. 

Thesaurus  Graecae  Linguae  ab  Henrico  Stephano  constructus. 
8 Bde.  Paris  1831  — 1865. 

Totius  Latinitatis  Lexicon  opera  et  Studio  Aegidii  Forcellino. 
Bd.  1—6.  Prati  1858-1875. 

W.  Pape,  Griechisch  - deutsches  Handwörterbuch.  Leipzig  1880. 

K.  E.  Georges,  Lateinisch  - deutsches  Handwörterbuch.  Braun- 
schweig 1888. 

Großes  Universallexikon.  64  Bde.  1733  — 1750.  Im  Verlag 
von  J.  H.  Zedier.  Bei  Beschreibung  der  Pflanzen  ist  in  diesem  Werk 
im  Gegensatz  zu  anderen  ähnlichen  Werken,  wie  der  Grande  Encyclo- 
pedie  frangaise  und  der  Encyclopaedia  Britannica,  großer  Wert  auf  die 
Synonymik  und  Etymologie  der  Pflanzennamen  gelegt. 

J.  und  W.  Grimm,  Deutsches  Wörterbuch.  Leipzig  1854  — 1905. 
Bd.  I — IO. 

L.  K.  Weigand,  Deutsches  Wörterbuch.  2 Bde.  Gießen  1881  — 1882. 

K.  Schwenck,  Wörterbuch  der  deutschen  Sprache  in  Beziehung  auf- 
Abstammung  und  Begriffsbildung.  Frankfurt  a.  M.  1855. 

Sachs,  Enzyklopädisches  Wörterbuch  der  deutschen  und  französischen 
Sprache.  Berlin  1880. 

E.  Litt  re,  Dictionnaire  de  la  langue  fran9aise.  Paris  1873 — 1875. 
4 Bde. 

A.  Scheler,  Dictionnaire  d’etymologie  frangaise.  Bruxelles  1888. 

D armestet  er  et  Hatzfeld,  Dictionnaire  general  de  la  langue 
frangaise.  Paris. 

Mur  et.  Enzyklopädisches  Wörterbuch  der  deutschen  und  eng- 
ischen  Sprache.  Berlin  1891. 

W.  W.  Sceat,  An  Etymological  Dictionary.  Oxford  1884. 

Ch.  Annandale,  The  Concise  English  Dictionary.  London  1906. 

C.  A.  X.  C.  T.  Sicherer  und  A.  C.  Akveld,  Nederlandsch  - Hoog- 
duitsch  en  Hoogduitsch-Nederlandsch  Woordenboek.  Amsterdam.  Leiden. 

J.  Frank,  Etymologisch  Woordenboek  der  nederlandsche  Taal. 

Botanische  Werke. 

W.  L.  Petermann,  Deutschlands  Flora.  Leipzig  1849. 

O.  Wünsche,  Die  Pflanzen  Deutschlands.  Leipzig  und  Berlin  1901. 

O.  Sc  hm  eil,  Lehrbuch  der  Botanik.  Stuttgart  und  Leipzig  1903. 

G.  Bonnier  und  G.  de  Layens,  Flore  complete  de  la  France.  Paris. 

G.  Bentham,  Handbook  of  the  British  Flora.  London  1904. 

E.  Step,  Wayside  and  Woodland  Trees.  London  1905. 

M.  Pirie,  Flowers,  Grasses  and  Shrubs.  London. 

W.  F.  R.  Suringar,  Zakflora.  Handleiding  tot  het  bepalen  van 
de  in  Nederland  wildgroeiende  Planten.  Groningen  1903. 

H.  Henkels,  Schoolflora  voor  Nederland.  Groningen  1904. 


VII 


L.  Pfeiffer,  Nomenclator  Botanicus.  Kassel  1873  — 1874.  Enthält 
nur  sporadisch  und  anmerkungsweise  Erklärungen  der  offiziellen  Pflanzen- 
namen. 

G.  Pritzel  und  Jessen,  Die  deutschen  Volksnamen  der  Pflanzen. 
Hannover  1882.  Gibt  des  öfteren  etymologische  Notizen. 

A.  Martin,  Die  Pflanzennamen  der  deutschen  Flora  mit  den 
wichtigeren  Synonymen  in  alphabetischer  Ordnung  etymologisch  erklärt. 
Halle  1851.  Es  wurden  nur  die  sogen,  lateinischen  Pflanzennamen  er- 
klärt. Das  Werk  lieferte  ausgiebiges  IMaterial. 

Toussaint,  Etüde  etymologique  sur  les  Flores  Normande  et 
Parisienne.  Extrait  du  bulletin  de  la  Societe  des  Amis  de  Sciences 
Naturelles  de  Rouen.  1905.  Dies  ausgezeichnete  Werk  wurde  mir  in 
dankenswerter  Weise  von  dem  Herrn  Präsidenten  der  naturwissenschaft- 
lichen Gesellschaft  in  Rouen,  Herrn  H.  Gadeau  de  Kerville,  zur  Verfügung 
gestellt. 

F.  Sohns,  Unsere  Pflanzen.  Ihre  Namenserklärung,  sowie  ihre 
Stellung  in  der  Mythologie  und  im  Volksaberglauben.  Leipzig  1904. 

J.  A.  W.  Miquels  Homerische  Flora;  übersetzt  von  J.  C.  M.  Laurent. 
Altona  1836. 

K.  Koch,  Die  Bäume  und  Sträucher  des  alten  Griechenlands. 
Stuttgart  1879. 

H.  Graßmann,  Deutsche  Pflanzennamen.  Stettin  1870.  Der  Ver- 
fasser stellt  in  diesem  Werk  eine  deutsche  Nomenklatur  auf,  die  den 
Vorteil  bietet,  der  Verwechslung  von  Pflanzennamen  vorzubeugen,  und 
den  papiernen  Stil  beseitigt,  dagegen  zu  sehr  mit  fremdklingenden 
Provinzialismen  arbeitet.  Das  System,  das  von  Graßmann  eingeschlagen 
wird,  besteht  darin,  daß  jeder  Artname  aus  zwei  einfachen  Wörtern  zu- 
sammengesetzt wird,  von  denen  das  zweite  die  Gattung  bezeichnet. 

W.  M eigen.  Die  deutschen  Pflanzennamen.  Wesel  1882.  Ist 
eigentlich  nur  eine  Besprechung  des  vorgenannten  Werkes. 

O.  V.  Hovorka  und  A.  Kronfeld,  Vergleichende  Volksmedizin. 
Stuttgart  1908.  Bd.  I imd  II.  Erschien  während  der  Drucklegung  und 
konnte  daher  nur  noch  sporadisch  verwertet  werden. 

Aigremont,  Volkserotik  und  Pflanzenwelt.  Bd.  1.  Halle  1908. 
Erschien  ebenfalls  während  der  Drucklegung  der  Arbeit  und  konnte  da- 
her nicht  mehr  benutzt  werden.  Das  Werk  soll  in  einer  der  weiterhin 
erscheinenden  Lieferungen  eine  Aufzeichnung  von  erotischen  Pflanzen- 
namen enthalten.*) 

*)  Als  Beispiele  aus  dem  B«“  Band  des  Werkes  seien  die  folgenden  Namen 
gegeben:  Klöterbusch  (Corylus);  Pfaffenhödchen  (Evonymus);  Jungfernstrauch  (Ribes 
nigrum);  Zitzerl  (Berberis).  — Vergl.  des  ferneren  Orchis;  Ragwmz  (Ophrys);  Puce- 
lage  (Vinca).  — Queckholder  (Juniperus);  Quickenbaum  (Sorbus  aucuparia);  Hurle- 
busch,  Füe  (Ilex  aquifolium)  sollen  von  der  ehemaligen  Verwendung  zu  Lebensruten 
ihren  Namen  haben;  mit  Zweigen  der  genannten  Sträucher  wurden  die  Weiber  erregt, 
um  fruchtbar  zu  werden. 


Einleitung. 


Als  Einleitung  sei  zunächst  eine  kurze  schematische  Übersicht  über 
die  Motive  gegeben,  die  bei  Benennung  der  Pflanzen  in  Betracht  kamen. 
Nur  die  prägnanten  Bezeichnungen  sind  als  Beispiele  gewählt  worden. 
Im  übrigen  muß  auf  die  Einzeldarstellungen  verwiesen  werden.  Die 
Pflanzen  sind  benannt  nach 

morphologischen  Eigenschaften: 

Nach  dem  Gesamthabitus  der  Pflanze  vergl.  u.  a.  Adoxa,  Centun- 
culus,  Traveller’s-joy  (Clematis);  Mignonette  (Draba);  Zwerggras  (Mibora). 

Wegen  der  Ähnlichkeit  der  gesamten  Pflanze  mit  einer  anderen 
Pflanze:  Valerianella. 

Nach  der  Wurzel:  Yellow -bird’s-nest  (Monotropa) ; Knoblauch 
(Allium);  Coralliorhiza ; Neottia,  Nestwurz;  Keulenwurz,  Herkuleswurz 
(Nymphaea);  Rettich  (Raphanus);  Schwarzwurzel  (Scorzonera) ; Braunwurz 
(Symphytum). 

Nach  dem  Stengel:  Polygonum  (Knöterich) ; Weiberzorn,  Weiber- 
klatsch, Frauenkrieg  (Ononis);  Lidstengl  (Hippuris). 

Nach  den  Blättern:  Tausendblatt  (Achillea);  Segge  (Carex);  Filago, 
Filzkraut;  Pinguicula,  Vetblad;  Leontodon,  Loewenzahn;  Pfennigkraut, 
Wiesengeld  (Lysimachia  „nummularia“) ; Sagittaria,  Pfeilkraut;  Vrouwen- 
tongen  (Populus  tremula);  Hydrocotyle,  Nabelkraut,  Pennywort;  Tausend- 
loch (Hypericum);  Taubecher,  Frauenmantel  ( Alchimilla) ; Dipsacus,  Cabaret 
des  oiseaux,  Lavoir  de  Venus. 

Nach  der  Blüte:  Blütenstand  — Form  — Farbe.  Goldregen 
(Cytisus);  Jungfemkraut,  Pucelage  (Vinca);  Langue  de  femme,  Amourette, 
Schellenbäumchen  (Briza);  Alopecurus,  Fuchsschwanz:  Gretchen  im  Busch, 
Jungfer  im  Grünen  (Nigella  Damascena);  Campanula,  Glockenblume; 
Bosch vogeltje,  Cephalanthera;  Cypripedilum,  Frauenschuh;  Rittersporn 
(Delphinium);  Digitalis,  Fingerhut;  Bischofsmütze  (Epimedium);  Sieben- 
stern (Trientalis);  Fliegenblume,  Bienenblume,  Spinnenblume  (Ophrys); 
Stern  aus  Bethlehem  (Gagea);  Star  of  Bethlehem  (Ornithogalum) ; Schach- 
blume, Damier,  Kievitsbloem,  Fritillaria  Meleagris;  Jungfer  im  Hemd 
(Galanthus);  Homme-pendu  (Aceras);  Sturmhut  (Aconitum);  Sang  de 
Venus  (Adonis);  Löwenmaul,  Snapdragon  (Antirrhinum);  Manteau  royal 
(Aquilegia);  Stiefmütterchen  (Viola  tricolor);  Anthoxanthum , Flouve; 
Schoentjes  en  laarsjes  (Lotus);  Malteser  Kreuz,  Brennende  Liebe,  Rubin- 
chen  (Lychnis). 


IX 


Nach  der  Frucht:  Dreizack,  Triglochin;  Wildermannskraut  (Pulsa- 
tilla);  Erodium,  Kranichschnabel;  Geranium,  Storchschnabel;  Käsekraut 
(Malva);  Filzläuse  (Caucalis);  Schöterich  (Erysimum);  Pfaffenhut,  Kardi- 
naalsmuts  (Evonymus);  Capsella,  Hirtentäschel;  Physalis,  Amour  en  cage. 
Lampionplant;  Lunaria,  Judassilberling;  Schildkraut  (Alyssum);  Tete  de 
mort  (Antirrhinum). 

Nach  dem  Samen:  Nigella;  Blinks  (Montia);  Lithospermum,  Perl- 
kraut; Astragalus. 

Nach  physiologischen  Eigenschaften: 

Nach  der  Blütezeit:  Weihnachtsrose  (Helleborus);  Winterstern 
(Eranthis);  Frühling  (Daphne);  Zeitlose  (Galanthus);  Kuckuksblume  (Orchis); 
Sporkeiblume,  Sommertürchen,  Zeitlose,  Niveole,  Lenteklokje  (Leucoium); 
Fleur  de  Päques  (Anemone);  Vernalgrass  (Anthoxanthum) ; Meidoorn 
(Crataegus);  Sommerwurz  (Orobanche);  Calendula;  Vakanzblume  (Cichoria); 
Michaelisblume,  Zeitlose  (Colchis);  Zeitlose  (Bellis). 

Nach  der  Fruchtreife:  Johannisbeere  (Ribes);  Aprikose  (Prunus 
armeniaca).  — Nach  physiologischen  Eigenschaften  der  Frucht:  Impatiens, 
Rühr  mich  nicht  an,  Hüpferling. 

Nach  der  Zeit  des  Öffnens  oder  Schließens  der  Corolla:  Faule 
Magd,  Neunerblümle,  Shepherd’s  or  Poor  Man’s  Weather-glass,  John- 
go-to-bed-at-noon  (Anagallis);  Dame  d’onze  heures  (Ornithogalum)  ; 
Hesperis,  Nachtviole;  Nachtkerze,  Siebenschläfer  (Oenothera). 

Nach  dem  Saftgehalt  der  Pflanze:  Lactuca;  Wolfsmilch  (Euphorbium); 
Milchbaum  (Acer  camp.);  Sapin  (Abies). 

Nach  physiologischen  Eigenschaften  der  Blätter,  bzw.  des  Stengels: 
Drosera,  Sonnentau,  Vliegenvangertje;  Urtica,  Brennessel. 

Nach  dem  Geruch:  Ruchgras  (Anthoxanthum);  Stinkhout  (Frangula); 
Bois-sent-bon  (Myrica);  Veenreukgras  (Hierochloa);  Faulfischkraut  (Cheno- 
podium  vulvaria);  Moschusblümchen  (Adoxa);  Gottesvergeß  (Ballota). 

Nach  dem  Geschmack:  Bittercress  (Cardamine);  Bitterkruid  (Picris); 
Erdgalle  (Erythraea);  Pfefferbaum  (Daphne);  Bittersüß  (Solanum  „dulca- 
mara“). 

Nach  der  Giftwirkung:  Venijnboom  (Taxus);  Henbane  (Hyoscyamus); 
Wolfsbane  (Aconitum  Lycoctonum);  Wolfskers,  Tollkirsche  (Atropa); 
Kindermord  (Juniperus  Sabina);  Wolfsmilch  (Euphorbium);  Wütrich,  Cow- 
bane  (Cicuta);  Wolfsbast  (Daphne). 

Nach  der  parasitären  Lebensweise:  Orobanche,  Hanftod,  Kleeteufel, 
Broomrape;  Baummarder  (Viscum). 

Nach  sogen,  medizinischen  Eigenschaften: 

Benediktenwurz,  Avens  (Geum);  Potentilla;  Heilt  allen  Schaden 
(Valeriana);  Heil  aller  Welt  (Achillea);  Verbodden  Baum,  Jungferpalme 
(Juniperus  Sabina);  Koortswortel  (Valeriana);  Herzgespann  (Leonurus); 
Mutterkraut  (desgl.);  Matricaria;  Augentrost  (Euphrasia);  Brunelia;  Herbe 
aux  femmes  battues  (Bryonia);  Gichtrübe  (desgl.);  Milzkraut,  Chryso- 
splenium;  Wurmkraut  (Tanacetum);  Milchkraut,  Polygala;  Pulmonaria, 


X 


Lungenkraut;  Alyssum;  Gauchheil  (Anagallis);  Angelica,  Engelkraut,  Herbe 
du  St.  Esprit;  Althaea;  Roerkruid;  Aristolochia. 

Die  Veranlassung  zum  Gebrauch  der  Pflanze  gegen  ein  Leiden  liegt 
häufig  in  der  Form  der  Pflanze  selbst.  In  der  Heilkunde  wurde  diese 
als  „Signaturlehre“  bezeichnete  Disziplin  vornehmlich  von  Paracelsus  wieder 
aufgefrischt:  So  wurde  Lithospermum  wegen  seiner  steinharten  Samen 
gegen  Steinleiden  verwandt,  Vesicaria  wegen  der  blasenförmigen  Schöt- 
chen  gegen  Blasenleiden,  Saxifraga  wegen  der  Kalkausschwitzung  der 
Blätter  gegen  Steinleiden,  Hepatica  wegen  der  Lappenform  der  Blätter 
gegen  Leberleiden,  Scrophularia  wegen  der  knotigen  Wurzeln  gegen 
Drüsenknoten,  Ranunculus  ficaria  wegen  der  Wurzelknöllchen  gegen  Feig- 
warzen und  Hämorrhoiden,  Pulmonaria  wegen  der  blau  und  roten  Blüten 
gegen  Lungenleiden.  Das  homöopathische  Prinzip  dieser  Heilmethode 
scheint  auch  der  Verv'endung  von  Doronicum  gegen  Vertigo  zugrunde 
zu  liegen.  Denn  Doronicum,  das  auf  steilen,  schwindligen  Höhen  wächst, 
wird  als  Schwindelkraut,  Duizelkruid  gegen  Schwindel  angewandt. 

Nach  mythologischen  Eigenschaften 
sind  benannt:  Alraun,  Heinzelmännchen  (Mandragora);  Rowan  (Sorbus 
aucuparia);  Bettstroh  (Asperula);  Berufskraut  (Erigeron);  Jageteufel  (Hype- 
ricum); Artemisia  „dracunculus“,  Esdragon;  Liebesorakel  (Chrysanthemum). 

Nach  technischen  und  ökonomischen  Eigenschaften: 

Weberdistel  (Dipsacus);  Eriophorum,  Bettfedern;  Spar  (x\bies); 
Kaddig  (Juniperus);  Pailleuse  (Zostera).  — Glaskraut  (Parietaria) ; Lavan- 
dula.  — Heudieb  (Plantago);  Poison  de  la  terre  (Aristolochia);  Hühner- 
darm (Anagallis  und  Stellaria);  Luizenboom  (Evonymus);  Pedicularis; 
Pulicaria;  Fleabane  (Erigeron);  Canary-grass  (Phalaris);  Triticum. 

Aus  ökologisch-geographischen  Gründen: 

Nach  der  Heimat  oder  Herkunft:  Medicago;  Brassica  „sabauda“, 
Savoyischer  Kohl,  Chou  de  Milan;  Cochlearia  „armorica“;  Cydonia;  Wal- 
nuß (Juglans);  Juniperus  „sabina“;  Heidekorn,  Tatarenkorn,  Sarassin 
(Fagopyrum);  Rhabarber  (Rh eum);  Pamassia;  Persica;  Prunus  „armeniaca“; 
vergl.  Isidor.  XVII.  7.  3.  Nam  multae  arbores  nomina  ex  provinciis  vel 
civitatibus,  de  quibus  allatae  sunt,  acceperunt. 

Nach  Standorts  Verhältnissen : Hydrocharis,  Froschbiß;  Najas,  Nix- 
kraut; Aconitum;  Rainweide  (Ligustrum);  Rainfarren,  Revierkraut  (Tana- 
cetum);  Limosella,  Schlammkraut;  Litorella,  Strandling;  Hungerblümchen 
(Draba);  Heide  (Calluna,  Erica);  Mooswurz,  Dennorchis  (Goodyera); 
Parietaria,  Herbe  aux  nonnes;  Potamogeton;  Veenbes  (Vaccinium  oxy- 
coccus);  Speedwell  (Teucrium);  Ammophila,  Haut  Dune;  Andromeda,  Rots- 
bes;  Arabis;  Arenaria;  Hieracium,  Habichtskraut;  Duindoorn  (Hippophaes). 

Nach  Personennamen: 

Nach  Botanikern:  Lonicera,  Hottonia,  Lobelia.  ~ Nach  Fürsten: 
Gentiana,  Eupatorium.  — Nach  Heiligen:  Barbaraea;  St.  Christophskraut 


XI 


(Actaea);  Kunigundenkraut  (Eupatorium).  — Nach  Personen  aus  der 
alten  Helden-  und  Götterlehre:  Achillea,  Centaurea,  Heracleum. 

Prävalierend  für  die  Bezeichnung  der  Pflanzen  sind  die  Eigen- 
schaften der  Blüte  und  der  Frucht,  die  Standorts  Verhältnisse  und  die  den 
Pflanzen  zugedachten  medizinischen  Wirkungen. 

In  gleicher  schematischer  Kürze  wie  zuvor  seien  einige  philologische 
Notizen  gegeben.  Zunächst  über  die 

sprachliche  Herkunft  der  Pflanzennamen. 

Von  den  473  abgehandelten  offiziellen  Gattungsnamen  der  nord- 
westeuropäischen Flora  stammen  238,  also  ungefähr  die  Hälfte,  aus  dem 
Griechischen;  vergl.  z.  B.  Antirrhinum,  Cephalanthera,  Echium,  Physalis  usw. 

— Aus  dem  Lateinischen  stammen  173,  also  zirka  ein  Drittel  der  betr. 
Namen.  Die  römische  Nomenklatur  bedurfte  bereits  der  hellenischen 
zur  Aushilfe:  Plin.  XXI.  28.  Sunt  et  alia  genera  nominibus  Graecis 
indicanda,  quia  nostris  maiore  ex  parte  huius  nomenclaturae  defuit  cura. 
Als  typisch  lateinischen  Ursprungs  vergl.  z.  B.  die  folgenden  Namen: 
Bellis,  Fumaria  und  Urtica.  — Gemischten  Ursprungs,  d.  h.  Bastard- 
namen, sind  Majanthemum  und  Fagopyrum.  — Aus  dem  Arabischen 
stammen  ii  Namen;  vergl.  Taraxacum,  Datura,  Berberis.  Manche 
arabischen  Pflanzennamen  werden  jedoch  a.uf  das  Griechische  zurück- 
geführt, da  ja  die  Araber  (wie  die  Römer)  in  der  Pflanzen-  und  Heil- 
kunde die  Schüler  der  Griechen  waren;  vergl.  diesbezüglich  Physalis 
„Alkekengi.“  — Aus  dem  Keltischen  stammen  zwei  Namen:  Armeria 
und  Betula,  und  je  ein  Name  aus  dem  Deutschen  (Brunella),  dem 
Orientalischen  (Tulipa)  und  dem  Asiatischen  (Oryza).  — Nach  Personen 
sind  28  Gattungsnamen  genannt.  — Von  16  Namen  war  die  Herkunft 
unklar. 

Die  Gleichnamigkeit  verschiedener  Pflanzen 

findet  sich  selbstredend  nicht  unter  den  offiziellen,  wohl  aber  unter  den 
offiziösen  und  Volksbezeichnungen.  So  ist  der  Name  Leberkraut,  Liver- 
wort.  Mutterkraut,  Roerkruid,  Ruhrkraut  und  Wundkraut,  herbe  militaire, 
herbe  ä la  coupure  für  vielerlei  Pfanzen  gebräuchlich;  vergl.  diesbezüglich 
auch  Zwrog;  im  Holländischen  bedeutet  Kers  sowohl  Kirsche  als  Kresse. 

— Hierher  gehört  auch  das  Kapitel  der  Namensusurpation  einer  wert- 
volleren Pflanze  durch  eine  minder  wertvolle,  ihr  aber  in  irgend  einer 
Beziehung  ähnliche  Pflanze;  vergl.  z.  B.  über  Galgant  unter  Cladium 
und  Cyperus,  desgl.  Myrrhe  für  Myrrhis  usw. 

Als  despektierliche  Bezeichnung 

wird  häufig  der  Name  eines  Tiers  dem  Namen  einer  Pflanze  beigesetzt, 
um  diese  als  minderwertige  zu  bezeichnen;  vergl.  Rosa  canina,  Hunds- 
rose, Dog-rose;  Hundspetersilie,  Ache  de  chien  (Aethusa);  Roßkastanie 
(Aesculus  hippocastanum) ; Horse-radish,  radis  de  cheval  (Cochlearia 
Armorica). 


XII 


Unter  Antiphrasis 

versteht  man  die  scherzhafte  Benennung  nach  Eigenschaften,  deren 
Gegenteil  gerade  zutrifft;  vergl.  unter  Holosteum,  auch  unter  Evonymus 
und  Beinheil  (Narthecium)  und  unter  Sagina. 

Als  Appositiva 

zu  herba  sind  u.  a.  die  folgenden  Pflanzennamen  aufzufassen:  Achillea, 
Hepatica,  Herniaria,  Impatiens,  Pedicularis,  Pulmonaria. 

Die  Diminutivbildungen 

sind  unter  den  Pflanzennamen  sehr  häufig;  aus  der  offiziellen  Nomen- 
klatur vergl.  u.  a.  Asperula,  Campanula,  Centunculus,  Gladiolus,  Radiola, 
Ranunculus,  Nigella,  Serratula. 

Die  Endung  -ago 

findet  sich  bei  den  lateinischen  Pflanzennamen  nicht  selten.  Teils  soll 
durch  sie  die  Ähnlichkeit  mit  der  vorgenannten  Pflanze  angedeutet 
werden,  teils  scheint  besagte  Endung  von  agere,  fortführen,  bzw.  herbei- 
führen, abzuleiten  zu  sein.  Von  offiziellen  Namen  vergl.  Medicago,  Tussi- 
lago,  Plantago,  Solidago,  auch  Plumbago,  Trixago,  ferner  Lappago,  Cunilago. 

Als  Korruptionen 

aus  fremden  Sprachen  sind  die  folgenden  Worte  aufzufassen:  engl.  Orache, 
franz.  Arroche,  aus  lat.  Atriplex,  dieses  wiederum  aus  dem  griechischen 
^^TQdq>a'Mg]  Malva  aus  MaXdx'iq,  Lattich  aus  Lactuca;  Fenchel  aus 
Foeniculum;  Alant  aus  Inula;  Spargel  aus  Asparagus.  Ein  interessantes 
Kapitel  der  Sprachverderbung  ist  die 

Assimilation,  bzw.  Volksetymologie, 
worunter  man  das  Mundgerechtmachen  fremdklingender  Namen  versteht; 
vergl.  Leerbaum  aus  Larix;  Liebstöckel,  Leberstöckel  aus  Levisticum; 
Maindegloire  aus  Mandragora;  Winkelkraut  aus  Vinca;  Osterluzei  aus 
Aristolochia;  Rosenmarie,  Rosemary  und  ros  marinus  selbst  aus  dem 
ungetrennten  Rosmarinus;  Farfugium  aus  Farfara  (s.  unter  Tussilago); 
Siebenbaum,  Segenbaum  aus  (Juniperus)  Sabina;  Josephli  aus  Hyssopus; 
auch  Creeping  Jenny  aus  Creeping  Penny  (Lysimachia  nummularia)  gehört 
mit  Reservat  hierher.  Das  beste  aber  hat  die  Volksetymologie  aus  Rain- 
varren  gemacht,  indem  sie  das  Kraut  auch  Rheinfallkraut  nannte.  (Tanacetum). 

Daß  ganze  Sätze 

zur  Namensbezeichnung  verwandt  werden,  ist  eines  der  interessantesten 
Kapitel  der  Synonymik.  Als  Beispiele  seien  genannt:  Vergißmeinnicht, 
Souviens-toi-de-moi,  Aimez-moi,  Plus  je  vous  vois,  plus  je  vous  aime 
(Myosotis);  Sitt  in  d’Hose  (Bidens);  Ich  acht  sein  nicht  (Briza);  Dis- 
moi-la-verite  (Chrysanthemum);  Klim  op  (Hedera);  Rühr  mich  nicht  an 
(Impatiens);  John-go-to-bed-at-noon  (Anagallis);  Nimm  mir  nichts  (Alchi- 
milla);  Denkmein  (Omphalodes);  None-so-pretty  (Saxifraga  umbrosa); 
Volg  my  na  (Orchis  Morio). 


A. 


Abies. 

Isid.  etyin.  XVII.  7.  32.  Abies  dicta  quod  prae  ceteris  arboribus 
eat  (h.  e.  abeat)  longe  et  in  excelsum  promineat 
von  abire,  abweichen,  weil  sie  die  übrigen  Bäume  an  Höhe  über- 
trifft, vergl.  die  griech.  Bezeichnung  ilazrj,  von  eXav  ziehen,  also  etwa 
„die  in  die  Länge  gezogene“,  „hochanschießende“  — nach  anderer 
Erklärung  dasselbe  wie  das  griech.  Ttixvg^  Kiefer.  Das  a ist  euphe- 
mistisch dem  Stamme  vorgesetzt.  Die  Grundbedeutung  ist  die  des 
spitzen,  wie  aus  dem  Klang  des  Wortes  Tvixvg  hervorgehen  soll,  — 
nach  dritter  Erklärung  von  ßiog,  Leben,  Anspielung  auf  die  Lang- 
lebigkeit des  Baumes. 

d.  Tanne,  verw.  mit  dem  deutschen:  dehnen,  in  die  Länge  ziehen. 
S.  vorher  — oder  verw.  mit  engl,  dun:  dunkel,  wegen  ihrer  dunklen 
Nadeln,  vergl.  die  Bezeichnung  des  mit  Tannen  bestockten  „Schwarz- 
waldes“. 

f.  Sapin  vom  lat.  sappinus  von  sapa,  fz.  seve,  d.  Saft,  also  soviel  als 
Harzbaum,  vergl.  Vitruv.  De  architectura  H.  9.  Abies.  — Quae  vero 
est  Superior  — dicitur  esse  fustema,  ima  autem  sappinus  (Saftstück) 
vocatur. 

e.  Fir,  vergl.  die  deutsche  Bezeichnung  Föhre  (allerdings  für  Kiefer, 
diese  wie  Fichte  werden  ja  häufig  mit  Tanne  verwechselt,  vergl.  die 
bayer.  Bezeichnung  Weißfichte  für  Tanne)  fir,  Föhre  vom  griech.  TVQlvog, 
lat.  pinus,  s.  d.  oder  verwandt  mit  e.  firm:  hart  wegen  des  Holzes 
resp.  mit  langobard  fereha:  quercus,  s.  d.  oder  endlich  mit  fire:  Feuer, 
weil  als  Brennholz  benutzt  wird. 

n.  Zilverspar.  Zilver:  Silber  wegen  der  silbergrauen  Rinde,  (oder  wegen 
der  unterseits  silberfarbenen  Nadeln).  Spar  unser  deutsches  Span'en 
(Dach-) Balken,  weil  das  Holz  zu  Balken  verarbeitet  wird.  — Dennen- 
hout  = Tannenholz. 

Acer, 

von  a/.Qog  spitz,  weil  die  Blätter  in  spitze  Ecken  auslaufen  oder  weil 
Lanzen  aus  seinem  Holz  gemacht  wurden,  ev.  verwandt  mit  dem 
hebr.  cheren,  Hom.  Das  n von  cheren  ist  unterdrückt  und  kehrt 

Kanngiesser,  Etymologie  usw.  1 


in  acemus  dem  adj.  von  acer  wieder.  Das  a wurde  euphemistisch 
vor  cheren  als  Anlaut  gesetzt.  Acer  hieße  also  wegen  seiner  Härte 
soviel  als  Hombaum;  nach  dritter  Meinung  von  ay.qlg  Heuschrecke 
mit  Bezug  auf  das  Aussehen  der  geflügelten  Früchte,  vergl.  hierzu 
die  griech.  Bez.  für  Acer  compestre  G(p£vdajLivog  von  Gq)evd6vr]  Schleuder 
aus  gleichem  Grunde. 

d.  Ahorn,  mit  diesem  Namen  soll  ursprünglich  die  Platane  bezeichnet 
worden  sein,  Ahorn  könne  daher  nicht  von  acer  abstammen  wie 
angenommen  wird.  — Doch  läßt  sich  die  Verwandtschaft  von  Ahorn 
mit  acer  nicht  absolut  abweisen,  das  n von  Ahorn  findet  sich  eben- 
falls in  erw.  acemus  wieder. 

f.  Erable,  vergl.  arabre  (Haute  Provence)  aus  acer  arbor  = Ahombaum 
oder  aus  acer  albulus,  weißlicher  Ahorn,  wegen  der  Farbe  des  Holzes. 

e.  maple  ags  moepel,  mapel-treow,  mapulder,  celt.  mapwl,  verwandt  mit 
dem  lat.  macula  Fleck,  Maser  im  Holz.  Acer  campestre  wird  auch 
Maserholz  genannt,  ebenso  Maßholder,  Namen,  die  ev.  mit  macula, 
maple  in  Verbindung  stehn. 

71.  Ahorn:  Franck  bezeichnete  ihn  als  den  einzigen  holl.  Namen  für 
Acer,  Henkels  und  Turingar  hingegen  nennt  Acer  vornehmlich  Esch- 
doorn,  d.  h.  Eschenstrauch,  mit  Bezug  auf  die  Flügelfrüchte,  die  dem 
Ahorn  wie  der  Esche  gemeinsam  sind.  Sicherer  versteht  unter  Esch- 
doom  jedoch  Crataegus,  auf  die  der  zweite  Bestandteil  des  Wortes 
besser  zutrifft.  Doch  scheint  dieses  Synonym  für  Crataegus  auf  dem 
Umweg  über  Acer  entstanden  zu  sein,  dessen  Blätter  an  die  von 
Crataegus,  nicht  aber  an  die  der  Esche  erinnern. 

Acer  campestre. 

d.  Feldahom,  da  er  im  Feldgehölze  wächst.  Maßholder  bereits  erklärt 
oder  dieselbe  Etym.  wie  Maßliebchen  s.  u.  Bellis.  Schles.:  Milchbaum, 
wegen  des  süßen  Milchsaftes. 

f.  Erable  champetre. 

[ e.  common  oder  small -leaved  maple,  z.  d.  gewöhnlicher  oder  klein- 
blättriger Ahorn. 

7t.  Kleine  Eschdoorn. 

Acer  pseudo-platanus. 

Isid.  XVII.  7.  20.  Sycomoms,  sicut  Graeca  nomina  sunt.  Dicta 
autem  Sycomorus,  e quod.  sit  folium  simile  moro 
pseudo-platanus  unechte  Platane,  wegen  seiner  Ähnlichkeit  mit  diesem 
Baum  (Blätter). 

d.  Bergahorn,  wächst  in  Bergwäldem. 

f.  Sycomore  lat.  sycomorus,  gr.  Gvyof^OQog  von  Gvyiov  Feige,  iioQOv, 
murus  Maulbeere,  weil  seine  Blätter  den  gelappten  Blättern  der 
Maulbeere  und  Feige  ähnlich  sehen  — oder  vom  hebr.  shikmah, 
Bergahom.  Die  norm.  Bez.  chicamore  kommt  dieser  Etymologie  am 
nächsten.  — Faux  platane:  Falsche  Platane. 


3 


e.  Sycomore,  auch  Sycamore. 

11.  Schotsche  lindeboom.  Schottischer  Lindenbaum.  Der  lindenähn- 
liche Baum  wächst  in  Schottland  wild,  aus  seinem  Saft  bereitet  man 
daselbst  ein  weinartiges  Getränk;  s.  Milchbaum  unter  acer  campestre; 
vergl.  Acer  saccharinum  den  Zuckerahorn  in  Nordamerika.  — Luiten- 
boom.  Soll  das  Wort  mit  luit,  die  Laute  in  Connex  stehen,  weil  aus 
seinem  Holz  Lauten  gemacht  wurden?  Vergl.  die  deutsche  Bez. 
Lauterbaum;  vergl.  ferner  die  Ableitung  des  deutsch.  AVortes  Laute 
vom  arab.  alüd,  das  ursprünglich  etwas  von  Holz  bedeutet. 


Aceras, 

a privativum.  Keqag  Hom.  Die  Blüte  ist  ohne  den  typischen 
Sporn  der  Orchidaceen,  zu  welcher  Familie  die  Pflanze  gehört. 
K.  anthropophora  von  av^QCOTtog  Mensch  und  (peQCO  tragen,  weil  die 
Unterlippe,  zweimal  so  lang  als  die  Kelchblätter,  herabhängt  und 
deshalb  mit  einem  hängenden  Mann  verglichen  werden  kann.  Die 
seitlichen  Lappen  der  Unterlippe  stellen  die  Arme,  und  der  Mittel- 
lappen, w'elcher  lang  ist  und  in  zwei  Fortsätze  ausläuft,  die  Beine 
und  Körper  dar. 

d.  Ohnhom  — Bockshödlein,  s.  u.  Orchis. 

f.  Aceras  (homme-pendu  = hängender  Mann). 

e.  Man-Orchis:  Mannorchis. 
n.  Spoorloos:  Sporlos. 

AcMllea.  ^ ^ylyl'k'kEiog  ßoravr]  vergl.  Hottonia  und  Millefolium. 

Plin.  XXV.  19.  Invenit  et  Achilles  discipulus  Chironis  qua  volneribus 
mederetur.  quae  ob  id  Achilleos  vocatur. 

Apul.  med.  herb.  88.  Graeci  myriophyllon,  Latin!  millefolium.  Hane 
herbam  Achilles  invenit,  unde  vulnera  ferro  facta  sanabat,  et  ob 
id  Achilleos  vocatur. 

Achilles  (Kraut)  nach  Achilles,  der  es  entdeckt  und  gegen  Wunden 
angewandt  haben  soll. 

d.  Garbe,  ahd.  garwe,  ags.  gear(u)we,  darunter  versteht  man  soviel  als 
Gesundmacher,  Heiler,  ahd.  garwä,  die  Heilende,  Herstellerin.  Garbe 
daher  soviel  als  „Heilpflanze“,  vergl.  die  deutsche  Bez.  Heil  aller 
Welt!  Vergl.  ferner  Gariot  unter  Agrimonia.  — Schafgarbe,  dient  als 
Futterkraut. 

f.  Achillee  — Millefeuille,  z.  d.  Tausendblatt,  vergl.  die  Artbez.  A.  mille- 
folium wegen  der  feinfiederteiligen  Blätter. 

e.  Yarrow,  s.  Garbe.  — Milfoil. 

n.  Gerw.  — Duizendblad.  — Hazengras. 


Aconitum,  av.ovLxov. 

Theophr.  Plant.  IX.  16.  4. 


0v€Tai  TTavzayov  y.ai  ovv.  iv  taig 


1* 


4 


jiicvov  acp  tov  exei  T7]v  ^^oorjyoQiav'  avTrj  öi  egtl  yxifAri 
TLg  Tcüv  MaQiavövvwv.  (pLlel  Si  fj-aXiOTa  Tovg  TieTQcoöetg  roTtovg. 

Antigon.  Hist,  mirab.  119.  sc.  13 1.  QeoTtof^Ttog  öe  cpriOLv  0 laroQio- 
ygacpog  ro  VMXoifxevov  dyonrov  yiyveod^ai  fxiv  tvcqI  Hgayleiav  r^v 
h TUi  TZOVTO)  Talg  ovojuaKof-ievaig  Av.ovaig. 

Nicand.  Alexipharm.  42 — 43. 

Ivö  A'ybvaig. 

Sr^r^uv  d'AtvTivov  sveßldoTrjGev  OQoyyoig. 

Ovid.  Metam.  VII.  418  — 419. 

Quae  quia  nascuntur  dura  vivacia  caute 
Agrestes  aconita  vocant. 

Diosc.  IV.  77.  aJg  xqtüVTai  TZQog  Tag  twv  Xvuov  ^riQag  ivTid^evTeg 
y.QeaGLv  wfiolg'  ßgcod^elGai  ydg  VTtb  TtZv  Xvytov,  dvaiQovGiv  avTovg. 

Plin.  XXVII.  3.  nascitur  in  nudis  cautibus,  quas  aconas  nominant, 
et  ideo  aconitum  aliqui  dixere,  nullo  iuxta  ne  pulvere  (xoVtg)  quidem 
nutriente,  hanc  aliqui  rationem  nominis  atulere,  alii  quoniam  vis 
eadem  esset  in  morte,  quae  cotibus  in  ferri  acie  deterenda,  sta- 
timque  velocitas  sentiretur. 

Lucanus  IV.  322.  Pallida  Dictaeis  nascentia  saxis  Infundas  aconita. 

Galen.  Pharmacologia  Z.  19.  ^Aagvitov  ^ TtaQÖa^layxsg.  20.  "Ayo- 
vLTov  ^ Xvy.oyTOvov.  IdiMieQOv  öe  Xv'AOvg  avaigelv  Ttecpvyev  coGTzeg 
eyelvo  TtagödleLg. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  25.  Acone  partus  est  Bithyniae,  qui  proventu 
malorum  graminum  usque  adeo  celebris  est,  ut  noxias  herbas  aconita 
illinc  nominemus. 

Aconitum  entweder  von  einem  Ort  oder  einer  Gegend  ähn- 
lichen Namens,  wo  es  in  Massen  wuchs,  so  benannt,  oder  von 
d'Aovai  steile  Felsen,  auf  denen  sein  Standort,  event.  von  xoVry 
Tötung  mit  anlautendem  a,  wegen  seiner  Giftwirkung,  oder 
endlich,  weil  er  auf  Felsen  wachsend  sich  nur  von  yavig  Staub 
ernährt. 


Aconitum  Napellus. 

Diminutivum  von  Napus,  Rübe,  wegen  der  rübenförmigen  Wurzel. 

d.  Eisenhut,  Sturmhut,  Mönchshut,  Narrenkappe.  Diese  Namen  sind 
wegen  der  Form  der  Blüte  gegeben,  ebenso  am  Naheufer:  Venus- 
wägelchen, Tauben  wagen,  bei  Bremen  Pferd  und  Wagen,  Reiter  zu 
Pferd.  Die  Helmhaube  soll  den  Wagen  darstellen. 

f.  Aconit.  Char  de  Venus  = Venuswagen.  Casque  = Helm  (de 
Jupiter)  oder  casque  bleu  wiegen  der  blauen  Blütenfarbe.  Capuche  de 
Moine  = Mönchskapuze. 

e.  Aconite.  — Monk’s-hood.  — Helmet-flower  (Helmblume). 
n.  Monnikskap,  Stormhoed. 

Aconitum  lycoctonum. 

Vergl.  Diosc.  und  Galen,  ebenso  die  Synonyma  yvvo'yTOVov,  f.iVoy.- 


5 


TOroy,  ■d-tjQO(p6vov.  Die  Pflanze  wurde  zum  Töten  wilder  Tiere 
benutzt. 

d.  Wolfswurz. 

f.  Aconit  tue-loup  (töte  den  Wolf),  Etrangle  - loup  (würge  den  Wolf). 

e.  Wolf’s-bane  = Wolfsbann. 

71.  Gele  monnikskap  = Gelber  Mönchshut,  wegen  der  Blütenfarbe. 


Acorus,  (xy,oQog. 

Diosc.  I.  2.  'O  de  xvXdg  rrß  Qlt7]g  dTto/Md^algei  za  eTtLO/MTVoivTa  xdXg 
AOQaig. 

Plin.  XXV.  loo.  radices  gustu  acres. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  10.  Acorum,  acerrimi  odoris. 

Acorus  von  a priv.  und  Pupille,  weil  die  Pflanze  Augentmbungen 

heilt  (Diosc.).  — Nach  anderer  Meinung  von  a priv.  und  zo^og 
Sättigung,  ihre  gewürzhafte  Wurzel  soll  appetiterregend  wirken.  — 
Nach  dritter  Ansicht  verwandt  mit  acer,  scharf,  wegen  des  unan- 
genehmen Geruchs  der  zerriebenen  Bieter  oder  wegen  des  scharfen 
Geschmacks  der  Wurzel. 

d.  Kalmus  aus  calamus,  vAXaf-iog  Rohr,  bezw.  Sumpfgewächs  überhaupt. 

/.  Acore. 

e.  Sweet  Flag  = Süße  Flagge,  wegen  des  flaggenartigen,  schwert- 
förmigen Blattes  und  der  gewürzhaften  Wurzel.  Sweet  sedge,  über 
sedge  s.  u.  Carex. 

n.  Kalmus.  Swanenbrood  (=  Schwanenbrot) : Teichpflanze. 


Actaea, 

lat.  acte,  griech.  azrij  Holunder,  s.  u.  Sambucus.  Actaea  weil  seine 
Blätter  und  Blüten  denen  des  Holunder  gleichen  — oder  von 
acta,  azirij  Gestade,  av.Talog  an  Ufern,  weil  es  am  Ufer  wächst  — 
oder  nach  Finne  das  Kraut  des  Aktäon,  der  von  seinen  durch 
den  Genuß  dieses  Krautes  wütend  gewordenen  Hunden  gefressen 
wurde. 

d.  Christophskraut.  Zu  Ehren  des  heil.  Christoph,  des  Geisterbanners. 

f.  Actee  — Herbe  de  Saint  Christophe. 

e.  Baneberry.  Herb  Christopher. 

n.  Actaea. 

Adonis. 

^'Adwvig  die  griech.  Bez.  einer  phöniz.  Gottheit:  Adon,  was  auch  Herr 
bedeutet;  vergl.  den  hebr.  Namen  adon,  Herr  und  Adonai  für  Gott. 
Phoeniz.  und  Hebr.  sind  bekanntlich  Dialekte  eines  Stammes.  Die 
Syrer  wie  Phönizier  verstanden  unter  Adonis  vornehmlich  den 
Sonnengott.  Adonis  hieße  also  soviel  als  Sonnenblümchen  wegen 
der  leuchtenden  Farbe  seiner  gipfelständigen  Blüte  ( — oder  nach  dem 


6 


mythol.  Königssohn  Adonis,  der  in  eine  Blume  verw’andelt  wurde, 
benannt;  vergl.  Ovid  Mtam.  X.) 

d.  Adonisröschen. 

e.  Pheasant’s-eye,  Fasanenauge.  — Adonis. 

/.  Adonis.  — Oeil  de  perdrix,  Rebhuhnauge.  — Sang  de  Venus,  Venus- 
blut, Rubissant,  vom  lat.  ruber,  frz.  rouge;  rot.  — Goutte  de  Sang 
Blutstropfen;  sämtliche  Namen  wegen  der  roten  Blütenfarbe;  ebenso 
n.  Kooltjes-vuur.  = Köhlchenfeuer;  vergl.  den  deutschen  Namen  Feuer- 
röschen. 

Adoxa, 

von  aSo^og,  unberühmt,  wegen  ihres  unscheinbaren  Aussehens. 

d.  IMoschusblümchen,  Bisamkraut.  Bisam  (vom  hebr.  Bosam  = Aroma) 
ist  ein  stark  riechender  Saft  des  Bisamtieres.  Das  Pflänzchen  duftet 
schwach  nach  Moschus. 

f.  Adoxe  moscatelline.  Herbe  musquee.  IMoscatelle:  Diminutifform. 

e.  IMoscatel. 

n.  Muscuskruid. 

Aegopodiiim, 

Ziege,  Ttovg  Fuß  alyLTtodrjg  ziegenfüßig,  bezieht  sich  auf  die 
wegen  der  eingeschlagenen  Züngelchen  einem  Ziegenfuß  ähnendeln 
Blumenblätter. 

d.  Giersch,  unbek.  Herkunft.  Ziegenkraut.  Zipperleinkraut,  wurde  gegen 
Podagra  benutzt,  vergl.  den  Artnamen  Aeg.  podagrarium. 

f.  Egopode.  Herbe  aux  goutteux.  Gichtkraut,  ebenso 

e.  Goutweed,  Gichtkraut.  — Woher  die  Namen  Bishop’s-weed,  Herb 
Gerard,  auch 

n.  Gerardskruid  (?)  Geitepoot  = Geißfuß.  Wilde  Geer  verw’.  mit  Giersch. 
Zevenblad,  wegen  der  sieben  Blätter  einer  Spreite. 

Aera,  s.  Aira,  aXqoiy 

Name  mehrerer  als  Unkraut  unter  dem  Getreide  wachsenden  Gräser, 
vielleicht  von  alqiß  in  die  Höhe  gehen. 
d.  Schmiele,  frk.  schmilme  Grashalm,  auch  der  spitze  Beschlag  eines 
Stockes  — oder  verwandt  mit  schmal,  wegen  der  schmalen  Gras- 
blätter ev.  verw.  mit  Schmelz,  wegen  der  glänzenden  Blütenhülle. 

f.  Gauche  von  caucher  drücken,  pressen,  wegen  der  flachen  Blätter. 

(f.  Hairgrass,  wegen  der  zarten  Halme  des  Blütenstandes  Haargras  genannt. 
71.  Smeele,  auch  Boendergras  z.  d.  Scheuergras,  weil  es  wegen  der  rauhen 
Halme  zum  reinigen  benutzt  wurde.  — Bentgras:  Binsengras  s.  u. 
Juncus. 

Aesculus. 

Isid.  etym.  s.  u.  Facgus 

von  esculus  Speiseeiche,  von  esca  Speise.  Der  Name  dieser  Eichen- 


7 


art  wurde  des  ähnlichen  Baumhabitus  wie  der  eßbaren  Frucht  halber 
auf  Aesculus  übertragen  — oder  verw.  mit  avJvXog  Eichel  wegen  der 
Frucht  — ev.  aus  aiyog  y.vlov:  al'^  Ziege,  yvXov  die  Vertiefung  unten 
am  Auge,  das  Auge.  „Ziegenauge“  wegen  der  augenförmigen  Gestalt  der 
Frucht.  Der  Sortnamen  Hippocastanum,  von  iTtTtog  Pferd  und  YMOravov 
Kastanie.  Der  getrocknete  zermahlene  Same  wurde  Pferden,  besonders 
wenn  sie  krank  waren,  unter  das  Futter  gemischt.  — Nach  anderer 
Erklärung  deswegen  hippocastanum  z.  d.  Roßkastanie,  weil  die  Frucht 
im  Gegensatz  zur  echten  Kastanie  ungenießbar  ist,  vergl.  Meerrettig, 
Hundsveilchen  usw.  Zu  deutsch  auch  Saukastanie  und  Foppkastanie 
genannt. 

d.  Roßkastanie. 

f.  marronier,  ital.  marrone.  Sollte  dies  Wort  nicht  mit  Mähre,  Pferd 
verwandt  sein?  — Event,  vom  hebr.  armon  Platane,  das  man  ehe- 
dem mit  castanea  übersetzte,  oder  verwandt  mit  dem  römischen  Bei- 
namen Maro,  es  wäre  dann  wegen  der  glänzenden  Samen  von 
fjaLQO)  leuchten,  glänzen  abzuleiten.  — Unter  dem  Wort  fxccQaog, 
LiccQaoVy  das  sich  bei  Eustathius  findet,  verstand  man  die  Frucht  der 
Comelkirsche  (die  gewöhnlich  TcizTa^ig  genannt  wird);  auch  dieser 
Name  könnte  mit  fAaiqto  leuchten  verv^andt  sein,  war  aber  wohl 
keineswegs  für  marronier  ursprünglich. 

Horse-chestnut  = Pferdekastanie. 

n.  Paarden  Kastanje.  — Wilde  Kastanje. 

Aethusa, 

aiS^ovoa  die  funkelnde  oder  brennende  von  aY'9'{vaa)co  wegen  der 
glänzenden  Blattunterseite  oder  wegen  ihres  scharfen  Geschmacks. 

d.  Gleiße  von  glitzern,  s.  o.  event.  von  gleißen,  in  der  Bedeutung 
falsch  sein.  Die  Pflanze  ist  eine  Giftpflanze,  die  im  Garten  neben 
der  Petersilie  vorkommt  und  da  ebenfalls  Umbellifere  mit  dieser  zu 
Verwechslungen  Veranlassung  gab.  — Hundspetersilie,  als  verächtliche 
Bezeichnung. 

f.  Ache-des-chiens  = Hundseppich.  Apium,  Eppich,  ist  ebenfalls  eine 
Umbellifere. 

e.  Fool’s  Parsley  = Narrenpetersilie. 

n.  Tuinscheerling  = Gartenschierling,  wegen  ihrer  Giftwirkung  und  der 
Ähnlichkeit  mit  Conium,  dem  Schierling,  der  ebenfalls  ein  Dolden- 
gewächs ist.  — Kleine  dolle  Kervel,  Anthriscus,  n.  Kervel  ist  eben- 
falls eine  Umbellifere. 

Agrimonia. 

Diosc.  IV.  41.  EvTtaTtoQiov.  cpvlla  tdig  %r^g  yavvaßetog  ioiYota 
evLOL  Tavrriv  agyefj.covriV  iytaXeaav  Ttlavr^S'evreg. 

Plin.  XXV.  29.  Eupatoria  quoque  regiam  auctoritatem  habet. 
Agrimonia  vergl.  gr.  aygLiAOiog  feldbewohnend,  wild,  da  die  Pflanze 
auf  den  Äckern  wächst.  A.  Eupatoria,  nach  Mithridates  Eupator, 


8 


dem  König  vom  Pontus,  der  Heilkräuter  anpflanzen  ließ.  S.  auch 
unter  Eupatorium, 

d.  Odermennig  und  Ackermännchen  sind  aus  dem  lat.  verderbt. 
f.  Aigremoine  — Gariot,  Heilkraut  von  guerir  heilen. 

e.  Agrimony.  — Liverwort  gegen  Leberkrankheiten. 
n.  Leverkruid. 


Agrostemma, 

von  ayQcg  Acker  und  ore^i^ia  Kranz,  die  auf  dem  Felde  wachsende 
Pflanze  wurde  zum  Bekränzen  verwandt.  — Event,  von  in 

der  Bedeutung  Krone;  danach  hieße  die  Pflanze:  Krone  des  Feldes, 
wegen  ihrer  Schönheit. 

Agrostemma  Githago, 

vom  lat.  gith,  git  indecl.  der  Name  des  Samens  von  Nigleal  sativa, 
mit  dem  der  Agrostemmasamen  Ähnlichkeit  hat. 

d.  Rade  veru'andt  mit  rot,  wegen  der  Blütenfarbe. 

f.  Agrosteme.  — Nielle  von  Nigella.  Dim.  von  niger,  schwarz,  wegen 
der  Samenfarbe.  Coquelourde,  Anspielung  auf  seine  schwere  Samen- 
kapsel, coque  Schale,  lourd  schwer. 

e.  Corncockle  d.  h.  Kornschale,  wächst  unter  dem  Kom,  cockle,  gael, 
cogall,  frz.  coque. 

n.  Kornroos  — Nagelbloem  = Nelkenblume,  die  Pflanze  gehört  zu  den 
nelkenartigen  Gewächsen.  — Bol,  Kopf,  wegen  der  kopfähnlichen 
Frucht.  Die  Kelchzipfel  der  Frucht  sehen  wie  Haare  aus. 

Agrostis, 

ayqtoüTLg,  griech.  Benennung  wildwachsender  Gräser  und  Kräuter, 
von  ayqoq  Feld,  oder  von  ayqog  und  yQuong  Gras. 
d.  Straußgras,  wird  in  Sträuße  eingebunden. 

f.  Fiorin  vom  ital.  fiorino  Blümchen,  wegen  der  Zartheit  seiner  Ähren. 
— Etemue,  die  Kinder  gebrauchen  die  zarten  Ähren,  um  die  Nase 
zu  kitzeln  und  Niesen  (etemuer)  zu  erregen. 

Fioringrass.  — Bent-grass  = Binsengras,  s.  u.  Juncus. 
n.  Struisgras. 

Ajuga, 

auch  Abiga  genaimt,  von  abigo  abtreiben,  wegen  einer  angebl.  abortiven 
oder  purgierenden  Wirkung.  — Nach  anderer  Ansicht  von  ayvieog 
gliederschwach:  gegen  Gicht  verw'endet. 
d.  Günsel,  aus  dem  ehemaligen  Namen  Consolida:  die  „gesundmachende“ 
Pflanze  gebildet.  — Im  Bernischen:  Büggeln,  verwandt  mit  der  engl. 
Bez.  bügle,  das  in  dieser  Sprache  auch  Signal-,  Jagdhorn  bedeutet. 
Betreffs  des  engl,  und  frz.  Wortes  bügle  vergl.  altfrz.  bougle,  worunter 


9 


man  sowohl  Büffel  als  ein  aus  dem  Büffelhorn  hergestelltes  Blas- 
instrument verstand;  der  Name  soll  auf  die  Pflanze  wegen  der  hom- 
nartigen  Form  der  Blüte  übertragen  worden  sein.  — Doch  schon  Marcellus 
Empiricus  bezeichnet  Ajuga  als  Bugula.  Sollte  das  Wort  nicht  aus 
Buglossa,  der  gewöhnlich  Anchusa  benannten  Boraginee  verderbt  sein, 
mit  der  jene  Labiate  verwandt  ist  und  eine  gewisse  Ähnlichkeit  hat?  — 
Brünelle:  gegen  die  Bräune. 

f.  Bügle.  — Herbe  de  St.  Laurent,  weil  es  in  kritischen  Momenten  bei 
Krankheiten  gebraucht  wurde.  Vergl.  die  frz.  Redensart:  etre  sur  le 
gril  comme  St.  Laurent,  sich  in  gefährlicher  Lage  befinden:  St.  Lorenz 
war  ein  Märtyrer  des  III.  Jahrhunderts,  der  auf  einem  Eisenrost  ver- 
brannt wurde. 

e.  Bügle. 

n.  Zenegroen,  auch  Senegroen  = Singrün  = Immergrün.  Vergl.  u. 
Alchemilla. 

Alchemilla, 

vom  arab.  Alkemelyeh,  bezw.  nach  den  Alchimisten,  die  in  den  Blättern 
dieser  Pflanze  ein  Hilfsmittel  gefunden  zu  haben  glaubten,  gewöhnliche 
Metalle  in  Gold  umzuwandeln. 

d.  Sinnau  aus  Sin-tau.  Sin  = immer  (vergl.  Singrün,  Sintflut).  Sinnau 
= Immertau.  Im  Grunde  der  Blätter,  die  einem  ausgebreiteten 
Mantel  ähnlich  sind,  bezw.  mantelartig  zugefaltet  sind,  findet  man 
Tau-  und  Regentropfen.  — Frauenmantel  — Taubecher  — Tau- 
schüssel (Graubünden)  — Regendächle  (Augsburg)  — Regenschirm- 
chen  (Gera).  — Nimm  mir  nichts  (Österreich),  da  sie  das  Regen- 
w’asser  auffängt.  Siehe  auch  unter  Dipsacus.  — Löwenklau  wegen 
der  Blattform. 

f.  Manteau  de  Notre-Dame  = Marienmantel.  — Mantelet  des  Dames  — 
pied  de  lion:  Löwenfuß. 

e.  Lady’s-mantle : Marienmantel. 

n.  Leeuwenklauw.  Onze  vrouwenmantel. 

Alisma,  ctkioixa^ 

von  oXiOlo  mit  Salz  füttern;  also  Salzkraut,  wegen  des  bitteren  Ge- 
schmacks — oder  verwandt  mit  kelt. : alis  = Wasser,  da  es  eine 
Wasserpflanze  ist. 

d,  Froschlöffel,  wegen  der  löffelartigen  Blätter.  — Wasserwegerich,  w^eil 
seine  Blätter  denen  des  Wegerichs  (Plantago)  gleichen.  Vergl.  Diosc.: 
HI.  159.  (fvkXa  liiev  e'xsi  agvoyloGGc^)  (plantagini)  of-ioia. 

f.  Plantain  d’eau:  Wasserplantago.  — Pain  de  grenouilles,  Froschbrot, 
man  glaubte  irrtümlicherweise,  daß  die  Frösche  sich  von  Pflanzenkost 
nähren;  vergl.  diesbezüglich  u.  a.  die  Froschnamen  der  Batrachomachie. 

e.  Water- Plantain. 

n.  Water-Wegbree.  Lepelblad. 


IO 


Alliaria,  sc.  herba. 

von  Allium  = Lauch,  weil  es  denselben  Geruch  hat. 

d.  Lauchkraut. 

f.  Alliaire.  Herbe  ä l’ail;  dasselbe  wie  der  deutsche  Name. 

e.  Garlic-mustard  = Lauch-senf.  Eine  dem  Senf  nahverwandte  Pflanze. 
— Sauce  alone:  Weil  sie  bloß  den  Geruch  hat  wie  Knoblauch, 
ohne  aber  Knoblauch  zu  sein,  wurde  sie  ironisch:  „Nur  Sauce“  sc. 
ohne  Fleisch,  genannt. 

n.  Look  zonder  look:  Lauch  ohne  Lauch,  s.  vorher. 

Allium. 

Isidor,  etym.  XVII.  lo.  14.  Allium  dictum  quod  oleat 
von  olere  riechen,  wegen  seines  Geruchs,  — oder  von  yeXyigy  auch 
ayXig^  wie  die  Knoblauchzwiebel  hieß.  Das  a in  ayXig  ist  anlautend, 
yXlg  verwandt  mit  y.vX,  das  etwas  Rundes,  Krummes  bezeichnet:  wegen 
der  runden  Zwiebel,  — event.  von  aXleo^ai  herausspringen,  wegen 
seines  raschen  Wachstums,  oder  celt.  all  = brennend,  wegen  des 
scharfen  Geschmacks  der  Pflanze. 

d.  Lauch,  aus  Schlauch  oder  von  Loch,  beides  wegen  des  hohlen 
Stengels;  s.  jedoch  auch  unter  Ceratophyllum. 

f.  Ail  vom  lat. 

e.  Leek,  s.  u.  Lauch.  Derselbe  Bestandteil  auch  im  folgenden  Garlic 
und  unter  Hemlock,  dem  Schierling. 

n.  Look. 

Allium  Cepa. 

Isedor.  etym,  XVII.  10.  12.  Cepa  vocatur,  quia  non  est  aliud,  nisi 
tantum  caput. 

cepa  von  caput  Kopf,  weil  die  Zwiebel  diesem  gleicht  — oder  vom 
griech.  yi^Ttog  Garten,  da  sie  eine  typische  Gartenpflanze  ist. 

d.  Zwiebellauch,  Zwiebel:  aus  Vermischung  von  cepula,  dem  Dimi- 
nutivum  von  cepa  mit  dem  lat.  bulbus,  griech.  ßoXßog,  deutsch  Bolle 
oder  nur  aus  ersterem. 

f.  Ciboule.  — Oignon,  vom  lat.  unus,  eins,  da  es  nur  eine  Zwiebel  hat. 
Columella  nennt  die  Pflanze  unio. 

e.  Onion,  s.  vorher. 

n.  Ui,  desgl.  ebenso  Ajum.  — Cipel. 

Allium  sativum. 

Zu  deutsch  wörtlich  Saatlauch. 

d.  Knoblauch,  veru^andt  mit  engl,  cleave  spalten,  „gespaltener  Lauch“, 
weil  die  Zwiebel  gespalten  ist.  Vergl.  ahd.  Klioban.  — Die  Ab- 
leitung von  Knopf,  wegen  der  Form  der  Wurzelknollen,  scheint 
weniger  zutreffend  zu  sein. 

/.  Ail(cultive),  wörtliche  Übersetzung  des  Lateinischen.  — Scherzweise 


I 


auch  Perdrix  de  Gascogne,  Gascogner  Rebhuhn  oder  Chapon  de 
Gascogne,  Gascogner  Kapaun  genannt.  Die  Gascogner  stehen  als 
Aufschneider  in  schlechtem  Ruf. 

e.  Garlic,  s.  u.  Allium:  von  Gar,  die  Lanze  im  ags.,  wegen  der  spitzen 
Halme:  „Lanzenlauch“. 

n.  Knoflook. 

Ainus. 

Isid.  XVII.  7.  42.  Ainus,  quod  alatur  amne.  Proxima  enim  aquae  nas- 
citur,  nec  facile  extra  undas  vivit,  — Vitruv.  11.  9.  Ainus  autem 
quae  proxima  fluminum  ripis  procreatur. 

Ainus:  nach  Isidor:  quod  alatur  amne:  weil  sie  durch  den  Fluß  er- 
nährt wird,  so  benannt.  Die  Erle  wächst  bekanntlich  an  Ufern  und 
feuchten  Orten.  — Nach  anderer  Meinung:  von  einem  alten  Stamm- 
wort al  Wasser,  kelt  alis,  desgl.  — Nach  Martin  von  yVivoo,^  einer 
Ahorn-  oder  Ulmenart,  deren  Namen  auf  yXia  Leim  zurückzuführen, 
was  auf  das  saftige  Holz,  bezw.  auf  das  klebrige  Blatt  von  A.  gluti- 
nosa  sehr  wohl  paßt:  y wäre  vor  X eliminiert  und  a als  Anlaut  ge- 
nommen worden.  — Dürfte  Ainus  nicht  mit  dem  ahd.  alusa:  rot- 
braunes Holz,  dem  deutschen  Wort  Aalkirsche  (Frangula),  Elsbeere 
(Pirus  torminalis),  dem  niederl.  aalber  (Ribes  rubrum)  und  mit  dem 
engl.  Wort  ale:  rotbraunes  Bier  verwandt  sein,  ihm  also  der  Begriff 
rot  zugrunde  liegen,  da  das  weiße  frische  Holz  der  Erle  beim  Liegen 
rasch  rötlich  wird? 

d.  Erle,  Eller  verw'andt  mit  Ainus. 

y.  Aune,  aulne,  wallon,  onai,  aunai  desgl. 

e.  Alder,  altengl.  aller,  ags.  aelr,  al(e)r. 

n.  Eis,  Eller. 


Alopecuriis^ 

aX{M7tt/.ovqo<i  Fuchsschwanz,  ccIcotctj^  Fuchs,  ovqa  Schwanz,  wegen 
der  Farbe  und  Form  des  Blütenstandes. 

d.  Fuchsschwanz. 

/.  Vulpin  vom  lat.  Vulpes  Fuchs. 

e.  Foxtail,  vergl.  den  deutschen  Namen. 
n.  Vossestaart,  desgl. 

Alsine,  aXalvri. 

Diosc.  H.  214.  alalvf]  6i  dia  to  O'ueqovg  cpilelv  /.al  aXatodetg. 
Plin.  XX VH.  8.  Alsine  nascitur  in  lucis,  unde  et  alsine  dicta  est. 
Von  aXaog  Hain,  wegen  des  Standorts  vieler  Arten. 

d.  Miere,  s.  unter  Anagallis  und  Stellaria. 

f.  Alsine. 

e.  Sandwort,  wächst  auf  sandigen  Äckern. 

n.  Heggekrind  — Haagkraut,  s.  vorher  — mier,  desgl. 


12 


Althaea,  al^ala,  aA^ea. 

Galen,  pharmacol.  H.  XII.  13.  B'JaXayji  Tj  f.iev  ayqia  dtaq)OQT(]TrAr^q 
argif^a  vmI  (.laXav.TLv.rß  ItzI  ßgay  v ^eTeyei  dvvdfjeojg  — ovof^idKeraL 
vmI  al&ala  (ebenso  im  Aetius). 

Derselbe.  Z.  V.  i.  zßlo'Aog  ^ dXd^aia. 

Isidor,  etym.  XVII.  9.  75.  Althaea  quod  in  altum  surgit. 

Von  dXd^io  heilen  oder  verwandt  mit  altus,  hoch,  weil  sie  rasch  hoch  wächst. 

d.  Eibisch  von  Ißioxog,  ahd.  ibisca.  Ursprung  dunkel.  Eibisch  soll 
mit  Eibe,  Efeu,  Eppich  verwandt,  andere  aber  stellen  diese  Be- 
ziehung in  Abrede. 

f.  Guimauve,  verdorben,  aus  ibisco-malva.  Beides  nahverwandte  Mal- 
vaceen;  s.  Galen. 

e.  Marsh  mallow  z.  d.  Sumpfmalve.  Althaea  officinalis,  die  gebräuch- 
liche Althaea  wächst  in  feuchten  Gebüschen;  über  officinalis  s.  unter 
Primula. 

n.  Heemst  verderbt  aus  Hibiscus,  vergl.  die  d.  Namen  Hemisch  und  Hünst. 
Alyssum,  dlvooov. 

Diosc.  III.  95.  Ttag  oigLy.aoTtog,  tag  döTtidlayLa  dLddiTcXa,  ev  oio  t6 
07rlQ(.ia  v/coTvXavv,  doyel  de  %al  Xvöaav  yvvig  Idad^ai  avy^OTtev 
0 deOfiaTL  y.al  öod^ev. 

Plin.  XXIV.  57.  Nomen  accepit,  quod  a cane  morsos  rabiem  sentire 
non  patitur  ex  aceto  potus  adalligatusque. 

Galen,  pharmac.  Z.  I.  24.  ^'^XvGGov  covofxaorai  fjev  aXvGOOv 
^ Ttoa  Sid  TO  d^av(.iaGT(jög  dvLvdvai  xovg  vtvo  XvGtovTog  yvvcg 
SeörjyfÄevovg.  dXXd  yial  ^örj  Xvttojvti  dod'elGa  jtoXXd'ug  l^iaGaxo, 
ungefähr  desgl.  Aetius.  Sermo  I. 

aXvGGOv  von  a priv.  und  XvGGa  Hundswut,  weil  es  ein  Mittel  gegen 
die  Hundswut  war  (oder  von  a priv.  und  Xvtco  Schlucken,  als 
Mittel  gegen  den  Singultus). 

d.  Schildkraut,  wegen  der  Gestalt  der  Frucht,  s.  Diosc.  Vergl.  auch  das 
nächstverwandte  Lunaria  — Steinkraut,  weil  es  auf  felsigen  Abhängen 
wächst. 

f.  x\lysson,  Alysse.  — Passerage:  ce  qui  fait  passer  la  rage,  ein  Kraut, 
das  die  Wut  vorübergehen  läßt. 

e.  IMadwort,  d.  h.  Tollkraut,  s.  o.  vergl.  (canine)  madness  Hundswut. 

n.  Schildzaad. 

Amarantus,  df,idQavTog. 

Plin.  XXI.  23.  Summa  naturae  ejus  in  nomine  est,  appellato,  quo- 
niam  non  marescat. 

Von  d negativum  und  (.iccgaivofiai  verwelken.  Die  Blumen  behalten 
auch  im  trockenen  Zustand  Farbe  und  Form. 

d.  Amarante. 

f.  Amarante. 

e.  Amarant(h).  Die  litera  h ist  absolut  falsch. 

n.  Amarant. 


— 13 


Ammophila. 

Ableitung  von  a^(,iog  Sand  und  cpileiv  lieben,  weil  die  Pflanze  gern 
auf  Sand  wächst.  — Sie  wird  in  der  offiziellen  Nomenclatur  auch 
Psamma  (von  xpa^fxa  Sand)  genannt. 

d.  Strandhafer:  wegen  seines  vielfach  verzweigten  Wurzelstocks  wird  er 
zur  Befestigung  der  Dünen  angepflanzt  und  von  den  Anwohnern  der 
See  wie  Getreide  gepflegt.  — Helmgras,  weil  es  wie  ein  Helm 
schützt. 

/.  Roseau  de  sables:  Sandschilf.  Betr.  Roseau  s.  u.  Phragmites.  — 
Haut  dune,  weil  es  hoch  auf  den  Dünen  wächst.  Millegreve,  aus 
au  milieu  des  greves,  d.  h.  am  Strand. 

€.  Sea  Matweed,  mat  vom  lat.  matta,  die  aus  Schilf  hergestellte  Matte. 
Der  englische  Ausdruck  besagt  etwa  Seeschilf  oder  Mattengras. 

n.  Helm  — Zandhaver. 

Anacamptis, 

von  ava'/,afX7tTtü  umbiegen,  wegen  der  umgebogenen  seitlichen  Blätter 
des  Perigon  — oder  weil  die  Staubbeutel  umgebogen  sind. 

d.  Hundswurz,  vergl.  das  griech.  Synonymon  für  OQyiq:  Kvvdg  oqxlq,  zu 
deutsch  Hundshoden,  s.  unter  Orchis. 

f.  Anacamptis. 

e.  Pyramidal  Orchis:  Der  Blütenstand  der  Orchideen  ist  pyramiden- 
förmig. 

fl.  Hondswortel. 

Anagallis. 

Ableitung  von  civa  yeXaco,  lachen,  wegen  der  freundlichen,  hübschen 
Blume  oder  weil  die  Pflanze  gegen  Melancholie  angewandt  wurde; 
doch  kann  diese  Anwendung  lediglich  ein  Ergebnis  der  sogen.  Sig- 
naturlehre sein,  von  der  in  der  Einleitung  die  Rede  ist.  — Nach 
anderer  Ansicht  kommt  der  Namen  von  ava  und  aycdXio  wieder- 
zieren, weil  die  Pflanze  das  ganze  Jahr  hindurch  blüht. 

d.  Gauchheil:  als  Mittel  gegen  Seelenleiden,  vergl.  mhd.  gouch:  der 
Geisteskranke.  — Aus  gleichem  Grunde  wird  die  Pflanze  auch 
„Vernunft  und  Verstand“  genannt.  — Der  Umstand,  daß  die  Pflanze 
erst  um  9 Uhr  ihre  Blüten  öffnen  oder  oft  überhaupt  geschlossen 
halten  soll,  hat  ihr  die  folgenden  Namen  eingetragen:  Neunerblümle 
(Augsburg),  Faule  Magd  (Thüringen),  Faulenzchen,  Faulelschen,  Nif  el- 
kraut (Österreich),  vergl.  altd.  niffen  = schlafen,  einnicken:  Die  Blüten 
schließen  sich  nicht  nur  des  Nachts,  sondern  werden  zugleich  nickend. 
— Korallenblümchen  spezieller  Name  für  die  rotblühende  A.  arvensis: 
Acker  Anagallis,  wächst  als  Unkraut  auf  Feldern.  — Da  sie  mit  der 
ebenfalls  als  Ackerunkraut  vegetierenden  Stellaria  der  Form  nach 
große  Ähnlichkeit  hat,  trägt  sie  auch  deren  Namen  „Miere“  bezw. 
„Meier“  A.  arv.  wird  aber  im  Gegensatz  zur  weißen  Miere  (Stellaria 
arvensis)  als  rote  Miere  bezeichnet.  Über  die  Etymologie  des  Wortes 


14 


„Miere“  ist  man  durchaus  im  Unklaren,  vergl.  zu  frz.  mouron  und 
ndl.  muur.  — Wie  die  Stellaria  wird  sie  wegen  ihres  ausgebreiteten 
Wurzel  Werks  auch  Hühnerdarm  genannt. 

f.  Mouron  (rouge):  (rote)  Miere,  wallon  moron  neuprov.  mourroun,  mou- 
rel,  mouret,  span. : muruge,  portug. : morriäo,  verwandt  mit  frz.  museau, 
Schnabel,  Zunge,  wegen  der  Blätter  — oder  mit  mordre  beißen, 
vergl.  das  Synonym  Morgeline  aus  mouron  und  geline  Henne,  da  es 
die  Hühner  gern  abbeißen  — nach  dritter  IMeinung  von  morsus, 
Biß,  da  es  gegen  den  Biß  tollwütiger  Tiere  gebraucht  wurde.  S.  auch 
unter  niederl.  muur. 

e.  Pimpemel  vom  lat.  pampinus,  frz.  pampre,  junger  Weinzweig:  A.  hat 
diesen  Namen  wegen  der  zahlreichen  Verzweigungen.  — Cure  all: 
heilt  alles.  — Shepherd’s  or  Poor  Man’s  Weather-glass,  des  Schäfers 
oder  armen  Mannes  Wetterglas:  Ist  die  Luft  mit  Wasserdämpfen 
gesättigt,  daß  bald  Regen  folgt,  dann  schließt  die  Pflanze  die  Blüte. 
— John-go-to-bed-at-noon:  Hans  geh  um  Mittag  zu  Bett;  so  ge- 
nannt, weil  sie  schon  um  Mittag  wieder  die  Blumenkrone  schließen 
soll. 

n.  (Roode)  Muur:  gleichen  Ursprung  wie  d.  Miere  und  frz.  mouron. 
Muur  heißt  im  Holländischen  auch  „Mauer“.  Der  niederl.  Name 
der  Pflanze  ist  ähnlich  wie  das  deutsche:  „Meier“  nur  als  volksetymo- 
logische Bildung  aufzufassen,  denn  weder  Stellaria  noch  Anagallis 
sind  Mauergewächse.  Überdies  existiert  auch  in  der  holländischen 
Sprache  die  Bezeichnung  Mier  für  A.  — Sie  wird  auch  Basterdmuur 
im  Gegensatz  zur  Stellaria  genannt, 
v 

Auchusa,  ayyovöa. 

Ableitung  von  ctyyio  würgen  und  ovaov  Strick,  vielleicht  wegen  des 
geschnürten  Blütenschlundes.  — Event,  nur  von  ayyco,  da  es  die 
Schlangen  töten  sollte,  vergl.  Diosc.  IV.  24  u.  25,  ov  idv  Tig  i^aooij- 
odfxevcg  zig  ccTtOTTTVGr]  elg  tc  Gvo^a  xdv  eqnevov,  ano'AZEvü  avxb. 
— Möglicherv^eise  auch  aus  dvd^ovoa  von  avS-og  Blüte  korrumpiert, 
wie  ^OQViyeg  aus  OQvid^eg.  — dyyovoito^aL^  sich  schminken,  ist 
sekundär,  da  hierzu  der  rote  Saft  der  Pflanze  benutzt  wurde:  vergl. 
Theophrast.  De  odoribus.  VI.  31.  ygcofiaziCovoiv  öi  xd.  itiv  ZQvd'Qd 
xfj  dyyovGr]  Th.  h.  plant.  VII.  9.  3.  al  {qiCaL)  S'lQvd^Qal  y.a^dTxeQ 
rj  XE  xrjg  dyyovar^g.  Diosc.  IV.  23,  iq  ös  glga  ev  xo)  S-egei  yEVvcoi.ilvi] 
ymI  ßduTovoa  xdg  yelgag  de  TtoQcpvgd.  — Das  Synonym 

Buglossa  ist  aus  dem  griech.  ßovylcoGGov,  von  ßovg  Ochse  und 
ylwaoa  Zunge  entstanden:  wegen  der  rauhen  zungenförmigen  Blätter, 
vergl.  Apul.  medic  herb.  42.  Buglossa  dicta  est  ea,  quod  folia  aspera 
in  modum  linguae  bubulae  habeat.  Isid.  etym.  XVII.  9.  49.  Bug- 
lossa a Graecis  dicta  quod  folia  aspenima  admodum  linguae  bovis. 

d.  Ochsenzunge.  Schminkwurz.  Rotfärbkraut. 

f.  Bouglosse:  Langue  de  boeuf:  Ochsenzunge. 

e.  Alkanet,  span,  alcaneta,  dim.  von  alcana  vom  arab  al-hinna,  henna; 


15 


al  ist  bekanntlich  der  arab.  Artikel,  der  ja  auch  in  anderen  Sprachen 
agglutiniert  wird,  vergl.  frz.  lierre  (Hedera). 
n.  Ossetong:  Ochsenzunge. 

Andromeda 

war  der  Name  einer  mythologischen  Königstochter,  die  an  die  Felsen 
gebunden  war  und  von  Perseus  befreit  wurde.  Wegen  des  Wachstums 
auf  Felsen  wurde  der  Pflanze  dieser  Name  zuteil. 

d.  Gränke,  verwandt  mit  granum,  wegen  der  Beerenkömer ; vergl  tyrol.Grann- 
beere  für  das  verwandte  Vaccinium  Vit.  Id.;  vergl.  ferner:  Granatapfel. 

f.  Andromede,  Andromedie. 

e.  Andromeda. 

n.  Rotsbes,  d.  h.  Felsbeere. 

Anemone,  aveiÄcoviq. 

Ovid.  Metam.  X.  737 — 739 
brevis  est  tarnen  usus  in  illo. 

Namque  male  haerentem  et  nimia  levitate  caducum. 

Excutiunt  idem,  qui  praestant  nomina,  venti. 

Plin.  XXI.  94.  Flos  nun  quam  se  aperit  nisi  vento  spirante  unde  et 
nomen  accepere. 

Die  näheren  Erklärungen  sind  verschieden:  von  aveuog  Wind;  i.  weil 
sie  vom  leisesten  Windhauch  bewegt  wird;  2.  wegen  ihres  Stand- 
orts auf  windigen  Höhen;  3.  da  sie  die  Corolla  bei  wehendem 
Wind  öffnet;  4.  weil  die  Blumenkrone  durch  den  Wind  leicht  ent- 
blättert wird;  5.  wiegen  ihrer  Blütezeit:  um  Ostern,  zur  Zeit  der 
großen  Winde. 

d.  Windröschen,  Osterblume,  Kuckucksblume,  weil  sie  zur  Zeit  des  Ein- 
treffens des  Kuckucks  blüht;  vergl.  unter  Cardamine. 

f.  Anemone,  altfrz.  Passe-fleur;  parce  qu’il  passe  les  autres  fleurs,  weil 
sie  die  anderen  Blumen  übertrifft:  vergl.  Passerage  (Alyssum).  Pied 
de  coq:  Hahnenfuß,  wegen  der  Blattform. 

e.  Anemone. 

n.  Anemoon  — Windbloem  — Milkbloem,  wegen  der  weißen  Blüte; 
vergl.  unter  Cardamine  — Boschhanevoet,  wächst  im  Gebüsch. 

Anethum,  avrjd'ovy 

verwandt  mit  avuov  Anis,  oder  von  avw  S^elv,  nach  oben,  in  die 
Höhe  laufen,  wegen  ihres  raschen  Wachstums.  Event,  von  hauchen, 
(mit  eingeschöbenem  v)j  wegen  des  starken  Geruchs. 

d.  Dill,  Till  von  teilen,  weil  er  in  viele  Ästchen  geteilt  ist,  oder  ver- 
wandt mit  engl,  dull  = lindern,  wiegen  seiner  schmerzstillenden,  be- 
ruhigenden Eigenschaften., 

/.  Dille. 

e.  Dill-seed  = Dillsamen. 
n.  Dille. 


— i6  — 


Angelica,  sc.  herba. 

Adject.  zu  angelus;  Engel. 

d.  Engelkraut,  wegen  seiner  Heilwirkungen.  — Brustwurz  — Hirten- 
pfiff: die  Stengelglieder  dienen  Kindern  als  Elöten. 
f.  Angelique  — Herbe  du  St.  Esprit  = Heiliggeistkraut. 

€.  Angelica  — Holy  Ghost. 
n.  Engelwortel. 

Antennaria,  sc.  herba 

von  Antenna:  (Insekten)Eühler,  wegen  der  keulenförmigen  Gestalt 
des  Pappus  der  männl.  Blumen  benannt. 
d.  Katzenpfötchen,  wegen  der  dichtbehaarten  Pflanzenteile. 
f.  Pied  de  Chat,  desgl. 

(f.  Everlasting  = Immerdauemd.  Die  Pflanze  hält  sich  auch  trocken. 

Cat’s-ear,  Katzenohr,  wegen  der  behaarten,  spitz  ausgezogenen  Blätter. 
n.  Kattefoet,  Droogbloem,  Kattepootje,  Roerkruid  = Ruhrkraut,  Mittel 
gegen  Ruhr. 

Anthemis,  avd^e^ig, 

av^eiLiig  = Blume,  vielleicht  ein  Diminitivum  aus  wegen 

ihrer  relativ  kleinen  Blume  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Kompositen. 
Plin.  XXH.  26.  Chamaemelon,  quoniam  odorem  mali  habeat. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  46.  Chamaemelon  Graece  dicta,  quod  mali 
Matiani  odorem  habeat,  sitque  brevis  terraeque  vicinia. 

d.  Hermel,  verderbt  aus  Kamille,  aus  dem  griech.  x<^f.iaLf.irikov,  Erdapfel, 
von  dem  Apfelgeruch,  der  dem  Boden  nahe  blühenden  Kamille. 
yaixal  am  Boden,  (urjXov  Apfel.  Im  übrigen  ist  das  Vorgesetzte 
yay.al  häufig  ein  Diminutiversatz. 

f.  Camomille. 

e.  Chamomile. 
n.  Kamille. 

Anthoxantum, 

von  avd-og  Blume  und  ^avd-og  gelbrot,  wegen  der  gelbroten  Staub- 
beutel. 

d.  Ruchgras,  wegen  seines  (waldmeisterähnlichen)  Geruchs. 

/.  Elouve,  vom  lat.  flavus,  gelb. 

e.  Vernal  Grass,  Erühlingsgras,  wegen  der  Blütezeit. 

11.  Reukgras  = Riechgras. 

Anthyllis,  av^vXllg. 

Diminutiv,  von  avd-og  Blüme,  also  etwa:  Blümchen,  oder  von  avdog 
und  YovXog  Wolle,  wegen  der  wolligen  Blume. 
d.  Wundkraut,  Wundklee,  eine  dem  Klee  nächstverwandte  zur  Wund- 
behandlung angewandte  Pflanze. 


17 


/.  Anthyllide  — Vulneraire:  von  lat.:  vulnus  Wunde. 
e.  Lady’s-fingers,  wegen  der  Deckblattform  — Kidney  Vetch,  Nieren- 
wicke, eine  wickenähnliche  Pflanze  mit  nierenförmigen  Samen. 
n.  Wondkruid. 

Antirrhinum,  avrlqqivov. 

Theophr.  hist,  plant.  IX.  19.  0 de  Sottsq  fjLta%ov  givag  t'xei. 

Diosc.  IV.  13 1 sc.  133.  YMQTTov  ös  cpegei  f.ico%ov  giölv  o(.iolov. 
Plin.  XXV.  80.  semine  vituli  narium. 

Galen,  pharmacol.  49.  ^Avtiqoivov  ^ avdqqLvov  o^iOLOV  ^6o%ov  qiolv 

TOV  YMQTCOV. 

von  avzl  entgegen  und  qlg  Nase;  etwa:  Klaffnase,  wegen  des  Aussehens 
der  reifen  Samenkapsel,  die  man  mit  einer  Kalbsnase  verglich  (oder 
wegen  des  Aussehens  der  Blüte). 

Löwenmaul,  wegen  der  Blüte. 

f.  Gueule  de  lion,  Löwenrachen,  gueule  de  loup,  Wolfsrachen.  IMufle 
de  veau,  Kalbsschnauze.  Tete  de  mort,  weil  die  trockene  Samen- 
kapsel einem  „Totenkopf“  gleicht. 
e,  Snapdragon  = Schnappdrachen. 
n.  Leeuwenbek  = Löwenmaul. 


Apium^  ciTtiov. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  i.  Apium  dictum,  quod  ex  eo  apex,  id  est 
caput  antiquorum  triumphantium  coronabatur. 
von  apex  Spitze,  Kopf,  weil  der  Kopf  der  Triumphierenden  mit 
Apium  geschmückt  wurde.  — tü  OTtiov  heißt  sowohl  Eppich  wie 
Birnbaum  vielleicht  von  euphem.  a und  ttIwv  glänzend,  wegen 
der  in  beiden  Fällen  glänzenden  Blätter  — oder  verwandt  mit  kelt. 
apon  = Wasser,  weil  Eppich  gern  am  Wasser  wächst,  — event.  von 
apis,  da  die  Bienen  die  Blumen  lieben. 

d.  Eppich  aus  dem  Lateinischen. 

f.  Ache  (des  marais  = Sumpf)  Eppich,  aus  dem  lat.  apium,  wie  proche 
aus  propius. 

e.  Apium. 

n.  Apium. 

Apium  grayeolens,  s.  auch  unter  Selinum, 

von  gravis  schw'er,  stark,  olere  riechen,  wegen  des  Geruchs. 

d.  Sellerie  von  griech.  aehvov,  verwandt  mit  eXog,  Sumpf,  weil  sie  gern 
in  Niederungen  und  feuchten  Orten  wächst;  vergl.  Homer.  II.  II.  776. 
iXeod'QSTZTcv  te  aeXivov,  Nicand.  Ther.  597.  eXeod'QETcrov  xe  oeXivov 
üTteQuara. 

f.  Celeri,  vergl.  ital.  selleri. 

e.  Celery. 

n.  Selderie,  Selderij. 

Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


2 


— i8  — 


Aquilegia, 

von  aquara  legere  Wassersammeln,'  von  den  jungen  trichterförmigen 
Blüten,  in  denen  sich  Feuchtigkeit  ansammelt,  oder  von  Aquila, 
Adler(sklaue)  wegen  der  Blätter,  besser  wegen  der  einwärtsgekrümmten 
Spitzen  der  Blüten. 

d.  Akelei,  aus  dem  Lateinischen.  — Wilde  Glockenblume  s.  u.  Campa- 
nula  — Narrenkappe  s.  u.  Aconitum. 
f.  Ancolie  — manteau  royal,  Königsmantel,  wegen  der  prächtigen  Blüte. 
€.  Columbine,  vom  lat.  columba,  Taube.  Die  Kelchblätter  sollen  Flügel, 
die  Blüte  eine  Taube  darstellen. 

71.  Akelei. 

Arabis, 

wächst  an  trocknen,  dürren  Stellen,  wie  man  sie  in  Arabien  hat  und 
hat  dieserhalb  ihren  Namen  erhalten. 

d.  Gänsekraut:  Die  Gänse  fressen  es. 
f.  Arabette. 

e.  Rockcress  = Felsenkresse,  wächst  an  Felsen.  Betreffs  Kresse  vergl. 
unter  Lepidium. 

n.  Scheefkelk  = Schiefkelch  (?). 

Arenaria,  sc.  herba, 

von  arena  Sand:  Sandkraut,  weil  es  auf  sandigen  Stellen  wächst. 
d.  Sandkraut. 

f.  Sabline,  von  sable,  desgl. 

6.  Sandwort. 

71.  Zandkruid. 

Aristolochia,  aqioxo'koyia. 

Theophrast.  Hist,  plant.  IX.  20.  4.  agloTTj  /.isv  TtQog  vovegav. 

Diosc.  III.  4.  a)v6[.iaOTaL  /nev  aTto  xov  öoy.eiv  agioza  ßor^d^eiv  xaig 
Xoyolg. 

Plin.  XXV.  54.  Inter  nobilissimas  aristolochiae  nomen  dedisse 
gravidae  videntur,  quoniam  esset  agiotrj  Xeyovaaig. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  52.  Aristolochia  dicitur  quod  muliebribus  foetis 
optima  sit.  Nam  suppersessa  post  partum,  matricem  beneficio 
vaporis  expurgat. 

Ableitung  von  agiGza  das  Beste  und  Xoyog  Wöchnerin;  das  Kraut 
wurde  als  obstetrisches  Mittel  benutzt. 
d.  Osterluzei,  verderbt  aus  dem  griech.  (Blüht  erst  nach  Ostern:  Mai 
bis  Juli.) 

f.  Aristoloche.  — Poison  de  la  terre  = Erdgift,  weil  es  auf  kultiviertem 
Land  als  Unkraut  wuchert,  oder  wegen  des  widerlichen  Geruchs 
seiner  Teile. 

(.  Birth -wort:  Geburtskraut. 

71.  Pijpbloem,  Blüten  ähneln  kleinen  Tabakspfeifen. 


19 


Armeria, 

vom  celt  ar  mer:  am  Meer.  Die  A.  maritimus  wächst  am  IMeer. 
d.  Grasnelke.  Nelkenähnliche,  zuweilen  unter  Gras  wachsende  Pflanze, 
auch  Pinke,  s.  unter  Dianthus. 
f.  Armelin  aus  dem  offiziellen  Namen. 

Thrift  (?) 

n.  Strandkruid,  wächst  am  Meeresstrand  bzw.  an  den  Küsten. 


Arnica, 

verderbt  aus  dem  griech.  7tzaQt.(r/Jj. 

Diosc.  II.  19 1.  7tvaQ(.iiy,ri  — aygoj  de  yeq:dliov  (.iLygov,  dqiuv 
yard  Trjr  eQEd^ioziv.dv  iczciq},iov.  o&er  /mI  tovof-iaozccL. 

(pvEzat  de  er  oqEcvoig  /mI  TtEZQtodeai  zoTzoig. 

Galen.  0.  16.  37.  TczagurÄV^g  zd  i.iev  ctv&ij  Ttzaqf-iiy.rpg  eozi  dvrd- 
f-iEcog,  od-Ev  tceq  ‘/mI  zfj  Ttoa  zovvoiia. 

Von  7ZzaQi.i6g  das  Niesen,  TtzdqvvLiai  niesen;  unter  7CzaQf.iLy7]  ver- 
steht man  jedoch  gewöhnlich  Achillea  ptarmica,  doch  ist  auch 
Arnica  montana  darunter  gedeutet  worden,  deren  gewürzhafte 
Blüten  und  Wurzeln  ebenfalls  Niesen  erregen.  — Andere  Ety- 
mologen wollen  es  mit  dqvog  Lamm  in  Verbindung  bringen,  ohne 
dazu  aber  eine  nähere  Erklärung  zu  geben. 

d.  Wohlverleih.  Etymol.  ebenfalls  sehr  unklar.  Im  Mittelalter  Wolfilegia, 
mhd.  wolffelein:  Wolfsdistel.  Die  Bezeichnung  Wolf  ist  jedenfalls  in 
dem  Wort  enthalten.  Wohlverleih  ist  lediglich  euphemistisch  wegen  der 
guten  Eigenschaften  der  Pflanze  aus  den  älteren  Bezeichnungen 
konstruiert  worden. 

f.  Arnica.  — Amique. 

e.  Mountain-tobacco , ein  Hochgebirgskraut  mit  tabakähnlichen  Blättern. 

}i.  Wolverlei  — Heilige  vrouwenkruid : wegen  der  Heilwirkungen. 


Artemisia,  dqzE\.aöla, 

Plin.  XXV.  36.  JMulieres  quoque  hanc  gloriam  adfectavere  in  quibus 
Artemisia  uxor  Mausoli  adoptata  herba,  quae  antea  parthenis  voca- 
batur.  Sunt  qui  ab  Artemide  Ilithyia  cognominatam  putent,  quo- 
niam  privatim  medeatur  feminarum  malis. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  45.  Artemisia  herba  Dianae  a gentibus  con- 
secrata  est,  unde  et  nuncupata.  Graece  enim  Diana  '^ozEf-iig  dicitur. 
Ableitung:  von  Artemisia,  der  Gattin  des  Königs  Mausolus:  oder  der 
Göttin  Artemisia,  der  römischen  Diana  zu  Ehren  benannt,  die  es  ge- 
funden und  gegen  Frauenleiden  zuerst  angewandt  haben  soll.  — 
Nach  anderer  Meinung  is't  A.  von  dQZEf.nqg,  frisch,  gesund,  wegen 
seiner  Heilwirkung  abzuleiten.  Daß  die  Pflanze  im  Altertum  vor- 
nehmlich gegen  Frauenleiden  angewandt  worden  ist,  wird  außer  durch 
Plinius,  auch  von  Diosc.  IH.  117  und  Galen  Z.  I.  62  bezeugt. 

2* 


20 


d.  Beifuß  = „Peipes“  im  Erzgebirge  = „Biboz“  in  einer  mittelalterlichen 
Handschrift.  Das  Wort  ist  abzuleiten  von  bozen,  altgerm.  bautan, 
.stoßen,  da  er  als  Gewürz  zu  den  Speisen  gestoßen  wurde.  — 
„Johannisgürtel,“  den  man  zur  Sonnenwende  in  die  Flammen  warf  und 
der  alle  Leiden  der  Kranken  mit  sich  nahm,  war  aus  Beifuß  ge- 
flochten. 

f.  Armoise,  provenz.  arsemicia,  span,  und  ital.  artemisia  — Herbe  de 
St.  Jean.  Die  Pflanze  am  St.  Johannismorgen  gepflückt,  galt  als  be- 
sonders heilkräftig. 

c.  Mugwort  ags  mucgwyrt,  d.  h.  IMidgewort  = Mückenkraut,  wegen  ihres 
starken  Geruchs  als  Schutzmittel  gegen  Ungeziefer  angewandt. 

//.  Bijvoet  — Alsem  aus  einer  mittelalterl.  Nebenform:  Alsinthium 
s.  Absinthium.  — St.  Janskruid. 

Artemisia  abrotanum,  aßgorovov, 

abzuleiten  von  aßgorog,  einer  poetischen  Nebenform  von  af^ißgoTog  = 
a/Lißgooiog,  ambrosisch,  göttlich,  heilig,  wegen  der  Heilwirkung.  — 
Nach  anderer  Meinung  von  aßgog,  weich  und  Tslvto,  in  die  Länge 
ziehen,  weil  es  ein  weiches  und  langes  Kraut  ist,  — nach  dritter 
Meinung  von  a negativ,  und  ßgcoo/xo^  essen,  weil  das  Kraut  wegen 
seiner  Bitterkeit  ungenießbar  war. 

d.  Eberraute,  assimiliert  aus  dem  griech.  Namen.  Gertelkraut,  weil  es  viel 
Gerten  und  Reißlein  trägt.  — Ganserkraut  aus  Kampferkraut,  weil 
es  stark  riecht  und  statt  Kampfer  als  Kleidereinlage  gegen  Ungeziefer 
benutzt  wurde. 

f.  Abrotone,  aurone,  wallon.  levrone  mit  Agglutination  des  Artikels; 
pikard:  avrogne.  — Garde-robe  = Kleiderschoner,  vergl.  unter  d. 
Ganserkraut.  — Citronelle,  da  die  geriebenen  Blätter  Zitronengeruch 
haben. 

e.  South emwood,  betr.  wood  vergl.  unter  Wermut  im  folgenden; 
möglicherweise  auch  einfach  für  weed.  Demnach  also:  Südkraut,  da 
es  eine  süd europäische  Pflanze  ist.  — Lad’s  Love,  Knabenliebe  (?). 

71.  Everwortel. 


Artemisia  absinthium,  aipiv^iov, 

von  a priv.  und  ß,nvd^og,  Freude,,  weil  ihr  bitterer  Geschmack  die 
Lust  benimmt  — nach  anderer  Ansicht  von  a priv.  und  rclvto, 
trinken,  weil  sein  Saft  ungenießbar,  vergl.  Nicol.  Damasc.  De  plantis. 
(s.  Literaturnachweis):  Succorum,  qui  fructibus  insunt,  quidam  sunt 
potabiles,  quidam  amari,  ut  absinthium  et  centaurea.  — Doch  ist 
nach  wiederum  verschiedener  Ansicht,  'das  a in  beiden  erwähnten 
Fällen  euphemistisch,  weil  der  Absinth  doch  tatsächlich  als  Zusatz 
zu  Wein  oder  Branntwein  genossen  wird  und  viele  „erheitert,“  vergl. 
Diosc.  aßiLV^LTTjg  olvog,  mit  Wermut  abgezogener  Wein.  — Nach 
Martin  auch  von  xplvofiai^  Blüten  und  angesetzte  Früchte  abfallen 


lassen,  mit  anlautendem  a:  weil  er  das  Fruchtabfallen  in  der  Nähe  be- 
findlicher Bäume  bewirke. 

d.  Wermut,  von  warm  und  6t,  uot,  in  der  Bedeutung  Kraft,  Schatz 
(vergl.  Kleinod):  weil  der  Absinth  ein  kräftigendes,  erwärmendes 
Getränk  sein  soll.  Nach  anderer  Erklärung,  weil  er  den  „Mut  wehrt“, 
bitter  schmeckt  und  trunken  macht.  — Wiegenkraut,  man  betrachtete 
es  als  schlafbeförderndes  Mittel  und  legte  es  dieserhalb  in  Wiegen 
und  Betten,  vergl.  Bettstroh  (Asperula).  — Grabkraut,  da  es  auf 
Kirchhöfen  gepflanzt  wird,  vergl.  Totenblume  (Calendula).  — In 
Hessen:  Else,  assimiliert  aus  Alsinthium,  s.  unter  Artemisia,  niederl. 
Alsem. 

f.  Absinthe,  provenz.  absinti,  absens,  eyssens;  span,  ajenjo;  ital.  assenzio. 
— Aluine,  Helleicht  verwandt  mit  hebr.  alua,  etwas  bitteres,  oder 
von  aXoT^  Aloe,  also  eine  Pflanze,  die  den  bitteren  Geschmack  der 
Aloe  hat,  möglicherweise  verderbt  aus  Absinthium. 

e.  Wormwood,  wood  entweder  =weed  Kraut  oder  = uot,  6t  Schatz: 
Wurmmittel,  vergl.  Apulej.  med  herb.  loo.  Absinthii  et  marrubii  et  lupi- 
norum  paria  pondera  ....  necant  lumbricos.  — Absinth  — Alsem. 

n.  Absint  ohne  h am  Schluß  ist  etymologisch  unrichtig.  Vergl.  unter 
Hyacinthus  und  Amarantus.  — Aalst,  Alsem  — Wormkruid. 

Artemisia  dracunculus. 

Diminutiv,  von  drago.  Drachen:  Drachenkraut,  weil  es  gegen  Schlangen 
und  Drachen  feit. 

d.  Esdragon.  Die  Schreibweise  Estragon  mit  t statt  d,  wie  man  sie  jetzt 
häufig  findet,  ist  selbstverständlich  falsch.  — Im  gothaischen  Dialekt 
ist  der  aus  dem  Lat.  stammende  Namen  zu  „Astrachan“  assimi- 
liert worden. 

f.  Esdragon. 

e.  Tarragon. 

Dragon. 


Arum,  a()OP. 

Plin.  XIX.  30.  Est  inter  genera  et  quod  in  Aegypto  aron  vocant. 
nach  Plin.  stammt  der  Name  aus  dem  Ägyptischen.  — Nach  anderer 
Meinung  ist  er  von  qaivio,  besprengen,  befeuchten,  wegen  seines 
Standorts  an  feuchten  Plätzen  herzuleiten. 
d.  Aron  — Aronsstab,  der  Blütenkolben  und  der  gleichlautende  Namen 
waren  Veranlassung,  die  Pflanze  an  den  Stab  des  biblischen  Aron 
erinnern  zu  lassen.  — Pfaffenpint,  pint  nd  = penis,  wegen  des  Blüten- 
kolbens oder  wegen  des  oben  mit  scharlachroten  Beeren  besetzten 
Fruchtstengels.  — Eselsohren  wegen  der  Form  der  Blätter. 

• /.  Pied  de  veau:  Kalbsfuß  desgl.  — Langue  de  cerf,  Hirschzunge,  desgl. 
— Gouet,  verwandt  mit  gouge,  Hohleisen,  wegen  der  Blütenscheide  — 
Chandelle,  Kerze,  wegen  der  von  der  Blütenscheide  umgebenen 

1 

I 

i - 1\  ■ 


i 


22 


Keule  oder  wegen  der  hochroten  Beeren.  — Battante  de  cloche: 
Glockenklöppel,  wegen  des  Blütenkolben.  i 

e.  Cuckoo-pint,  s.  unter  Pfaffenpint.  Vielleicht  auch  wegen  der  hohlen  I 

Blütenscheide,  unter  Pint  versteht  man  im  engl,  ein  Hohlmaß.  Nach  ? 

dieser  Erklärung  hieße  die  zur  Kuckuckszeit  blühende  Pflanze:  j 

„Kuckucksmaas.“  — Wake-Robin  = Wacht-Robert,  s.  unter  frz.  Chan-  ‘ 

delle,  ebenso  unter  Geranium  Robertianum.  — Lords  and  Ladies: 

Herren  und  Damen,  wegen  der  Anordnung  der  Staubblätter  und  ; 

Stempel. 

71.  Aronskelk,  wegen  der  hohlen  Blütenscheide.  — Kalfsvoet.  . 

Asarum,  aoaqov.  \ 

Diosc.  I.  9.  Ttoa  evcoöi^g  OTecpavoj.iaTiy.ri.  • 

Plin.  XXL  16.  Asaron:  quin  immo  asaron  invenio  vocatari,  quoniam 
in  coronas  non  addatur. 

Nach  Plin.  wurde  die  Pflanze  nicht  zu  Kränzen  verwandt  und  habe 
dieserhalb  den  Namen  erhalten:  von  a negat  und  oalgto  schmücken. 

— Nach  Diosc.  wurde  sie  aber  doch  zu  Kränzen  verwandt  mid  ■ 

wäre,  wenn  erwähnte  Ableitung  zutreffen  sollte,  das  a euphemistisch 
aufzufassen.  — Nach  anderer  Erklärung  von  a negat.  und  occQog 
Zweig,  da  der  Stengel  nur  an  der  Spitze  zwei  Blätter  trägt.  — Sollte 
der  Name  nicht  aus  der  Bezeichnung  des  Diosc.  für  diese  Pflanze, 
nämlich  aus  aygla  vcxqdog  verderbt  sein?  Die  Pflanze  hieße  dann 
soviel  als  wilde  Narde,  weil  sie  dieser  an  aromatischem  Geruch 
nahesteht. 

d.  Haselwurz,  verderbt  aus  Asarum  oder  weil  sie  unter  Haselsträuchern 
wachsen  soll.  — Wilde  Narde.  — Weihrauchkraut,  wegen  des  Ge- 
ruchs der  Blätter.  — Brechwurz,  wegen  der  Giftwirkung. 

f.  Asaret  — Rondelle,  wegen  der  runden  Blätter.  Oreille  d’homme, 

Mannsohr,  wegen  der  runden,  ohrförmigen  Blätter.  — Cabaret: 
wahrscheinlich  statt  bacaret,  vom  lat.  baccar,  dem  Namen  einer 
Asarum  sehr  nahestehenden  Pflanze;  von  bacca,  kleine  runde  Frucht. 

Cabaret  scheint  volksetymologisch  für  das  unbekannte  Wort  bacaret  g 

getreten  zu  sein.  Da  Cabaret  Schenke  bedeutet,  suchten  andere  Er-  J 

klärer  den  Pflanzennamen  hiermit  insofern  in  Zusammenhang  zu  1 

bringen,  daß  sie  sagten,  der  Genuß  des  Pflanzensaftes  errege  wie  zu  1 

reichlicher  Alkoholgenuß  Erbrechen.  Man  behauptete  auch,  man  habe 
Trinkern,  um  sie  dem  Alkohol  abspenstig  zu  machen,  den  wider- 
wärtigen Asarumsaft  an  das  Glas  geschmiert.  Doch  scheinen  diese 
Erklärungsversuche  ebenso  weit  abzuliegen,  als  die  Vermutung,  daß 
Asarum  aus  dem  lat.  combretum,  dem  Namen  einer  Binsenart,  ent- 
stellt sei.  Wahrscheinlich  ist  cabaret  aus  asaret  assimiliert. 

e.  Asarabacca,  s.  die  Erklärung  von  frz.  cabaret.  — Hazelwort  — 

Wild  Nard. 

71.  Mansoor. 


23  — 


Asparagus,  darcagayog. 

Theophr.  Hist,  plant.  VI.  4.  2.  *AvaßXaOTdvei  de  0 ‘mvXdg  e/.  zijg 
a(jq)ayLdgrov7iQog%aL  söwöea^ucg  eötlv.  etd^  ovxcjg  djtoTQayvveTai 
yial  e^cc/Mv^ovTai  TcgoLOvorig  zig  wgag. 

Varro.  Ling.  Lat.  IV.  Asparagi,  quod  ex  aspereis  virgulteis  nascun- 
tur  (s.  leguntur)  et  ipsi  asperi  sunt.  Nisi  Graecum  illi  enim 
quoque  dicitur  daTtagayog. 

Isid.  etym.  XVII.  10.  19.  Asparagus  quod  spinosus  et  asper  sit, 
ut  frutex  ejus,  ex  quo  gignitur. 

Bei  den  südeuropäischen  Spargelarten  verw^andeln  sich  die  Blätter  im 
Laufe  der  Jahreszeit  in  Domen,  daher  wird  Asparagus  von  asper  rauh 
abgeleitet  — event.  von  OTtagdoaco  zerreißen,  wegen  der  stachelspitzigen 
Blätter,  oder  weil  seine  Sprosse  die  Erde  zerreißen,  d.  h.  lockern.  Das 
a ist  G 7t agdoG CO  als  Intensivum  vorgesetzt  — nach  anderer  Meinung  von 
aspergere,  besprengen,  weil  man  mit  seinem  Kraut  Wasser  sprengte. 

d.  Spargel.  Diminutivform  aus  dem  Lat. 
f.  Asperge. 

e.  Asparagus. 

71.  Asperge:  Koraalkruid,  = Korallenkraut,  wegen  der  roten  Beeren. 

Asperugo. 

Plin.  XXVI.  65.  sed  asperioribus  foliis,  asperugo  vocatur. 

von  asper,  rauh,  wegen  der  stachligen  Stengel  und  borstigen 

Blätter. 

d.  Schärfling,  von  scharf.  Desgl. 

f.  Räpette  von  räper,  reiben.  Auch  Echium  wird  aus  nämlichem  Grunde 
so  genannt. 

e.  Madwort,  s.  unter  Alyssum. 
n.  Sherpkruid  = Scharfkraut. 

Asperula. 

Diminutivform  von  asper,  rauh,  wegen  der  Rauhigkeit  der  Blätter, 
die  besonders  im  Herbst  zu  konstatieren  ist. 

d.  Meister,  soll  wahrscheinlich  auf  die  Heilkraft  des  Krautes  deuten.  — 
Waldmeister  (A.  odorata,  wegen  des  Geruchs.) 

f.  Asperule  — Petit  mugnet,  vom  lat.  muscus  = Moschus,  desgl.  Reine 
des  Bois,  Königin  der  Wälder,  vergl.  Waldmeister. 

e.  Woodruff,  von  wood  = Wald  und  ruff  verwandt  mit  rot,  wegen  der 
Färbekraft,  speziell  von  A.  tinctoria.  Färbermeister  — oder  von  ruff, 
rüffle  Kragen,  wegen  der  kragenförmig  um  den  Stengel  gestellten 
Blätter. 

fl.  Meikruid,  auch  zu  deutsch  Maikraut,  da  es  im  Mai  besonders  gut 
duftet.  — Lieve  vrouwen  bedstroo,  auch  zu  deutsch:  Unserer  lieben 
Frauen  Bettstroh,  da  es  den  Wöchnerinnen  zur  Erleichterung  des 
Wochenbettes  unter  das  Bett  gelegt  wurde.  — Auch  Ruwkruid,  vergl. 
engl.  Woodruff. 


24 


Aster,  aozriQ, 

zu  deutsch  Stern,  wegen  des  Strahlenkranzes  der  Compositenblüte. 

d.  Aster,  Sternblume. 

/.  Aster, 

€.  Aster. 

n.  Aster. 

Astragalus,  aorqdya'kog. 

Unter  dem  griech.  Namen  versteht  man  Halswirbel,  Sprungbein, 
Würfel.  Die  Bezeichnung  wurde  auf  die  Pflanze  wegen  der  eckigen 
Samen  übertragen. 

d.  Tragant,  von  rgaydyiav&aj  Bocksdorn,  dem  griech.  Namen  des 
dornigen  Astragalus  verus,  der  den  süßlich- weißKchen  Tragantgummi 
ausschwitzt. 

/.  Astragale  — Faux  reglisse,  von  Wurzel  und  yXvyivQ,  süß  = 

Falsche  Süßwurzel,  im  Gegensatz  zu  Glycyrhiza,  der  echten  Süßwurzel, 
der  sie  ähnlich  sieht;  vergl.  auch  den  deutschen  Ausdruck  Lakritzen- 
wicke: Lakritz  verderbt  aus  yXv'Avqita’,  wicke,  weil  sie  mit  dieser  nahe 
verwandt;  auch  wilde  Kichern,  d.  h.  wilde  Wicken,  benannt. 

e.  Astragal.  — Milkvetch:  Milch  wicke : s.  o. 

71.  Hokjespeul,  peul  = Hülse,  die  Pflanze  ist  eine  zweifächeiige  Hülsen- 
frucht. 

Atriplex,  aTgacpa/ug. 

Atriplex  aus  dem  vorstehenden  griech.  Namen,  der  von  a negat  und 
Tovcpdoj  schwelgen,  oder  Tgecpco  ernähren  herzuleiten  ist,  womit  die 
Pflanze  als  nutzloses  Unkraut  bezeichnet  wäre. 

d.  Melde,  verwandt  mit  mild,  wegen  der  zarten  Blätter  oder  mit  Mehl 
wegen  des  weißschilfrigen  Aussehens  und  mehligen  Anfühlens  der- 
selben. Nach  anderer  Meinung  verwandt  mit  griech.  (.laXdoGELV 
erweichen,  wegen  der  purgativen  Wirkung  vergl.  Diosc.  II.  145. 
lovi  Ö€  y.oiXlag  Lia?My,Tiy.6v,  daher  auch  gewöhnlich  Scheißmelle 
genannt. 

/.  Arroche,  arreuce,  wallon.  aripe,  ärose,  bei  Namur  aurause,  aus  dem 
lat.  verderbt;  desgl.  ital.  atrepice.  Der  wallon.  Name  läripe  ist  durch 
Agglutination  des  Artikels  gebildet;  vergl.  levrone  (Artemisia  abrota- 
num)  und  lierre  (Hedera)  — Bonne  dame,  belle  dame,  gute  Frau, 
schöne  Frau,  weil  sie  als  Heilmittel  benutzt  vairde. 

e.  Orache  vergl.  franz.  arroche. 

71.  Melde.  — Mel. 


Atropa, 

von  (xTQOTtog,  unabwendbar,  also  wurde  auch  die  eine  der  drei 
Parzen  bezeichnet,  die  den  Lebensfaden  abschneidet.  Die  Pflanze 
ist  demnach  wegen  ihrer  Giftwirkung  so  benannt.  A.  Belladonna 


25 


(ital.)  = Schöne  Frau;  in  Italien  soll  man  den  Saft  der  Beere  als 
Schminke  gebraucht  haben  oder  um  die  Pupillen  weit  zu  machen 
und  dadurch  dem  Auge  ein  interessantes  Aussehen  zu  geben. 

d.  Tollkirsche.  Die  Beere  wird  von  Kindern  mit  der  Kirsche  ver- 
wechselt. Tollkirsche  wegen  der  Giftwirkung.  — In  der  Mark  auch 
Römerin  benannt,  s.  vorher. 

f.  Belladonne.  — Morelle  furieuse,  vom  niederlat.  morella,  schwärzlich, 
wegen  der  Beerenfarbe;  furieux  rasend,  toll,  weil  dem  Tod  ein 
Wutdelir  vorangeht. 

e.  Deadly  nightshade,  zu  deutsch  tödlicher  Nachtschatten;  nächster  Ver- 
wandter des  Nachtschatten  s.  unter  Solanum.  — Dwall,  vom  ags. 
dwelian,  irren,  betäubt  sein. 

n.  Wolfskers  = Wolfskirsche;  vergl.  Wolfsmilch  (Euphorbium)  — Dood- 
kruid  — Belladonna. 


Ayena, 

von  avis,  Vogel,  da  die  Vögel  den  Hafer  gern  fressen.  Nach  anderer 
Meinung  von  aveo,  begehren,  wegen  der  Begierde,  mit  der  die  Tiere 
den  Hafer  fressen.  Nach  dritter  Meinung  von  havere,  gesegnet 
sein,  gesund  sein,  weil  der  Hafer  ein  wichtiges  Nahrungsmittel  ist. 
Wieder  andere  bringen  es  mit  dem  griech.  Verb  ar(vaLy  blasen,  in 
Verbindung,  da  der  Halm  als  Hirtenpfeife  verwendet  wurde.  Mög- 
licherweise ist  A.  mit  dem  deutschen  Hafer  eines  Urstamms. 

d.  Hafer,  verwandt  mit  altnord,  hafr,  Bock,  dem  der  Hafer  noch  heute 
als  Futter  gegeben  wird. 

f.  Avoine,  in  der  Normandie  ist  noch  zuweilen  der  lat.  Namen  selbst 
gebräuchlich. 

e.  Oat,  verv’andt  mit  eat,  essen. 
n.  Haver. 


B. 


Ballota^ ' ßalXtoTT^^ 

verwandt  mit  ßal?M,  wegwerfen,  da  sie  wegen  ihres  unangenehmen 
Geruchs  eine  verw'erfliche  Pflanze  ist. 

d.  Bulte,  aus  dem  lat.  — Gottesvergeß,  wegen  ihres  widerlichen  Geruchs; 
stinkender  oder  schwarzer  Andorn,  wegen  der  dunkelgrünen  Blätter 
und  seiner  Verwandtschaft  mit  dem  Andom  (Marrubium).  — Schw^arz- 
nessel,  die  Pflanze  sieht  der  Taubnessel  sehr  ähnlich. 

f.  Marrube  noir  = schwarzer  Andorn. 

e.  Black  Hemp-nettle  = schw'arze  Galeopsis.  s.  d. 
n.  Ballote. 


26 


Barbaraea. 

Zu  Ehren  der  heil.  Barbara,  der  Schutzheiligen  der  Soldaten,  so  ge- 
nannt, da  die  Pflanze  als  Wundkraut  benutzt  wurde. 

d.  Barbarakraut  — Winterkresse,  nächste  Verwandte  von  Nasturtium 
der  Kresse.  Winterkresse,  da  sie  als  zweijährige  Pflanze  überwintert. 

f.  Barbaree  — Herbe  de  Sainte  Barbe  — Cresson  de  terre.  Erd- 
kresse. 

e.  Wintercress  — Yellow  rocket,  gelbe  Rauke,  wegen  der  goldgelben 
Kronblätter  und  ihrer  Verwandtschaft  mit  Eruca  (Cruciferen). 

//.  Winterkers:  Winterkresse. 


Bellis, 

von  bellus,  lieb,  schön,  niedlich,  wegen  dem  kleinen,  hübsch  blühenden 
Pflänzchen  so  benannt. 

d.  Gänseblümchen,  weil  es  auf  der  Gänseweide  wächst  und  von  Gänsen 
gefressen  wird.  — Maßliebchen  = Matteliebchen  = Wiesenliebchen; 
vergl.  das  lat.  pratolina.  — Zeitlose  (Graubünden,  Braunschweig), 
weil  sie  zu  jeder  Zeit  blüht,  sich  an  keine  bestimmte  Blütezeit  ge- 
bunden hält;  vergl.  im  Gegensatz  hierzu  die  (Herbst)zeitlose,  Colchis. 

f.  Petite  Marguerite,  weil  die  Blüte  wie  eine  „kleine  Marguerite“  aus- 
sieht, s.  unter  Chiysanthemum;  vergl.  die  Bezeichnung  in  der  Eifel: 
Magdalenblümchen.  — Päquerette  von  päques,  Ostern,  da  sie  um 
diese  Zeit  zu  blühen  beginnt.  — Päturage,  Weide,  weil  es  auf  den 
Weiden  wächst. 

e.  Daisy  aus  day’s-eye,  Tagesauge,  wegen  der  Blütenform  (Composite). 
71.  Madeliefje,  vergl.  deutsch:  Maßliebchen. 


Berberis, 

im  barbar  - ärztlichen  Griech.  ßeQßeQiqg  genannt.  Ursprünglich  viel- 
leicht aus  der  arab.  Bezeichnung  barbäris,  berbäris,  berberis : pers.  barbari, 
türk,  barbaris,  womit  die  Beere  eines  stachligen  Strauches  bezeich- 
net werden  soll.  — Nach  anderer  Meinung  soll  B.  soviel  als  eine 
Pflanze  aus  der  Berberei  bedeuten. 

d.  Berberitze  — Sauerdorn,  wegen  der  säuerlichen  Beeren  des  dornigen 
Strauches. 

f.  Berberis  — Epine-vinette,  nach  Meinung  der  einen:  Dornwein,  weil 
aus  seinen  Früchten  ein  Wein  hergestellt  werde,  oder  weil  dieselben 
in  Trauben  angeordnet  sind,  nach  Meinung  der  anderen  ist  vinette 
ein  Synonym  für  oseille,  Rumex  acetosa.  Epine-vinette  hieße  danach 
soviel  als  Domampfer,  wegen  des  säuerlichen  Geschmacks  der  Blüte 
und  Früchte. 

e.  Barberry,  aus  berberis,  dessen  letzter  Bestandteil  wegen  der  Beeren- 
fmcht  zu  berry  assimiliert  wurde. 

71.  Berberis. 


27 


Beta, 

der  keimende  Samen  soll  an  die  Form  eines  griech.  B(eta)  erinnern; 
nach  anderer  Meinimg  vom  kelt.  bette,  rot,  wegen  der  roten  Farbe 
der  Wurzelrinde;  vielleicht  auch  von  dem  griech.  und  lat.  meta, 
das  jede  spindelförmige  Figur,  in  diesem  Falle  die  Rübe  bezeichnet. 

d.  Bete,  Runkelrübe,  Runkel  soll  eine  verstärkende  Bedeutung  haben 
(vergl.  Brotrunken,  derbe  Brotschnitte),  also  etwa  soviel  als  derbe 
Rübe,  wegen  ihrer  Dicke  — Zuckerrübe,  da  Zucker  aus  ihr  raffi- 
niert wird.  — Die  Bezeichnung  Mangold  ist  etymologisch  äußerst  unklar. 

f.  Bette. 

e.  Beet. 

71.  Biet. 

Betula. 

Plin.  XVI.  30.  betulla:  Gallica  haec  arbor. 

Die  Römer  nannten  die  Birke,  die  sie  in  Gallien  kennen  lernten, 
sicherlich  nach  der  dort  üblichen  Bezeichnung:  betula.  Betu  ist  der 
kelt.  Name  des  Baumes,  der  noch  heute  in  Schottland  beith  ge- 
nannt wird.  Die  griech.  Bezeichnung  or^utöa  mag  aus  betula  ver- 
derbt, möglichweise  assimiliert  sein,  unter  Anlehnung  an 
gären  und  /.ivöog,  Flüssigkeit,  wegen  des  Birkenwassers. 

d.  Birke,  verwandt  mit  Borke,  engl,  bark  (das  seinerseits  von  bergen, 
umhüllen  abzuleiten),  wegen  der  weißborkigen  Rinde.  Im  Sanskr. 
wird  die  Birke  bjurja  genannt.  — Maibaum,  als  der  zuerst  aus- 
schlagende Frühlingsbaum. 

f.  Bouleau,  dialektlich  kontrahiert  zu  beoule,  aus  Betula. 

e.  Birch,  k-laut  wechselt  in  ch;  vergl.  dän.,  skandinav.  kirk,  engl,  church. 
d.  Kirche. 

71.  Berk. 

Bidens, 

von  bis:  doppelt  und  dens:  Zahn,  Zweizahn.  Bei  ihm  verwandeln 
sich  die  zwei  bis  vier  Kelchblätter  zu  starren  Fortsätzen  der  Frucht. 

d.  Zweizahn  — Krautgartenläuse , wegen  des  Aussehens  und  Hängen- 
bleibens der  Früchte  an  den  Kleidern;  vergl.  die  ostfriesische  Be- 
zeichnung: sitt  in  d’Hose. 

f.  Bident  — Chanvre  d’eau  = Wasserhanf.  Eine  Wasser])flanze,  deren 
Blätter  denen  des  Hanf  gleichen. 

e.  Bur-marigold  = rauhes  Mariengold,  wegen  der  goldgelben  Blüten,  der 
Maria  zu  Ehren  benannt.  Die  Pflanze  ist  zuweilen  behaart;  betr.  bur 
vergl.  unter  Borago;  Gaelisch.:  Lus-mari  [Läusemarie],  ahd.  lüs,  engl, 
louse  die  Laus. 

71.  Tandzaad  ==:  Zahnsaat.  — Goudbloem  = Goldene  Blume. 

Borago,  aus  dem  Latein  des  Mittelalters, 

vom  arab.  a bu  rach,  bezw.  abü  araq,  Vater  des  Schweißes,  da  die 
Pflanze  als  schweißtreibendes  Mittel  benutzt  wurde,  oder  vom 


28 


spätlat.  und  ital.  borra,  burra,  Haar,  wegen  der  behaarten  Blätter,  event. 
von  burdunculus,  womit  die  Pflanze  von  Marc.  Emp.  bezeichnet 
wird;  burdunculus  dürfte  aber  als  Diminutiv  zu  burdo  = Maulesel 
aufzufassen  sein.  Hiernach  hätte  die  Pflanze  den  Namen  von  ihrem 
grauen,  behaarten  Aussehen  erhalten. 

d.  Borretsch. 
f.  Bourrache. 

e.  Borage. 

71.  Bemagie. 

Brachypodiuni, 

von  ßga^vg^  kurz  und  Ttovg,  Fuß.  „Kurzstiel“,  weil  die  Ährchen 
bloß  an  kurzen  Stielen  getragen  werden. 

d.  Zwenke,  Etym.  unbekannt. 

f.  Herbe  sure,  saures  Kraut.  Es  wird  von  den  Tieren  verabscheut. 

e.  False  Brome  = Falsche  Trespe.  Sieht  der  Trespe  (Bromus)  ähn- 
lich und  ist  mit  ihr  verwandt. 

71.  Kortsteel  — Kurzstiel. 

Brassica. 

Varro  Lingua  Latina.  IV.  Brassica  ut  praeseca,  quod  ex  huius  scapo 
minutatim  praesecatur, 

von  praesecare,  weil  von  seinem  Stengel  allmählich  abgeschnitten 
wird,  oder  von  ßXaGTavto,  sprossen,  oder  event.  von  ßgaOGCo,  knistern, 
weil  seine  Blätter  beim  Abbrechen  knistern;  vergl.  auch  kelt.  Bresic, 
Brassic  = Kohl. 

d.  Kohl,  lat.  caulis  und  griech.  vMulog  = Stengel.  Grundbegriff  von 
Kohl  ist  demnach  Röhre  und  Stengel;  also  Kraut  mit  starkem  Stengel. 
/.  Chou,  desgl. 

€.  Colewort,  desgl. 

71.  Koöl,  desgl. 

Brassica  sabauda, 

zu  deutsch:  Savoyischer  Kohl,  da  er  aus  Savoyen  (Norditalien)  ein- 
geführt wurde. 

d.  Wirsing,  ital.  verza,  vom  lat.  viridis,  grün,  zu  deutsch  grüner  Kohl. 

f.  Chou  de  Milan  = Mailänder  Kohl. 

e.  Savoy. 

71.  Savoyekool  — Groene  Kool. 

Brassica  gongyloides, 

von  yoyyvXigj  Rübe,  also  rübenähnlich.  ‘ 
d.  Kohlrabi  = Kohlrübe. 

f.  Choux-rave,  desgl. 

.e.  Cole-rape,  desgl. 
n.  Koolraap,  desgl.  - 


29 


Brassica  rapa. 

Isid.  etym.  XVIIL  lo.  7.  Rapa  dicta  a rapiendo,  id  est  compre- 
hendo, 

rapa  von  rapere  = raufen,  weil  er  ausgerauft  wird,  ebenso  Rübe 
von  rapa. 

d.  Rübsen  — Rübenkohl. 

/.  Turnep(s)  (die  Akademie  schreibt  fälschlicherweise  mit  s,  dies  ist  nur 
das  Pluralzeichen  der  englischen  Sprache,  aus  dem  das  Wort  ent- 
lehnt). 

c.  Turnip,  verwandt  mit  tor,  das  im  Dialekt  von  Wales  Anschw-ellung 
heißt  und  von  Napus,  s.  im  folgenden. 
n.  Raap(zaad). 


Brassica  Napus. 

Isid.  etym.  XVII.  10.  8.  Napus  a similitudine  rapae  vocatur. 
Napus  verwandt  mit  rapa. 
d.  Raps. 

f.  Navet,  vom  lat.  Napus. 
c.  Rape(seed),  cole(seed). 
n.  Koolzaad. 


Briza, 

ßqita  hieß  eine  thrakische  Getreideart,  die  noch  heute  daselbst 
wrisa  heißt.  Das  Wort,  vielleicht  verwandt  mit  oQv^a,  Reis,  ist 
wahrscheinlich  nicht  griech.  Herkunft.  Der  Name  Briza  wurde 
von  Linne  auf  das  Zittergras  übertragen  und  wäre  dementsprechend 
mit  ßgitco,  ßgiGw  (mit  Frucht)  belasten  oder  ßgid^co,  schläfrig  sein, 
im  Einklang  zu  bringen,  wegen  der  an  zarten  Stielen  hängenden 
Ährchen. 

d.  Zittergras,  Bebergras  (Mecklenburg),  Ich  acht  sein  nicht!  (Österreich), 
Muttergottestränen  (Kärnten),  Läuse,  Schellenbäumchen  (Hessen): 
wegen  der  herzförmigen  kleinen  Ähren,  die  vom  leisesten  Windhauch 
bewegt  werden,  vergl.  unter  Populus  tremula. 

/.  Tremblette  von  trembler:  zittern  — Langue  de  femme:  Frauenzunge 
— Amourettes. 

e.  Quakinggrass : quake,  zittern. 

n.  Trilgras  von  trillen,  zittern  — Bevertjes. 


Bromus. 

Plinius  XXIL  79.  Bromos  nascitur  inter  vitia  segetis  avenae  genere. 
Ableitung  von  ßgof-iog,  Hafer,  oder  ßgaJ/iia,  Speise,  weil  die  Pflanze 
ein  gutes  Futterkraut  ist. 

d.  Trespe,  mhd.  trefs,  wahrscheinlich  verwandt  mit  Treppe,  niederl. 
trap,  Stufe,  portug.  trepar,  klettern,  wegen  der  treppenförmig  auf- 


30 


gebauten  Blütenanordnung  der  Ährchen.  Die  Bezeichnung  „Durst“ 
aus.  Trespe  assimiliert.  Romweizen  = Rauhweizen,  s.  vorher. 
f.  Brome,  aus  dem  lat. 

.e.  Brome,  desgl. 

n.  Dravik,  vergl.  unser  Täverich,  verv^andt  mit  Trespe. 

Brunella. 

Die  Pflanze  wirkte  gegen  die  Brämie,  ihr  offizieller  Name  ist  aus  dem 
deutschen  Wort  Bräune  latinisiert. 

d.  Braunelle,  im  österr.  Mundfäulkraut. 
f.  Brun  eile. 

e.  Self-heal,  auch  zu  deutsch:  Selbstheil. 
n.  Brunei,  Bruinel. 

Bryonia,  ßgvcovla, 

von  ßgroj,  hervorwuchern,  — oder  von  ßqvov,  Kätzchen,  wegen  der 
wie  Kätzchen  aussehenden  Fruchtzapfen. 

d.  Zaunrübe,  wächst  an  Zäunen  und  hat  eine  rübenförmige  Wurzel.  — 
Gichtrübe,  gegen  Gicht.  — Stickwurz,  weil  sie  denen  helfen  sollte, 
die  vor  Keuchen  und  Husten  dem  Ersticken  nahe  wären,  oder  aus 
der  mhd.  Bezeichnung  Scitwurz  = Scheißwurz  verderbt.  Die  giftige 
Wurzel  rief  Diarrhöen  hervor.  — Die  Bezeichnung  wilder  Wein  ist 
daher,  weil  ihre  Blätter  dem  Weinlaub  ähnlich  sehen,  nur  daß  sie 
weißlich  sind,  daher  Bryonia  alba,  weiße  Br.  — Wilder  Kürbis,  die 
Pflanze  ist  eine  Cucurbitacee.  — Entwin  wohl  verdorben  aus  Zitwer, 
der  Curcuma  cedüaria,  einer  Verwandten  der  Bryonia,  aus  dem 
arab.  dschadwär. 

f.  Bryone.  — Couleuvree  von  couleuvre  = Natter,  wegen  der  sich  ver- 

schlingenden Zweige.  — Vigne  blanche  weißer  Wein.  Rave  de 
serpent,  Schlangenrübe,  da  sie  giftig  ist  und  sich  schlangenförmig 
ivindet.  Navet  du  Diable  = Teufelsrübe.  Herbe  aux  femmes 

battues  = Kraut  der  geschlagenen  Frauen,  man  legte  Wurzelschnitte 
auf  die  Beulen,  um  diese  vermeintlich  rascher  zur  Heilung  zu  bringen. 

e.  Bryony. 

n.  Heggerank.  Die  Heckenrübe  rankt  sich  an  Hecken  empor. 
BupMhalmum,  ßovcp&ali^iov. 

Diosc.  IV.  58.  xQVödvd^ELiov  Ol  de  ßotcpd^ali^iov.  avd-rif,iriltva,  lo^v- 
Qwg  OTilßovTa  yial  ocpS-aluoeiScog  zuzXorcorj. 

Galen.  II.  14.  Bov(p&aXf.iov  wrcjuaGTai  f.iev  ouTwg  a7zd  riov  avdtov 
eorjiivai  Öoaovvtwv  ymzcc  to  O'/rj^ia  ßodg  0(pd^aXf.i(p  (desgl.  Aetius 
Sermo  I.). 

Isidor,  etym.  XVII.  9.  93.  Buphthalmum  florem  habet  croceum, 
oculo  similem.  Unde  et  a Graecis  nomen  accepit. 
ßov(pd-aXf.iov  aus  ßovg  Ochse  und  o(pd-alj.i6g  Auge,  wegen  derstrahlen- 
blütigen,  großen  Kompositenblume. 


31 


d.  Rindsauge,  vergl.  auch  unter  Xrysanthemum. 
f.  Oeil  de  boeuf,  Ochsenauge. 

e.  Ox-eye,  desgl. 

n.  Runderoog  — Rinderauge. 

Bupleurum,  ßovTxlevQov, 

ßovTtXevQOv y Ochsenrippe,  wegen  der  hervorstehenden  Samenrippen 
oder  wegen  der  scharfen  Blattränder,  die  mit  Ochsenrippen  verglichen 
wurden. 

d.  Hasenohr,  wegen  der  eiförmigen  langzugespitzten  Blätter. 

f.  Buplevre,  aus  dem  lat.  — Oreilles  de  lievre:  Hasenohren. 

e.  Hare’s-ear,  Hasenohr. 

n.  Doorwas,  auch  zu  deutsch  Durch  wachs,  der  Stiel  scheint  durch  die 
beiden  ihn  umgebenden  Blätter  wie  hindurchgewachsen. 

Butomus,  ßovroiLiog, 

von  ßoug,  Ochse,  ret.ivELV,  schneiden:  „Ochsenschnitt“,  weil  die  Ochsen 
die  scharf  schneidige  Wasserpflanze  gern  fressen  sollen. 

d.  Wasserliesch,  s.  unter  Carex.  — Schwanenblume,  als  Teichpflanze  so 
genannt. 

f.  Butome.  — Jone  fleuri,  Blumenbinse,  der  binsenähnliche  Stengel  trägt 
oben  eine  Dolde  rosafarbener  Blüten. 

e.  Flowering  Rush.  = Blühende  Binse. 
n.  Waterlisch,  Swanebloem. 

BUXUS,  Ttv^og. 

Isid.  etym.  VH.  53.  Buxus  Graecum  nomen  est,  ex  parte  a Latinis 
corruptum,  7tvtog  enim  appellatur  a Graecis  arbor  sempervirens 
et  levitate  materiae  elementorum  apicibus  apta. 

Tcv^og  verwandt  mit  rcvytvog,  dicht,  fest,  gedrängt,  wegen  der  Dichtig- 
keit des  Holzes  und  des  Blätterstandes,  in  letzterer  Hinsicht  auch 
event.  von  TtTvaaco,  Übereinanderfalten,  abzuleiten. 

d.  Buchsbaum,  aus  dem  lat. 

f.  Buis,  desgl. 

e.  Box,  desgl. 

71.  Buks  (boompje).  Palmboompje,  da  Buchszweige  an  Stelle  von  Palm- 
zweigen am  Palmsonntag  benutzt  werden. 


C. 

Cakile, 

von  '/«zog,  schlecht,  Cakile  also  etwa:  „Unkraut“,  oder  vom  arab. 
Kakaleh. 

d.  Rocket,  eine  Seepflanze,  deren  Blumen  und  Blätter  der  Eruca  gleichen 
die  engl,  ebenfalls  rocket  heißt. 


32 


1 

i 

I 

/.  Caquillier  — Roquette  de  mer  = Meerrauke. 
e.  Rocket. 

n.  Raket,  heißt  auch  Eruca,  mit  der  sie  aufs  nächste  verwandt  ist. 

Calamagrostis, 

aus-  YMlajiiog  und  aygioarig,  „Rohrgras“. 
r/.  Reit(h)gras,  s.  u.  Carex. 

/.  Calamagrostide. 

Small  reed,  Kleinrohr. 

u.  Struisriet  = Strausrietgras,  wegen  der  ausgebreiteten  Rispen  oder  da 
es  in  Sträuße  eingebunden  wird. 

Calamintlia,  yMlaf^ilvd^ri,  ^ 

zu  deutsch  schöne  Minze,  sie  gleicht  einer  Minze  (Mentha)  mit  großen  ' 

Blüten,  oder  aus  '/.aXaf-iOf-iivd^ri^  von  y^aXaf-iog,  Halm,  Stoppel,  da  sie  i 

auf  Stoppelfeldern  häufig  sei.  ■ 

d.  Kölme,  aus  dem  offiz.  Namen  verderbt. 
f.  Calament. 

e.  Calamint. 

n.  Steenthym  = Steinthymian.  Die  Pflanze,  eine  Labiate,  ist  dem  ; 

Thymus  sehr  nahe  verwandt  und  wächst  in  einzelnen  Arten  auf  j 

Felsen  und  steinigen  Hügeln. 

Calendula.  | 

Kalendae:  der  erste  eines  jeden  Monats,  auch  für  Monat  selbst.  i 

Calendula  etwa  „Monatsblume“,  da  sie  Monate  hindurch  blüht:  da-  • 

her  auch  Flos  omnium  mensium  genannt.  j 

d.  Ringelblume,  wegen  der  halbkreisförmigen  Frucht,  oder  weil  die  gelb- 
strahlige  Kompositenblüte  einem  goldenen  Ring  entfernt  ähnlich  ist. 

— Totenblume.  Sie  ist  häufig  als  Gräberschmuck  anzutreffen.  — 

Gilken,  weil,  sie  zum  Gelbfärben  dient.  — Morgenröte,  da  sie  schon 
früh  die  Blüte  öffnet.  — Warum  in  Brandenburg  „Studentenblume“? 

f.  Souci,  altfrz.  soulsie,  von  sol,  Sonne,  sequi,  folgen,  da  sich  die  Blüten  ! 

nach  dem  Sonnenstand  drehen  oder  zur  Zeit  des  Sonnenaufgangs  I 

sich  öffnen  und  dann  erst  nach  Sonnenuntergang  sich  schließen.  ^ 

€.  Marigold,  vergl.  den  nahverwandten  Bidens,  Mariengold,  wegen  der 
goldgelben  Blüte. 
n.  Goudsbloem. 

Callitriche, 

so  hieß  ein  Farnkraut.  Auf  unsere  Gattung  ist  der  Name  wahr- 
scheinlich durch  Verw'echslung  gekommen. 

Plin.  XXII.  30.  Quidam  callitrichon  vocant  ab  effectu,  tinguit  enim 
capillum. 

Apulej.  medic.  herb.  48.  Graeci  callitrichon.  Latini  capillum  veneris. 

Herba  in  oleo  trita  capilli  uncti  inficiuntur. 


1 


33 


Isidor,  etym.  XVII.  9.  67.  Capillum  Veneris  vocatum,  sive  quod 
elapsos  post  alopeciam  capillos  recreat,  vel  quod  capillorum  fluores 
coercet,  vel  quod  sit  virgulis  nigris  lenibus  cum  splendore  quasi 
capilli. 

Von  Schönheit,  Haar,  das  Callitrichon  der  Alten 

war  ein  Haarmittel.  Die  jetzige  Callitriche  ist  eine  Pflanze,  deren 
Stengel  und  Blätter  grünen  Haaren  gleichen,  die  im  Wasser  flottieren. 

d.  Büngel,  vielleicht  von  bingein  harnen,  w'eil  die  Pflanze  möglichenv'eise 
als  harntreibendes  Mittel  benutzt  wurde;  vergl.  Mercurialis  — Wasser- 
stern; die  oberen  Blätter,  meist  zu  einer  Rosette  gehäuft,  schauen 
aus  dem  Wasser  hervor. 

f.  Callitrique  — Etoile  d’eau  = Wasserstem. 

e.  Callitriche  — Water  Starwort  = Wassersternkraut. 

n.  Haarsteng  = Haarstengel,  s.  oben.  — Sterrekroos  = Stemgekröse. 
Gekröse  wohl,  weil  sich  die  Stengel  untereinander  verwirren;  vergl. 
die  Bezeichnungen  Hühnerdarm  für  Anagallis  und  Stellaria,  wegen 
der  faserigen,  ausgebreiteten  Wurzeln.  Vergl.  auch  die  niederl.  Bezeich- 
nung für  Lemna:  Eendenkroos:  Entengekröse,  weil  sich  die  Lemna- 
blättchen  wie  Gekröse  ausbreiten.  Niederl.  kroos  mag  auch  mit  kraus 
verwandt  sein,  dieses  event.  wiederum  mit  Kraut.  Danach  bedeutete 
Sterrekroos  nur  soviel  als  Sternkraut. 

Calluna, 

von  AaXXvvojy  kehren,  reinigen,  VMXXvvTQOVy  der  Besen,  aus  seinen 
Zweigen  wurden  Besen  gemacht. 

d.  Heidekraut,  bildet  den  vornehmsten  Vegetationsbestand  der  Heiden. 

f.  Callune. 

e.  Ling,  isländ.  und  dän.  lyng,  vielleicht  verwandt  mit  Calluna  — Heather 
= Heidestrauch. 

n.  Struikheide,  desgl. 

Caltha, 

wahrscheinlich  identisch  mit  einer  im  Griech.  yidlx^  oder  xdXy.rj  ge- 
nannten Blumenart.  Caltha  dürfte  durch  Buchstabenumstellung  aus 
XaX'Aav&Tj  oder  xf^Xytov  dvd-og,  wie  gewisse  Kupferprodukte  benannt 
werden,  verderbt  sein.  Immerhin  dürfte  der  Pflanzenname  mit 
Xaly.og,  Kupfer,  wegen  der  goldgelben,  glänzenden  Blüte  in  Be- 
ziehung zu  bringen  sein.  — Nach  anderer  Meinung  aber  ist  der 
Name  aus  ydXad^og,  Körbchen,  abzuleiten.  — Die  Pflanze  vegetiert  in 
starken  Büschen,  aus  denen  wie  aus  einem  Blumenkorb  die  gelben 
Blüten  herausschauen  — oder  vom  selben  griech.  Wort  in  der  Be- 
deutung Becher  oder  Schale,  wegen  der  Form  der  Blüte. 

d.  Dotterblume,  wiegen  des  dottergelben  Kelches. 

f.  Souci  des  marais.  Die  gelben  Blumen  gleichen  an  Farbe  denen 
von  Calendula,  souci;  des  marais  = „Sumpf-“,  weil  es  an  Sümpfen 
wächst. 


Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


3 


34 


55 


e.  Marsh  Mangold  = Sumpf  - Mariengold , s.  ebenfalls  unter  Calendula.  ' 

11.  Dotterbloem. 

Camelina, 

Xai^ial,  am  Boden,  Xivov,  Lein.  Man  sät  die  Cameline  zur  selben 
Zeit  wie  den  Lein,  oder  man  hielt  die  Pflanze  für  degenerierten 
Lein;  nach  anderer  Ansicht  aus  y.aXai.L'^Xivov^  Stengellein,  event.  auch 
von  chamaemelina,  ein  Kraut,  das  der  Kamille  ähnlich  ist.  Urspr. 
ist  jedenfalls  sehr  unklar. 

(i.  Dotter,  wegen  der  gelben  Blüten  und  gelben  Samen.  V 

f.  Cameline  — Camomille  de  Picardie,  s.  oben,  wird  in  der  Picardie 
kultiviert,  da  man  aus  seinem  Samen  ein  Öl  gewinnt. 

e.  Gold  of  pleasure  = Freudengold,  wegen  der  goldgelben  Farbe  der 
Blüten  wie  Samen,  die,  wde  gesagt,  ein  nützliches  Öl  liefern. 

n.  Dotterbloem  — Huttentut,  woher  dieser  Name?  Vergl.  Huttelbeer- 

baum  für  Pirus  torminalis  und  blauer  Hutten  für  Hedysarum  obscu-  ' 

rum.  — Dotter  und  Huttentut  soll  sprachlich  verv\'andt  sein. 


Campanula, 

zu  deutsch  eine  kleine  Glocke,  nach  der  Landschaft  Campanien  be- 
nannt, wo  die  Glocke  erfunden  sein  soll.  Campana,  Glocke,  campa- 
nula  Diminutivform. 

d.  Glockenblume. 

f.  Campanule.  — In  der  Normandie:  Clochettes  = Glöckchen. 

e.  Harebell  = Hasenschelle;  vergl.  Foxglove,  Fuchshandschuh,  für 
Digitalis. 

n.  Klokje. 


Campanula  Rapunculus. 

Diminutivum  von  Rapa,  Rübe,  wegen  ihrer  fleischigen  Hauptwurzel. 

d.  Rapunzel. 

f.  Raiponce. 

e.  Rampion,  ramps. 

n.  Rapunzel  — sämtliche  Worte  vom  Lateinischen  abgeleitet. 

Campanula  rotundifolia, 

rundblättrige  Glockenblume,  mit  Bezug  auf  die  Form  der  Grund- 
blätter, die  aber  zur  Blütezeit  der  Pflanze  meist  verschwunden  sind. 
Zur  Blütezeit  hat  die  Pflanze  leinblattähnliche  Blätter. 
d.  Rundblättrige  Glockenblume  — Eisenhut,  wegen  der  Form  der  Blüte. 

f.  Campanule  ä feuilles  rondes  — Clochette. 

€.  Harebell  — Blue-bell. 

n.  Grasklokje,  da  sie  auf  Grasfeldern  wächst.  — Kleine  wilde  Klokskens. 


I 


35 


Cannabis,  -^/lawaßig, 

in  Anlehnung  an  canna,  y^avva:  Rohr,  das  ebenfalls  wie  der  Hanf 
zu  Flechtwerken  diente.  Nach  Kluge  ist  die  Entlehnung  des 
deutschen  Wortes  Hanf  aus  dem  südeuropäischen  cannabis  undenk- 
bar, da  die  Germanen  den  Einfluß  südlicher  Kultur  etwa  erst  im 
letzten  Jahrhundert  vor  unserer  Zeitrechnung  erfuhren.  Die  Griechen 
lernten  den  Hanf  im  5.  Jahrh.  v.  Chr.  kennen;  vergl.  Herodot.  IV.  74. 
'Eart  Ö8  oq)i  (sc.  ^yvi^'aig)  Aavvaßtg  (pvoi.iivr^  sv  xy 
jtaxvT^tjTog  ymI  f^ieyad^eog  xcu  Uvo)  ef.ig)eQeGTdTri.  xavTrj  di  TtoVLCß 
vTteQcpiqei  vMvvaßig'  avTrj  y.al  avTOf-iarrj  yal  OTteiQOj^iivri  qpvexai, 
yat  auTijg  Gpr/izeg  (.liv  yal  eif^iaxa  TtOLevvxat  xoioi  XivioLOi 
cuOLovarcc.  ovö^  dv,  doxtg  uij  yaQxa  XQißcov  el'r]  avxr^g,  ÖLayvohj, 
Xivov  rj  /Mvvdßiog  ian'  og  di  ^iri  dl-ds  yco  xr^v  yavvdßida,  XLveov 
doyrjOEi  elvai  xd  e!f.ia.  Die  Scythen  bauten  den  Hanf,  und  er  stammt 
wohl  aus  den  kaspischen  und  Aralgegenden,  wo  er  noch  jetzt  in 
Üppigkeit  wachsen  soll.  Die  Germanen  hätten  von  ihrer  Wanderung 
von  Asien  nach  Europa  beim  Durchzug  durch  die  eiwähnten 
Gegenden  Hanf  und  Hanflmltur  kennen  gelernt,  vielleicht  von  dem- 
selben Volke,  das  den  Griechen  das  Wort  ydvvaßig  lieferte.  Nach 
Kluge  sind  also  ydvvaßig  und  Hanf  verwandte  Begriffe  eines  Stamms; 
vergl.  arab.  canab,  pers.  desgl.,  kelt.  ebenso. 

d.  Hanf. 

/.  Chanvre,  norm,  cambre,  picard.  canv,  wallon.  ebene,  Saintogne:  charve, 
provenz.  cambre,  carbe,  cambe,  canebe,  canep,  ital.  canapa,  katalon. 
canam,  span,  cahamo,  portug.  cänhamo. 

e.  Hemp,  ags.  haenep. 

71.  Hennep. 

Capsella. 

Diminutiv,  von  capsa  = Kästchen,  wegen  der  taschenförmigen  Schoten. 
(L  Hirtentäschel. 

/.  Bourse  ä pasteur,  desgl. 

e.  Shepherd’s-purse,  desgl.  — altengl.  Poor  Man’s  Pharmacetie,  des  armen 
Manns  Apotheke,  als  Heilmittel. 

71.  Herderstasje,  desgl. 

Cardamiue,  /MQdafilvij. 

Diosc.  H.  205.  ^'ißr^Qig,  r(COi  y.aqdaf-iavxiyiv  xd  cfvlla  rcaq- 
6f.ioia  yMqddi-tip. 

Thesaurus  Graec.  Ling.  Paris  1841.  T.  IV.  p.  959.  yMpdaj-iivri: 
herbae  a nasturtii  similitudine  sic  nominatae.  Galen.  Volum.  XHI.  p. 
229.  et  Paul.  Aegin.  7.  xd  OLOVf.ißQiov  a nonnullis  vocari  yaQdauivr^v 
ait,  utpote  yctQddutp  TtQooeor/lg.  Item  Aribas.  collect.  Med.  12. 
Sisymbrium  esse  herbam  aquatilem:  ab  aliquibus  appellari  y.aq- 
dauLvXjV,  quoniam  x(p  y.aodduw,  i.  e.  Nasturtio,  sit  gustu 
similis. 


3 


36 


Cardamine  ist  an  Geschmack  wie  Blattform  dem  yMQÖaf.iov,  d.  h. 
Nasturtium,  der  Kresse  ähnlich  und  hat  daher  den  Namen  erhalten. 

d.  Schaumkraut;  häufig  findet  man  an  dieser  Pflanze  die  Larve  der 
Schaumcicade  (Cicada  spumaria)  in  einem  von  derselben  erzeugten 
Speichel.  — Daher  und  weil  sie  zur  Zeit  des  Eintreffens  der  Kuckuke 
blüht,  auch  „Kuckucksspeichel“  genannt.  — Störkeblöm  (ostfries.), 
Storchblume,  aus  ähnlichem  Grund  — Fleischblume,  wegen  der  matt- 
roten Farbe  der  frischen  Blüten,  s.  u. 

/.  Cresson  des  pres,  Wiesenkresse,  betr.  Kresse  s.  unter  Lepidium. 

<f.  Milkmaid,  Milchmädchen,  wegen  der  weißen  Blüten.  — Lady-Smock, 
Frauenhemd,  desgl.  vergl.  Shakespeare:  „Lady-Smocks  all  silver- white 
Paint  the  meadows  with  delight.“  — Cuckoo-flower.  — Bitter-cress. 

n.  Veldkers  = Feldkresse,  da  sie  auf  den  Fluren  wächst.  — Koekoeks- 
bloem  — Engeltjes,  wegen  der  weißen,  hübschen  Blüten.  — Pinkster- 
bloem,  d.  h.  rosa  Sternblume.  Die  sich  öffnenden  Blüten  sind  matt- 
rosa,  erst  ältere  Blüten  erscheinen  weiß,  vielleicht  wegen  der  blei- 
chenden Wirkung  der  Sonne. 

Carduus, 

führt  mit  den  dornigen  Gattungen  Carlina,  Cnicus,  Dipsacus,  Eryngium, 
Onopordon  dieselben  Hauptbezeichnungen. 

Von  cardo,  Spitze,  oder  verwandt  mit  kelt.  „ard“  Dorn,  wegen  der 
spitzigen  Domen,  mit  der  die  Distel  bedeckt  ist  — event.  von  carere, 
kratzen. 

d.  Distel,  verwandt  mit  tease  zupfen,  teare  zerreißen,  ebenso  mit 
Dom  (engl,  thom),  das  mit  zerren  verv’andt  ist;  oder  von  ags.  thydan, 
stechen,  — event.  von  altd.  degan,  gedeihen,  weil  die  Distel  ein  rasch 
gedeihendes  Unkraut  ist. 

e.  Thistle. 

f.  Chardon,  vergl.  die  lat.  Bezeichnung. 

n.  Distel. 

Carex, 

von  carere,  kratzen  oder  ysiQCOf  schneiden,  wegen  der  kieselsäure- 
haltigen, scharfen  Blattränder. 

d.  Rietgras,  von  kelt.  riet  = Feld,  ein  Gras,  das  in  manchen  Arten  im 
Feld  vorkommt,  oder  identisch  mit  der  Bezeichnung  Rieth  für  Bach, 
bzw.  Ried  für  Sumpf,  ein  Gras,  das  zuweilen  an  Gewässern  sich 
vorfindet.  Möglicherweise  auch  dasselbe  wie  Rieth,  Ried:  ein  Synonym 
für  Rohr.  ags.  hreod,  engl,  reed,  ahd.  hriot,  ried,  das  mit  rauschen 
oder  rütteln  wegen  der  im  Winde  schwankenden  Halme  in  etymo- 
logische Beziehung  gebracht  wird,  s.  auch  unter  Phragmites.  Ebenso 
vergl.  die  Bezeichnung  Reit(h)gras  (Calamagrostis),  das  sprachlich  mit 
Rietgras  eines  Stamms  sein  dürfte;  vergl.  hierzu  das  bayerische  Verb 
raitschen  für  wackeln,  schaukeln.  — Segge,  verwandt  mit  secare, 
schneiden,  wegen  der  Blattränder. 


37 


f.  Laiche,  provenc.  und  piemont. : lesca.  Ital.  heißt  lisca  Halm,  ahd. 
bedeutet  lisca  Rohr,  Schilf,  vergl.  ferner  die  deutsche  Bezeichnung 
Lieschgras  (Phleum).  Das  Wort  wird  mit  dem  frz.  lier,  binden,  in 
Verbindung  gebracht,  da  man  annimmt,  daß  die  Halme  zum  Binden 
benutzt  worden  sind. 
e.  Sedge,  vergl.  d.  Segge. 

71.  Zegge,  Sek.  — Rietgras.  — Bent  = Binse  (Juncus). 

Carlina. 

Karl  der  Große  soll  sich  mit  Erfolg  der  Pflanze  bedient  haben,  um 
seine  Kriegsleute  von  der  Pest  zu  heilen  — von  Linne  soll  sie  nach 
Kaiser  Karl  V.  benannt  sein  — nach  anderer  Meinung  soll  Carlina  aus 
Cardina  verderbt  sein;  letzteres,  von  Carduus  ableitbar,  soll  soviel  als 
kleine  Distel  bedeuten.  Die  Pflanze  ist  tatsächlich  der  Distel  nächst 
verwandt  und  hat  distelartiges  Aussehen. 

d.  Eberwurz,  da  der  Eber  das  Kraut  fressen  soll.  (?)  Es  wird  auch  Äber- 
wurz  geschrieben:  sollte  dies  Wort  nicht  mit  dem  tirol.  „aepr“,  d.  h. 
offen,  verwandt  sein,  wegen  der  offensichtlichen  Blüte  von  C.  acaulis? 

e.  Carline  thistle. 

f.  Carline. 

71.  Driedistel.  Man  hielt  den  mittleren  Stengel,  wenn  er  drei  Blumen 
hatte  und  man  ihn  bei  sich  trug,  für  ein  Mittel  gegen  Sodbrennen. 
Doch  bezieht  sich  diese  Bezeichnung  lediglich  auf  Carlina  vulgaris, 
da  C.  acaulis  nur  eine  einzige  Kompositenblüte  hat. 

Carpinus,  'Qvyla, 

von  yMQ(fogi  holzartige  Erucht,  ungenießbar  im  Gegensatz  zu  den 
Erüchten  anderer  Waldbäume  — oder  vom  kelt.  car  Holz  und  pen 
Kopf:  Aus  seinem  Holz  wurden  Ochsenjoche  hergestellt.  Vergl. 
Vitruv.  II.  9.  Carpinus  — itaque  Graeci  quod  ex  ea  materia  iuga 
iumentis  comparant,  quod  apud  eos  iuga  ^vya  vocitantur,  item  zy- 
giam  eam  appellant. 

d.  Weißbuche.  Der  der  Buche  nahverwandte  Baum  hat  weißes  Holz. 
— Hornbaum,  wegen  der  Härte  des  Holzes,  oder  weil  die  aus  seinem 
Holz  gemachten  Joche  den  Ochsenhömern  aufgesetzt  wurden.  — 
Heister,  Hester  vergl.  frz.  hetre,  verwandt  mit  Haag,  Hecke,  da  der 
Baum  zu  Hecken  Verwendung  findet.  — Hagebuche. 

f.  Charme,  aus  dem  Lat. 

e.  Hombeam. 

71.  Haagbeuk. 

Carum, 

von  Kagia,  Karien,  einer  kleinasiatischen  Landschaft,  wo  der  Kümmel 
besonders  angepflanzt  worden  sein  soll  — oder  von  yidgog,  Be- 
täubung, wegen  seines  intensiven  Geruchs  — event.  von  ydga,  Kopf, 
wegen  der  Doldeninfloreszenz.  — Andere  leiten  Carum  vom  arab. 
karwaia  ab. 


38 


d.  Kümmel,  lat.  cuminum,  griech.  y.v(.iivov,  hebr.  kamon. 

y.  Cumin  — carvi  — anis  des  Vosges.  Geruch  erinnert  an  Anis;  in 
den  Vogesen  wird  er  dem  Käse  zugesetzt. 

e.  Cumin  — Caraway. 

n.  Komijn  — Karwij. 

Castanea,  yaovavoiK 

Isid.  etym.  XVII.  7.  25.  Castaneam  Latini  a Graeco  appellant  voca- 
bulo.  Hane  enim  /.dazavov  vocant,  eo  quod  fructus  ejus  gemini 
in  modum  testiculorum  intra  folliculum  reconditi  sunt,  qui  dum 
ejiciuntur,  quasi  castrantur. 

Die  Kastanie  hat  im  Altgriech.  viele  Synonyme:  zweifellos  hat  man 
den  Baum  wie  die  Frucht  mit  epr^yog  bezeichnet,  obwohl  die  home- 
rische Bezeichnung  qr^yog,  da  der  Dichter  keine  näheren  Erklärungen 
hinzufügt,  unbestimmt  bleiben  muß.  Späterhin  nannte  man  die 
Kastanie  /diog  ßctXavog'.  Zeuseichel,  worunter  also  nicht  die  den 
Griechen  unbekannte  luglans  regia  zu  verstehen  ist.  Wohl  eine 
besondere  Art  der  Kastanie  scheint  die  yagva  svßor/.ri  des  Theophrast 
gewesen  zu  sein,  da  sie  außer  den  Früchten  des  cpryyog  bei  diesem 
Schriftsteller  besonders  erwähnt  wird.  Xenophon,  der  die  Kastanie 
bei  den  Mosynöken  kennen  lernte,  berichtet  darüber:  An.  5.  4.  29. 
VMQva  öe  ertl  twv  dvayUov  r^v  rcoWd  zd  Ttlazia^  ovv.  eyovxa  dia- 
fpvTiV  OvSsjulai'.  Erst  Nikander  spricht  von  vmqvov  /MGTavai- 
v.ov.  Die  Kastanien  sollen  zuerst  bei  der  thessalischen  Stadt 
Kaozavia  angebaut  worden  sein,  die  entweder  der  Kastanie  den 
Namen  gegeben  oder  selbst  nach  ihr  benannt  worden  ist.  — Nach 
Isidor  soll  castanea  mit  castrare:  kastrieren  verwandt  sein,  weil  die 
beiden  hodenartig  geborgenen  Früchte,  nachdem  sie  aus  der  Hülle 
herausgefallen,  diese  wie  kastriert  erscheinen  lassen.  — Wahrschein- 
lich aber  ist  der  Ursprung  im  Altarmenischen  zu  suchen. 

d.  Kastanie.  — Zahme  Kastanie,  da  die  Frucht  im  Gegensatz  zur  Roß- 
kastanie eßbar  ist. 

f.  Chätaigner. 

e.  Chestnut,  mit  = Nuß.  Im  Gegensatz  zu  Horse  - chestnut  (Aesculus) 
auch  Spanish  Chestnut  genannt,  da  die  zahme  Kastanie  von  Spanien 
nach  England  importiert  wird. 

n.  Kastanje. 

Catabrosa, 

von  yazdßqoyoLg,  das  Verzehren,  weil  das  Gras  vom  Vieh  gefressen  wird 
— oder  von  yazaßLßQcoGy.eiv,  verzehren,  mit  Bezug  auf  die  gezäh- 
nelten  gleichsam  angenagten  Spelzen. 

d.  Quellgras,  wiegen  seines  Standorts. 

f.  Catabrosa. 

c.  Catabrose. 

71.  Brongras  = Brunnengras  = Bomgras. 


39 


Caucalis^  y.avvM/dg. 

KavAalig  bezeichnet  dieselbe  Pflanze  wie  y.avy.og  und  bildet  hierzu 
wahrscheinlich  eine  Diminutiv-  oder  Reduplikationsform.  — IMan  bringt 
yMüV.og  mit  yMUOy  brennen,  wegen  des  brennenden  Geschmacks  der 
Umbelliferenpflanze  in  Verbindung.  — Nach  anderer  Ansicht  ist 
yMvyaXig  von  zfw,  ziehen  und  y.avXog,  Stengel,  wegen  des  ausge- 
breiteten Habitus  einer  Art,  herzuleiten. 

d.  Haftkraut,  Bettelläuse,  Filzläuse.  Die  Früchte  sind  mit  Widerhaken 
versehen  und  bleiben  daher  an  den  Kleidern  hängen. 

/.  Caucahde  — Gratteau,  von  gratter,  kratzen,  desgl. 

e.  Caucalis. 

n.  Wilde  wortel,  im  Gegensatz  zu  der  im  Garten  gezogenen  Gelen 
wortel  (Daucus  Carota),  der  sie  als  Umbellifere  nah  verwandt  ist; 
vergl.  die  Artbezeichnung:  C.  daucoides  und  s.  Diosc.  II.  i68.  zau- 
yalig,  ol  de  öavyov  aygiov. 


Centaurea,  yevzatQeiov. 

Plin.  XXV.  30.  Centaurio  curatur  dicitur  Chiron  cum  Herculis 
excepti  hospitio  pertractanti  arma  sagitta  excidisset  ei  in  pedem. 
Isid.  etym.  XVII.  9.  33.  Centauriam  Graeci  vocant,  quoniam  a Chi- 
rone  Centauro  fertur  reperta. 

Der  Sage  nach  von  dem  Centauren  Chiron  zuerst  als  Heilpflanze 
angewandt. 

d.  Tremse,  Tremisse.  Ursprung  dunkel  — Flockenblume,  da  die  Pflanze 
einen  flockig-wolligen  Blätterbelag  hat. 

/.  Centauree. — Jacee  aus  dem  spätlateinischen  Jacea,  angeblich  von  iacere, 
daniederliegen,  abzuleiten,  mit  der  trivialen  Erklärung : weil  es  am  Boden 
wüchse!  — (C.  iacea)  auch  Tete  de  moineau,  Sperlingskopf,  wegen 
der  Form  der  Hüllblätter;  derentwegen  auch  Tetard,  Kaulquappe. 
Mal-fenu  ==  schlechtes  Heu,  die  Pflanze  wird  vom  Vieh  gemieden. 

e.  Knapweed,  knap  soviel  als  Anschwellung,  übertragen  Kopf,  also  Kopf- 
kraut. — Hardhead  = Harter  Kopf;  vergl.  die  diesbezügl.  in  der 
Eifel  gebräuchlichen  Namen  Hartkopf  und  Knopfblume,  wegen  des 
dichten  Involucrum. 

71.  Centaurie  — Knoopkruid  — Tremske. 

Centaurea  Cyanus, 

blaue  Centaurea. 

d.  Kornblume,  da  sie  unter  dem  Korn  wächst. 

/.  Bleuet,  wegen  ihrer  schönen  blauen  Blume.  — Casse-lunettss,  zerbrich 
die  Brillen,  man  machte  Augentinktur  daraus. 

e.  Cornflower.  — Blue  bonnet,  Blauhaube  — Hurtsickle,  „macht 
die  Sichel  stumpf“  beim  Getreideschneiden. 

11.  Korenbloem  — Roggebloem  — Blauwbloem.  — Bol:  Kopf,  wegen 
der  Form  des  Involucrum;  vergl.  unter  Agrostemma. 


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Centhranthus, 

von  yJvd^QOv,  Sporn  und  av-d-ogj  Blume,  wegen  des  langen  Blüten- 
sporns. 

(/.  Spornblume. 

c.  Centhranth  — Red  Valerian  = roter  Baldrian.  Sie  ist  dessen  nächste 
Verv^andte  und  blüht  lebhaft  rot. 

f.  Valeriane  rouge. 
n.  Spoorbloem. 

Centunculus. 

Diminutivum  von  cento  = Lumpen,  Bruchstück,  wegen  der  außer- 
ordentlichen Kleinheit  des  Pflänzchens.  Höhe  2 — 8 cm. 

d.  Kleinling. 
f.  Centenille. 

e.  Chaffweed,  chaff  = Spreu,  wertlose  Kleinigkeit-  Chaffweed  etwa: 
„Kleinkraut“;  vergl.  Chaff-biscuit,  Klein -Zwieback. 

71,  Dwergbloem  = Zwergblume. 

Cephalanthera, 

von  y,eg)aXri,  Kopf  und  avd^-Qog,  Anthere.  Anspielung  auf  seine 
freistehenden,  auf  kleinem  Pedicill  beweglichen  Antheren. 

d.  Orant,  aus  lat.  origanum  (s.  d.),  griech.  oqiyavov,  worunter  man  eine 
dieser  Orchidee  weit  entfernte  Labiate  versteht.  Vielleicht,  daß  wegen 
der  länglich  eiförmigen  Blätter  der  Name  Orant  auch  auf  C.  über- 
tragen wurde. 

/.  Cephalanthere. 

e.  Helleborine  s.  unter  Epipactis,  die  mit  C.  aufs  nächste  ven^'andt  ist. 
71.  Bosch vogeltje,  auch  zu  deutsch:  Waldvögelein,  da  die  Blüte  einem 

Vögelchen  sehr  ähnlich  sieht. 

Cerastium, 

von  ylqag,  Hom,  y^gaOTrjg,  gehörnt,  wegen  der  harten,  zuweilen 
leicht  gekrümmten  Frucht. 

d.  Hornkraut. 

/.  Ceraiste. 

e.  Cerast. 

71.  Hornbloem. 

Ceratophyllum, 

von  yjgag,  Hom  und  cpv?^Xov,  Blatt.  Die  Blätter  sind  stachelig  an 
den  Zipfeln  und  gleichen  kleinen  Hörnern,  oder  wegen  der  mit 
zwei  gekrümmten  Domen  versehenen  Früchte. 
d.  Hornblatt  — Igellock,  wegen  der  stacheligen  Blattzipfel;  betr.  lock  vergl. 
engl,  hemlock  (conium)  und  charlock  (Sinapis),  desgl.  garlic  (Allium) 
und  deutsch  Lauch  (desgl.);  ags.  leac  soll  soviel  als  Kraut  bedeuten. 


41 


f.  Ceratophylle  — Cornifle  (lat.  cornu  = Horn). 

e.  Homwort. 

n.  Hoornblad. 

Chaerophyllum,  yaiqiffvllov, 

lat.  auch  caerefolium,  von  y^aiQto,  sich  freuen  und  q)vXXoVy  Blatt, 
wegen  des  angenehmen  Duftes  der  Blätter,  oder  weil  sie  wegen  ihres 
Blätterreichtums  erfreut,  eventuell  weil  der  Genuß  der  Pflanze 
munter  und  freudig  stimmen  soll.  Nach  Martin  aber  von  ytaiQO- 
(pvlXov:  xalgog  bezeichnet  die  kurze  Schnüre,  an  denen  die  Augen 
befestigt  sind,  durch  die  am  Webstuhl  die  Fäden  laufen.  Die 
schmalen  Teilchen  der  Umbelliferenblätter  konnten  nicht  unpassend 
mit  jenen  Schnürchen  verglichen  w’erden  und  so  vMLQOcpvXXov  als 
Benennung  veranlassen. 

Chaerophyllum  Anthrisciis, 

verwandt  mit  av&eQi^y  Halm,  halmartiger  Schaft,  oder  von  av&og, 
Blume  und  Qvayogy  Hecke,  da  die  Pflanze  gern  an  Hecken  wächst. 

a\  Kerbel. 

f.  Cerfeuil. 

e.  Chervil. 

11.  Kervel  — sämtliche  Namen  verd.  aus  dem  offiziellen  Namen. 

Ch.  silvestre, 

zu  deutsch  Waldkerbel,  wächst  aber  mehr  an  Feldrändem  und 
Hecken. 

d.  Kälberkropf.  Die  Kälber  fressen  es  gern,  der  Stengel  ist  unterhalb 
des  Knotens  verdickt.  — Kälberkem,  soviel  als  Kälberkorn,  Kälber- 
getreide, aus  erwähntem  Grund.  — Beide  Namen  event.  auch  aus 
dem  offiziellen  Chaerophyllum  assimiliert. 

f.  Persil  d’äne,  vergl.  die  deutsche  Bezeichnung  Eselspeterlein.  Die  Esel 
fressen  die  Blätter  der  petersilienähnlichen  Pflanze. 

e.  Cow-chervil  = Kuhkerbel.  — Mock-chervil  = Scheinkerbel. 

n.  Wilde  Kervel  — Pijpkruid  (Pfeifenkraut).  Aus  den  Stengelgliedern 
machen  die  Kinder  Flöten. 

Cheiranthus, 

ein  Bastardname  aus  der  arabischen  Bezeichnung  der  Pflanze  keiri 
und  dem  griech.  Wort  avS-og,  Blüte.  Da  aber  die  Araber  in  der 
Pflanzenkunde  Schüler  der  Griechen  waren,  ist  anzunehmen,  daß 
viele  arabische  botanische  Bezeichnungen  aus  dem  Griechischen  ent- 
lehnt sind.  Man  bringt  daher  den  ersten  Bestandteil  von  Cheiranthus 
mit  YUQQog,  gelb  oder  Y.TjQog,  Wachs  in  Beziehung  und  zwar  wegen 
der  goldgelben,  glänzenden  Blüten;  andere  aber  erklären  das  Wort 
direkt  aus  Hand,  wegen  einer  gewissen  Ähnlichkeit  der  aufge- 


42 


platzten  Schoten  mit  den  Fingern,  oder  weil  man  die  Blume  zu 
Bouquets  abzupflücken  pflegte.  (?) 

d.  Lack,  Goldlack,  da  die  Blüte  wie  mit  Goldlack  überfirnißt  erscheint. 
Sollte  Lack  nicht  aus  Levkoje  verderbt  sein?  Vergl.  hierzu  unter 
Matthiola.  — Bei  Halle  heißt  die  Pflanze  „Kirche“,  aus  Cheiranthus 
assimiliert.  — Gelbveigelein,  wegen  des  Veilchen  duftes. 

f.  Giroflee  des  murailles,  Mauergewürznelke.  Die  Pflanze  w'ächst  auf 
altem  Gemäuer,  und  der  Duft  ihrer  Blüte  erinnert  an  den  der  Ge- 
würznelken, d.  h.  der  Blütenknospen  von  Caryophyllus  aromaticus. 
Giroflee  ist  aus  Caryophyllus  verderbt. 

e.  Wallflower  = Mauerblume. 

n.  IMuurbloem. 

Chelidonium,  ibIMvlov. 

Theophrast  VIL  15.  i.  yßkidoviov^  'ml  yaq  tovto  a/iia  tcJj 
öovia  avd'u. 

Diosc.  II.  2 1 1 . TatrrjQ  0 yvXoc,  jULystg  /.ieIltl  'ml  Eipr]d^elg  ev  yaX'/.q 
Itc  av&Qa/.toVj  aQ/iwCtL  ^Qog  o^vtOTtiav.  — /Jo'/.ü  öi  tov6f.iaöd^ai 
yeXiöoviov,  eTteiör^  af^a  Talg  yeXidoGL  qiaivo^ievaig  avacpvezai 
Xeyovoaig  de  oyf-iTtaga/Mal^ei.  ziveg  öe  \oTOQi]oav ^ tog  edv  zig 
TvcpXco&fj  Ttov  zrjg  yeXiöovog  veooGcov,  cd  lÄiqTeQeg  TtQoocpeQovoai 
T^v  Ttoav  IcovTat  zr^v  jtiqQCüOLv  avzov. 

Plinius.  XXV.  50.  x\nimalia  quoque  invenere  herbas,  in  primisque 
chelidoniam,  hac  enim  hirundines  oculos  pullorum  in  nido  resti- 
tuunt  dantque  brisum,  ut  quidam  volunt,  etiam  erutis  oculis.  — 
Florent  adventu  hirundinum,  discessu  inarescunt. 

Marcellus  Empiricus.  11.  10.  Chelidonia  herba  in  hirundinum  stercore 
nascitur. 

Isidor,  etym.  XVII.  9.  36.  Chelidonia  ideo  dicitur  vel  quod  ad- 
ventu hirundinum  videtur  erumpere,  vel  pullis  hirundinum  si  oculi 
auferantur,  matres  eorum  illis  ex  hac  herba  mederi  dicantur. 
Apulejus.  medic.  herb.  73.  Si  quidem  nomen  chelidoniae  sumpsit 
ex  hoc,  quod  eo  tempore  semper  florescit  quo  hirundines  praesto 
sunt,  quas  Graeci  chelidonias  vocant;  vel  ut  quidam  memorant, 
quod  nidis  suis  eandem  hirundines  ferant,  ob  acuendos  succeden- 
tium  visus. 

Chelidonium  ist  von  yeXiötov,  Schwalbe  abzuleiten,  da  es  zur  Zeit 
des  Eintreffens  der  Schwalben  blüht.  Auf  die  anderen  oben  er- 
wähnten abenteuerlichen  Erklärungsversuche  der  Alten  verlohnt 
sich  nicht  hier  nochmals  eihzugehen.  Von  den  Alchimisten 
wurde  Ch.  zu  Coeli  donum,  Himmelsgabe,  assimiliert,  weil  nach 
ihrer  Meinung  dem  gelben  Saft  der  Pflanze  allerhand  wichtige 
Naturkräfte  innewohnten. 

d.  Schöllkraut,  Schellkraut,  entweder  verderbt  aus  dem  offiziellen  Namen 
oder  von  sceljan,  abschälen,  scelah,  schielend  abzuleiten,  weil  das 
Kraut  als  Mittel  gegen  Hornhauttrübungen,  wie  gegen  das  durch 


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Hornhauttrübungen  entstandene  Schielen  ver^vandt  wurde.  — Gold- 
wurz, wegen  des  gelben  Saftes  — Schwalbenwurz.  — Es  sei  hier 
bemerkt,  daß  man  der  Signaturlehre  entsprechend  die  gelbsaftige 
Pflanze  gegen  Gelbsucht  gab. 

f.  Chelidoine  — Eclaire,  claire,  aufhellendes,  klar  machendes  Kraut, 
wurde  wie  besagt  als  Augenheilmittel  benutzt. 

e.  Celandine. 

n.  Schelkruid  — Oogenklaar. 


Chenopodium, 

von  yr^v^  Gans  und  7rot;g,  Fuß,  TtoÖLOv,  Füßchen,  Gänsefüßchen, 
wegen  der  Plattform.  Die  Planze  hat  manche  Namen  mit  der 
ihr  nahverwandten  Melde  (Atriplex)  gemeinsam. 

d.  Gänsefuß,  Schißmelde,  Mistmilte.  Kommt  an  Miststellen  vor.  S.  auch 
unter  Atriplex. 

f.  Chenopode  — Patte  d’oie  = Gänsefuß  — Anserine  von  lat.  anser, 
Gans. 

c.  Goosefoot  = Gänsefuß. 

Ganzevoet. 

Ch.  vulvaria, 

von  Vulva,  die  Scham,  da  es  für  Frauenleiden  gut  ist. 

d.  Hundskraut,  Faulfischkraut,  nackte  und  stinkende  Hure,  — alle 
diese  Namen  wegen  ihres  schlechten  Geruches.  — Fotzenkraut, 
Schamkraut,  aus  oben  erwähntem  Grunde. 

/.  Arroche  puante,  zu  deutsch  stinkende  Melde. 

e.  Stinking  Goosefoot. 

n.  Stinkende  Ganzevoet. 

Ch.  bontis  Henriciis. 

d.  Guter  Heinrich,  wegen  seiner  Heilkraft,  die  er  gegen  faulende 
Wunden  besitzt.  Heinrich  heißen  die  Kobolde,  deren  Gänsefüße 
den  Blättern  ähnlich  sehen.  — Wundkraut  — Schmerling,  wegen  der 
schmierigen,  mehlig-klebrigen  Blätter. 

f.  Bon  H.enri  — Epinard  sauvage,  wilder  Spinat,  arme  Leute  essen  ihn 
an  Stelle  von  Spinat. 

e.  Good  King  Henry  — Allgood. 
n.  Goede  Hendrik  — Algoede. 

Chlora, 

gelbgrün,  wegen  der  hellgrünen  Farbe  der  Pflanze. 

d.  Bitterling.  Die  Gentianaceen  sind  bitter,  vergl.  Erythraea. 

f.  Chlorette. 

e.  Yellowwort,  wegen  der  gelben  Blüte. 
n.  Bitterplant. 


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Chrysanthemum, 

von  XQVGog,  Gold  und  avS^eiuov,  Blume,  wegen  der  goldgelben 
Blumen  dieser  Gattung  so  benannt. 

d.  Wucherblume,  wegen  ihres  raschen  Gedeihens.  — Marguerite  vom 
lat.  margarita,  Perle,  mit  der  ihre  schöne  - Blume  verglichen  wurde. 
[Das  lat.  und  das  griech.  (.laQyaQLTiqg,  (.laoyaqov  scheint  von  dem 
pers.  mervarid,  Perle,  abzustammen;  vergl.  Plin.  IV.  54.  Praecipue 
autem  laudantur  (margaritae)  in  Persico  sinu  maris  Rubri.  56.  Nec 
apud  barbaros  quidem  eins  aliudquam  margaritae.] 

f.  Marguerite  doree,  Gold  - Marguerite.  — Dis-moi-la- verite:  Sag  mir 
die  Wahrheit;  Anspielung  auf  das  bekannte  Abreißen  der  Zungen- 
blättchen. 

e.  Ox-eye  Daisy,  Ochsenaugen -Gänseblümchen.  Betreffs  daisy  s.  unter 
Bellis,  deren  Blüte  eine  hliniaturform  der  Chr.-Blüte  ist. 

11.  Ganzebloem,  s.  unter  Bellis  — Groote  madelief,  desgl. 

Chrysanthemum  Tulgare,  gewöhnliches  Chr.,  wird  auch  Tauacetum 
genannt, 

spätlat.  tanasia,  von  ad^ctvaoia,  Unsterblichkeit,  da  die  Blüten  sich 
auch  trocken  lange  halten.  Daher  in  Kräuterbüchern  auch  Herba 
immortalis,  unsterbliches  Kraut,  genannt. 
d.  Rainfarren,  wächst  an  Rainen,  Ackergrenzen  und  hat  farrenähnliche 
Blätter;  aus  Rainfarren  ist  volksetymologisch  Rheinfarren,  ja  sogar 
Rheinfallkraut  geworden.  Da  sprachlich  das  „h“  nicht  zum  Aus- 
druck kommt,  hat  diese  Assimilation  sich  selbst  zensiert!  — Revier- 
kraut. 

/.  Tanaisie,  wallon.  teinhaie,  ital.  tanacetio,  daneto  und  atanasia,  span, 
tanaceta  und  atanasia. 

c.  Tansy. 

7/.  Boeren  Wormkruid,  Bauern  Wurmkraut,  als  Mittel  gegen  Würmer.  — 
Reinevaar  — Steenvaren,  wächst  auf  Steinschutt. 

Chrysosplenium, 

von  ygvaog  Gold  und  GTvlrjr  Milz,  wegen  der  gelben  Blüte  und 
seiner  Verwendung  gegen  Milzkrankheiten. 

d.  Milzkraut. 

f.  Saxifrage  doree,  Dorine,  die  Saxifraga  nahverwandte  Pflanze  hat  gelbe 
Blüten. 

c.  Chrysosplene. 

n.  Goudveil,  auch  zu  deutsch  ‘Goldveilchen.  Die  Blätter  sehen  den 
Veilchenblättern  ähnlich. 

Cicendia, 

ein  Phantasiename  Adansons;  soll  aus  Centaurea  und  Gentiana  ge- 
bildet worden  sein.  Cicendia  ist  bekanntlich  eine  Gentianacee 
(vergl.  unter  Mibora).  Andere  Erklärer  brachten  den  Namen  mit 


45 


ital.  cicigna  = Blindschleiche  in  Verbindung,  bezugnehmend  auf  die 
bei  bedecktem  Himmel  geschlossenen  Blumen  und  den  fadenförmigen 
Stengel. 

d.  Zindelkraut,  verderbt  aus  dem  Lat. 
f.  Cicendie. 

e.  Cicendia. 

7t.  Draadgentiaan,  wegen  des  fadenförmigen  Stengels. 

Cichorium,  yuywoiov, 

arab.  Ursprungs  oder  von  z/w,  gehen  und  ycoQiov,  Feld,  weil  sie  am 
Feld  anzutreffen. 

Cichorium  intyhus. 

Isid.  etym.  XVII.  lo.  12.  Intubus  Graecum  nomen  est.  Est  intu- 
bus,  quod  sit  intus  tophus  (?). 

Intybus,  auch  Intubus  geschrieben,  wird  abgeleitet  von 
eingeschnitten,  wegen  der  Blattform,  oder  von  anlautendem  „in“, 
und  tuba,  Tube,  wegen  des  hohlen  Stengels. 

d.  Wegwarte,  soviel  als  Weghüter,  da  sie  am  Wege  wächst;  von  Prof. 
Dr.  Fick  in  Würzburg  wurde  sie  als  „Vakanzblume“  bezeichnet,  weil 
sie  zu  einer  Zeit  zu  blühen  beginnt,  wo  die  großen  Universitätsferien 
einsetzen. 

f.  Cichoree,  chicoree,  ital.  cicorea. 

e.  Chicory  — Succory,  verderbt  aus  dem  vorigen  mit  Anklang  an  sugar, 
Zucker,  vergl.  westfälisch  „Zuckerei“. 

71.  Cichorei  und  Suikerij,  mit  Anklang  an  suiker,  Zucker. 

Cichorium  endivia, 

endivia,  ital.  Form  für  intubus. 

d.  Endivie. 

f.  Endive. 

e.  Endive. 

71.  Aandijvie. 

Cicuta. 

Isidor. ‘ etym.  XVII.  9.  73.  Cicuta  propter  quod  in  thyrso  geniculato 
nodos  habeat  occultos,  ut  canna,  sicut  dicitur  fossa  caeca,  quae 
occulta  est.  Haec  potui  data  interficit. 

Cicuta  war  der  lat.  Name  für  vxoveLOV]  cicuta  und  ycoveiov  waren 
also  im  Altertum  Synonyma,  während  die  heutigen  Gattungen  Cicuta 
und  Conium  (von  yxoveiov)  verschieden  sind.  Das  Gift,  mit  dem  die 
Athener  das  Todesurteil  vollstreckten,  mit  dem  auch  Sokrates  gerichtet 
wurde,  war  nicht  das  des  gefleckten  Schierlings  (conium  maculatum), 
sondern  das  von  Cicuta,  dem  sogen.  Wasserschierling,  der  auf  griech. 
ycüveiov  genannt  wurde;  vergl.  Pers.  4.  i.  f,  Magister  (sc.  Socrates), 
sorbitio  quem  tollit  dira  cicutae 


46 


Cicuta  wird  von  y.cjveiov,  aus  dem  es  mittelst  Reduplikation  ent- 
standen sein  soll,  abgeleitet;  -/.(Lveiov  aber  soll  mit  dem  Verb  zt'w: 
in  sich  aufnehmen,  in  sich  enthalten,  verwandt  sein,  da  es  vornehm- 
lich in  seinem  Wurzelstock  den  berüchtigten  gelben  Saft  enthält. 
Event,  ist  die  Ableitung  von  y.ovr^:  Tötung  anzunehmen.  — Nach 
Isidor  liegt  Cicuta  der  Begriff  caecus,  verborgen,  zugrunde,  da  es  in 
den  verdeckten  Kammern  seiner  Wurzel  den  giftigen  Saft  vorborgen 
halte.  — Nach  dritter  Ansicht  kommt  Cicuta  von  dem  mit  erwähntem 
caecus  verwandten  Zeitwort  caecare,  in  der  Bedeutung  blenden,  den 
Blick  trüben,  wegen  der  Giftwirkung. 

(/.  Wasserschierling,  weil  er  an  Wassergräben,  Bachmündungen  usw.  ge- 
deiht und  dem  gewöhnlichen  Schierling  (Conium  maculatum)  an  Gift- 
wirkung gleicht,  eigentlich  übertrifft.  Obwohl  beide  Pflanzen  Um- 
belliferen,  sind  ihre  Blätter  immerhin  sehr  verschieden.  Die  Blätter 
von  Cicuta  sind  lanzettlich,  die  von  Conium  aber  tief -fieder- 
spal tig.  Das  Charakteristicum  für  Cicuta  ist  der  Wurzelstock,  der 

beim  Längsschnitt  quer  gefächert  erscheint  und  aus  den  Kammern 
einen  stinkenden,  gelblichen  Saft  entleert,  der  sich  an  der  Luft  rötet. 
Das  für  Conium  maculatum,  den  gefleckten  Schierling,  angegebene 
Charakteristicum,  das  ihm  den  Artnamen  eingetragen,  ist  die  braun- 
rote Fleckung  des  Stengelgrundes,  die  aber  allerdings  nicht  bei  allen 
Exemplaren  ausgeprägt  zu  sein  braucht.  — Ein  weiteres  Synonym 
für  Cicuta  virosa,  die  giftige  C.,  ist  die  Bezeichnung  Wütrich,  die  ihm 
wegen  seiner  enormen  Giftwirkung  zuteil  wurde. 

/.  Gigue,  Cicutaire:  Im  Gegensatz  zu  dem  ebenfalls  Cigue  genannten 
Conium  maculatmn  wird  C.  auch  Cigue  aquatique,  d.  h.  Wasser- 
schierling, genannt. 

e.  Water  Hemlock,  Wasserschierling.  — Cow-bane,  Kuhbann,  wegen 
der  Giftwirkung. 

n.  Waterscheerling  — Dolwortel  — Dolle  Kervel,  ist  wie  die  gewöhnliche 
Kervel  (Anthriscus)  eine  Umbellifere.  Überdies  wird  auch  aus 
gleichem  Grunde  C.  maculatum  ebenfalls  als  Dolle  Kervel  bezeichnet. 

Circaea  (sc.  herba),  /UQ/Mia  (sc.  ßoravy]), 

nach  der  Zauberin  Circe  benannt.  Man  schrieb  dem  Kraut  große 
Wunder  zu  und  gebrauchte  es  zu  Zaubereien. 

d.  Hexenkraut. 

f.  Circee.  — Herbe  aux  sorcieres,  magiciennes,  Hexen-,  Zauberinnen- 
kraut. 

e.  Enchanter’s  Nightshade,  Zauberers  Nachtschatten.  S.  Solanum. 

n.  Heksenkruid. 

Cladium, 

eine  Graminee,  hat  ihren  Namen  von  yXaöoc,^  langer,  schmaler  Zweig, 
Schößling,  wegen  der  Halme. 

d.  Schneidegras,  wegen  der  scharfen  Blattränder. 

f.  Cladium. 


47 


e.  Cladium. 

71.  Galigaan,  zu  deutsch  Galgant;  hierunter  versteht  man  eigentlich  Alpi- 
nium  (nach  dem  ital.  Botaniker,  Alpini),  Cladium,  Juncus  und  Scirpus 
haben  erw.  Namen  wegen  ähnlichen  Gebrauchs  der  Wurzel  adop- 
tiert. Der  Name  Galgant  soll  aus  dem  Arab.  oder  Pers.  stammen; 
vergl.  unter  Cyperus. 

Clematis, 

Diosc.  IV.  7.  y^lr^^iavlg:  /.Xrn^iava  ös  (.ir/.qa. 

Ableitung  von  yXr^ua,  Schoß,  Trieb,  Ranke.  Clematis  hieße  demnach 
soviel  als  Rankengewächs. 

d.  Waldrebe.  Diese  Waldpflanze  ist  wie  der  Wein  ein  Klettergewächs. 
— Bettlerkraut,  es  wurde  von  den  Bettlern  zur  Erzeugung  künstlicher 
Geschwmre  benutzt. 

f.  Clematite  des  bois,  Waldclematis.  Vigne  blanche,  weiße  Rebe, 
wegen  der  weißen  Blüten. 

e.  Traveller’s-joy  = des  Wanderers  Freude,  wegen  der  Schönheit  der 
häufig  an  Wegen  rankenden  Pflanze.  Virgin’s-bower  = Marienlaube. 
Old-Man’s-beard  = Alter  Mannsbart,  wegen  der  behaarten  Früchtchen. 

71.  Boschdruif  ~ Buschtraube. 

Cochlearia. 

Ableitung  von  cochlear,  Löffel,  wegen  der  Form  der  etwas  konkaven 
Wurzelblätter. 

d.  Löffelkraut;  Skorbutkraut,  da  es  in  Sirup  gegen  den  Skorbut  benutzt 
wurde. 

f.  Herbe  aux  cuillers  = Löffelkraut.  Herbe  au  scorbut. 

e.  Spoonweed  = Löffelkraut.  Scurvygrass  = Scorbutgras. 

71.  Lepelblad. 

Cochlearia  Armorica, 

nach  Amiorica  in  der  Bretagne,  wo  der  Meerrettich  heimisch  ist. 

d.  Meerrettich,  Meer-(Mähr-)Pferderettich,  denn  der  Volksmund  verknüpfte 
gern  den  Namen  einer  Pflanze,  die  einer  anderen  ähnlich,  aber 
minderwertiger  ist,  mit  einem  Tiemamen;  vergl.  Roßkastanie,  Hunds- 
veilchen; oder  Meer-(rettich),  verv’andt  mit  der  ahd.  und  russ.  Be- 
zeichnung ehren,  ags.  green,  das  seinerseits  mit  „Kresse“  verwandt 
sei,  die  ihren  Namen  von  dem  „kratzenden“,  scharfen  Geschmack 
haben  soll ; möglicherweise  verwandt  mit  altfries.  hrene  = Geruch, 
wegen  des  starken  Geruchs  des  Meerrettichs  — event.  verderbt  aus 
Armorica. 

f.  Radis  de  cheval  = Pferderettich.  Raifort  = racine  forte  = scharfe 
Wurzel. 

e.  Horse-radish  = Roßrettich.  Horse  dient  im  Engl,  häufig  zur  Begriffs- 
verstärkung, vergl.  das  vorhin  Erwähnte. 

7t.  Mierik-(wortel).  — Meerradijs  — Peperwortel. 


Colchicum,  ^olyi/^ov. 

Nicand.  Alex. 

^Hv  de  TO  ßlT^deirjg  xo?,xrjidog  ix^oiuevov  tvvq, 

Küvo  Tig  evSe^TjTai,  eq^ri^ieqov  — 

Diosc.  IV.  84. 

KoXyiv.oVj  Ol  de  eq)r^f.i€Qov.  FewäTai  de  nXelavov  ev  KoXyoig. 
Nach  der  Landschaft  Kolchis,  wo  sie  heimisch  sei,  oder  in  Anlehnung 
an  die  Kolchische  Giftmischerin  Medea;  hpr^iieqov  nannten  die 
Griechen  die  Pflanze,  weil  sie  „an  einem  Tag“,  in  kurzer  Frist,  den 
Tod  herbeiführe.  Im  Mittelalter  nannte  man  sie  Filius  ante  patrem: 
Sohn  vor  dem  Vater,  weil  die  Früchte  im  Frühjahr,  die  Blüten  im 
Herbst  erscheinen. 

d.  Herbstzeitlose,  wegen  ihrer  späten  Blütezeit,  die  ganz  außerhalb  der 
gewöhnlichen  Blütezeit  liegt.  Vergl.  im  Gegensatz  hierzu  unter  Bellis. 
— Spinnerin,  da  sie  zu  der  Zeit  an  zu  blühen  fängt,  wo  die  Spinn- 
stuben eröffnet  werden.  Die  Annahme,  sie  werde  für  die  Urheberin 
der  Spinnfäden  des  Altweibersommers  gehalten,  ist  etymologisch  nicht 
verwertbar,  ebensowenig  die,  daß  sie  von  den  Mädchen  zwischen  den 
Händen  zerrieben  werde,  um  diese  durch  das  Spinnen  nicht  wund 
zu  machen.  — Michelsblume,  weil  sie  um  Michaelis  blüht.  — Schul- 
blume, weil  sie  zu  Beginn  der  Schulzeit  nach  den  Michaelisferien 
blüht,  vergl.  Vakanzblume  unter  Cichoria.  — Nackte  Jungfer,  nackte 
Hure,  weil  die  Blüten  ohne  Blätter  erscheinen.  — Kälberschisse; 
weil  sie  dem  Weidevieh  schlecht  bekommt.  — Faule  Futen,  wegen 
der  Giftwirkung.  — Wiesensafran,  da  ihre  Blüte  der  des  Safrans 
ähnlich  ist.  — Am  Naheufer  nennt  man  die  Pflanze  Kiehdetz,  Kuh- 
euter, wegen  der  Frucht;  desgl.  Kuckuksweck  bei  Gotha,  weil  sie 
zur  Zeit  des  Eintreffens  des  Kuckuks  die  weckförmige  Frucht  zeigt. 

f.  Colchique.  — Dame  sans  chemise,  Dame  ohne  Hemd  — Cul  tout 
nu,  nackter  Hintern  — Tue-chien,  Mort  au  chien,  Tue-loup, 
Hundetod,  Wolfstod,  s.  unter  Aconitum  — Veillotte,  Ältliche  Jungfer, 
wegen  der  auffallend  rosafarbenen  Kleidung  oder  weil  sie  verspätet 
blüht.  — Safran  bätard. 

e.  Meadow-saffron,  Wiesensafran. 

n.  Herst-tijloos  — Tijdeloos. 


Conium,  ^aveiov  (zomov). 

Theophr.  und  Diosc.  verstehen  unter  yxuveiov  die  Cicuta,  deren  zu- 
gehörige Erläuterungen  einzusehen  sind.  Wenn  man  ycoveiov  mit 
y.ovig,  Staub,  wegen  der  punktierten  Stengel  in  Beziehung  bringt,  so 
kann  diese  Erklärung  schon  deshalb  nicht  zutreffen,  weil,  wie  gesagt, 
die  Griechen  unter  yioveiov  Cicuta  verstanden,  deren  Stengel  bekannt- 
lich nicht  punktiert  ist.  Der  Name  wurde  auf  die  heutige  Gattung 
lediglich  wegen  der  dem  ycuveiov  ähnlichen  Giftwirkung  übertragen. 
d.  Schierling,  verwandt  mit  scem,  Schirm,  da  er  einen  schirmförmigen 
Blütenstand  hat.  Nach  anderer  Meinung  ist  S.  mit  sceran, 


49 


scheeren,  schneiden  in  Beziehung  zu  bringen,  entweder  wegen  der 
wie  eingeschnitten  erscheinenden  Blattspreiten,  oder  wegen  der  Gift- 
wirkung, — Teufelspeterlein:  die  giftige  Pflanze  sieht  der  Petersilie 
ähnlich.  — Blutpeterlein,  wegen  der  Giftigkeit  oder  der  blutroten 
Besprenkelung  des  unteren  Stengelabschnittes. 
f.  Gigue,  cigue^tachee,  gefleckter  Schierling;  grande  eigne,  großer  Schier- 
ling: die  Pflanze  wird  8o — i8o  cm  hoch,  während  Cicuta  gewöhnlich 
kleiner  ist  und  zwischen  30  und  1 20  cm  an  Höhe  mißt.  Gigue  d’Athenes: 
dieser  Name  würde  besser  auf  Cicuta  anzuwenden  sein. 

c.  Hemlock,  ags  hemleac;  hem  ist  etymologisch  unklar,  vielleicht  soll 
damit  so  viel  als  schädlich,  böse,  ausgedrückt  werden;  unter  lock,  ags. 
leac  versteht  man  gewöhnlich  ein  Kraut  mit  hohlem  Stengel,  vergl. 
unter  Allium  und  Ceratophyllum. 

71.  Dolle  Kervel  — Gevlekte  scheerling. 


Conyallaria,  sc.  herba. 

Convallaria  als  Adj.  zu  convallis:  Tal,  da  die  Pflanze  im  Tal  wächst, 
oder  von  convallis  und  XeiQLOv,  Lilie,  als  Bastardname,  da  die 
Pflanze  einer  kleinen  Lilie  gleicht. 

d.  Zauke.  Herkunft  dunkel;  niederw^endisch  heißt  tsup  Schorf,  Grind; 
vielleicht  galt  die  Pflanze  gegen  Grind  als  wirksam;  oder  von  oberwendisch 
caltka  (sprich  zawka)  = Semmel,  da  man  die  Glockenreihe  als  an- 
einandergereihte Semmeln  auffaßte.  — Maiglöckchen,  da  es  im  Mai 
mit  glockenförmigen  Blümchen  blüht. 

/.  Lis  des  vallees  = Tallilie  — auch  muguet,  von  muscus,  Moschus, 
wegen  des  angenehmen  Geruchs  der  Blüte,  s.  unter  Asperula. 

e.  Lily  of  the  valley. 

71.  Lelietje  der  dalen. 

Conyolyulus, 

von  convolvere,  zusammenwickeln,  „Schlingpflanze^^. 

d.  Winde,  weil  sie  sich  am  Getreide,  Zäunen  usw.  emporwindet.  Wegen 
ihrer  trichterförmigen  Blüten  wird  sie  Windglöckchen  und  Mutter- 
gottesgläschen genannt. 

f.  Liseron,  von  lis,  Lilie,  an  deren  Blüte  die  Windenblüte  erinnert  — 
norm,  liot,  von  Her,  binden,  winden.  — Veillee  von  veiller  = wachen, 
da  die  Pflanze  die  Blüte  bei  Sonnenaufgang  öffnet,  bei  Untergang 
der  Sonne  aber  wieder  einrollt;  daher  auch  Belle  de  jour,  Tag- 
schöne. — Clochettes  = Glocken. 

e.  Bindweed,  s.  vorher. 

n.  Winde. 


Conyolyulus  polygonatum, 

vielknotiges  C.,  wegen  der  vielen  Wurzelknoten. 
d.  Salomonssiegel.  Die  Stellen  der  Wurzel,  an  denen  die  vorjährigen 

Kanngiesser,  Etymologie  usw.  4 


50 


Pflanzen  abgestorben,  lassen  kreisrunde  Narben  erkennen,  die  mit 
einem  Siegel  verglichen  werden  können. 
f.  Signet  (ou  sceau)  de  Salomon,  desgl. 

c.  Solomon’s-seal. 
n.  Salomonszegel. 


Coralliorrhiza, 

von  y.oqaXkiov^  Koralle  und  Wurzel.  Der  Wurzelstock  ist 

korallenartig  verzweigt. 

d.  Korallenwurz. 
f.  Corallorhize. 

e.  Coralroot. 

n.  Koraalwortel. 


Coriandrum,  yoQLavÖQov. 

Isid.  etym.  XVII.  ii.  7.  Coriandrum  ex  Graeco  nomine  sumptum 
quod  illi  yoQiov  vocant. 

von  yoQig,  Wanze,  weil  die  Blätter  und  die  frischen  Samen  wie 
Wanzen  riechen,  oder  weil  das  Kraut  gegen  Wanzen  gebraucht  wird; 
event.  von  yogrj,  Pupille,  an  die  es  wegen  seiner  runden  Samen 
erinnert. 

d.  Koriander. 

/.  Coriandre. 

e.  Coriander. 
n.  Koriander. 


Cornus,  ygdveia. 

Theophr.  III.  12.  To  de  ^vlov  t6  f^iev  T^g  ygavelag  axagd-LOv 
yial  aregeov  oXov,  Zf^iOLOv  y.egazi  z^v  TtvKvozrjza  yial  z^v  ioxvv. 
von  cornu,  Horn,  wegen  seines  hornharten  Holzes,  möglicherweise 
auch  aus  dem  griech.  Namen  für  Cornus  mas:  ygdveia  gebildet  und 
assimiliert;  vergl.  unter  Prunus  cerasus.  Doch  kann  auch  ygdveia 
von  yjgag,  Hom  abzuleiten  sein. 


Cornus  mas, 

männlicher  C.,  wegen  des  harten  und  widerstandsfähigen  Holzes. 

d.  Cornelkirsche,  wegen  der  kirschroten  Frucht.  — Hornstrauch  — 
Hartriegel,  sein  Holz  wurde  zu  Riegeln  benutzt. 

y.  Cornouiller  — Courgelier  verderbt  aus  dem  Vorhergehenden  oder 
weil  seine  Frucht  einem  kleinen  Kürbis  (courge)  gleicht.  — Fuselier  = 
Spindelbaum,  s.  unter  Evonymus. 

e.  Cornel-tree. 

u.  Komoelje  — Komel. 


51 


Cornus  sauguinea, 

blutige  C.,  wegen  der  roten  Rinde. 

d.  Roter  Hornstrauch,  gemeiner  Hartriegel. 
f.  Cornouiller  sanguin. 

e.  Dogwood,  volksetymol.  aus  Dagwood.  Unter  dag  verstand  man  im 
Altengl.  den  Stachel,  die  Geißel,  womit  die  Tiere  angetrieben  werden. 
Diese  Geißeln  wurden  aus  seinem  Holz  verfertigt.  — Nach  anderer 
Erklärung  ist  aber  dogwood  direkt  von  dog:  Hund  abzuleiten,  da 
das  Dekokt  seiner  Rinde  ein  gutes  Mittel  gegen  die  Hunderäude  sei. 
— Gatter,  Gatten,  Gaitre-berry  vom  ags.  gadtreow:  Geißelbaum.  — 
Gadrise,  ags.  gadriis,  d.  h.  Geißelreis,  Geißelzweig.  — Gadderidge 
von  gad  und  red,  „Geißelrot“,  wegen  der  roten  Zweige. 

tu  Roode  Kornoelje. 

Corrigiola. 

Diminutivum  von  corriga,  Riemen,  wegen  der  langen,  schlanken,  zähen 
Stengel. 

d.  Uferling,  weil  er  am  Ufer  wächst.  — Hiischsprung,  vielleicht  wegen 
der  lineal-länglichen,  vorn  breiteren  Blätter,  die  mit  dem  Hirschsprung, 
d.  h.  den  Hinterläufen  entfernte  Ähnlichkeit  haben. 

/.  Corrigiole. 

e.  Strapwort  = Riemenkraut. 
n.  Riempjes. 

Corydalis,  v.o^vdokiov 

entweder  von  '/.OQvg,  Helm,  Haube,  wegen  der  Form  der  Blüte,  oder 
von  'AOQvöalog,  Lärche,  die  wiederum  ihren  Namen  dem  Helmbusch, 
bzw.  Sporn  auf  ihrem  Kopfe  zu  verdanken  hat. 
d.  Lärchensporn,  wegen  des  breiten  Honigsporns  der  Blüte.  — Hohl- 
wurz, wegen  der  zur  Blütezeit  hohlen  Wurzelknolle. 

f.  Cor}Malle. 
c,  Corydal. 

n.  Helmbloem. 

Corylus,  TO  vmqvov  to  Xeucxov. 

Corylus  wahrscheinlich  eine  Diminutivform  zu  ymqvoVj  Nuß,  wie 
denn  auch  der  griech.  Name  soviel  als  „kleine  Nuß“  heißt  — oder 
von  YOQvvri,  Blütenknospe  abzuleiten,  da  die  Haselblüten  als  die 
ersten  Zeichen  des  Lenzes  besondere  Beachtung  verdienen.  — Nach 
dritter  Ansicht  von  yioQvgj  Helm,  wegen  der  Fruchtblätter  der  sogen. 
Cupula. 

Corylus  Ayellana. 

Plin.  XV.  24.  ...  ut  in  Abellanis,  quas  antea  Abellinas  patriae  nomine 
appellabant. 


4* 


52 


Isid.  etym.  XVII.  7.  24.  Avellanae  ab  Avellano  Campaniae  oppido, 
cui  abundant,  cognominatae  sunt. 

Die  Artbezeichnung  Avellana  hat  ihren  Namen  nach  einer  Abella, 
auch  Avella  benannten  campanischen  Stadt,  in  deren  Umgebung  sie 
besonders  gepflegt  wurde.  Betr.  des  Übergangs  von  b in  v vergl. 
unter  Vaccinium. 

d.  Haselstrauch,  weil  die  Hasen  sich  gern  unter  ihm  lagern  oder  weil 
man  die  $ Blütenkätzchen  mit  Hasen  verglichen  haben  mag.  Nach 
anderer  Meinung  ist  Hasel  aus  Corylus  mittelst  einer  Übergangsform 
Cosylus  verderbt. 

f.  Coudrier,  Coudre,  in  den  Ardennen  Caurier,  wallon.  Cori  aus  Corylus. 

— Noisetier,  Nußbaum. 

€.  Hazel,  ags.  haes(e)l. 
n.  Hazelaar. 

Cotoneaster, 

von  Cotonea,  Nebenform  zu  Cydonia,  Quittenbaum,  dem  C.  nahe 
verwandt  ist.  Durch  die  Endung  aster  soll  Ähnlichkeit  und  geringerer 
Wert  angedeutet  werden. 
d.  Kutte,  vergl.  Quitte.  Kutte  aus  Cotoneaster. 
f.  Cotoneastre. 

c.  Cotoneaster. 

n.  Dwergmispel,  auch  zu  deutsch  Zwergmispel,  nächster  Verwandter  von 
Mespilus,  aber  kleiner. 

Crambe,  Kga/nßr]. 

Ableitung  von  yielgo),  schneiden.  Der  Name  bezieht  sich  auf  das 
zu  Gemüsezwecken  wiederholte  Abschneiden  der  Pflanze. 

d.  Meerkohl,  sieht  dem  Kohl  ähnlich,  wird  auch  als  solcher  gebraucht, 
wächst  am  Meer. 

f.  Chou  marin,  desgl. 

c.  Seakale. 
n.  Zeekool. 

Crataegus, 

von  'AgaxaiOQ,,  widerstandskräftig,  wegen  seines  Holzes  — von  /.gaxog,, 
Kraft,  alytüv  der  Ziegen,  die  Ziegen  fressen  die  jungen  Zweige  ab 
— oder  aus  yigaxa,  Kopf,  Ziege  = Ziegenkopf,  vielleicht  auch 
wegen  des  starken,  widerlichen  Geruchs  der  Blüten,  der  dem  des 
Ziegenbocks  vergleichbar  ist. 

d.  Weißdorn,  wegen  der  helleren  Rindenfarbe,  im  Gegensatz  zu  der  des 
Schwarzdorns  (Prunus  spinosa).  Dom  aus  sansc.,  dri  altd.  zeran  got 
teieren  = zerreißen.  Hagedorn,  da  er  zu  Hecken  benutzt  wird. 

f.  Aubepine  — alba  spina  = Weißdorn. 

e.  Haw(thorn),  altengl.  Haga  ==  Haag  = Heckendorn. 

11.  Meidoom,  weil  er  im  Mai  blüht.  — Haagdoorn. 


53 


Crepis, 

von  yiQriTtlgj  in  der  Bedeutung:  Halbschuh.  Sohle,  wegen  der  Form 
des  Wurzelblattes,  oder  in  der  Bedeutung:  Ufer,  da  Cr.  paludosa  und 
virens  an  diesem  Standort  Vorkommen. 

d.  Hasenkraut.  Sobald  sich  der  Hase  unter  diesem  Kraut  duckt,  fühlt 
er  sich  stark.  Melancholikern  wird  es  zu  tragen  angeraten,  damit  sie 
nicht  weichlich,  sondern  „fest“  werden.  Daher  vielleicht  auch  der 
Namen  „Feste“.  Woher  aber  die  Bezeichnung  Pippau? 

f.  Crepide. 

e.  Hawk’s-beard  = Habichtsbart,  wegen  der  federigen  Fruchtkrone. 
Nächster  Verwandter  von  Hieracium,  Habichtskraut. 

n.  Streepzaad,  Streifensaat,  wegen  der  länglichen  Blätter. 

Crociis,  Kqovmq. 

Diosc.  I.  25.  ^Af-isLvojv  {.liv  eoTiv  oyicoQVMog  fv  RiXiAag, 

liTco  Tov  h avTrj  y.coQvytov. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  5.  Crocum  dictum  ab  oppido  Ciliciae,  quod 
vocatur  Corycium,  quamquam  et  alibi  nascatur,  sed  non  tantum, 
vel  tale,  quäle  in  Cilicia.  Unde  a potiori  parte  nomen  accepit. 
Crocus  vielleicht  von  Corycius,  wie  die  beste  Crocusart  im  Altertum 
genannt  wurde,  nach  einer  cilicischen  Gegend  — aus  ygoxt],  Faden, 
wegen  der  officinellen  Narben  — oder  Orient  -hebr.  Herkunft. 

d.  Safran,  aus  dem  arab.  az-zaferan,  zafaran,  pers.  zaafer,  walach.  sofran. 

f.  Safran,  ital.  zafferano,  span,  azafrano,  portug.  a^afräo. 

e.  Saffron. 

71.  Crocus. 

Cucumis. 

Varro.  Lingua  Lat.  IV.  Cucumeres  dicuntur  a curvore,  ut  curvi- 
meres  dicti. 

wahrscheinlich  nach  der  Fruchtform  genannt:  vom  kelt.  cucc,  einer 
Art  Vase  — aus  lat.  cucuma,  Topf,  griech.  mit  Vorgesetzter  Re- 

duplikation — vom  griech.  Zeitwort  yvo),  schwellen,  schwanger  sein 
— oder  von  curvor,  Krümmung. 

d.  Gurke,  vei'wandt  mit  poln.  ogarek,  russ.  ogurez,  diese  ihrerseits  mit 
griech.  .ayyouQLOv  (Wassermelone).  Arab.  pers.  türk,  chijär,  mit  Artikel 
al  chijär,  hindostan.  cahirä,  wiederum  verwandt  mit  cucumis. 

f.  Concombre,  verwandt  mit  dem  Lat.  Unter  cornichons  versteht  man 
die  kleineren  Einmachgurken,  von  corne,  Horn,  wegen  der  Gestalt 
der  Frucht. 

e.  Cucumber,  vergl.  die  deutsche  Vulgärbezeichnung  „Gümmer“. 
n.  Augurk.  — Komkommer. 

Cucurbita, 

vergl.  unter  Cucumis,  mit  dem  es  etymol.  verwandt  sein  soll.  — 
Von  yvQTog^  curvus,  krumm,  wegen  der  Fruchtform.  — Wie  orbita 


54 


von  orbis,  so  ist  corbita,  curbita  von  corbis,  runder  Korb,  entstanden, 
corbis  wurde  cu  vorgesetzt  entweder  als  Reduplikation  oder  im  Sinne 
des  Verbum  zrw,  schwellen,  schwanger  sein. 

Cucurbita  Pepo. 

Pepo,  griech.  Ttimov,  von  TttTtTio,  kochen,  womit  eine  durchaus  reife, 
gleichsam  ausgekochte,  infolgedessen  weiche  und  aufgeschwollene 
Frucht  bezeichnet  werden  soll. 

(t  Kürbis,  von  cucurbita,  verwandt  mit  Gurke. 

/.  Courge.  — Citrouille,  weil  die  Frucht  zitronenartig  ist. 

e.  Pumpkin,  von  Pepo,  desgl.  Pumpion.  — Gourd,  wie  frz.  Courge, 
deutsch  Kürbis. 

11.  Pompoen. 

Cuscüta,  vAGavra, 

vom  arab.  kuchütä,  in  derselben  Bedeutung,  oder  syrischer  Herkunft, 
wo  es  ein  Kraut  ohne  Wurzel  und  Blätter  bedeutet  — von  '/.aoovcoy 
zusammenflicken  — von  'Aavadvco,  beschleichen,  besteigen  — vom 
griech.  o'/xrov,  Peitsche,  das  mit  Reduplikation  versehen  ist  und  etwa 
‘aLg'avxov  lauten  würde,  um  eine  lange,  venväckelte  Peitsche  zu  be- 
zeichnen. 

d,  Seide,  die  blasse  Pflanze  umspinnt  wie  ein  Seidenfaden  andere 
Pflanzen.  — Unserer  lieben  Frauen  Blumenhaar. 

f.  Chevelure  du  Diable  = Teufelshaar,  da  es  eine  schmarotzende  Pflanze 
ist  — Cheveux  de  Venus  = Venushaare  — Barbe  de  moine  = 
Mönchsbart  — Bourreau  du  lin  = Leinhenker,  weil  es  unter  dem 
Lein  Schaden  anrichtet  — Angure  du  lin,  von  angere,  erwürgen. 
— Teigne,  Grind;  Galle,  Krätze.  Aus  der  Medizin  übernommene 
Ausdrücke,  um  die  Gefährlichkeit  dieses  Schmarotzers  zu  bezeichnen. 

e.  Dodder,  auch  im  Deutschen  derselbe  Namen,  verwandt  mit  deutsch 
Dotter,  worunter  man  eine  verharrte  Schnur  versteht. 

11.  Duivelsnaaigarn  = Teufelsnähgarn,  auch  zu  deutsch  Teufelszwirn; 
vergl.  Nicol.  Damascen.  De  plantis.  II.  7.  Cuscuta:  Saepe  etiam  ex 
planta  alia  planta  nascitur,  non  suae  formae,  sine  radice;  movetque 
se  super  plantam  — et  crescit  planta  ut  fila,  et  tenduntur  super 
plantam;  ut  cuscute  et  similia.  — Warkruid,  zu  deutsch  Wirrkraut. 
— Wilde  Klimmer,  vergl.  unter  Hedera. 

Cydonia,  sc.  malus,  to  v.vddvLOV  sc.  (.iriXov. 

Isid.  etym.  XVII.  7.  4.  Malus  Cydonia  nomen  sumpsit  ab  oppido, 
quod  est  in  insula  Greta,  de  qua  dicere  solent,  urbium  Cretensium 
matrem  Cydoniam,  ex  cuius  pomo  Cydonitum  conficitur. 
nach  der  Stadt  Cydon  auf  Kreta,  wo  die  Quitte  vornehmlich  ge- 
diehen sein  soll. 

d.  Quitte,  vom  Lat. -Griech. 

f.  Coing,  Coigenassier,  desgl. 

e.  Quince,  desgl. 

n.  Kwee,  quee,  desgl. 


55 


Cynara,  y^waga  (sc.  aytavS-a), 

zu  deutsch  hieße  nach  dieser  Bezeichnung  des  Galen  Cynara  soviel 
als  Hundsdom,  eine  verächtliche  Bezeichnung  des  stachligen  Ge- 
wächses. — Cynara  wird  auch  direkt  von  kvcov,  Hund,  abgeleitet, 
dessen  Zähnen  die  Kelchspitzen  der  Pflanze  ähneln  sollen.  — Nach 
dritter  Meinung  wird  C.  mit  yvdto,  kratzen,  in  Verbindung  gebracht, 
da  die  Pflanze  ein  distelähnliches  Gewächs  ist.  — Schließlich  wurde 
behauptet,  sie  habe  nach  der  Insel  Cynara  im  ägäischen  Meere,  wo 
sie  besonders  kultiviert  worden  sein  soll,  den  Namen  erhalten. 
Artischocke  wird  gewöhnlich  aus  dem  arab.  ardhischoki,  ardhi  = Erde 
und  schoki  = Dorn;  Erddom,  abgeleitet;  vergl.  zu  deutsch  auch  Erd- 
schocke. — Doch  soll  jenes  Wort  volksetymologisch  aus  dem  ital. 
articiocco  ins  Arab.  übertragen  worden  sein.  Der  eigentliche  und 
ältere  arab.  Name  für  die  Artischocke  sei  harsjef  oder  charsjof,  wo- 
von die  andere  ital.  Bezeichnung  carcioffo  abstamme,  desgl.  unter 
Agglutination  des  arab.  Artikels  das  span,  alcarchofa  und  das  port. 
alcochofra.  — Auch  wird  der  Name  vom  kelt.  art,  Dom  und 
chaulx,  Kohl,  abgeleitet.  — Überdies  wird  die  Fmcht  der  Artischocke 
im  Griech.  bereits  dgrvTLyov  genannt.  Möglich,  daß  hiervon  die 
arab.-ital.  Bezeichnungen  abzuleiten. 
f.  Artichaut. 
e.  Artichoke. 
n.  Artischock,  Artisjok. 


Cynoglossum,  ywoylwaaov. 

Apul.  medic.  herb.  96.  Graeci  cynoglosson,  Itali  linguam  canis. 
von  yv(i)v,  Hund  und  y?^'^GGa,  Zunge',  wegen  der  Blattform,  bzw. 
wegen  des  unangenehmen  Geruchs  der  Pflanze  verächtlich  Hunde- 
zunge genannt. 

Hundszunge. 

/.  Langue  de  chien,  desgl.  Herbe  au  Diable,  Teufelskraut,  aus  letzthin 
erwähntem  Grunde,  auch  wegen  der  düsterroten  Blütenfarbe,  oder 
endlich  wegen  der  mit  Häkchen  versehenen  Früchte,  die  wie  Kletten 
an  den  Kleidern  hängen  bleiben. 
e.  Hound’s-tongue. 
n.  Hondstong. 

Cynosurus, 

von  ycvvög  ovgd,  Hundsschwanz,  wegen  der  Infloreszenz. 

d.  Kammgras,  wegen  der  stachelspitzigen  Ähren,  die  wie  ein  (Hahnen-) 
Kamm  aussehen. 

/.  Cynosure  — Cretelle  von  crete  (de  coq),  Hahnenkamm. 

e.  Dog’s-tail  = Hundeschwanz. 

H.  Kamgras. 


— 56  — 


Cyperus,  y.vTteigog 

ist  gleichen  Ursprungs  wie  Cupressus*),  aus  einem  hebr.  Wort, 
Kopher,  das  Harz  bedeutet,  wegen  des  Wohlgeruchs  dieser  Pflanzen 
so  benannt. 

d.  Cypergras. 

f.  Souchet,  Dimin.  von  souche,  die  starken  und  vielen  Wurzeln  bilden 
einen  kleinen  Stock  (souche).  — Patenotre,  Paternoster;  die  Wurzel- 
knoten erinnern  an  einen  Rosenkranz. 

e.  Galingale,  zu  deutsch  Galgant;  wegen  ihres  Wohlgeruchs  wurde  die 
Pflanze  absichtlich  wie  unabsichtlich  mit  Galgant  verwechselt,  s.  unter 
Cladium. 

71.  Cypergras. 

Cypripedium, 

von  KvTtQog,  Venus  und  Ttsdiov,  Diminut.  von  Ttedr],  Schuh,  wegen 
der  Blüte. 

c/.  Frauenschuh.  — Hosenlatz  (Aargau).  Die  ausgehöhlte  vorgebauschte 
bunte  Lippe  der  Blüte  erinnert  an  die  oft  buntgefärbten,  vorge- 
bauschten Hosenlätze,  die  man  im  Mittelalter  trug.  Vielleicht,  daß 
so  dieser  Name  zu  erklären  ist. 

f.  Sabot  = Holzschuh. 

e.  Lady’s-slipper  = Frauenpantoffel. 

71.  Vrouwenschoen. 

Cytisus,  yvTLöog 

war  der  Name  von  Medicago  arborea,  von  y^vzog,  Höhlung,  wegen 
des  hohlen  Stengels  herzuleiten,  oder  von  Kythnos,  wo  er  reichlich 
wuchs.  Von  Medicago  arborea  wurde  der  Name  auf  den  verwandten 
Cytisus  übertragen. 

d.  Goldregen,  wegen  der  gelben  Blütentraube.  — Bohnenstrauch,  wegen 
der  bohnenförmigen  Schoten.  — Hosen  und  Schuhe  (ostfries.),  das 
Schiffchen  mit  den  beiden  Flügeln  stellt  ein  paar  Schuhe,  die  symmetr. 
Fahne  ein  paar  weite  Fischerhosen  dar. 

f.  Cytise.  — Ebenier,  Ebenholzbaum,  wegen  der  Härte  und  dunklen 
Farbe  des  Kernholzes,  das  dem  von  Diospyros  ähnlich  ist.  — Aubour, 
provenz.  alborn,  wallon.  äbon,  span,  albomo.  Die  Artbezeichnung 
Labumum  durch  Agglutination  des  Artikels  von  albumum,  weißes 
Holz,  das  junge  zarte  Holz  unter  der  Rinde,  der  Splint,  der  bei 
Cytisus  von  hellgelber  Farbe  ist. 

e.  Golden  chain,  Goldkette.  — Bean-trefoil,  Bohnenklee,  wegen  der  Drei- 
zahl seiner  Blätter.  — ' Pea-tree,  Erbsenbaum,  wegen  der  Blüten  und 
Schoten,  die  denen  der  Erbse  gleichen.  Bohne,  Erbse  und  Gold- 
regen sind  Schmetterlingsblütler. 

71.  Gouden  Regen. 


*)  y.vnaqiaaog,  Cupressus  sempervirens ; ihr  Holz  wurde  von  den  Phöniziern 
zum  Schiffbau  verwandt.  Von  diesen  wurde  sie  nach  Cypern  eingeführt,  wo  sie  sich 
über  die  ganze  Insel  ausbreitete  und  Veranlassung  zu  deren  Benennung  wurde.  (Koch.) 


57 


D. 


Dactylis, 

öa/,Tv?dgj  fingerähnlich,  wegen  der  Anordnung  der  Ährchen  an  dem 
Blütenstand,  wie  die  Finger  an  der  Hand. 

d.  Knäuelgras,  vergl.  den  Artnamen  D.  glomerata;  glomerata  = geknäuelt. 
Die  Ährchen  stehen  in  buschigen  Knäueln. 

/.  Dactyle,  Dactylis  glomerata  = Dactyle  pelotonne;  pelotonne  = ge- 
knäuelt. 

e.  Cock’s-foot-grass,  zu  deutsch  Hahnenfußgras.  Möglicherweise  wegen 
der  gestielten  Ährchen,  die  mit  einem  Hahnenfuß  entfernte  Ähnlich- 
keit haben,  so  benannt. 

n.  Kropaar,  zu  deutsch  Kropfähre,  wegen  der  knäuelförmigen  Ähre. 

Daphne. 

Diosc.  IV.  146.  Jacpvoeiöig  — (pvkXa  dacpvrj  eoiv.oTa. 
zJaq)vrj  heißt  eigentlich,  auch  im  Neugriech.  Lorbeer  (Laurus  nobilis). 
Der  Name  kommt  von  q^alvouai  =:  glänzen  mit  der  verstärkenden 
Vorsilbe  da.  cpavrj  (Fackel),  öaipavrjj  ödcpvi].  So  genannt  wegen  der 
glänzenden  Blätter.  Wegen  der  Ähnlichkeit  der  Daphneblätter  und 
-früchte  mit  denen  des  Lorbeers  adoptierte  sie  dessen  Namen.  Vergl. 
hierzu  auch  den  Artnamen  D.  laureola;  vergl.  die  siebenbürg.  Be- 
zeichnung Waldlierbeer. 

d.  Seidelbast,  verv^andt  mit  ahd.  zidal,  Biene.  Das  Wort  zidal  ist  noch 
erhalten  in  Zeidler  = Bienenzüchter  und  Zeidelweide,  ein  WaldHertel, 
in  dem  Bienenzucht  getrieben  wurde.  Die  Daphneblüten,  die  im 
Frühling  noch  vor  den  Blättern  erscheinen,  werden  von  Bienen  auf- 
gesucht. Seidelbast,  der  Bast,  die  Rinde  dieser  Pflanze  soll  blasen- 
ziehende, heilkräftige  Wirkung  haben.  — Nach  anderer  Erklärung 
soll  „Seidel“bast  eine  dem  altgerman.  Kriegsgott  „Ziu“  heilige  Pflanze 
sein  und  daher  ihren  Namen  erhalten  haben.  — 

Kellerhals,  vielleicht  aus  Kälberhals  verderbt,  da  das  Holz,  in  Ruten 
um  den  Hals  der  Kälber  gewunden,  die  Läuse  vertreibe;  vergl.  die 
schles.  Bezeichnung  Kelberhals.  Ebenso  die  thüring.  Bezeichnung 
Lausekraut.  — Nach  andeier  Erklärung  hängt  Kellerhals  mit  quellen 
oder  quälen  zusammen,  da  sein  brennender  Geschmack  den  Hals 
quellen  läßt  oder  quält;  vergl.  livländisch  Quälerhals.  — „Frühhng“, 
ihre  wie  Syringen  duftenden  schönen  rosenroten  Blüten  erscheinen 
im  März. 


58 


/.  Daphne  Morillon.  Unter  Morillon  versteht  man  eine  schwarze 
Traubensorte.  Die  Daphne  wird  wegen  ihrer  schwarzen  Beeren 
D.  Morillon  benannt.  Zu  Morillon  vergl.  more,  der  Mohr,  Licivqog, 
maurus,  schwarz,  s.  unter  Morus. 

Mezereon,  vom  lat.  Artnamen  D.  Mezereum,  auf  den  sich,  als  der 
verbreitetsten  Art,  fast  alle  neusprachlichen  Namen  für  D.  beziehen. 
Mezereum  stammt  aus  dem  arab.  und  pers.  mäzariyün  (mazeriyn), 
womit  der  Araber  die  Camellia  bezeichnen  soll.  — Man  bringt  den 
Namen  auch  mit  dem  ital.  ammazzare,  töten  in  Verbindung,  wegen 
der  giftigen  Eigenschaften  der  Pflanze.  Vergl.  hierzu  die  Schweiz. 
Benennung  Giftbäumli  und  das  frz.  Malherbe,  schlechtes  Kraut.  — 
Über  Garou,  garoutte  s.  im  n.  — Bois-gentil,  Bois-joli,  hübscher 
Strauch,  wegen  seiner  schönen  rosa  Blüten,  die  im  Frühling  am  kahlen 
Stengel  erscheinen.  — Cancerille,  da  das  Kraut  gegen  den  Krebs 
angewandt  wird. 

e.  Daphne  — Mezereon  — Spurge- Olive  und  Spurge-Laurel,  wegen 
ihrer  purgierenden  Eigenschaft  und  der  Ähnlichkeit  ihrer  Blätter 
mit  denen  der  Olive  und  des  Lorbeers;  vergl.  die  deutsche  Bezeich- 
nung Scheißlorbeer. 

Dwarf-bay,  Zwerglorbeer;  bay  (lat.  bacca)  wird  speziell  für  die  Beere 
des  Lorbeer  gebraucht.  Zwerglorbeer,  da  er  nur  ein  kleiner  lorbeer- 
ähnlicher Strauch  ist. 

71.  Peperboompje,  vergl.  unsere  deutsche  Bezeichnung  Pfefferbaum,  wegen 
des  brennenden  Geschmacks  seiner  Beeren. 

Garouboompje;  unter  frz.  garou  in  loup-garou  enthalten,  versteht 
man  den  in  einen  Wolf  verwandelten  Teufel;  vergl.  die  deutsche, 
vielleicht  hiermit  ver>Ä^andte  Bezeichnung  Werwolf.  Die  Pflanze 
wurde  wegen  ihrer  Giftigkeit  so  genannt.  Vergl.  hierzu  auch  die 
deutsche  Bezeichnung  Wolfsbast  für  Daphne.  Die  Beziehungen  zu 
dem  ehedem  in  unseren  Gauen  sehr  gefürchteten  Wolf  sind  denen 
des  Teufels  verwandt. 


Datura, 

vom  arab.  Datora  oder  Tatorah  in  derselben  Bedeutung,  türk,  tatula. 
— Nach  anderer  Erklärung  von  do,  dare,  geben,  weil  ein  Extrakt 
des  Krautes  von  Huren  trägen  und  kraftlosen  Mannspersonen  gegeben 
worden  sei. 

d.  Stechapfel,  wegen  der  stachligen  runden  Fruchtschale.  — Dotter 
assimiliert  aus  Datura." 

f.  Stramoine,  aus  dem  mittelalt.  Stramonium.  Unbekannten  Ursprungs 
oder  von  GTovyvoVy  Nachtschatten  und  (.laivouaL,  rasen,  wegen  der 
giftigen  Wirkung.  Pomme  de  diable,  Teufelsapfel,  herbe  aux  sor- 
ciers  = Zauberers  Kraut. 

e.  Thorn-apple,  Domapfel;  vergl.  frz.  pomme  epineuse. 

71.  Doornappel,  auch  Dolappel. 


59 


Bauens,  griech.  daivMg, 

von  Saico,  erw^ärmen,  man  schrieb  seinem  Samen  erwärmende  Kraft 
zu;  vergl.  Diosc.  III.  76.  to  öi  G7tiQf.ia  Tcavrtov  övvaixiv  tyei 
S^eqiiavTLvA^v, 

d.  Möhre,  ahd.  Moraha.  Vielleicht,  weil  eine  Art  auf  moorigem  Boden 
gedieh.  — Nach  der  Meinung  anderer  hängt  es  mit  mürbe,  wegen 
der  Beschaffenheit  der  Wurzel,  zusammen;  vergl.  auch  Morchel.  — 
Gelbe  Rübe,  wegen  der  Farbe  ihrer  Wurzel.  — Carotte,  lat.  Carota 
(Apicius),  ital.  desgl.,  von  /MQCOTog,  safranfarben.  — Nach  anderer 
Ansicht  von  vmqov,  Kümmel,  dem  die  Pflanze  ähnlich  sieht.  — 
Nach  dritter  Meinung  verwandt  mit  nordengl.  carre  und  schwed. 
caerr,  Sumpf,  aus  erv^ähntem  Grunde.  — Blutströpfli,  wegen  des  blut- 
roten mittelsten  Blümchen. 

f.  Carotte. 

e.  Carrot  und  yellow  parsnip,  zu  deutsch  gelber  Pastinak;  mit  Pasti- 
naca  ist  Daucus  als  Umbellifere  verwandt. 

ii.  Peen,  altniederl.  pee.  Unbekannter  Herkunft.  — Vogelnest,  auch 
im  Deutschen  derselbe  Ausdruck,  wegen  des  nestförmigen  Blüten- 
kopfes. — Gele  wortel  und  kroot  (aus  carotte). 

Belphinium, 

vom  griech.  JeK(piv,  Delphin,  dem  die  Blütenknospe  der  Pflanze 
ähnlich  sieht. 

d.  Rittersporn.  Die  blauen  Kelchblätter  laufen  in  einem  Sporn  zu- 
sammen. 

f.  Eperon  de  Chevalier,  dasselbe;  dauphinelle,  von  dauphin,  Delphin. 

e.  Larkspur,  zu  deutsch  Lärchensporn,  s.  auch  unter  Corydalis. 

n.  Ridderspoor. 

Bianthus, 

aus  Jicg  ardog,  Juppiterblume,  wegen  ihrer  Schönheit  Juppiter  ge- 
weiht. 

d.  Nelke,  auch  Nägelchen,  Dim.  von  Nagel,  wegen  der  Form  der  Nelken- 
blüten. 

f.  CEillet,  von  oeil,  Auge,  wegen  der  Schönheit  der  Blume;  auch  Ivrogne, 
der  Trunkenbold,  wegen  der  roten  Blüte. 

e.  Pink,  venvandt  mit  dem  holl,  pinken  zwinkern,  weil  die  schöne  Blüte  mit 
einem  Auge  verglichen  wurde  oder  weil  manche  Nelkenblüten  mit 
augenähnlichen  Fleckchen  bedeckt  sind,  — Nach  anderer  Meinung 
verwandt  mit  peak  Spitze  (auch  pink  heißt  Spitze),  wegen  der  Form 
der  Blätter.  — Doch  soll  pink,  zwinkern,  die  Augen  halb  geschlossen 
haben,  seinerseits  mit  pink,  Spitze  verwandt  sein,  da  beim  Augen- 
schließen die  Lidwinkel  spitzer  werden,  auch  das  vom  Augapfel 
Sichtbare  wird  hierbei  kleiner.  Nach  dieser  Konstruktion  hieße  pink 
soviel  als  frz.  oeillet,  kleines  Auge.  — Die  engl.  Farbenbezeichnung 
pink,  für  eine  rosa  Farbe,  ist  auf  die  Nelkenfarbe  zurückzuführen. 

n.  Anjelier,  etwa  soviel  als  Engelkraut,  wegen  der  Schönheit  der  Nelke. 


6o 


Dictamnüs,  örAxa^vog. 

Theophr.  hist,  plant.  IX.  i6.  Tc  öe  dr/.Taf.ivov  Ydiov  Kqi^Tr^g. 
Vergil.  Aen.  XII.  4.  12.  Dictamniim  genetrix  Cretaea. 

Diosc.  III.  34.  /jiv^xat-LVog  nba  eazl  Kgr^rrAiq.  — III.  39.  (Degerat 
Se  ajtd  Kgrzr^g  e'regov  eiöog  diV.Tai.ivov. 

Plin.  XXV.  53.  Dictamnum  — non  est  alibi  quam  in  Greta. 

Isid.  Hisp.  Orig.  etym.  XVII.  9.  29.  Dicta,  mons  Cretae,  ex  quo 
dictamnum  herba  nomen  accepit. 

Nach  dem  Berge  Dicte  auf  Kreta  benannt,  der  angeblichen  Heimat 
der  Pflanze. 

(i.  Diptam,  an  Stelle  eines  k-Lautes  ein  p-Laut;  vergl.  unter  Pastinaca 
— Eschenwurz,  wegen  der  eschenähnlichen  Blätter. 
f.  Dictam(n)e. 

e.  Dittany  und  Fraxinella,  von  Fraxinus,  Esche.  — Hart’s-eye,  Hirsch- 
auge. So  genannt  nach  der  auffallenden  Blüte  des  hohen  Wald- 
krautes, 

71.  Diptam,  Eschenkruid. 

Digitalis, 

digitalis  = zu  einem  Finger  gehörig. 

d.  Fingerhut,  wegen  der  Ähnlichkeit  der  Blüte  mit  einem  Fingerhut; 
vergl.  auch  die  Bezeichnung  Waldschelle. 

f.  Digitale  — Gants  de  bergere,  Handschuhe  der  Hirtin. 

e.  Foxglove,  Fuchshandschuh;  vergl.  norweg.  revhandskje,  rev  Fuchs, 
handskje  Handschuh;  engl,  auch  foxfingers,  Fuchsfinger. 

71.  Vingerhoedskruid. 

DipsacOS.  Ji\pavog. 

Diosc.  HI.  II.  jL\pay.og  {Pcof.ialoi  ?Mßgot\u  Bivsgtg]  v.avXov  Si  eyei 
vipr^lbv  av.avd'Cüdr]  vai  cfvlXa  TtegieiXr^cpoTa  xbv  v.avXbv,  ef.iffegr^ 
d^gidav.L,  övo  vad^  YvaOTOv  ycvv,  7vgof.irf/.ri,  avMV&coöri  vai 
aiTa,  coGTTsg  Tivag  7tO{.i(f6Xvyag  IttI  (Äiöiqg  xrig  gdyecogy  eoiod'iv 
ze  vat  s^codsv  exovza  avayd-codeig,  v^olXa  de  Tzegl  xd  yovv  tojv 
q)vXXcüv  tüGze  vdaza  aTzd  zcov  dgoGcov  y.at  djj-ßgwv  (pvXdzzeiVy  d&ev 
val  Tü  ovof^ia  ecXv.vGF.v. 

Plin.  XXVH.  47.  Dipsacos  habet  caulem  duum  cubitorum  isdem 
spinis  horridum,  genicula  eins  binis  foliis  amplectentibus  concavo 
alarum  sinu,  in  quo  subsistit  ros  salsus. 
ji\pavog  von  diipa,  Durst.  Die  Blätter  vereinigen  sich  stengel- 
umfassend an  der  Basi.s  und  bilden  ein  Tau-  und  Regenreservoir. 
d.  Karde(ndistel),  auch  Weberdistel  genannt,  da  die  stachlige  Pflanze 
zum  Karden,  d.  h.  Reinigen  und  Kämmen  der  Wolle  benutzt  wurde  — 
oder  wegen  der  Stacheln,  die  die  Blüte  umgeben  und  der  Weber- 
karde ähnlich  sehen  sollen.  — Oder  Karde  stammt  direkt  von  Car- 
duus, Distel,  ab. 

Die  Bezeichnungen  Venusbad  öder  Immerdurst  sind  auf  zuvor  er- 
wähnte Etymologie  zurückzuführen. 


6 


/.  Cardere,  cardaire,  tete  de  loup  und  peigne  a loup,  Wolfskopf  und 
Wolfskamm,  wegen  der  stachligen  Pflanze.  Cabaret  des  oiseaux, 
Vogelschenke  und  Lavoir  de  Venus:  Das  darin  angesammelte  Wasser 
galt  auch  als  Kosmetikum. 

e.  Teasel:  tease,  die  Wolle  karden,  teasel,  ein  Werkzeug  hierzu.  — 
Venus’  Bath:  Venus-Bad. 

Kaardebol,  Kardenkopf,  wegen  der  kopfförmigen  Blüte. 

Doronicum, 

vom  arab.  daranedj,  doronigi  — oder  entstellt  aus  Dorycnium;  vergl. 
hierzu  Plin.  XXI.  105:  Hoc  est  venenum,  quod  innocentissimi  auctores 
simpliciter  dorycnion  appellavere  ab  eo  quod  cuspides  in  proeliis 
tinguerentur  illo  passim  nascente.  Joqv/jviov  aus  doQV,  Speer  und 
zvaco,  reiben,  streichen.  Die  Pflanze  wurde,  wie  gesagt,  zum  Ver- 
giften der  Speere  gebraucht.  — Thes  Graec.  Ling.  II.  p.  1645: 
„Demopho  autem,  quod  ad  inferendam  mortem  pares  T(f  dtQaxL 
vires  habent,  ut  docet  Gorr.“  Es  soll  ebenso  tötlich  wirken  wie 
der  Speer. 

d.  Gemswurz.  Die  Pflanze  wächst  in  Gebirgen,  z.  B.  in  Tirol,  der  Heimat 
der  Gemse,  der  es  vielleicht  als  Futterkraut  dient. 

f.  Doronic,  Herbe  aux  pantheres;  vergl.  den  Artnamen  D.  pardalianches, 
„Leopardenwürger“.  IMan  glaubte,  die  Pflanze  enthalte  ein  Gift,  das 
Panther  und  ähnliche  wilde  Tiere  töte. 

e.  Doronic,  Leopard’s-bane,  Leopardenbann.  Panther -strangler,  Leo- 
pardenwürger. 

n.  Duizelkruid:  von  duizelen,  zu  deutsch  döseln,  schwindlig  sein.  Auch 
im  Deutschen  heißt  das  Kraut  Schwindelkraut,  da  seine  Wurzel  gegen 
Schwindel  schützen  soll.  Vielleicht  wurde  diese  „Schutzkraft“,  der 
Signaturlehre  entsprechend,  aus  dem  gefahrvollen  Höhenstandort  der 
Pflanze  abgeleitet;  vergl.  die  Bezeichnung  Gemswurz. 

Drabe,  öqä^ri. 

Die  einen  leiten  den  dioscorid.  Pflanzennamen  von  einem  Worte 
ÖQaßr^,  das  bitter  bedeuten  soll,  ab,  aber  in  griech.  Lexiken  unter 
dieser  Erklärung  nicht  zu  finden  war,  andere  aber  bringen  dgaßt]  mit 
abschneiden,  abpflücken  in  Verbindung,  da  es  als  Küchenkraut  ver- 
wendet worden  sein  soll.  Der  Ursprung  des  Namens  ist  immerhin 
ziemlich  dunkel. 

d.  Hungerblümchen,  da  es  mit  ärmlichstem  Boden,  wie  steinigen  Abhängen 
und  Felsen,  vorlieb  nimmt.  — Unseres  Herrgotts  Löffel;  vergl.  unter 
der  nächstverwandten  Cochlearia. 

f.  Drave  — Mignonette,  wegen  der  Zierlichkeit  des  kleinen  Pflänzchens; 
vergl.  Reseda. 

e.  Whitlow-grass : das  grasblätterige  Kraut  wurde  gegen  Panaritien : whit- 
low  verw^andt. 

71.  Hongerbloempje. 


s 

I 


62 


Drosera, 

von  (^(>o(T£^o^,  betaut,  ÖQOffog,  Tau;  die  Pflanze  hat  ihre  Namen 
meist  daher,  daß  die  Drüsenköpfchen  ihrer  Blätter  auch  in  der 
Sonnenhitze  mit  Saft,  sogen.  Tau  bedeckt  sind. 

Sonnentau,  auch  Sinnau:  „sin“  = immer,  Sintau  t zu  n assimiliert.  — 
Auch  Marienträne  genannt.  — Widerthon,  im  i6.  Jahrh.  Widdertod, 
ein  Kraut  gegen  den  Tod!  oder  Widdertod  für  Wiedertat,  nieder 
gut  machen,  ein  Kraut,  dem  man  die  Kraft  zuschrieb,  die  Mann- 
heit wiederzugeben;  auch  das  Moos  Polytrichum  und  das  Farn- 
kraut Asplenium  werden  Widerthon  genannt. 
f.  Rossolis:  ros  Tau,  solis  gen.  von  sol,  Sonne;  Rosee  du  soleil,  Herbe 
ä la  goutte,  Tropfenkraut. 
e.  Sundew,  Sonnentau. 

n.  Zonnedauw  — Vliegenvangertje,  Fliegenfängerchen,  wegen  der  carni- 
voren  Eigenschaften  der  Pflanze. 


E. 

Echium,  lyiov. 

Nicand.  Ther.  636-637. 

'Nvv  ö"  aye  xoi  gl^ag  egito  e%ieaoiv  agtoyoig 
Ev&a  dvio  lyieLa  7Ciq)ava'/,eo. 

Diosc.  IV.  27.  eyiov.  — iv  olg  ion  xal  b '/MQTtdg  /.ecpalfj  l'yiog 
bjiioiog.  qita  — ^ng  ov  f.i6vov  %olg  Sryyd^eiOLV  vtto  eQTtettov 
ßorid^ü  vrod^eioa  f^iez  oYvov. 

Plinius  XXV.  58.  Capitula  viperae  similia  sunt. 

Apul.  med.  herb.  6.  Latini  viperinam  et  serpentariam.  Herba  vipe- 
rina  trita  cum  vino  potui  data  mirifice  morsus  viperae  sanat  et 
venenum  discutit. 

eyi^ov  von  eyig,  die  Viper,  Natter,  weil  die  Frucht  dem  Kopfe  einer 
Natter  ähnlich  ist  — event.  wegen  der  gekrümmten  Wurzel  — oder 
da  die  Blüte  oder  der  Blütenstand  dem  Kopf  einer  Natter  ähnlich 
sehe.  Daß  die  Pflanze  wegen  der  erwähnten  Ähnlichkeiten  mit 
einer  Schlange  als  Heilmittel  gegen  Schlangenbiß  betrachtet  wurde, 
ist  eine  sekundäre  Erscheinung,  der  wir  häufig  begegnen;  vergl.  über 
Signaturlehre  in  der  Einleitung. 

d.  Natternkopf,  im  Österr.  Saurüssel,  wegen  des  Blütenstandes.  Für  die 
Synonyma  Frauenkrieg,  Weiberkrieg  findet  Grimm  keine  Erklärung. 
Doch  dürfte  die  Rauhigkeit  der  Pflanze  diese  Namen,  die  sie  mit 
Ononis  gemein  hat,  eingetragen  haben. 

f.  Viperine. 

e.  Viper’s-bugloss,  vergl.  den  deutschen  Namen:  wilde  Ochsenzunge. 
Anchusa,  die  Ochsenzunge  und  Echium  sind  beides  Boragineen. 

n.  Slangenkruid.  Slangenkop. 


63 


Elatine. 

Ableitung  von  iXanvog,  tannenähnlich,  von  Tanne,  wegen  der 

Gruppierung  der  Blätter  um  den  Stengel. 

Tännel,  von  Tanne. 

f.  Elatine;  recure  de  crapaud:  recure  (von  recurage,  das  Scheuern)  heißt 
der  Schachtelhalm,  da  er  wegen  seines  Kieselgehalts  zum  Scheuern 
gebraucht  wurde.  Da  Elatine  mit  dem  Schachtelhalm  entfernte 
Ähnlichkeit  hat  und  an  Teichrändern  vorkommt,  wird  ihre  Alsine 
ähnliche  Art  E.  alsinastrum,  Kröten  (crapaud)  - Schachtelhalm  ge- 
nannt. 

c.  Water -pepper,  vergl.  den  Artnamen  Hydropiper;  wegen  des  bitteren 
Geschmacks  der  Blätter. 

n.  Waterpeper. 

Elymus. 

s%Vf.iog  hieß  bei  den  Griechen  Panicum  italicum,  mit  elvfxog  bezeich- 
neten  sie  aber  auch  eine  Hülle,  ein  Futteral;  auf  die  Pflanze  eXvjnog 
wurde  der  Name  wegen  der  Hüllspelzen  übertragen,  desgl.  dieser- 
halb  auf  die  heutige  Gattung  Elymus;  eXvf^wg  ist  abzuleiten  von 
iXvco,  das  einhüllen,  verstecken,  aber  auch  winden  und  krümmen  be- 
deutet. In  dieser  Bedeutung  paßt  Elymus  auf  die  jetzige  Gattung 
besonders  gut,  da  sich  seine  Blätter  bei  trockenem  Wetter  winden, 
krümmen  und  einrollen. 

d Haargras,  wegen  der  haarigen  Ähren.  — Hüllgras  — Strandhafer, 
die  mit  dem  Hafer  nächstverwandte  Pflanze  wird  am  Meeresstrande 
zur  Befestigung  der  Dünen  angebaut;  vergl.  unter  Ammophila. 
f.  Elyme  — Gourbet;  gourbets  werden  in  der  Normandie  die  Dünen 
benannt. 

e.  Lymegrass,  aus  dem  offiziellen  Namen. 
n,  Zandhaver.  Zeehaver. 

Empetrum,  £f.i7ceTQog, 

unter  Empetrum  verstanden  die  Alten  Salsola,  s.  d. 

Diosc.  IV.  178.  k'f.i7teTQ0v  ev  ogavoig  cpvevaL. 

Plin.  XXVII.  51.  Empetros  nascitur  in  montibus  fere  in  saxo.  — 
Ableitung  von  iv,  auf  und  jtirCQOv,  Fels.  Empetrum  nigium  kommt 
bekanntlich  auf  Alpenfelsen  vor. 

d.  Krähenbeere,  wegen  der  schwarzen  Farbe  der  Beeren.  — Rausch- 
beere, von  lat.  ruscus;  diese  Pflanze  hat  ihren  Namen  von  ^rjQog, 
trocken,  was  auch  auf  die  fast  ausgedorrt  erscheinende  Krähenbeere 
paßt.  Oder  glaubte  man,  ihr  Genuß  berausche,  da  sie  auch  Trunkei- 
beere heißt?  Vergl.  unter  Vacc.  uliginosum. 

/.  Camarine,  Etym.  unbekannt. 

e.  Crowberry,  Krähenbeere. 


64 


71.  Besheide  = Beerenheide.  Die  Pflanze  kommt  auf  Heide  und  Torf 
vor.  Kraaiheide,  s.  die  erwähnten  Namen. 

Epilobium, 

iTtiXoßiov,  aus  £7r/,  über,  Xoßog,  Schote  (und  event.  l'ov,  Veilchen). 
Die  (veilchenfarbene)  Blüte  liegt  über  der  sich  bildenden  Schote. 

d.  Weidenröschen,  wegen  der  roten  Blüten  und  weidenähnlichen  Blätter. 
f.  Epilobe. 

c.  Willow-herb  = Weidenkraut. 

71.  Basterdwederik;  in  bezug  auf  Lysimacliia  s.  d. 


Epimedium,  e7tii,iriÖLov. 

ETtl  fj.'qöwv,  auf  der  Medicago.  Das  Wort  hat  vielleicht  eine  auf  Medi- 
cago  parasitierende  Pflanze  bezeichnet;  nach  anderer  Erklärung  so- 
viel als  eine  Pflanze,  die  wegen  der  Dreizahl  ihrer  Blätter  auf  den 
Klee  herauskommt.  Vergl.  eTti^irjXig  unter  Mespilus. 

d.  Sockenblume,  Bischofsmütze,  wegen  der  Blüte. 
f.  Epimedium. 

e.  Epimedium. 

71.  Bisschopsmuts. 


Epipactis,  l7tiTtctAT;ig, 

Die  Alten  verstanden  darunter  Veratrum  album,  Nieswurz,  mit  der 
die  jetzige  Gattung  Epipactis  als  Monokotyle  eine  gewisse  Ähnlich- 
keit hat. 

d.  Sumpfwurz,  weil  sie  in  Sümpfen  wächst  — Wilde  Nieswurz. 
f.  Elleborine:  vergl.  Diosc.  IV.  107  ol  6s  iXXeßoQLvrjV. 

Veratrum  album  wurde  von  den  Alten  deshalb  auch  sXXeßoQLvri  ge- 
nannt, weil  es  dieselbe  Wirkung  hatte  wie  Helleborus,  s.  d.;  sXXe- 
ßoQLvri  wäre  gewissermaßen  ein  Diminutiv  zu  sXXsßoQOg. 
c.  Helleborine. 

71.  Moeraswortel  ==  Morastwurzel. 


Eranthis, 

abzuleiten  von  riQ,  Frühling  und  avd'og,  Blume.  Die  sternförmige 
Blüte  erscheint  als  einer  der  ersten  Frühlingsboten  im  Februar. 

d.  Winterstem. 

f.  Hellebore  d’hiver,  Winter-Helleborus:  sie  gehört  mit  dem  Helleborus 
zur  Familie  der  Ranunculaceen. 

e.  Winter-aconite.  Aconit  ist  ebenfalls  eine  Ranunculacee. 
n.  Winterbloem. 


65 


Erica,  sQ(e)r/,rj,  vergl.  unter  Calluna. 

Ableitung  von  eQerAO),  zerbrechen:  man  habe  sie  gegen  Steinleiden 
angewandt. 

d.  Heidekraut:  da  es  auf  Heiden  wächst.  S.  ferner  unter  n. 

f.  Bruyere,  spätlat. : bruarium  und  brugaria,  katalon.:  bruguera,  mailänd. : 
brughiero.  Man  leitet  diese  Namen  vom  kelt.  brug:  Strauch  ab,  an 
welche  Bedeutung  ja  auch  im  Deutschen  „Erlenbruch“  für  Erlen- 
gesträuch  erinnert.  Nach  anderer  Erklärung  ist  bruyere  mit  dem 
altgall.  Zeitwort  bruir:  für  brüler,  verbrennen,  verwandt,  da  man  die 
Heide  abbrannte,  um  sie  urbar  zu  machen. 

e.  Heather:  heath  = Heide. 

n.  Dopheide:  dop  = Schale;  vergl.  d.  Topfheide,  vielleicht  wegen  der 
Blütenform:  daher  auch  Glockenheide  genannt.  Vielleicht  aber  ist 
der  Name  aus  der  anderen  d.  Bezeichnung  Torfheide  verderbt,  wie 
die  Pflanze  wegen  ihres  Vorkommens  auf  torfigem  Terrain  genannt 
wird. 

Erigeron,  riQLyiqtov, 

Ableitung  von  v^q:  Frühling  und  yagcov:  Greis. 

Erigeron  sieht  dem  Senecio  (s.  d.)  sehr  ähnlich.  Es  wurde  daher 
der  griech.  Name  des  Senecio  für  die  Pflanze  angewandt,  obwohl  er 
etym  nicht  zutreffend,  da  Erigeron  im  Spätsommer  blüht,  also  nicht 
wie  Senecio  schon  frühzeitig  graue  Früchtchen  tragen  kann. 

d.  Berufkraut,  da  man  allerhand  Krankheiten  damit  berief  und  besprach. 

f.  Erigeron.  — Vergerette:  von  verge,  Rute:  eine  aufrechte,  rutenförmig 
gegliederte  Pflanze, 

e.  Fleabane:  Flohbann,  Mittel  gegen  Flöhe. 

n.  Fijnstraal,  zu  deutsch  Feinstrahl,  eine  Komposite  mit  strahlenförmigen 
Randblüten. 

Erodium, 

von  egcoÖLcg,  Reiher. 

d.  Reiherschnabel,  Kranichschnabel,  Storchschnabel,  Hirtennadel:  wegen 
der  langgeschnäbelten  Frucht;  vergl.  Geranium,  den  nächsten  Ver- 
wandten der  Pflanze,  mit  dem  es  viele  Namen  gemeinsam  hat. 

f.  Erodium. 

e.  Crane’s-bill : Kranichschnabel. 
n.  Reigersbek:  Reiherschnabel. 

Eriophorum. 

Ableitung  von  egiov:  Wolle  und  cpagco:  trage,  agiocpogog:  wolle- 
tragend. Wegen  der  Samenhaare,  bezw.  der  Wollbüschel  der  Ähren. 
d.  Wollgras,  wilde  Baumwolle,  Bettfedem  (Augsburg),  Alte  Mägde 
(Schlesien). 

f.  Linaigrette:  von  lin,  Lein  und  aigrette,  Federbusch.  Lin  des  marais: 
Sumpflein:  wegen  des  Standorts. 

Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


O 


66 


<?.  Cotton-sedge,  zu  deutsch  Wollsegge,  s.  unter  Carex. 

71.  Wollegras. 

Erüca, 

von  EQSvyof-iai,  ructare,  rülpsen,  aufstoßen,  erbrechen,  oder  von 
urere,  brennen,  als  ob  die  Pflanze  urica  geheißen,  event.  von  (e)ro- 
dere,  benagen,  wegen  des  unangenehmen  brennenden  Geschmacks 
der  Samen. 

d.  Rauke,  Ruke  von  eruca. 

f.  Roquette  von  eruca  oder  von  roc,  da  es  auch  auf  Felsen  wächst. 

e.  Rocket,  desgl. 

71.  Raket(te  kruid). 

Erucastrum, 

durch  die  Endung  „-astrum“  soll  das  Kraut  als  der  Eruca  ähnlich 
bezeichnet  werden;  vergl.  den  Artnamen  Elatine  alsinastrum.  Eruca 
und  Erucastrum  sind  beides  Kruziferen. 

d.  Rempe  vielleicht  verderbt  aus  E.  — Hundsrauke,  s.  unter  Eru- 
castrum und  vergl.  die  Einleitung. 

f.  Erucastre. 

e.  Bastardrocket. 
n.  Schijnraket. 

ErTUm,  OQoßog,  botan.  unter  Pisum  und  Vicia,  s.  d. 

Isid.  origin.  etym.  XVII.  4.  ii.  Ervum  a Graeco  trahit  vocabulum. 
Hoc  enim  illi  OQoßov  dicunt. 

OQoßog  von  egißeiv,  bedecken,  wegen  der  die  Samen  bedeckenden 
Schote. 
d.  Erbse. 

f.  Pois  \ 

Pea  i 

71.  Erwt. 

Eryngium,  r^qvyytov. 

Wie  Eruca  und  Eiy^simum  leitet  man  E.  von  eQBvyoiiaL:  erbrechen, 
ab,  da  der  Genuß  des  scharfen  Pflanzensaftes  Erbrechen  hervorrufe. 
— Nach  anderer  Erklärung  aber  ist  es  mit  ariQ:  Luft,  dessen  ion.- 
homerischer  Gen.  rjBQog  lautet,  und  dem  Vogelnamen  ivy^  in  Ver- 
bindung zu  bringen.  Die  Griechen  verstanden  unter  l'vy^  den  Wende- 
hals, den  sie  nach  seinem  Geschrei  so  benannt  hatten.  Auf  einen 
Kreisel  gebunden  und  umgedreht  galt  er  als  Liebeszauber,  besonders 
um  ungetreue  Männer  wieder  zurückzuführen.  Erymgium  hieße  dem- 
nach so  viel  als  Windvogel  oder  Windkreisel,  wegen  des  Spieles,  das 
der  Wind  mit  den  abgestorbenen  Stauden  treibt;  vergl.  d.  laufende 
Distel,  frz.  chardon  roulant;  s.  auch  Od.  5.  328: 


wg  (5’  CT  (jüTtcoQivog  BoQSTjg  cp^OQ€r]atv  avMvd^ag 
af.L  Tteölov,  TCV'ALval  de  -rcQog  a^XriKr^öLv  tyovTai. 

Möglich,  daß  ihm  auch  im  Altertum  dieselbe  Wunderkraft  wie  heute 
zugeschrieben  wurde;  vergl.  d.  f. 


E.  campestre, 

Feld-E.,  wegen  des  Standortes. 

•d.  Mannstreu  oder  Männertreu:  Es  soll  die  männliche  Zeugungskraft 
erhöhen,  — Laufende  Distel,  wallende  Distel;  Krausdistel  wegen  des 
krausen,  stachligen  Aussehens. 

J.  Chardon  roulant:  rollende  Distel. 

e.  Field  Eryngo. 

n.  Tuimeldistel:  Taumeldistel,  s.  oben.  Wallendistel,  desgl.  Veldkruisdistel: 
Feldkreuzdistel,  wegen  der  kreuzförmig  um  den  Stengel  angeordneten 
Blätter. 

E.  maritimum. 

See-E. : wächst  am  Meer. 

d.  Seedistel. 

J.  Chardon  de  mer.  — Zu  Coutainville  heißt  nach  Toussaint  die 
Pflanze  Chou  de  M"^®  d’Acon:  Diese  Dame  frug  nämlich,  ob  die 
Pflanze  ein  Kohl  sei,  und  hat  so  ihren  Namen  unsterblich  — ge- 
macht. 

Sea  Eryngo.  Sea  Holly:  Die  Blätter  gleichen  denen  von  Ilex:  engl. 
Holly. 

n.  Meerdistel.  Zeekruisdistel. 

Erysimum,  Iqvol}.iov, 

von  eqevd'co  röten,  wegen  des  Gebrauchs  als  Hautreizmittel;  oder  von 
eqevyOLiai  aufstoßen,  vergl.  Eruca,  da  die  Kruziferen  wegen  ihres 
bitteren  Geschmacks  häufig  Aufstoßen  erregen,  oder  von  egvof-iai 
retten,  wegen  der  Heilwirkung  speziell  bei  Halskrankheiten:  von 
SQvco  und  oiLirj  Gesang,  vergl.  Günsel  unter  Ajuga. 

■d.  Schöterich,  wegen  der  sehr  langen  Schoten.  Hederich:  der  Name 
ist  von  einer  anderen  Crucifere,  Raphanus  Raphanistrum , auf  deren 
Gliederschoten  er  besser  paßt,  der  Ähnlichkeit  der  Pflanze  halber 
übertragen  worden.  E.  hat  keine  eingeschnürten  Schoten  wie  Ra- 
phanus Raphanistrum.  Auch  Glechoma  wird  wahrscheinlich  aus 
anderen  Gründen  wie  erw.  Raph.  Hederich  genannt. 

f.  Velar,  vom  kelt.  vehlar,  Kresse,  mit  der  die  Pflanze  als  Kmzifere 
verwandt  ist.  — Herbe  aux  chantres:  Sängerkraut,  s.  o. 

e.  Treacle  Mustard,  altfrz.  triacle,  vom  lat.  theriaca,  griech.  d^r^qtav.r, 
Gegengift  und  Mustard:  Senf,  weil  er  diesem  verwandt  und  ähnlich  ist. 

ji.  Steenraket,  Steinrauke:  die  als  Kmzifere  der  Eruca  ähnliche  Pflanze 
wächst  auf  Schutt,  Mauern  und  Kalk. 


68 


Erythraea,  /.evTavQLov  (.uy.Qov, 

von  eQvd^galog  rötlich,  rosa  abzuleiten:  wegen  der  blaßroten  Blüten. 
//.  Tausendgüldenkraut:  infolge  mißverstandener  Übersetzung  des  lat. 
centaureum,  das  man,  statt  es  von  dem  heilkundigen  Centauren  ab- 
zuleiten, in  centum,  hundert  und  aurum,  Gold  zerlegte:  woraus  dann 
Tausendgüldenkraut  geworden,  vergl.  das  coeli  donum  der  Alchi- 
misten, das  diese  aus  Chelidonium  sich  zurechtlegten.  Die  Griechen 
verstanden  unter  yevTavQLOV  verschiedene  Pflanzen,  vergl.  auch  unter 
Centaureum.  Erythraea  aber  bezeichneten  sie,  bzw.  Hippokrates, 
wie  oben  neben  dem  Gattungsnamen  erwähnt:  als  kleines  Centau- 
reum. — Außerdem  wird  es  Biberkraut,  von  beben,  zittern  abgeleitet, 
benannt,  da  es  gegen  Wechselfieber  angewandt  wurde.  — Schließlich 
sei  noch  der  Name  Erdgalle  erwähnt,  den  es  wegen  seiner  Bitterkeit 
erhalten  hat,  vergl.  diesbezüglich  unter  Artemisia  Absinthium. 
f.  Centauree.  — Herbe  ä mille  florins:  Tausendgüldenkraut.  — Gen- 
tianelle,  die  Pflanze  ist  eine  Gentianacee. 

c.  (Pink)  Centaury:  (rosafarbenes)  Centaureum. 
n.  Duizendguldenkruid. 

Eiipatorium. 

Sie  wurde  durch  Avicenne  fälschlicherweise  so  genannt;  das  echte 
Eupatorium  ist  Agrimonia  Eupatoria  (s.  d.),  das  auch  dieserhalb  im 
Erz.  Eupatoire  des  Grecs  genannt  wird.  Eine  Verwechslung  der 
Agrimonia  Eupatoria  mit  Eupatorium  cannabinum  ist  durch  die  Blatt- 
ähnlichkeit und  Bitterkeit  beider  Pflanzen  veranlaßt.  Über  Eupa- 
torium s.  unter  Agrimonia. 

d.  Kunigundenkraut.  Das  Kraut  wurde  gegen  Kinderkrankheiten  an- 
gewandt, und  Kunigunde  ist  die  Schutzheilige  der  Kinder,  wenn  sie 
in  Gefahr  sind.  — Hanfkraut:  wegen  der  hanfähnlichen  Blätter. 

f.  Eupatoire.  — Herbe  de  Sainte  Cunegonde.  — Chanvrin,  von  chanvre^ 
Hanf. 

e.  Eupatory  — Hemp-agrimony:  Hanf  Agrimonia. 

71.  Koniginnelcruid. 

Euphorbia,  empoQßiov. 

Diosc.  III.  86.  H f-iivTOL  evqeGig  airov  vMzd  ^loßav  riv  ßaoilect 
TT^g  yiißvr^g  eTteyvtood^ri. 

Plin.  XXV.  38.  Inyenit  et  patrum  nostrorum  aetate  rex  Juba  quam 
appellavit  Euphorbeam  medici  sui  nomine. 

Isid.  orig.  etym.  XVH.  9.  26.  Euphorbium  dictum,  quod  eius  succus 
oculorum  acuat  visum.  (?) 

Nach  Euphorbios,  dem  Leibarzt  des  Königs  Juba,  benannt.  Oder 
von  ev  wohl  und  (piqßto  nähren,  da  es  arzneilich  gegen  Abzehrung 
gebraucht  w’orden  sei. 

d.  Wolfsmilch:  wegen  des  giftigen  Milchsaftes:  vergl.  Wolfsbast  (Daphne) 
— Warzenkraut:  Mittel  gegen  Warzen. 


69 


f.  Epurge:  von  purger:  lat.  purgare:  reinigen,  abführen  lassen,  ebnen. 
Epurge  erhielt  seinen  Namen  entweder  wegen  seiner  purgierenden 
Wirkung,  oder  weil  sein  Saft  die  Warzen  vertreibt  und  so  die  Haut 
wieder  glatt  und  eben  macht.  — Euphorbe  — Lait  de  louve: 
Wolfsmilch,  louve  lat.  lupa,  fern,  zu  lupus:  Wolf. 

€.  Spurge:  vergl.  frz.  epurge.  — Devil’s-milk:  Teufelsmilch. 

71.  Wolfsmelk.  — Duivelsmelk.  — Spurge. 

Euphrasia. 

Ableitung  von  etq)Qaoia:  Frohsinn,  wegen  des  reizenden  Aussehens 
der  Pflanze  so  benannt:  event.  auch  wegen  angeblich  erheiternder 
Wirkung:  möglicherweise  ist  diese  Verwendung  der  Signaturlehre  ent- 
sprechend geraten  worden. 

d.  Augentrost:  s.  o.,  möglicherweise  aus  gleichem  Grunde  gegen  Augen- 
leiden angewandt  — Milchdieb:  da  sie  als  Grasschmarotzer  das  Vieh- 
futter beeinträchtigt,  vergl.  die  Bezeichnung  Heudieb  (Plantago). 

f.  Eufraise  — Casse-lunettes:  Zerbrich  die  Brille.  — Luminet:  von 
lumiere:  Licht. 

e.  Eyebright:  Augenhell. 

71.  Oogentroost. 

Evonymus,  evcowfwg. 

Theophr.  III.  i8.  13.  To  öe  evcovv/iioi'  yMXoi-f.ievov  devögov  cpvezai 
LI8V  a?ToS'l  T£  yal  zrig  ylioßov  Iv  to)  ooel  Z(p  ^Ooövvvco  %aXov- 
jiiEvo)’  TO  av^og  ogei  de  oelvov  coaTveo  cpovov  0 de  vMQjtog  — 
TOVTO  eod'iof.ierov  vtvo  tcov  jtQoßazcov  aTto'ATivvvEL  yal  zo  cpvXlov 
vmI  0 vMQTtog,  yal  f^iahaza  zag  alyag,  eav  yad^äqoeiog 

zvxiß. 

Plin.  XHI.  38.  Nec  auspicatior  in  Lesbo  insula  arbor  quae  vocatur 
euonymus,  granum  letale  animalibus,  nec  non  et  folio  eadem  vis. 
Elcüvi\uog,  berühmt:  per  antiphrasim  im  Sinne  von  berüchtigt,  wegen 
des  scheußlichen  Geruchs  der  zerriebenen  Blätter  und  Blüten,  oder 
weil  er  dem  Vieh  giftig  ist.  Euonyma  hieß  überdies  ebenso  per 
antiphrasim  die  Mutter  der  Furien.  Wegen  des  starken  Geruches 
wurde  das  Strauchwerk  als  Gegenmittel  gegen  Ungeziefer  benutzt, 
weshalb  nach  Ansicht  anderer  Euonymus  seinen  Namen  im  guten 
Sinne  verdient  habe. 

d.  Spindelbaum:  aus  seinem  Holz  wurden  Spindeln  hergestellt.  — Pfaffen- 
hut: wegen  der  Fruchtform:  speziell  wegen  des  roten  Samenmantels. 
— Rotkehlchenbrot:  die  Rotkehlchen,  deren  Verbreitung  mit  der  der 
Pflanze  genau  übereinstimmt,  fressen  den  Samen.  — Läusebaum. 

f.  Fusain,  von  fuseau:  Spindel.  — Bonnets  carres,  viereckige  Kappen. 
— Bonnets  de  pretre:  Priesterkappen. 

e.  Spindle-tree.  — Dogwood  (s.  unter  Cornus  sanguinea)  — Pegwoöd: 
peg  = Wäschklammer.  — Skewerwood:  skewer  ist  ein  kleiner  Holz- 
spieß, den  man  in  England  durch  das  Fleisch  steckt,  statt  es  mit 


Bindfaden,  wie  bei  uns,  zusammenzuwickeln.  Er  wird  aus  E.-Holz 
hergestellt.  — Prickwood:  Stechholz:  aus  gleichem  Grunde. 
n.  Kardinaalsmuts  — Papenhoed  — Luizenboom. 


F, 

Fagopyruni. 

Bastardname  aus  lat.  Fagus,  Buche  und  griech.  7CVQ6g,  Weizen. 
Die  kleinen  schwarzbraunen  Früchte  sind  dreikantig  wie  die  der 
Buche  und  werden  wie  die  Getreidekörner  verwendet. 
if.  Buchweizen.  — „Heidekorn“,  da  F.  aus  mohammedanischen  Ländern, 
also  von  den  Heiden  stammt;  vergl.  poln.  tatarka,  auch  deutsch 
Tatarenkorn  und  böhm.  pohanka,  von  böhm.  pohan,  der  Heide. 
f.  Sarrasin,  etwa  Sarazenenkorn,  gleichen  Ursprungs.  — Ble  noir,  schwarzer 
Weizen. 

e.  Buckwheat:  boc  im  Angelsächs.  die  Buche,  vergl.  buck  für  beech  im 
Dialekt  von  Northumberland;  wheat,  Weizen. 

72.  Boekweit. 

Fagus. 

Isid.  XVH.  7.  28.  Fagus  et  esculus  vocatae  creduntur,  quod  harum 
fructibus  olim  homines  vixerunt  cibumque  sumpserunt,  escamque 
habuerunt.  Nam  esculus  ab  esca  dicta,  fagus  vero  a Graeco  vo~ 
cata:  (payuv  enim  Graece  comedere  dicitur. 

Fagus  stammt  aus  dem  Griech.:  q'>riy6g,  von  cpayeiv:  essen:  wegen  der 
eßbaren  Samen.  Unter  cpr^yog  verstanden  die  Griechen  jedoch  nach  Koch 
die  eßbare  Kastanie  und  nicht  Quercus  esculus  mit  bitter  schmeckenden 
Eicheln,  die  wohl  kaum  je  als  Speise  genossen  worden  sind,  jetzt  aber 
von  den  Einwohnern  Griechenlands  bestimmt  nicht  gegessen  werden. 

d.  Buche:  sanskrit  bhag(sh),  essen:  weil  der  Same  eßbar.  — Es  sei 
hier  bemerkt,  daß  das  deutsche  Wort  Buch,  e.  book,  n.  boek,  von 
Buche  abstammt,  da  die  altnordische  Literatur  auf  Buchenholztafeln 
geschrieben  war.*) 

f.  Hetre,  niederl.  und  vläm.  bester:  Strauch,  deutsch  Heister:  junge 
biegsame  Eichen-  und  Buchentriebe. 

e.  Beech,  ags.  boc,  bece,  beoce. 

71.  Beuk. 

Festuca. 

Eine  Graminee:  Ableitung  von  festuca:  Halm. 
d.  Schwingel,  schwed.  svingel,  wohl  von  schwingen,  vibrieren,  wegen  der 
langen  schwanken  Ähren. 

*)  Vergl.  ßi'ßlog:  Buch  aus  ßvßlog,  Cyperus  papyrus,  aus  dem  es  hergestellt 
seinen  Namen  erhalten  hat;  vergl.  Herodot  V.  58.  xnl  rag  ßißXovg  Suf  d^tQctg  xaXiovGc 
ttTio  Tov  naXaiov  od'lwvEg,  cti  xoie  tv  anavc  ßißXwv  tyQiovTo,  dccpxXtQriat  aiyir^Gi  ts  y.at 
oU^Oi'  ETi  6h  y.cu  TO  yai  ^fih  noXXol  tmv  ßagßaQCJV  lg  TomvTag  6ig)&SQ(tg  ygcufovai. 


71 


f.  Fetuque  — Poil  de  chien:  Hundshaar,  wegen  des  Aussehens  der 
Ähren. 

e.  Fescue. 

71.  Zwenkgras ; Zwenk  = Schwung. 

Filago. 

Ableitung  von  filum:  Faden,  Filz:  wegen  des  grauweißlich  - filzigen 
Überzugs  der  Pflanze. 

d.  Filzkraut. 

f.  Cotonniere:  von  coton:  Wolle. 

e.  Cudweed,  verderbt  aus  Cottonweed:  Wollkraut. 

71.  Viltkruid. 


Foeniculum. 

Diminutiv  von  foenum,  Heu:  wegen  der  schmalen  Blattabschnitte  • — 
oder  von  foenum,  Heu  und  caulis,  Kohl;  vergl.  die  Bezeichnung 
Fenkohl:  die  Blätter  werden  als  Küchengewürz  benutzt. 

d.  Fenchel,  aus  dem  Lateinischen. 

f.  Fenouil  — Aneth  doux:  süßer  Dill.  Pflanze,  die  dem  Anethum  ähn- 
lich, aber  an  Geruch  und  Geschmack  milder  ist.  — Normannisch: 
anis,  wegen  des  anisähnlichen  Geruches. 

e.  Fennel. 

71.  Venkel. 

Fragaria, 

von  frango,  zerbrechen,  wegen  der  Brüchigkeit  der  Frucht  — oder 
aus  Beere,  wie  frango  aus  qr^yw^-H  imd  frigus  aus  qlyog  — 

oder  von  fragro,  duften,  wegen  des  angenehmen  Geruchs  der  Frucht. 
d.  Erdbeere,  weil  sie  auf  der  Erde  kriecht  und  die  Beere  nah  dem 
Erdboden  entwickelt. 

f.  Fraisier,  vom  Lateinischen. 

€.  Strawberry,  von  strew,  sich  ausbreiten,  wegen  der  Ausläufer,  die  sie  treibt. 
71.  Aardbezie  = Erdbeere. 


Frangula; 

Ableitung  von  frango:  zerbrechen:  wegen  der  Brüchigkeit  der  Zweige. 

d.  Faulbaum,  Stinkbaum,  wegen  des  unangenehmen  Geruchs.  — Pulver- 
holz: seine  Holzkohle  wird  zu  Schießpulver  benutzt.  — Grindbaum, 
Läusebaum:  als  Mittel  gegen  Grind  und  Läuse  — Gelbholz,  wegen  des 
gelben  Splintholzes.  — Aalkirsche : wegen  des  roten  Kernholzes 
(s.  unter  Ainus:  Erle)  und  wegen  der  Beerenfrucht. 

f.  Frangule.  — Bourdaine:  spätlat.  burdena  = Holz.  — Puene:  puer  = 
stinken.  — Bois  ä poudre:  Pulverholz. 

e.  Alder  buckthorn:  Erlen-buckthorn.  Die  Erklärung  von  buckthorn  ist 
nicht  klar:  Man  bringt  den  Namen  mit  Buchs  oder  (Reh)bock  in 


72 


Verbindung,  doch  dürfte  F.  wohl  wegen  der  buchenähnlichen  Blätter 
seinen  Namen  haben;  vergl.  buckwheat  unter  Fagopyrum.  — 
Butcher’s-prickwood : Metzgersstechholz;  s.  unter  Evonymus. 
n.  Vuilboom:  Faulbaum.  — Stinkhout:  Stinkholz. 

Fraxinus. 

Isid.  XVII.  7.  39.  Fraxinus  vocari  fertur,  quod  magis  inter  aspera 
loca  montanaque  fraga  nascatur. 

Ableitung  von  fragus,  fragosus  rauh : weil  der  Baum  in  rauhen 
Gegenden  wächst  — oder  von  cpQaOGco  umzäunen,  cpQayLia  Zaun: 
weil  sein  Holz  zu  Zäunen  und  Pallisaden  benutzt  worden  sein  mag 
— oder  von  q^yixa  Bruch;  vergl.  unter  Fragaria,  wegen  der  Brüchig- 
keit der  Zweige. 

d.  Esche,  isl.  askr,  schwed.  und  dän.  ask,  vielleicht  verwandt  mit  lat. 
aesculus:  Eiche  oder  griech.  c^va,  Buche. 

f.  Frene,  vom  Lateinischen. 

e.  Ash,  ags.  aesc.  Im  Ags.  hieß  aesc  auch  Speer,  weil  die  Lanzen- 
schafte aus  Eschenholz  gemacht  wurden.  Auch  im  Griech.  hieß  Liellr 
sowohl  Lanze  als  Esche:  vergl.  Homer  II.  II.  543  und  XIII.  178. 

71.  Esch. 

Fritillaria,  sc.  herba. 

Ableitung  von  fritillus:  Würfelbecher,  wegen  der  würfelförmigen  Flecken 
der  becherförmigen  Blume. 

d.  Kaiserkrone,  wegen  dem  großen  goldenen  Blütenkranz  (von  Fr.  imperialis). 

f.  Fritillaire. 

e.  Fritillary. 

71.  Keizerskroon. 


Fritillaria  meleagris. 

Meleagris  ist  der  lat.  Name  des  Perlhuhns.  Die  Pflanze  heißt  so 
wegen  der  Blütenflecken. 

d.  Schachblume.  Die  Blütenhülle  durch  dunkelrote  Flecke  schach- 
brettähnlich. Aus  erwähnten  Gründen  auch  Perlhuhntulpe  und 
Kiebitzeier  (Unterweser)  genannt.  Kuckuckstulpe,  da  die  schöne 
der  Tulpe  nah  verwandte  Blüte,  zur  Zeit  des  Eintreffens  des  Kuckucks 
blüht. 

f.  Damier:  Damenbrett. 

e.  Snake’s-head : Schlahgenkopf. 

71.  Kievitsbloem. 

Fnmaria,  sc.  herba,  VMTtvog. 

Diosc.  IV.  108.  y.aTtvog  — %a  Se  q)vXla  Xeuxctsga  yai  recpQoeidrj  — 
TovTcov  0 yvlog  dQLi-ivg,  oBvdeQy.rig,  dayovwv  aycoyog,  oSsv  yal 
Tovvof-ia  sily.vas. 


73 


Fumaria  von  fuma,  Rauch:  auch  im  Griech.  wird  die  Pflanze  VM7Cv6g, 

d.  h.  Rauch,  genannt:  da  ihr  Saft  nach  Diosc.  die  Augen  ebenso 
zum  Tränen  bringt  wie  der  Rauch.  — Nach  anderer  Erklärung  habe 
die  Pflanze  diesen  Namen  wegen  der  rauchfarbenen  Blätter  erhalten: 
raq)QoeL6r^g  = aschgrau;  vergl.  den  erwähnten  Text  des  Diosc.  — 
Nach  dritter,  kaum  haltbarer  Erklärung  wäre  der  Name  darauf  zurück- 
zuführen, daß  die  Blätter  Staub  ansammelten  und  diesen  beim  leisesten 
Windhauch  von  sich  geben  würden. 

Erdrauch  — Taubenkerbel:  weil  die  Blätter  dem  Kerbel  ähnlich 
sehen  und  von  den  Tauben  gefressen  werden. 
f.  Fumeterre,  desgl.  — Pied  de  geline:  Hühnerfuß:  wegen  der  Blätter. 
<f.  Fumitory. 

n.  Duivenkervel : Taubenkerbel.  — Aardrook. 


G. 

Gagea. 

Zu  Ehren  von  Sir  Thomas  Gage,  einem  Pflanzenliebhaber. 

d.  Goldstern,  Gelbstern,  wegen  der  gelben,  sternförmigen  Blüte.  — Acker- 
zwiebel, eine  Zwiebelpflanze,  die  auf  Ackerland  wächst.  — Gerstel, 
wohl  verderbt  aus  Gelbstern.  — Stern  aus  Bethlehem. 

f.  Gagea. 

e.  Gagea. 

n.  Geeister  = Gelbstern. 

Galauthus, 

von  yaXa,  Milch  und  avd'og,  Blüte,  wegen  der  milchweißen  Blüten- 
glöckchen. 

d.  Schneeglöckchen,  da  die  Pflanze  bereits  im  Februar,  ganz  außerhalb 
der  gewöhnlichen  Blütezeit  blüht;  vergl.  daher  die  St.  Galler  Bezeich- 
nung: echte  Zeitlose.  S.  hierzu  unter  Bellis  und  Colchis.  — Schnee- 
flocken — Jungfern  im  Hemd. 

f.  Galan thine  — Perce- neige,  durchdringt  den  Schnee.  — Niveole: 
von  niveus  = schneeig.  — Clochettes  d’hiver:  Winterglöckchen. 

e.  Snowdrop  = Schneeflocke. 

71.  Sneeuwklokje. 

Galeopsis,  yalloipig, 

von  yale7],  yalij,  Iltis,  Wiesel  und  oipig,  Aussehen,  Gesicht,  wegen 
entfernter  Ähnlichkeit  der  Blüten  mit  einem  Iltiskopf. 
d.  Hohlzahn:  die  dreilappige  Unterlippe  hat  im  Schlunde  jederseits  ein 
von  unten  her  hohles  Höckerchen,  das  man  mit  einem  hohlen  Zahn 
verglichen  hat. 


74 


f.  Ortie  royale:  königliche  Nessel.  Die  Blätter  der  prächtig  blühenden 
Pflanze  haben  Ähnlichkeit  mit  der  der  Nessel.  — Chan  vre  sauvage, 
wilder  Hanf,  wegen  einiger  Ähnlichkeit  mit  dem  Hanf  oder  wegen 
seiner  widerstandsfähigen  Stengel. 
e.  Hemp-nettle  = Hanfnessel. 

71.  Hennepnetel. 

Galeopsis  tetraMt, 

tetrahit  heißt  eigentlich:  „hat  verraten“.  Doch  scheint  die  latinisierte 
Bezeichnung  aus  dem  Griech.  verstümmelt  zu  sein,  etwa  von  zga/tvco, 
rauh  machen,  mit  Vorgesetztem  re  als  Reduplikation:  wegen  der 
langen  stechenden  Haare,  die  an  den  Knoten  der  Stengel  sich  finden. 

d.  Stechender  Hohlzahn. 

/.  Herbe  judaique:  Judaskraut,  weil  es  sticht,  oder  weil  Judas  der  Ver- 
räter war,  in  Anlehnung  an  „tetrahit“. 

e.  Hemp-nettle,  s.  vorher. 

71.  Gewone  Hennepnetel. 

Oalium,  yahov. 

Diosc.  IV.  94.  covof-iaGzai  de  arco  rov  ya%a  'ixvyvvva.i  avrl  Tcvvlag 
avTO. 

Galen  Z.  HI.  FaXiov  tov6f.iaöiai  uev  aitu  xov  yaXa  TtriyvvvaL. 
ydlLOv  von  ydXa:  Milch,  die  es  zum  Gerinnen  bringt. 

d.  Labkraut:  Lab  = Kälbermagen.  Das  Kraut  wird  statt  des  Kälber- 
magens zur  Milchgerinnung  gebraucht. 

f.  Caille-lait:  Milchgerinner. 

e.  Bedstraw:  vergl.  unter  Asperula. 

71.  Walstroo  (?). 

Oalium  aparine. 

Theophrast  VH.  14.  3.  ^'Iölov  ös  vmI  tc  Tteol  xr^v  dTxaolvr^v  7]  /mI 
xCüv  liiaxUüv  avxeysxai  öid  xr(v  xQayvxi^xa  y,al  eoxiv  övöaepai- 

QSXOV. 

Diosc.  HI.  94.  ^TtaQivri.  07teQ(.ia  Tcqooly^xai  öe  vmI  iiiaxloig 
XI  Tcia. 

Plin.  XXVH.  1 5 Aparinen,  alii  philanthropon  vocant,  asperitate  etiam 
vestium  tenaci. 

Galen.  Z.  HI.  ^TtaqLvrj  ol  f-iiv  q)LXdvd^Qco7tov. 

'ATtaqlvij  ist  der  Name  verschiedener  sich  leicht  an  die  Kleider 
hängender  Pflanzen,  s.  auch  unter  Lappa.  Aparine  wird  von  Ttaqd 
vorüber  und  a negativum  abgeleitet,  da  die  Pflanze  niemanden 
vorüberläßt,  ohne  ihm  Kletten  anzuhängen.  — Andere  leiten  Aparine 
ab  von  dTzaigto:  nehmen,  aus  ähnlichem  Grunde  wie  oben.  Es 
sei  hier  erwähnt,  daß  die  Griechen  Galium  aparine  und  Lappa  auch 
q'LXdvd'QC07tov:  Menschenfreund,  nannten:  wegen  der  Anhänglichkeit 
der  Frucht  an  den  Menschen. 


75 


d.  Klebekraut  — Klettenlabkraut. 

f.  Gratteron,  s.  unter  Lappa.  — Gleton:  Klette,  desgl. 

e.  Cleavers. 

n.  Kleefkruid  — Klet.  — Küssen  — Klift.  — Wilde  Klimmer:  wegen  der 
klimmenden  Stengel. 


Genista,  s.  auch  unter  Sarothamnus  und  Ulex, 

verwandt  mit  geno,  gigno,  hervorbringen,  wegen  des  raschen  Wachs- 
tums — oder  vom  kelt.  gen:  kleiner  Strauch  — oder  verwandt  mit 
v.vrpxiQ,'.  ein  Messer,  womit  man  den  Käse  abkratzt:  von  y,vdco, 
kratzen:  wegen  der  Dornen. 

d.  Ginster. 

f,  Genet,  ital.  ginestra. 

e.  Whin,  w tritt  häufig  an  Stelle  von  g.  — Greenweed:  Grünkraut. 

71.  Brem;  vergl.  unter  Rubus. 


Gentiana  sc.  herba,  yerxiavri. 

Diosc.  III.  3.  revTLavrj.  öo'/.u  (lev  VTto  TtQcorov  evQriod^ai  rivTiöog, 
^IX'kvQLCJV  ßaoiXvfiq,  dcp  ov  /mI  eTccowixiav  toyrf/^v. 

Plin.  XXV.  34.  Gentianam  invenit  Gentius  rex  Illyricorum. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  42.  Gentiana  nomen  sumpsit,  ut  memorant 
medici,  ab  inventOre. 

Nach  Gentius,  einem  illyrischen  König,  der  sie  zuerst  angewandt 
haben  soll. 

d.  Enzian,  aus  dem  Lat.  — Bittersüß,  s.  unter  Erythraea  — Bläueli, 
wegen  der  blauen  Blüten. 

f.  Gentiane. 

e.  Gentian. 

11.  Gentiaan. 


Geranium,  yz^dviov. 

Diosc.  III.  12 1.  reqdvLOv  lyov  ln  dv.Qtov  tCov  naoyctXwv  l^oyccg 
TLvag  avavevsv'/nlag , cug  yegdvwv  y.eg)aXdg  ovv  xolg  qd^j-cpeoLv 
^ ’AVvojv  oöovTag. 

Plin.  XXVI.  68.  Geranium  et  in  his  foliis,  inter  quae  in  cacuminibus 
capitula  sint  gruum. 

Ableitung  von  ylqavog  Kranich,  wegen  des  schnabelartigen  Fortsatzes 
der  Frucht.  S.  auch  unter  Erodium. 

d.  Storchschnabel.  — Taubenfuß:  wegen  der  Blätter. 

/.  Bec  de  cigogne:  desgl.  — Bec  de  grue:  Kranichschnabel. 

e.  Crane’s-bill  = Kranichschnabel.  — Dove’s-foot  = Taubenfuß. 

71.  Ooievaarsbek  = Storchschnabel;  vergl.  Adebarsschnabel  im  Mecklen- 
burgischen. 


- 76  - 


Geranium  Robertianum, 

ehedem  Herba  St.  Ruperti  und  Ruberta  genannt,  von  ruber,  rot, 
wegen  der  roten  Blumen  und  herbstlich  roten  Stengel  und  Blätter. 

d.  Robertskraut,  Ruprechtskraut. 
f.  Herbe  ä Robert  (ä  Rupert). 

e.  Herb-Robert. 

n.  Robbertskruid.  Stinkende  Ooievaarsbek,  wegen  des  unangenehmen 
Geruches. 

Geum, 

von  yet’w,  kosten,  wegen  der  aromatischen  Wurzel  — oder  von  yy, 
Erde,  ein  Erdgewächs,  letztere  Etymol.  zu  allgemein,  um  richtig  sein 
zu  können. 

d.  Nelkenwurz,  wegen  der  nelkenartig  riechenden  Wurzel  — Benedikten- 
kraut,  von  benedictus,  gesegnet,  wegen  seiner  Heilwirkungen. 

f.  Benoite,  desgl.  — Herbe  sainte:  heiliges  Kraut. 

e.  Avens,  von  avere,  gesegnet  sein. 
n.  Nagelkmid,  s.  o. 

Gladiolus. 

Theophr.  VII.  13.  (paöyavov  vrtb  tlvcov  de  VMlovLiepov  ^t(fog' 
eiöig  od-ev  eGys  vmI  Tovvoua. 

Diosc.  IV.  20.  !“i(pLOv.  Jid  rb  xov  (pillov  Gx^jucc  ojvot-iaozai 
^Lcplov. 

Plin.  XXI.  68.  Gladiolus  folium  habet  simile  nomini. 
iVpul.  med.  herb.  78.  Graeci  xiphion.  Est  foliis  gladio  similibus. 
Isidor,  etym.  XVII.  9.  83.  Gladiolus,  quod  sit  foliis  gladii  similibus. 
Dimin.  von  gladius,  Schwert,  wegen  der  Blattform. 

d.  Schwertel.  — Sieg\vurz,  wegen  der  Schwertform  der  Blätter,  Es  ist 
wohl  der  Signaturlehre  zuzuschreiben,  daß  man  die  Pflanze  als  ein 
Mittel  gegen  Verwundung  auffaßte:  daher  wohl  auch  der  Name: 
Allermannshamisch. 

/.  Glaieul,  von  gladius.  — Victoriale:  Siegkraut. 

e.  Flag,  s.  unter  Acorus  Calamus. 

n.  Zwaardlelie:  Schwertlilie:  Die  Pflanze  ist  der  Lilie  nächst  verwandt. 

Glaucium,  yXav/uov. 

Diosc.  III.  90.  rXav'MOv,  tOLy.e  de  avr^g  xd  cpvXXa  zrjg  ysQaxlTiöog 
lJ.r[/xovog.  IV.  66.  Mi]yxov  yxcQTtbv  de  j-iayQOV,  yMu- 

TtuXov,  tüGTceo  yjgag,  oliolov  toj  x-^g  xrjXecog'  bd-ev  y.at  extwvb- 
uaGxai. 

Galen.  XII.  14.  Mri/xov  yxqax'ixig  tüv6f.iaGTat  uev  arcb  xov  ymq- 
Ttov  ßgayelv  e7tL0XQ0q)r^v  eyovTog,  cÖGJteq  yal  7]  xrj?ug  cog  eot- 
yJvai  ßobg  yJgaxL. 

Apul.  med.  herb.  54.  Ceratitis,  fructu  parvo,  uncato,  ut  cornu. 


77 


Die  Pflanze  ist  eine  INIohnart.  Die  Schoten  sind  sehr  lang  und  wie 
ein  Hom  gekrümmt.  Die  Pflanze  ist  von  bläulicher  Farbe,  daher 
ihr  offizieller  Name  von  yXavv.og:  blau. 

d.  Hornmohn.  — Gilbkraut,  wegen  der  großen  gelben  Blüte. 
f.  Pavot  comu:  Hornmohn.  — Glaucienne. 

e.  Homed  Poppy. 

71.  Hoornpapaver. 

Glaux,  ylav^, 

Diosc.  IV.  139.  rlav§.  avcri  eWOf.ievrj  (.lerä  aXevQOv  y.QLd'lvov  /ml 
aWg,  y.al  elaiov  /ml  qo(pr^&uoa,  yaka  aßevvvLievov  ava/MkeiTaL. 
Plin.  XXVII.  58.  Glaux  antiquitus  eugalakton  vocabatur.  coquitur 
in  sorbitione  similaginis  ad  excitandam  ubertatem  lactis. 

Galen.  Z.  HI.  ii.  ylav^  ^ /tba.  vml  auzr]  yd?M/,Tog  sivai  öoyu 
yevvrp€L‘/T^. 

Entweder  von  ykav'/ig'.  blau,  wegen  der  Farbe  der  Pflanze,  oder 
identisch  mit  dem  Pflanzennamen  yka%\  von  yddM  Milch,  da  sie 
die  Milch  der  Wöchnerinnen  reichlicher  machen  soll. 

d.  Milchkraut.  — Mutterkraut. 

f.  Glauque. 

e.  Milkwort  — Black  Saltwort,  wegen  der  dunkelgrünen  (bläulichen) 
Farbe  und  des  Salzgehaltes:  schwarzes  Salzkraut  genannt. 

71.  Melkkruid. 

Glechoma,  yh'xiov. 

Ableitung  von  ykv'/vg’.  süß:  wegen  des  angenehmen  Geruches. 

d.  Gundermann:  gund  ahd.  in  der  Bedeutung  Kampf:  Kampfkraut,  da 
es  als  vorzügliches  Wundmittel  galt.  — Hederich:  in  Anlehnung  an 
Hedera,  Efeu,  mit  dem  es  Ähnlichkeiten  aufweist.  S.  auch  unter 
Raphanus  Raphanistrum  und  unter  Erysimum.  — Gundelrebe:  da 
sie  wie  eine  Rebe  kriecht  und  rankt. 

f.  Chame-cisse:  griech.  yaf.iaL'/LGGog:  Erdefeu;  yaf-iat  im  griech.  viel- 
fach zur  Diminutivbildung  verwandt.  — Lierre  terrestre:  Erdefeu.  — 
Violette  de  cochon:  Schweineveilchen:  d.  h.  unechtes  Veilchen.  Blätter 
und  Blütenfarbe  ähnlich  denen  des  Veilchens. 

e.  Ground  Ivy:  Erdefeu. 

71.  Aardveil:  Erdveilchen.  — Kruip  door  den  tuin:  Kriech  durch  den  Garten. 

Gnaphalium,  yvacfdhov. 

Diosc.  IH.  120.  Tovxov  rdlg  (fvkkoig  xiveg  ovtI  yvacpdXov  yqwvTaL, 
kev/dlg  ovGiv  vml  (.laka/oLg. 

Galen.  Z.  III.  ii.  FvacfaXiov  tovc[.iaGTaL  uev  ovxcog  aTio  tov  cpvk- 
loig  aiTov  i,iala/o7g  oIglv  dvrl  yvacpdkwv  yqr^Gd^aL.  I'gtl  Ö£?.£vyM. 
Von  yvdcpakov:  Wolle,  wegen  seines  wolligen  Aussehens  und  seiner 
Verarbeitung  zu  Wolle. 


78 


d.  Ruhrkraut:  gegen  die  Ruhr.  — Wollkraut.  — Katzenpfötchen:  weil 
es  grau  und  dicht  behaart  ist. 

f.  Gnaphale.  — Pied  de  Chat:  Katzenfuß. 

e.  Cudweed,  vergl.  unter  Filago.  — Everlasting:  s.  unter  Helichrysum, 
dem  Gnaphalium  nächst  verwandt  ist. 

71.  Roerkruid  — Zevenjaarsbloem : Siebenjahrsbliune:  die  trockenen 
Hüllblättchen  welken  nicht,  vergl.  unter  Helichiy^sum  und  Amaranthus. 
Die  sog.  „heilige“  Zahl  7 wird  oft  als  Durchschnittszahl  benutzt. 

Gn.  leontopodium. 

Löwenfuß-Gn.,  wegen  der  sternförmig  weißfilzigen  Blüte. 

d.  Edelweiß:  das  reizende,  weißfilzige  Pflänzchen  wächst  in  der  Nähe 
der  Schneegrenze. 

f.  Edelweiß.  — Pied  de  Lion. 

e.  Edelweiß.  — Lion’s-foot. 

71.  Edelweiß.  — Leeuwenklauw. 


Goodyera, 

eine  Orchidacee,  zu  Ehren  des  engl.  Botanikers  Goodyer  so  genannt. 

d.  Mooswurz,  wächst  in  moosigen  Nadelwäldern. 

f.  Goodyera. 

e.  Goodyera. 

71.  Dennenorchis:  Tannenorchis,  s.  o. 


H. 

Hedera. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  22.  Hedera  dicta,  quod  arboribus  reptando 
adhaereat.  Alli  hederam  aiunt  vocatam,  quod  hoedis  supra  lactis 
abundantiam  in  escam  a veteribus  praebebatur. 

Ableitung:  verwandt  mit  haerere,  anhaften,  oder  edo,  verzehren,  event. 
mit  tZo}  sitzen,  Sitz,  weil  sie  den  Bäumen  „aufsitzt“  und  diese 

erstickt.  Möglicherweise  verv^andt  mit  haedus,  Böcklein,  da  sie  diesen 
als  Futter  gegeben  wurde.  Unter  iqjsÖQa,  das  Plat.  Polit.  288  a. 
„Daraufsitzen“  bedeutet,  versteht  Hesychius  eine  Equisetumart.  Unter 
Anabasis,  das  im  Griech.  Aufstieg  bedeutet,  versteht  Plin.  26.  20. 
ebenfalls  eine  Equisetumart.  Die  zwei  letztgenannten  Namen  scheinen 
auf  den  ersten  Blick  Synonyme  zu  Hedera  zu  sein.  Ecpidga  ist 
sprachlich  wie  möglicherweise  auch  etymologisch  Hedera  sehr  nahe- 
stehend, ja  sogar  mit  diesem  verwechselt  worden.  Anabasis  besagt 
ungefähr  dasselbe  wie  die  holländische  Bezeichnung:  „Klim  op“. 
Vergegenwärtigt  man  sich  aber,  daß  bei  Equisetum,  dem  Schachtel- 
halm, die  Stengelglieder  übereinander  „geschachtelt“  sind,  „eins  über 


79 


dem  andern  sitzend“,  so  findet  man  für  diese  Pflanze  die  erwähnten 
Bezeichnungen  sehr  zutreffend. 

d.  Efeu,  ags.  ifig,  heißt  sowohl  Efeu  als  Eibe,  man  leitet  den  Be- 
griff von  iwa,  iwe,  ewig,  immergrün  ab;  vergl.  auch  unter  Taxus. 

f.  Lierre,  aus  hierre,  l’hierre  durch  Agglutination  des  Artikels,  norm, 
noch  heru;  verderbt  aus  hedera. 

e.  Ivy.  In  der  englischen  Pflanzensymbolik  bezeichnet  ivy  = I cling-to-thee: 
Ich  klammere  mich  an  dich! 

n,  „Klim  op“  = „Klimm  auf“,  s.  im  Text.  — Ifte  — Boomveil:  Baum- 
veilchen, wegen  der  Blattform,  die  mit  der  des  Veilchens  entfernte 
Ähnlichkeit  hat;  vergl.  Aardveil  unter  Glechoma. 

Heliantheinum. 

Ableitung  von  rihog,  Sonne  und  avdsLiog,  Blume.  Die  Pflanzen 
wachsen  an  trocknen,  sonnigen  Orten  und  blühen  in  einzelnen  Arten 
gelb.  — Nach  anderer  Meinung,  da  die  Blüten  nur  einen  Sonnentag 
andauerten.  — Nach  dritter  Meinung,  weil  die  Blüten  auffallend 
sonnenwendig  seien. 

d.  Sonnenröschen. 

f.  Heliantheme.  Fleur  du  soleil  = Sonnenblume. 

e.  Rockrose  = Felsenrose. 
n,  Zonnekruid. 

Helichrysum,  sllxQvaog. 

Schob  Theocr.  1.30.  ov  rb  avS-og  of-ioiov  y.Qoyjtj  yal  oiov  xQvaoeiöeg. 
Der  griech.  Name  bezeichnete  Gnaphalium  Stoechas,  dessen  gold- 
gelbe ixQVGSog)  Blüte  und  Sumpf  (fAog)-wüchsigkeit  ihm  den  Namen 
gegeben.  — Unser  Gattungsname  bezieht  sich  aber  auf  eine  Sonnen- 
pflanze, die  an  trockenen  Stellen  wächst,  aber  ebenfalls  gelbe  Blüten 
hat.  Die  rückzuleitende  Etymologie  wäre  demnach  aus  ^hog,  Sonne 
und  YQvöog,  Gold. 

d.  Immerschön,  die  (abgeschnittenen)  Blüten  behalten  auch  nach  der 
Blütezeit  ihr  Aussehen,  da  der  Hüllkelch  strohartig  trocken. 

f.  Immortelle  = Unsterbliche. 

e.  Everlasting  = Immerdauernd. 

71.  Stroobloem  = Strohblume. 

Heliotr Opium,  r^LoiqbTciog. 

Nicand.  Ther.  678.  ?•£  yMi  ^eXloio  TQOTcaig  laajvvuov  eQvog. 

Varro  r.  rust.  I.  46.  Nec  minus  admirandu  quod  sit  in  floribus 
quos  vocant  heliotropa,  ab  eo  quod  ad  solis  ortum  mane  spectant 
et  eius  iter  ita  sequuntur  ad  occasurn,  ut  ad  eum  semper  spectent. 
Diosc.  IV.  igo.  '"HXlotqotvlov  öe  aitb  tov  oviiTteQirQETteod^ai 
Ta  cpvXXa  Tfj  tov  t^Xlov  yJdoei. 

Plin.  II.  41.  Miretur  hoc  qui  non  observet  cotidiano  experimento 
herbam  unam,  quae  vocatur  heliotropium,  abeuntem  solem  intueri 
semper  omnibusque  horis  cum  eo  verti  vel  nubilo  obumbrante. 


8o 


XXII.  29.  Heliotropi  miraculum  saepius  diximus  cum  sole  se 
circumagentis  etiam  nubiliore,  tantus  sideris  amarent.  Noctu  velut 
desiderio  contrahit  coemleum  florem. 

Apul.  medic.  herb.  50.  Nomen  accepit  primo  quod  aestivo  solstitio 
floreat,  vel  quod  solis  motibus  folia  convertat. 

Isidor,  etym.  XVII.  9.  37.  Heliotropium  nomen  accepit  primo,  quod 
aestivo  solstitio  floreat,  vel  quod  solis  motibus  folia  circumacta  con- 
vertat. Unde  et  a Latinis  solsequia  nuncupatur.  Nam  et  sole 
Oriente  flores  suos  aperit,  item  se  recludit,  cum  sol  occubuerit. 
Von  ^Xiog  Sonne  und  TQOTcog  (von  xQeTtco)  Wendung:  Sonnenwende, 
weil  sie  ihre  Blüten  nach  der  Sonne  wendet,  oder  weil  sie  zur 
Sonnenzeit  die  Blütenkrone  öffnet,  oder  weil  sie  zur  Zeit  der  Sonnen- 
wende blüht.  Die  Alten  faßten  unter  dem  Namen  Heliotrop  viele 
Pflanzen. 

d.  Sonnenw'ende.  — Heliotrop. 

f.  Heliotrope  — Girasol,  von  gyro  drehen,  sol  Sonne.  — Herbe  aux 
verrues,  au  cancer  = Warzen-,  Krebskraut,  als  INIittel  gegen  diese 
Neubildungen. 

e.  Heliotrope. 
n.  Heliotroop. 

Helleborus,  IlUßoqog. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  24.  Elleborum  memorant  Graeci  circa  Elle- 
borum  quendam  fluvium  plurimum  gigni,  atque  a Graecis  inde 
appellari. 

Nach  einem  Eluß  so  benannt,  an  dem  es  vornehmlich  wachsen  soll 
— oder  von  \Xuv  nehmen,  ßoqa  Fraß,  weil  sein  Genuß  tötlich 
wirkt,  oder  weil  es  abführt,  denn  nach  Diosc.  IV.  148  und 
Plin.  XXV.  2 1 wurde  Helleborus  als  Purgiennittel  verwandt. 

Helleborus  yiridis. 

d.  Grüne  Nieswurz.  Sein  Wurzelpulver  erregt  Niesen,  das  Adjekt.  grün 
(viridis)  wegen  seiner  gi'ünen  Blätter  und  Blüten.  — Bärenfuß,  wegen 
der  Blätter.  — Läusekraut:  wurde  gegen  Läuse  angewandt. 

f.  Hellebore  vert,  grüner  H.  — Herbe  ä la  bosse:  Beulenkraut,  gegen 
Beulen.  — Pommeliere:  Name  der  Pferdephthise,  wogegen  man  das 
Kraut  anwandte. 

e.  Green  Hellebore  — Bear’s-foot  = Bärenfuß. 

n.  Groen  Nieskruid.  — Wrangwortel:  wrang  = herb,  bitter. 

Helleborus  foetidus. 

d.  Stinkende  Nieswurz,  wegen  des  unangenehmen  Geruchs  der  Pflanze. 

f.  Pied  de  griffen  = Greiffuß,  patte  d’ours  Bärenfuß.  — Rose  de  serpent : 
Schlangenrose,  eine  giftige,  rosenähnlich  blühende  Pflanze.  — Herbe 
printaniere  = Frühlingskraut,  da  es  im  März  und  April  blüht.  — 
Fehde  Hellebore. 


8 


e.  Fetid  Hellebore,  stinking  Hellebore.  — Setterwort,  vergl.  z.  d.  Sitter. 

Herkunft  unklar. 

71.  Stinkend  nieskruid. 

Helleborus  niger. 

d.  Schwarzer  Helleborus,  wegen  der  schwarzgmnen  Blätter  und  Stengel. 
— Früher  in  Gegensatz  zu  einer  ganz  anderen  Pflanze  (Veratrum 
album,  s.  d.)  gestellt,  mit  der  er  fälschlicherweise  den  Namen  Helle- 
börus  gemein  hatte,  wegen  der  Nieswirkung  des  Wurzelpulvers  bei 
der  Einatmung.  — Schnee-  oder  Christrose,  da  sie  zur  Weihnachts- 
zeit aus  dem  Schnee  hervorblühen  soll,  die  tatsächliche  Blütezeit  im 
Freien  dürfte  jedoch  im  Februar  und  März  liegen. 

f.  Hellebore  noire  ==  schwarze  Nieswurz.  Rose  de  Noel  ==  Weihnachts- 
rose. Herbe  de  feu  = Feuerkraut,  wegen  seines  scharfen,  brennenden 
Geschmacks. 

e.  Christmas-rose  = Weihnachtsrose. 
ft.  Kerstroos  = Weihnachtsrose. 

Hepatica,  sc.  herba, 

von  TTtarixog,  Adjekt.  zu  Leber:  Leberkraut,  wegen  der 

dreilappigen  Blattform,  die  mit  der  gelappten  Leber  gewisse  Ähnlich- 
keit hat.  Wie  so  häufig  hielt  man  wegen  des  Aussehens  der  Pflanze 
diese  auch  als  Medizin  gegen  Krankheiten  des  betr.  ähnlichen  Organs 
für  geeignet.  Vergl.  unter  Signaturlehre  in  der  Einleitung. 

d.  Leberblümchen. 

f.  Hepatique.  — Trinitaire,  Herbe  ä Trinite,  Dreieinigkeitskraut;  vergl. 
den  Sortnamen  H.  trifoliata,  die  dreiblättrige  H. 

e.  Liverwort  — Herb-trinity. 
n.  Leverbloem. 

Heracleum, 

Plin.  XXV.  12.  et  ab  Hercule  inventum  tradunt. 

Nach  Herakles,  Herkules,  der  sie  zuerst  angewandt  haben  soll. 

d.  Heilkraut,  wegen  seiner  Heilkraft  — Bärenklau,  wegen  der  Blätterform. 

f.  Berca:  von  parst,  skand.  Name  eines  berauschenden  Getränks,  das 
man  aus  seinen  Stengeln  zusammensetzt;  oder  aus  berle,  einer  anderen 
Umbellifere,  die  ihr  ähnlich  sieht;  event.  verdorben  aus  Heracleum; 
möglicherweise  auch  korrumpiert  aus  dem  deutschen  Bärenklau. 

e.  Cow-parsnip  = Kuhpetersilie : Die  Kühe  fressen  die  petersilienähnliche 
Pflanze  gern.  — Hogweed  = Eberkraut,  aus  ähnlichem  Grunde. 

n.  Berenklauw.  — Varkenskool  = Schweinekohl. 

Herminium. 

Die  Wurzel  trägt  zwei  rundliche  Knollen,  die  einem  Bettfuß  (sQ/Lug), 
der  alten  griech.  Betten  ähnlich  sehen  sollen. 


Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


6 


82 


d.  Hünge,  unklarer  Herkunft,  vielleicht  weil  sie  auf  Hügeln,  „Gehängen“, 
vorkommt. 

f.  Herminium. 

e.  Musk- Orchis,  vom  lat.  muscus.  Mücke,  wegen  der  Blütenform.  Vergl. 
die  ihr  nahe  verv^andte  Ophr}’s  muscifera,  apifera,  aranifera  = Fliegen- 
Bienen  und  Spinnen  tragende  Ophrys;  wegen  der  Ähnlichkeit  der 
Blüten  mit  genannten  Insekten. 

n.  Rechtlip,  wegen  der  spießförmig  ausgestreckten  Blütenlippe. 


Herniaria,  sc.  herba, 

hemia  ==  Bruch : Die  Pflanze  fand  gegen  Bruchleiden  Verw’endung. 

d.  Tausendkom,  wegen  ihrer  zahlreichen  Samen 

f.  Herniaire  — Herbe  au  Turc:  Türkenkraut,  man  nahm  an,  daß  es 
in  der  Türkei  als  Arzneimittel  gebraucht  wurde  — oder  von  tordre, 
drehen,  wänden,  weil  seine  Blumen  um  den  Stengel  gewmnden  sind, 
daher  wurde  das  Kraut  auch  Torquette  genannt. 

c.  Rupture-wort:  Bruchkraut. 
n.  Duizendgraan:  Tausendkorn. 


Hesperis. 

Plin.  XXL  i8.  Hesperis  noctu  magis  ölet,  inde  nomine  invento. 

= abendlich,  die  Pflanze  hat  ihren  Namen  daher,  daß  sie 
des  Abends  stärker  riecht,  als  tagsüber. 

d.  Nachtviole,  wegen  ihrer  veilchenfarbenen  duftenden  Kronblätter. 

/.  Viol  des  Dames  (lat.  Viola  matronalis),  Frauen veilchen,  wiegen  der 
Schönheit  der  Pflanze;  aber  auch  „Damas“  genannt,  vielleicht,  daß 
man  Damaskus  für  die  Heimat  der  Pflanze  hielt.  — Pentecotes,  w^eil 
sie  um  Pfingsten,  und  St.  Jaques,  w’eil  sie  am  i . INIai  zu  blühen  be- 
ginnt — JuKenne,  w'eil  sie  im  Juli  blüht. 

e.  Dame’s  Violet. 

n.  N’achtviool  — Damastbloem. 


Hieracium,  uqav.iov. 

Plin.  XX.  26.  Sunt  qui  hieracion  vocent,  quoniam  accipitres  scal- 
pendo  eam  sucoque  oculos  tinguendo  obscuritatem , cum  sensere, 
discutiant. 

Von  Habicht:  Habichtskraut,  wohl  deshalb  so  genannt,  w'eil 

es  an  felsigen  Abhängen  wächst,  w’o  nur  die  Habichte  hinkommen 
können.  Sekundär  bildete  sich  das  Märchen,  die  Habichte  wmrden 
es  benutzen,  um  die  Sehkraft  zu  stärken. 

d.  Habichtskraut. 

f.  Eperviere  von  epervier,  Habicht. 

e.  HawLw'eed,  desgl. 
n.  Havikskruid. 


83 


Hierochloa, 

lEQog  heilig,  yloa  Gras.  Bezieht  sich  auf  die  heilige  Dreizahl  bei 
H.  sibirica,  indem  von  den  drei  Blüten  in  einem  Ährchen  die  beiden 
unteren  männlichen  je  drei  Staubfäden  haben.  — Soll  in  gewissen 
Teilen  Deutschlands  als  heilig  verehrt  und  der  Jungfrau  Maria  ge- 
weiht worden  sein. 

d.  Darrgras,  hat  wohl  mit  Darre,  Dürre,  nichts  zu  tun,  zumal  es  an 
feuchten  Orten  wächst,  höchstens  insofern,  als  man  es  vielleicht  als 
Mittel  gegen  die  Darre,  d.  h.  die  Tuberkulose  gebraucht.  Wahr- 
scheinlich kommt  der  Name  von  der  afrikanischen  Bezeichnung  Durra 
für  Holcus,  das  ebenfalls  wie  das  Darrgras,  da  es  von  den  Bienen 
gern  aufgesucht  wird,  Honiggras  genannt  wird. 

f.  Hierochloa. 

c.  Holygrass,  d.  h.  heiliges  Gras. 

n.  Honiggras.  Veenreukgras  = Moorriechgras,  wegen  des  angenehmen 
Geruchs. 


Hippophaes,  iftTtocpaeg. 

Plin.  XXII.  14.  Debent  accommodatae  esse  et  equorum  naturae, 
neque  ex  alia  causa  nomen  accepisse. 

Von  %7T7cog  Pferd  und  (f>aog  Licht,  weil  es  den  Pferden  zuträglich 
sei  — oder  die  Vorsetzung  ^iTCTtog  soll  nur  eine  Verstärkung  des 
Nachfolgenden  sein,  wobei  cpaeg  als  cpawg  grau,  angenommen  wird, 
wegen  der  grauen  Farbe  der  Blätter  — oder  als  cpecog  (Poterium 
spinosum,  eine  dornige  Pflanze)  angesehen  wird.  Hippophaes  hieße 
dann  etwa:  Roßdorn,  bzw.  Stechdom,  wegen  der  Domen. 
d.  Sanddorn,  Seedom,  Stechdorn,  wächst  an  der  Küste,  in  sandigen 
Dünen.  Weidendom,  da  seine  Blätter  weidenähnlich. 
f.  Argoussier,  von  aqyog  weiß,  wegen  der  weißgrauen  Blätter.  — Säule 
epineux,  Domweide. 

c.  Sallow-thom:  Sallow,  salix,  Sahlweide;  thorn  = Dorn. 
n.  Duindoom,  wächst  in  den  Dünen. 


Hippiiris. 

Apul.  medic.  herb.  40.  A Graecis  dicitur  Hippuris  (^iTtTTOvqig), 
Itali  vero  equisetum  vocant. 

Unter  Hippuris  (zu  deutsch  Roßschweif:  %7t7Tog  Pferd,  ovqd  Schwanz) 
verstanden  die  Alten  Equisetum,  den  Schachtelhalm,  der  im  Engl, 
denselben  Namen  trägt:  Horse-tail:  Pferdeschwanz,  wegen  des  Aus- 
sehens der  quirlig  gestellten  Zweige,  vergl.  diesbezügl.  Diosc.  IV.  46 
und  Plin.  XXVI.  83.  Der  Name  wurde  auf  die  nicht  verwandte, 
aber  ähnlich  aussehende  Gattung  Hippuris  übertragen. 
d.  Seetanne,  wegen  des  tannenförmigen  Habitus  der  Wasserpflanze. 
Tannwedel,  weil  die  Pflanze  einem  Wedel  ähnlich  sieht.  Man  spricht 
ja  auch  von  Famwedel,  Palmwedel,  Cycadeenwedel  usw. 


6 


84 


f,  Pin  aquatique,  Wasserkiefer,  wegen  der  nadelförmigen,  quirlständigen 
Blätter.  — Pesse,  von  Picea,  Fichte,  aus  erwähnten  Gründen. 

e.  Mare’s-tail  = Stutenschwanz. 

n.  Lidsteng  = Gliedstengel,  durch  die  Quirlständigkeit  der  Blätter  ist  der 
Stengel  in  mehrere  Abschnitte,  Glieder  geteilt. 

Holcus. 

Plin.  XXVII.  63.  tenui  culmo,  quäle  hordeum  restibile.  Haec  circa 
caput  alligata  vel  circa  lacertum  educit  e corpore  aristas. 

Quidam  ob  id  aristida  vocant. 

Von  ziehen,  denn  nach  Annahme  des  Plinius  soll  es  verschluckte 

Grannen  aus  dem  Körper  ziehen,  wenn  man  es  um  den  Hals  trage 

— oder  von  oAzog  Streifen,  wegen  der  flachen  Wurzeln  einer  Art 

— event.  von  oXzog  in  der  Bedeutung  Seil,  da  es  zur  Herstellung 
von  Seilen  gebraucht  wurde  (oAzcg  Seil,  von  fXxw  ziehen). 

d.  Honiggras,  die  Bienen  ziehen  Honig  aus  den  Blüten;  daher  auch 

Melica  (sc.  herba),  von  Honig,  benannt.  — Mäusegerste,  eine 

gerstenähnliche,  aber  minderwertigere  Pflanze,  vergl.  Roßkastanie, 
Hyoscyamus  usw.  — Die  Bezeichnung  Sorgw^eizen,  auch  das  niederl. 
Zorggras,  zu  deutsch  Sorgengras,  sind  volksetymologische  Entstellungen 
aus  der  afrikanischen  Bezeichnung  Sorgho,  für  Holcus  Sorghum,  einer 
hirsenähnlichen  Pflanze.  — Afrikanisch  wird  Sorgho  auch  Durra  ge- 
nannt, vergl.  unter  Hierochloa. 

f.  Houlque,  aus  dem  Lat. 

e.  Holcus. 
n,  Zorggras. 

Holosteum,  oXoaxeov. 

Plin.  XXVIL  65.  Holosteon  sine  duritia  est  herba  ex  adverso  ap- 
pellata  a Graecis. 

oAog  ganz,  oaxovv,  ooxeov  Knochen.  „Ganz  von  Knochen“  per 
antiphrasim,  da  es  ein  sehr  weiches  Pflänzchen  ist. 

d.  Spurre.  Herkunft  unklar.  Weißer  Wegerich.  Die  weißblütige  Pflanze 
hat  eine  dem  Wegerich  ähnliche  Ähre. 

f.  Queue  de  souris  = Mäuseschwanz,  wegen  der  Form  der  Ähre. 

e.  Holosteum. 

n.  Heelbeen  = Ganzknochen. 

Hordeum. 

Isid.  etym.  XVH.  3.  10.  Hordeum  dictum,  quod  prae  caeteris 
generibus  frumenti  ante  fiat  aridum  (?),  vel  quod  spica  eius  ordines 
habeat. 

Von  oriri,  entstehen,  wegen  des  schnellen  Wachstums,  — von  hordus 
(frz.  lourde),  schwer,  da  das  Gerstenbrot  besonders  schwer,  — von 
horridus  struppig,  wegen  der  Ährengrannen,  — von  ordo  Reihe,  weil 
die  Ähre  Samenreihen  hat,  — oder  verv^andt  mit  dem  griech. 


85 


Namen,  der  von  ov.qloelq'.  mit  vielen  hervorragenden  Ecken  und 
Spitzen  versehen,  abgeleitet  wird. 

d.  Gerste,  verw.  mit  dem  Lat.-Griech. 

f.  Orge,  vom  Lat.  — Escourgeon  (secours,  Hilfe),  kommt  armen  Leuten 
zur  Zeit  der  Hungersnot  zu  Hilfe. 

e.  Barley,  vom  got.  bairan,  ags.  bere,  lat.  ferre  tragen,  da  H.  Frucht 
trägt. 

n.  Gerst. 

Uottonia, 

nach  P.  Hotton,  Professor  zu  Leiden,  dem  Vorgänger  von  Boerhav^e, 

t 1709- 

d.  Wasserfeder.  Eine  Sumpfpflanze  mit  kammförmig  tief  zerteilten  Blättern. 

f.  Giroflee  d’eau  = Wassernelke,  mit  weißen,  blaßroten  Blüten  mit 
Orangenem  Schlund.  Die  Blüte  sieht  einer  Nelkenblüte  ähnlich.  — 
Betreffs  der  Bezeichnung  Herbe  militaire  vergl.  unter  Myriophyllum. 

e.  Waterviolet  = Wasserveilchen,  wegen  der  schönen  Blüten.  — Feather- 
foil  = Federblatt. 

n.  Waterviolier. 

Humulus, 

von  den  latein.  Schriftstellern  nicht  erwähnt.  Das  Wort  ist  verwandt 
mit  altskandinav.  humal,  vläm.  hommel,  dän.  humle.  — Nach  anderer 
Meinung  ist  es  eine  Diminutivform  zu  den  Begriffen  humeo  feucht 
sein  und  humus  feuchter  Boden,  da  der  Hopfen  zuweilen  an  feuchten 
Stellen  wächst. 

H.  Lupulus.  Diminut.  von  lupus  Wolf,  da  der  Hopfen  Nachbar- 
pflanzen die  Nahrung  raubt. 

d.  Hopfen,  verwandt  mit  Haube,  wegen  der  Schuppenblättchen  der 
Blüte,  die  insgesamt  mit  einer  Haube  gewisse  Ähnlichkeit  haben.  — 
Event,  verwandt  mit  dem  frz.  houppe,  Quaste,  wegen  der  Ähnlich- 
keit der  Hopfenblüte  mit  einer  Quaste.  — Nach  dritter  Meinung 
verderbt  aus:  „Humulus  Lupulus“. 

f.  Houblon,  haubelon. 

e.  Hop. 
n.  Hop. 

Hyacinthus. 

Nicand.  Theriac.  902 — 906. 

— Y.aQ7t6v  TS  7toXvS'Qr(vov  iayiLv&oVf 
^Ov  (Dolßog  d^Qr(i>r^GeVj  STiet  ^’aeyiovaiog  evua. 

Tlaida  ßaXwv  TtQonaqoid^ev  Aixv/^Xaiov  Ttora^olo, 
IlQtod'fißr^v  '^Yay.tvd'Ov  ETtel  aolog  EfXTteoe  y^oQGr] 

UeTQOv  aq)aXXofievog,  veaxov  S^TqQa^e  xdllvfia. 

Theocr.  X.  28.  yqaTCTa  va^ivd-og. 


86 


Ovid.  Metam.  X.  205 — 219. 

„Te  (Hyacinthe  inquit  Apollo)  lyra  pulsa  manu,  te  carmina 

nostra  sonabunt, 

Flosque  novus  scripto  gemitus  invitabere  nostros. 

Tempus  et  illud  erit,  quo  te  fortissimus  heros 
Addat  in  hunc  florem,  folique  legatur  eodem.“ 

Talia  dum  vero  memorantur  Apollinis  ore, 

Ecce  cruor,  qui  fusus  humo  signaverat  herbas, 

Desinit  esse  cruor,  Tyrioque  nitentior  ostro 
Flos  oritur  formamque  capit  quam  lilia,  si  non 
Purpureus  color  his,  argenteus  esset  in  illis. 

Non  satis  hoc  Phoebo  est  (is  enim  fuit  auctor  honoris) 

Ipse  suos  gemitus  foliis  inscribit,  et  AI  AI 

Flos  habet  inscriptam,  funestaque  littera  ducta  est. 

Ovid.  Metam.  XIII.  aus  389 — 397. 

„Ne  quisquam  Aiacem  possit  superare  nisi  Aiax.“ 

Dixit  (Aiax)  et  in  pectus  letalem  condidit  ensem 
— rubefactaque  sanguine  tellus. 

Purpureum  viridi  genuit  de  caespite  florem, 

Qui  prius  Oebalio  fuerat  de  vulnere  natus. 

Littera  communis  mediis  pueroque  viroque 
Inscripta  est  foliis,  haec  nominis,  illa  querelae. 

Plin.  XXI,  38.  Hyacinthum  comitatur  fabula  duplex  luctum  prae- 
ferens,  eius  quem  Apollo  dilexerat  aut  ex  Aiacis  cruore  editi,  ita 
discurrentibus  venis  ut  Graecarum  litterarum  figura  Al  legatur 
inscriptum. 

Lucian.  Qewv  diaXoyoi.  10.  ymI  utto  tov  alfiavog  (sc.  ^YayJvS'Ov) 
TO  avS-og  avadovvau  ttiv  yrjv  eTtolr.oa  r,6iarov,  ytai  evard-loTaxov 

> « / C / 3/  ' \ / '3/  3 

av^ecov  CLTtavTcov,  en  vml  ygaf-if-iava  tyov  EJtaiaLovTa  toj  vs'äqcu. 
Pausanias  I.  35.  4.  Xtyovoi  de  0/  tzeqI  ttjv  ^aXafiuva  olv.ovvveg 
ajtod'avovTog  ^ictvTog  t6  avd^og  ev  ttj  yfj  0(pL0L  tote  cpavrjvai 

TTQMTOV'  XeV'YOV  EOTIV,  VrtEQVd^QOV  YQLVOV  VMi  aVTO  IXaGOOV,  YmI 

Ta  g)vXXa,  yQaf.if.iaTa  öe  etceotlv  oia  Tolg  vaYUv&oig  ymI  tovtqj. 
II-  35-  5-  nXh.ovTaL  de  ol  OTE^avoi  ocpiotv  ek  tov  avd'ovg 
b YmXoVOLV  01  TaVTT]  YOGf.lOGdvdaXoV  VCCYUVd^OV  EflOL  doY.£lV  OVTa 
Y.ai  fLieyE&EL  ymI  XQoa : etcegtl  de  0/,  ymI  Ta  etzI  tlo  ^q'^vco  ygdfifiaTa. 
Isid.  etym.  XVII.  9.  15.  Hyacinthus  purpureum  traxit  autem  nomen 
a puero  quodam  nobili,  qui  in  saltibus  inter  purpureos  flores  repertus 
est  interfectus,  deditque  nomen  herbae  puerilis  funeris  Casus. 

Der  jetzige  Gattungsname  Hyacinthus  ist  von  dem  Sortnamen 
H.  orientalis  ausgegangen.  Welche  Pflanze  die  Alten  unter  H.  ge- 
meint haben,  weiß  man  nicht  recht.  Es  kommen  dieserhalb  in 
Betracht  Iris  germanica  und  foetidissima,  Gladiolus  communis,  var. 
triphyllus  und  Gl.  byzantinus,  Delphinium  Aiacis,  aber  auch  H. 
orientalis  selbst.  Die  Farbe  der  H. -Blüte  wird  von  den  alten  Schrift- 
stellern verschieden  angegeben,  rot,  blau  und  weiß.  Möglich,  daß 


87 


sie  nicht  bloß  eine  Pflanze  mit  H.  bezeichneten.  Nach  der  ge- 
wöhnlichen Darstellung  ist  H.  mit  Blumenzeichnungen,  d.  h,  Saft- 
malen versehen.  Dieser  Umstand,  der  für  unsere  Hyazinthe  nicht 
zutrifft,  wohl  aber  für  die  anderen  erw^ähnten  Pflanzen,  hat  die  Ver- 
anlassung zu  den  folgenden  Sagen  gegeben.  Die  Blume  sei  aus  dem 
Blut  des  Ajax  hervorgegangen  und  der  Blüte  das  Monogramm  AI 
als  Zeichen  der  Wehklage  aufgeschrieben.  — Nach  der  verbreiteteren 
Sage  ist  die  Pflanze  aus  dem  Blut  des  von  Apollon  geliebten  und 
aus  Unvorsichtigkeit  getöteten  Jünglings  Hyakinthos  hervorgegangen. 
Der  Gott  habe  die  env’ähnten  Zeichen  der  Wehklage  der  Blüte  auf- 
geschrieben; man  deutete  aber  die  Blütenzeichnungen  auch  als  Y. 
als  die  Anfangsbuchstaben  von  '^Yavuvd'og  und  '^TtoXkLOV.  Dem 
entsprechend  wird  der  Name  H.  von  Y.  und  v^iv  (von  'alvovv 
tragend)  und  für  av9-og  Blume,  abgeleitet.  H.  hieße  demnach 
so  viel  als:  die  Blume,  die  das  Monogramm  Y.  A.  trägt.  — Nach 
anderer  Ansicht  hat  sie  ihren  Namen  deshalb,  weil  sie  zur  Zeit  der 
Hyakinthien,  eines  spartanischen  Festes,  blüht,  das  zu  Ehren  von 
Hyakinthos  gefeiert  wurde.  — Nach  dritter  Meinung  ist  der  Name 
von  vsTog  Regen  abzuleiten,  da  H.  zur  Zeit  des  regnerischen  Früh- 
jahrs blüht.  — Daß  H.  auch  einen  Edelstein  bezeichnet  (vergl.  Plin. 
und  sp  griech.  Dichter),  ist  als  eine  sekundäre  Bildung  aufzufassen. 

ä.  Hyazinthe.  — Am  Naheufer  Borrenälche  = Bodennägelchen,  da  sie 
den  Nägelchen  (Syringenblüten)  ähnlich  sieht  und  duftet,  aber  nahe 
dem  Boden  ihre  Blüten  entfaltet;  vergl.  griech.  xf^uai-fJ^riXov,  s.  unter 
Anthemis. 

f.  Hyacinthe  — Jacinthe. 

e.  Hyacinth. 

n.  Hyacint,  ohne  h am  Ende,  ist  ein  etymol.  Fehler,  vergl.  umgekehrt 
hierzu  die  falsche  Schreibweise  Amaranth,  von  Amarantus. 

Hydrocharis. 

^^Ydgoxccgig  ist  die  scherzhafte  Bezeichnung  eines  Frosches  aus  der 
sog.  homerischen  Batrachomyomachia.  Der  Name,  der  aus  vöcoQ,  Wasser 
und  xaiQto  sich  freuen  gebildet,  wurde  in  späteren  Zeiten  auf  die 
Wasse]j)flanze  übertragen. 

d.  Kleine  Nixblume,  s.  unter  Nymphaea  — Froschbiß.  Das  nierenkreis- 
förmige Blatt  scheint  wie  ausgebissen.  Die  frühere  lat.  Bezeichnung 
morsus  ranae  besagte  dasselbe. 

f.  Mors  de  grenouille,  desgl-  — Morrene,  aus  morsus  ranae  kon- 
trahiert. 

e.  Frogbit. 

n.  Kikkerkruid  = Froschkraut. 

Hydrocotyle, 

von  vdtOQ  Wasser,  da  es  eine  Wasserpflanze  ist,  und  yiOTvh]  in  der 
Bedeutung  Schale,  Gefäß.  Die  runden  und  in  der  Mitte  konkaven 


88 


Blätter  gleichen  einer  Schale;  event.  von  -/.OTvXij  in  der  Bedeutung 
Nabel,  wegen  der  kreisrunden,  in  der  Mitte  gestielten  Blätter. 

d.  Nabelkraut. 

f.  Ecuelle  d’eau  = Wasserschale. 

e.  Penny-wort  = Pfennigkraut,  vergl.  Lysimachia  nummularia. 

n,  Watemavel. 

Hyoscyamus,  voGyivafiog. 

Aelian.,  hist.  nat.  anim.  Herba  quaedam  ex  eo  nominata,  quod  eius 
pastu  resolvantur  et  convellantur  apri.  Thes.  Graec.  Ling.  VIII.  102. 
Ableitung  von  vg  Schwein  und  y,vafj,og  Bohne,  mit  der  es  eine  ziem- 
lich entfernte  Ähnlichkeit  hat.  Schweinebohne,  weil  die  Schweine 
von  ihrem  Genuß  sterben,  oder  im  wegwerfenden  Sinne  vor  Bohne 
gesetzt,  vergl.  Roßkastanie,  Meerrettich,  Hundsveilchen,  s.  auch  unter 
Myrica. 

ä.  Bilsenkraut,  vergl.  die  im  Diosc.  Text  eingeklammerte  Bemerkung, 
daß  die  Gallier  die  Pflanze  ßLXivovvzia  nannten,  vergl.  ferner  den 
russ.  Namen  bjelna  und  poln.  bielun,  wahrscheinlich  von  einer  Wurzel 
bal,  die  töten  heißt,  wegen  der  Giftwirkung  der  Pflanze,  abzuleiten.  S. 
unter  frz.  — Zigeunerkraut,  desgl. 

/.  Hennebane,  eine  skandinav.,  durch  die  Normannen  importierte  Be- 
zeichnung, vergl.  den  engl.  Namen.  Er  bedeutet  Hennenbann,  d.  h. 
Hennentod,  Hühnertod.  — Mort  aux  poules,  desgl.  — Herbe  de 
St,  Apolline:  Apollo  wird  gegen  Zahnschmerzen  angerufen,  und  Bilsen- 
kraut wird,  wie  aus  Diosc.  IV.  69.  hervorgeht,  gegen  Zahnschmerz 
angewandt.  de  QiCa  (xez  o^ovg  expr^S^elöa  odovvaXyiag  IötI 
dLd'/.XvOfÄa.  (Apollo  galt  überdies  auch  ebenso  als  Todesgott  wie  der 
keltische  Sonnengott  Beal;  von  beiden  hat  das  giftige  Kraut  Namen 
erhalten.  Vergl.  Hom.  Ilias  I.  10.  vovoov  dvd  öTqaTOv  (Lqoe 
oXeKOVTO  de  Xaol.  Homer  unterscheidet  überdies  noch  Apollon 
von  Helios,  vergl.  auch  über  Paeon  unter  Paeonia.) 

e.  Henbane,  ags.  henn,  deutsch  Henne,  Huhn. 

n.  Bilzenkruid. 

Hypericum,  v7zeQL%ov, 

von  vTto  unter  und  eger/^rj  Heide,  da  es  unter  der  Heide  wächst, 
oder  von  VTceq  über  und  eixcov  Bild,  Vorstellung,  da  die  Heilkraft 
des  Krautes  über  alle  Vorstellungen  erhaben  sei. 

d.  Johanniskraut,  zu  Ehren  Johannis  des  Täufers  genannt,  auf  den  sich 
die  Namen  vieler  gelbblühender  Pflanzen  übertrugen,  die  früher  Donar 
geweiht  waren.  Es  beginnt  um  die  Johanniszeit,  24.  Juni,  zu  blühen. 
Bei  Hamburg  heißt  es  wegen  der  Heilkräfte:  Gottes  Gnadenkraut. 
Zur  Entstehung  des  Namens  Blutblume  kommen  zwei  Momente  in 
Betracht,  vornehmlich  wohl  die  Rotfleckung  der  älteren  Blätter,  dann 
aber  auch  der  rote  Saft,  der  sich  aus  seinen  Blütenknospen  ausdrücken 
läßt.  — Das  Kraut  vertreibt  böse  Geister,  daher  im  Schlesischen 


89 


Jageteufel  und  in  der  Schweiz  Hexenkraut  genannt.  Aus  der  Pflanze 
wird  ein  Schnaps  gegen  Leibweh  gemacht,  daher  in  Dietmarschen 
Leibwehblume  genannt.  In  Böhmen  wird  sie  unter  dem  Namen 
Kreuzkraut  gegen  Kreuzschmerzen  benutzt.  Die  Öldrüsen  lassen  die 
Blättchen  wie  durchlöchert  erscheinen,  daher  der  Name  „Tausend- 
loch“. Über  den  Namen  Hartheu,  vergl.  unter  den  niederl.  Namen, 
y.  Mille  pertuis  = Tausendloch,  desgl.  norm.  Herbe  ä mille  trous.  Herbe 
aux  voituriers.  Herbe  aux  militaires,  Reisenden-  und  Soldatenkraut: 
da  es  als  Wundkraut  diesen  besonders  dienlich,  event.  auch  deswegen 
so  genannt,  weil  es  häufig  an  Wegen  wächst;  vergl.  Traveller’s-joy 
(Clematis)  und  Speedwell  (Teucrium).  — Herbe  de  St.  Jean:  Jo- 
hanniskraut. — Chasse- diable  = Jageteufel. 

e.  St.  John’s-wort. 

n.  Hertshooi  = Hirschheu,  da  es  eine  gute  Äsung  für  das  Wild  ist. 
Daher  der  deutsche  Name  Hartheu.  — Jaag  den  duivel.  — St. 
Janskruid. 

Hypochoeris. 

Ableitung  von  vrto  unter  und  yoiqoo,  Schwein,  ein  Kraut,  das  man 
den  Schweinen  zum  Fressen  vorwirft,  oder  wie  VTcaqvo(^^  von  xrtu 
unter  und  aQr(v  Lamm,  das  säugende  Lamm  genannt  wird,  so  vtto- 
XOiQig  das  milchende  Schwein.  Hypochoeris,  eine  milchende  cichorien- 
artige Pflanze,  hieße  demnach  so  viel  als:  Schweinemilch,  d.  h.  in  ähnl. 
Sinne  wie  Roßkastanie,  Hyoscyamus,  Meerrettich  usw.  „unechte“  Milch. 

d.  Ferkelkraut.  — Wie  ist  der  Name  „Kosten“  zu  erklären? 

f.  Porcelle  = Ferkel. 

e.  Cat’s-ear,  Katzenohr,  wegen  der  behaarten  Blattform  einer  Art.  — 
Hypochoere. 

71.  Biggenkruid  = Ferkelkraut. 

HyssopuSj  vGGLOJtog., 

von  vg  Schwein  und  tuxp  Gesicht,  wegen  der  einem  Schweinekopf  ent- 
fernt ähnlichen  Labiatenblüte.  Mit  der  hebr.  benannten  Pflanze 
Ezob,  Ezab  hat  sie  nur  den  Klang  des  Namens  gemein,  Ezob  soll 
jedoch  eine  ganz  andere  Pflanze  sein. 

d.  Ysop,  zu  Josephli,  Seppli  assimiliert. 

f.  Hyssope. 

e.  Hyssop. 

71.  Hyssop. 

I. 

Ilex. 

Isid.  XVII.  7.  26.  Ilex  ab  electo  vocata.  Huius  enim  arboris  fruc- 
tum  homines  primum  ad  victum  sibi  elegerunt. 

Unter  Ilex  verstanden  die  Alten  Quercus  ilex,  deren  Früchte  zum 
Essen  „electi“:  ausgewählt  wurden,  woher  dieser  Eichenart  der  Name 


90 


Ilex  wurde.  Auf  unsere  Gattung  wurde  der  Namen  wegen  der  Ähn- 
lichkeit der  Blätter  der  Stechpalme  mit  denen  der  env^ähnten  Stecheiche 
übertragen.  — Nach  anderer  Erklärung  ist  Ilex  dasselbe  Wort  wie 
griech.  0{XL%a^  der  auch  fxlXa^  genannt  wurde.  Unter  diesem 
Namen  verstand  man  jedoch  die  verschiedensten  Pflanzen:  die  Eibe, 
eine  Eichenart,  ein  Schotenge wächs  und  eine  Convolvulusart.  Welches 
gemeinsame  Moment  diesen  gleichnamigen  Pflanzen  zugrunde  liegt 
und  ihre  Benennung  veranlaßt  haben  mag,  ist  schwer  zu  eruieren.  — 
Nach  dritter  Erklänmg  wird  Ilex  mit  dem  hebr.  elon,  worunter  man 
eine  Eichenart  verstanden  hätte,  in  Beziehung  gebracht. 

d.  Stechpalme:  wegen  der  stechenden  Blätter  und  der  Verwendung 
statt  Palmzweige.  — Hülsenstrauch,  Hülsdorn,  Kiesebusch,  Klose- 
busch; wahrscheinlich  sind  diese  Namen  miteinander  verw'andt  und 
mit  lat.  culmen  in  Beziehung  zu  bringen,  das  Spitze  bedeutet.  Die 
Namen  hätte  die  Pflanze  also  wegen  der  stechenden  Blätter  erhalten. 

f.  Houx,  s.  unter  Hülsenstrauch. 

e.  Hoily,  desgl.,  oder  aus  holy  tree:  heiliger  Baum,  weil  seine  Zweige 
und  Blätter  zur  Weihnachtszeit  als  Kirchenschmuck  benutzt  werden. 
Gael. : cuillon,  irländ.  cuilleann,  corn.  celin,  breton.  kelen,  ags.  ho- 
legen weisen  auf  die  unter  Hülsenstrauch  gegebene  Erklärung. 

71.  Hulst. 

Illecebrum, 

von  illecebra,  die  Anlockung;  urspmnglich  wohl  der  Name  einer 
besonders  schönen  oder  stark  riechenden  Pflanze,  Eigenschaften,  auf 
die  die  jetzige  Gattung  keinen  Anspruch  erheben  kann. 

d.  Knorpelkraut.  Die  Kelchblätter  sind  membranös  und  zäh,  ebenso 
wie  bei  dem  nächsten  Verwandten  Scleranthus,  der  daher  den  Namen 
erhalten  hat.  Knorpelkraut  wird  überdies  auch  Sedum  acre,  wegen 
seiner  fleischigen  Blätter,  genannt. 

f.  Illecebre. 

e.  Illecebrum. 

n.  Hardkelk:  Hartkelch. 

Tmpatiens, 

zu  deutsch  ungeduldig,  empfindlich,  da  die  Samenkapsel  bei  der 
geringsten  Berührung  zur  Zeit  der  Reife  aufspringt  und  die  Samen 
weit  wegschleudert.  Hierauf  beziehen  sich  die  sämtlichen  Namen; 
vergl.  I.  noli  (me)  tangere  = I.  wolle  (mich)  nicht  berühren. 

d.  Springkraut.  Rühr  mich  nicht  an.  — Hüpferling.  — Westböhm.: 
Huppemannl  und  oberösterr. : Altweiberzom,  Kikrihahn. 

f.  Balsamine  sauvage : wilde  Balsamine.  Die  Balsamine,  von  ßalloj : 
werfen  und  semen:  Samen,  ist  die  nächste  Verwandte  und  hat  die- 
selbe Eigenschaft.  — Impatiente  — N’y  touchez-pas  = Berührt  da 
nicht!  — Herbe  de  Sainte  Catherine  = St.  Katharinenkraut;  das 
Kraut  ist  der  heil.  Katharina  von  Alexandrien  geweiht,  die  das  Rad, 


tv  0;. 


91 


auf  das  der  Scherge  sie  bringen  wollte,  in  Splitter  zerschellen  ließ. 
— La  merveille:  das  Wunder. 

e.  Impatience  — Balsam  — Touch -me -not:  Rühr  mich  nicht  an! 

71.  Springzaad  — Kruidje-roer-me-niet. 

Inula^  eXevLov. 

PI.  XXI.  33.  Helenium  e lacrimis  Helenae  dicitur  natum  et  lauda- 
tissimum  ideo  in  Helene  insula. 

Von  Korb,  wegen  der  korbförmigen  Kompositenblüte,  oder 

von  \vato,  reinigen,  wegen  der  medizinischen  Wirkungen.  — Der 
Sage  nach  soll  das  Kraut  aus  den  Tränen  der  Helena  entstanden 
sein  und  daher  den  Namen  haben. 

d.  Alant. 
f.  Aunee. 

e.  Inule. 

n.  Alant  — sämtliche  Namen  aus  dem  Lateinischen, 

Inula  vulgaris,  s.  conyza, 

gewöhnliche  Inula.  Betreffs  conyza  vergl.  Diosc.  HI.  126.  y^ovvQa  — 
xat  ycovwTcag  aneXavveiiy).  Es  vertreibt  Ungeziefer,  der  Name 
also  wohl  von  ywvwip  = culex,  pulex  usw. : der  Name  irgend  eines 
Insekts  — Abi.  ev.  von  yiovvCa,  Krätze,  als  Mittel  gegen  diese  — 
oder  von  xcwg,  Staub,  da  die  rauhblättrige  Pflanze  wie  bestäubt  aus- 
sieht oder  sich  leicht  mit  Staub  bedeckt. 

d.  Dürrwurz,  wegen  der  holzigen,  zu  nichts  nützen  Wurzel,  daher  auch 
Dummeijan  genannt.  — Ruhrkraut:  gegen  die  Ruhr.  — Flohkraut: 
daher  auch  einst  Pulicaria  genannt. 

/.  Herbe  aux  mouches:  Mückenkraut.  — Herbe  aux  puces:  Plohkraut. 

e.  Ploughman’s  - spikenard : des  Pflügers  Spikenard.  Unter  Spikenard: 
Nardus  spicata  verstand  man  ein  wohlriechendes  Öl.  Inula  vulgaris 
wird  so  genannt  wegen  des  aromatischen  Geruches  seiner  Wurzel. 

71.  Donderkruid:  wie  viele  goldgelb  blühende  Pflanzen,  dem  Donner- 
gott geweihtes  Kraut.  — Auch  Sedum  wird  Donnerkraut  genannt;  es 
blüht  ebenfalls  goldgelb  und  wird  auf  Häusern  und  Torpfosten  gegen 
Blitzschaden  angepflanzt. 

Iris,  iQLg. 

Diosc.  1.  I.  a7Td  uiv  rrjg  yctT  ovqavov  Ifxcpeqeiag  (Lvof^iaaiai. 

Plin.  XXL  20.  Iris  floret  versicolori  specie,  sicut  arcus  caelestis,  unde 
et  nomen. 

Isid.  etym.  XVII.  9.  9.  Iris  a similitudine  Iris  coelestis  nomen 
accepit. 

Von  iris,  iqig,  Regenbogen,  wegen  der  Buntfarbigkeit  seiner  Blüten 
— oder,  da  auch  Iqlg  geschrieben,  von  einer  vermutlichen  Form  '^Qig, 
die  von  tiq,  Frühling  abzuleiten  wäre,  also  Frühlingsblume,  da  sie  im 
Frühling  blüht;  vergl.  unter  Hyadnthus. 


92 


d.  Iris,  Schwertel,  Schwertblume,  s.  unter  Gladiolus. 

f.  Iris.  — Grande  laiche,  auch  liage,  beides  von  lier,  da  man  die 
Blätter  zum  Binden  benutzen  kann.  Vergl.  unter  Carex.  — Fleur 
de  Luce,  aus  Fleur  de  Louis,  Ludwigsblume,  da  Ludwig  VII.  von 
Frankreich,  bevor  er  den  Kreuzzug  an  trat,  die  Iris  als  heraldisches 
Emblem  wählte.  — Fleur  de  lis,  Lilienblume,  volksetymologisch  aus 
vorhergehender  Bezeichnung  ent  standen,  oder  aus  Vergleich  mit  der 
der  Iris  nahverwandten  Lilia. 

e.  Iris.  — Lily-flower.  — Roast-beef  plant,  nach  dem  Geruch  der  zer- 
riebenen Blätter. 

71,  Lisch. 

Isatis^  löcciLQ. 

Caesar  V.  Bellum  Gallicum  14.  Omnes  vero  se  Britanni  vitro  in- 
ficiunt,  quod  caeruleum  efficit  colorem. 

Vitruv.  architect.  VII.  14.  Item  propter  inopiam  coloris  indici 
cretam,  selinus  iam  aut  annulariam  vitro,  quod  Graeci  Igcctiv 
appellant,  inficientes,  imitationem  faciunt  indici  coloris. 

Diosc.  II.  215.  ^loaxLg,  ^ o\  ßacpslg  xQwvTai, 

Plin.  XX.  24.  und  25.  Lactucae  sponte  nascentis  primum  genus  est, 
quam  caprinam  vocant,  alterum  est  genus  quod  Graeci  caesipon 
vocant,  tertium  iodriv  vocant,  quarto  infectores  lanarum  utuntur. 
Galen.  Z.  IX.  6.  ^lodzLg  rj  j^iev  ^uegog,  ol  ßaq)elg 
loaTtg  von  loduo,  gleichmachen,  da  die  Pflanze  als  Färbemittel 
diente  — oder  von  läa&ai,  heilen,  wegen  der  Heilwirkungen. 

d.  Waid. 

f.  Guede,  gu  tritt  häufig  für  w. 

e.  Woad. 

71.  Weede.  Ursprung  dieser  miteinander  verwandten  Namen  ist  vom 
lat.  vitrum,  womit  sowohl  das  Glas  wie  der  Waid  benannt  wurden; 
vitrum  seinerseits  verwandt  mit  lat.  viridis,  grün,  da  das  Glas  der 
Alten  stark  eisenhaltig  war  und  daher  grün  aussah  und  der  Färber- 
waid grünblau  färbte.  Das  tertium  comparationis  wäre  also  die 
grüne  Farbe. 

Isnardia, 

nach  A.  D.  d’Isnard,  Prof,  zu  Paris,  f 1724. 

d,  Heusenkraut  (?). 

f.  Isnardie. 

e.  Marsh  Ludwigia  = Sumpf-Ludwigia,  eine  Wasserpflanze,  benannt 
nach  dem  Leipziger  M.  C.  S.  Ludwig. 

71.  Waterlepeltje  = Wasserlöffelchen,  wegen  seiner  elliptischen  Blättchen. 


93 


J. 

Juglans. 

Varro,  lingua  lat.  IV.  Juglans.  haec  glans  optima  et  maxima,  ab  Jove 
et  glande  Juglans  est  appellata. 

Isidor,  etym.  XVII.  7.  21.  Hane  alio  nomine  Latini  iuglandem 
vocant,  quasi  Jovis  glandem.  Fuit  enim  heac  arbor  consecrata  Jovi. 
Juglans:  aus  Jov-(pater):  Juppiter  und  glans:  Eichel:  Frucht  „Juppiter- 
fruchF‘.  Der  Baum  war  wegen  seiner  Schönheit  dem  Jupiter  ge- 
weiht. 

d,  Nußbaum:  Nuß,  lat.  nux,  wird  mit  nocere:  schaden  in  Beziehung 
gebracht,  da  der  Geruch  der  Nußbaumblätter  Kopfschmerzen  macht. 
Doch  ist  diese  Erklärung  wohl  schon  deshalb  nicht  zutreffend,  weil 
man  unter  Nuß  ursprünglich  die  eßbare  Frucht  der  Haselnuß  ver- 
stand. Andere  Erklärer  bringen  Nuß  mit  ahd.  niczan,  schlagen  in 
Verbindung,  da  die  Frucht  vom  Baume  herabgeschlagen  oder  zum 
Essen  aufgeschlagen  wird.  — Walnuß:  welsche  Nuß:  sie  stammt 
aus  Kaschmir  und  wurde  über  Frankreich  und  Italien,  welche  ro- 
manischen Länder  als  Welschland  bezeichnet  werden,  nach  Deutsch- 
land eingeführt. 

f.  Noyer:  Nußbaum. 

e.  Walnut. 

n.  Noteboom:  Nußbaum  — Wallnoot  — Okkernoot.  Ok(k)er  aus 
noker,  frz.  noyer,  lat.  nucarius:  Okkernoot  ist  also  ein  Pleonasmus. 

Juncus, 

von  iungere  binden:  wegen  der  Verwendung  der  Pflanze. 
d.  Binse:  von  binden.  — Simse,  Sembde  verwandt  mit  dem  got.  Stamm 
siman:  binden,  vergl.  d.  sammeln, 
y.  Jone:  aus  dem  Lat. 

c.  Rush,  norm,  reuche:  vom  kelt.  ru:  frz.  ruisseau:  Bach:  wegen  des 
Standortes.  Oder  verwandt  mit  Rohr  und  Riet,  s.  dieserhalb  unter 
Carex  und  Phragmites. 

n.  Bloembies:  Blumenbinse:  die  Ährchen  stehen  auffallend  seitlich  aus 
den  Halmen  heraus.  — Rusch. 


Juniperus. 

Isid.  etym.  XVIL  7.  35.  Juniperus  Graece  dicta,  sive  quod  ab 
amplo  in  angustum  finiat,  ut  ignis,  sive  quod  conceptum  diu  teneat 
ignem.  nvq  enim  apud  Graecos  ignis  est. 

Isidor  glaubt,  daß  in  Juniperus  der  Begriff  revq  enthalten  sei,  weil 


94 


Das  J.  Holz  das  Feuer  lange  anhält  oder  weil  der  pyramidenförmige  Wuchs 
wie  ein  Feuer  aussieht,  das  sich  ja  auch  nach  oben  verjüngt;  vergl.  d. 
Feuerbaum,  ein  Name,  der  abgesehen  von  der  Verwendung  des  Strauchs 
vielleicht  auch  wegen  des  roten  Kernholzes  gewählt  sein  kann.  — Nach 
anderer  Erklärung  ist  Juniperus  von  iunix:  Kuh  und  parere:  gebären 
abzuleiten,  da  man  den  Kühen  die  Früchte  gegeben  hätte,  um  die  Ge- 
burt zu  erleichtern.  — Nach  dritter  Erklärung  von  iuvenis,  das  nach  Ovid 
auch  Mädchen  bedeutet,  und  parere  gebären,  um  so  mit  Juniperus  ein 
Abortivum  anzudeuten.  Doch  dürfte  diese  Erklärung  aus  zwei  Gründen 
nicht  zutreffen,  da  J.  sabina,  auf  die  sich  jene  Wirkung  bezieht,  von  den 
Römern  nicht  Juniperus,  sondern  Sabina  genannt  wurde  und  Juniperus 
communis  durchaus  keine  abortive  Wirkung  hat.  — Jedenfalls  dürfte  die 
Erklärung,  die  Boerhave  in  seinem  Hortus  Amstelodamensis  gibt,  die 
zutreffendste  sein:  Nomen  a iunior  et  pario,  quasi  iunior  pariens, 
quia  haec  arbor  novos  fructus  parit,  dum  aliae  baccae  maturescunt: 
also  von  iunior:  jünger  und  pario:  gebären,  da  die  jüngeren  grünen 
Früchte  gezeitigt  werden,  während  die  alten  schwarzen  noch  am 
Strauch  hängen.  Vergl.  Plin.  XVI  44.  Novusque  fructus  in  his 
cum  annotino  pendet.  — Als  fünfte  Erklärung  sei  diejenige  gegeben, 
die  Juniperus  mit  kelt.  jeneprus:  rauh,  herb,  wegen  der  starren  Nadeln 
und  des  herben  Geschmackes  der  Frucht  in  Verbindung  bringt.  — 
Die  griech.  Bezeichnung  aQ/.evd^ig  ist  auf  agäv  „Ver- 

wünschung in  sich  fassen“  zurückzuführen  und  hieße  demnach  soviel 
als  verfluchter  Strauch:  wiegen  der  stechenden  Nadeln,  des  düsteren 
Aussehens  oder  weil  man  ihn  für  giftig  hielt. 

Juuiperus  communis, 

gewöhnl.  Juniperus. 

d.  Wacholder,  zurückzuführen  auf  wach,  in  der  Bedeutung  lebendig, 
fortgrünend,  und  das  ahd.  trä  (engl,  tree),  Baum.  Wacholder  hieße 
also  soviel  als  Lebensbaum,  wegen  seiner  immergrünen  Nadeln,  tat- 
sächlich wird  er  auch  zuweilen  als  Lebensbaum  bezeichnet.  Ganz 
ähnlich  wie  Wacholder  lauten  die  mhd.  und  ahd.  Namen.  Im 
Schwäbischen  wird  er  Wächeltr,  im  Mittelniederdeutschen  Wachandel 
genannt.  Aus  Wachandel  ging  durch  Metamorphose  von  W in  M 
das  plattdeutsche  Machan(d)el  hervor  (vergl.  Dialekt:  mir  für  wir). 
Machandel  ist  in  Ostfriesland  und  der  Lüneburger  Heide  die  ge- 
bräuchlichste Bezeichnung.  Vielleicht  daß  Machandel  wiederum  ver- 
wandt ist  mit  dem  russischen  Mazzelnik  (z  wird  wie  das  frz.  j aus- 
gesprochen). Die  deutsche  Dialektform  Sachandel  soll  aus  Wacholder 
verderbt  sein.  Das  gleiche  wurde  von  dem  oberschlesischen  Jach- 
andel behauptet.  Doch  glaube  ich  nicht,  daß  es  sich  hier  um  eine 
korrumpierte  Form  handelt,  sondern  daß  jach  (vergl.  frz.  gaie)  munter 
bedeutet  und  somit  ein  Analogon  von  wach  ist.  Wach  und  jach 
ist  wiederum  gleichbedeutend  mit  quick:  lebend,  frisch  (vergl.  er- 
quicken). Daher  die  norddeutsche  Bezeichnung  Queckholder,  das 
Osnabrücker  Quakelbusch  und  das  angelsächsische  quicbeam.  Schließ- 


95 


lieh  sei  noch  das  schweizerische  und  alemannische  Reckholder  er- 
wähnt, dessen  reck  (vergl.  regsam)  ebenfalls  mit  jach,  wach  und 
queck  gleichbedeutend  ist. 

Von  dem  altslawischen  kaditi  (böhm.  ebenfalls  kaditi,  poln.  kadzuc), 
räuchern  stammt  die  slaw.  Bezeichnung  kadik  (böhm.  und  poln.). 
Desgl.  gebräuchlich  in  den  Ostseeländem  von  Narwa  bis  Danzig,  im 
Litauischen,  Lettischen  und  Estnischen  mit  Variationen  wie  Kaddak, 
Kaddie,  Kadagys  und  Kaddakas.  Im  Finnischen  heißt  der  Wacholder 
Katachu,  auch  das  lappländische  Gaskes  dürfte  die  erwähnte  Ety- 
mologie haben. 

Verbreitet  ist  ferner  die  Bezeichnung  Kranwit  mit  ihren  Modi- 
fikationen, z.  B.  Kramwit,  Kraewetbaum  und  Kranatbaum.  (Letzteres 
durch  Assimilation  zu  Granatbaum.)  Das  Wort  ist  entstanden  aus 
ahd.  chrana  Beere  (vergl.  lat.  granum)  und  witu  Holz  (vergl.  engl, 
wood)  oder  aus  kran  und  wit:  kran  bedeutet  im  Ags.  und  noch 
heute  im  Schwed.  Kranich.  Kranwit  hieße  also  Kranichholz,  weil  die 
Kraniche  die  Wacholderbeeren  bevorzugen  sollen.  Die  Anregung  zu 
diesbezüglichen  Untersuchungen  ist  leider  unberücksichtigt  geblieben. 
Österr.  Kranawetstaude,  siebenbürg.  Kronewet,  Tirol  Kranawitter, 
illyr.-slaw.  granawencha,  Waldeck.  Kranbaum.  Kannikbaum  ist  wohl 
als  IMischform  zwischen  den  slaw.  und  österr.  Bezeichnungen  zu  er- 
klären. Der  (Krammetsvogel  oder  die  Wacholderdrossel,  die  von 
den  Beeren  sich  nährt,  hat  daher  ihren  Namen  bekommen.)  Die  Be- 
zeichnung Knirk  ist  verwandt  mit  Knick,  den  niedrigen  Hecken,  die 
um  die  holsteinischen  Triften  als  Abgrenzung  angebracht  sind,  ebenso 
mit  Knirps.  Knick  besagt  also  etwa  soviel  als  niedriges  Gesträuch; 
oder  es  ist  verv^andt  mit  knirren,  knistern,  wegen  des  Prasseins  seines 
Holzes  im  Feuer.  — Dexenstaude:  unter  Dexen  versteht  man  noch 
heut  ein  der  Umgegend  von  Erlangen,  wo  auch  ein  Dexendorf  existiert, 
Eidechsen.  Doch  haben  weder  ich  noch  andere  Beobachter,  die  dem 
Wacholder  besonderes  Interesse  geschenkt  haben,  selbst  an  sumpfigen 
Standorten,  unter  diesem  Strauch  jemals  Eidechsen  oder  andere  Rep- 
tilien und  Amphibien  gesehen.  Schreibt  doch  auch  ein  lat.  Kommen- 
tator im  Thesaur.  Graec. : eins  enim  odorem  omnia  reptilia  aversantur. 
Oder  man  versteht  unter  Dexen  allerhand  schädliche  Tiere,  wie  In- 
sekten, die  durch  das  Verbrennen  von  Wacholder  fortgetrieben  werden. 
Oder  endlich  es  liegt  in  dem  Begriff  Dexen  unser  Dexel  = Teufel, 
also  Teufelsstaude;  s.  diesbezügl.  unter  aqy.iivd'lq,  event.  auch  ver- 
wandt mit  Taxus,  mit  dem  er  gewisse  Ähnlichkeit  hat.  Auch  Stech- 
baum wird  in  Schlesien  der  „stachlige  Geselle“  genannt.  Steckholder 
heißt  er  wohl  im  Gegensatz  zu  Holunder,  wegen  seiner  stachligen 
Nadeln.  Der  Holunder  wird  vom  Laien  häufig  mit  Wacholder  ver- 
w^echselt,  w^oher  die  fälschliche  Schreibweise  Wachholder  kommt. 
Einbeere  und  Enebeer  heißt  der  Strauch  wegen  seiner  einzelnstehenden 
Beeren,  vergl.  jedoch  hierzu  unter  dem  n.  Abschnitt.  — Tannbeeren, 
Tann  vielleicht  im  Sinne  von  dunkel,  vergl.  unter  Abies,  wegen  der 
schwarzen  Beeren  — oder  weil  sie  im  Tannengehölz  wachsen,  oder 


96 


wegen  einer  gewissen  Ähnlichkeit  des  Wacholders  mit  der  ebenfalls 
dunkelgrünen  Tanne.  Betreffs  der  Bezeichnung  Wegbaum  vergl. 
eine  Sage,  die  zwischen  Bremen  und  Hamburg  in  den  Löhbergen 
geht,  wonach  der  Wacholder  als  Wegweiser  von  Soldaten  zur  Zeit 
des  dreißigjährigen  Krieges  in  jenen  Partien  der  Lüneburger  Heide 
gepflanzt  worden  sei.  Herr  Emil  von  der  Ah^  dem  ich  diese  Mit- 
teilung verdanke,  erklärt  die  Sage  als  retrospectiv  entstanden,  in- 
dem man  sich  Wacholder  als  Weghalter  gedeutet  habe.  Tat- 
sächlich fand  ich  in  einem  Buch,  das  zur  Zeit  des  dreißigjährigen 
Krieges  gedruckt  war,  die  Bezeichnung  Wegholder.  Doch  sind  dies 
wie  der  Name  Wegbaum  sicher  nur  Assimilationsverstümmelungen 
aus  Wacholder,  der  allerdings  auch  an  Wegen  häufig  anzu- 
treffen ist. 

f.  Genevrier.  Das  lat.  Juniperus  war  die  Stammform  der  romanischen 
Bezeichnungen,  span,  enebro,  ital.  genepro,  portug.  zimbro.  Prince 
L.  L.  Bonaparte  hat  unter  dem  Titel  Roncesvalles  et  Juniper  in 
Basque  Latin  et  Neolatin  (The  Academy.  17.  Juli  1880,  No.  428, 
pag.  45)  mehr  als  hundert  Dialektbezeichnungen  jenes  Sprachen- 
komplexes gesammelt,  die  sich  fast  sämtlich  auf  juniperus  zurück- 
führen lassen.  Aber  auch  in  dem  germanischen  Sprachstamm  irra- 
diierte  die  lat.  Grundform,  vergl.  das 

e.  Juniper  und  das 

71.  Jenever,  Geneverstruik  [und  das  dän.  und  schwed.  en(e)trä,  und  en- 
bärträ;  auch  „soll“  das  poln.  jalowiec  mit  Juniperus  verwandt  sein].  Das 
holländ.  Wort  „Dammerenhout“  (hout  = Holz)  ist  verwandt  mit  „dämm- 
rig“.  Herr  van  Dokkum- Utrecht,  der  mir  diese  Etymologie  gab,  stützt  die 
Erklärung  auf  ein  Zitat  Boerhaves:  „Indien  iemand  lang  vertoeft  of 
slaapt  onder  de  jeneverstruik,  dan  wordt  hij  door  de  atmospheer  als 
iemand,  die  te  veel  wijn  heeft  gedronken.“  Im  Gegensatz  hierzu 
steht  eine  Aussage  Konrads  von  Megenberg,  Buch  der  Natur,  15.  Jahr- 
hundert: „ — das  der  Kramet  helff  für  der  Gelieder  müden  und 
darumb  so  etlich  müd  werden,  so  schlaffen  sy  unter  des  Baumes 
schatten.“  Da  nun  der  sehr  giftige  Same  von  Daphne  Mezereum 
bei  uns  Damersamen  genannt  wird  und  Dam(m)er(en)hout  auch 
Damnerenhout  geschrieben  wird,  ist  eine  Ableitung  von  dem  lat.  da- 
mnum,  Schaden  annehmbar  und  ist  die  Erklärung  hierfür  entweder  darin 
zu  suchen,  daß  man  ihn  als  schädlich  oder  „gegen  den  Schaden“  betrach- 
tete. Vergl.  Diosc.  I.  103.  ''Aq'A^vd'og  Sv^LOJfxevai  re  öico- 

ytovotv.  O Se  tvolwv  TtQog  ra  Ttivoi^ievog.  Plin. 

24.  36.  Accensa  serpentes  fugat.  Sunt  qui  et  perunguant  corpus 
e semine  eins  in  serpentium  elictus.  Plinius  preist  ihn  als  Mittel  gegen 
Schlangen  und  Schlangenbisse.  Vielleicht,  daß  auch  auf  diese  Weise 
das  erwähnte  „Dexenstaude“  zu  erklären  ist.  — Zu  «.  Vrakelbessen 
und  Kwakel  vergl.  Wacholder  und  Queckholder.  — Lammerenhout, 
Lämmerholz,  weil  es  auf  der  Heide,  wo  die  Lämmer  weiden, 
wächst,  vielleicht  aus  Dammerenhout  assimiliert. 


97 


Juniperus  salbina. 

Diosc.  I.  104.  Bqcc&v,  e'f-ißQva  ts  %axa07ta. 

Plin.  XVI.  53.  Herba  sabina.  Harum  arborum  generi  non  ded- 
dunt,  oleae  etc.  et,  quam  vis  herba  dicatur,  sabinae.  Plin.  XXIV.  61. 
Herba  sabina,  brathy  appellabatur  a Graecis,  partus  emortuos  ad- 
posita  extrahit  et  suffita. 

Galen.  Z.  11.  15.  Bqad'v.  xal  za  ^wvva  zcov  ifLißgvcov  ÖLacp^elgei 
za  veytga  d E/.ßdXX€i. 

Nach  der  bei  Rom  gelegenen  Sabinerlandschaft  genannt,  wo  J.  s.  be- 
sonders häufig  anzutreffen  war:  Herba  Sabina:  Sabinerkraut.  J.  sab. 
= Sabinischer  Juniperus. 

d.  Sebenbaum,  verderbt  aus  Sabina.  In  Kärnten  und  im  Salzburgischen 
assimiliert  zu  Segenbaum,  in  der  Eifel  zu  Siebenbaum,  Wegen  seiner 
Abortierwirkung  Jungfernpalme,  Kindermord,  Mägdebaum,  im  Sieben- 
bürgischen  „verbodden  Baum“  genannt. 

f.  Sabine. 

e.  Savin. 

n.  Zevenboom:  Siebenbaum  s.  oben. 

K. 

Koeleria, 

nach  G.  L.  Koeler  in  Mainz,  hat  zur  Zeit  Napoleons  gelebt  und 
über  die  Gräser  Deutschlands  und  Frankreichs  geschrieben. 

d.  Ritschgras  (?),  vergl.  unter  Carex. 

f.  Keulerie. 

e.  Koeleria. 

n.  Scherpgras,  wegen  des  rauhen  Halmrandes  Schorfgras  genannt. 


L. 

Lactuca. 

Varro,  ling.  lat.  IV.  Vernacula  Lactuca  a lacte,  quod  olus  id 
habet  lac. 

Diosc.  II.  164.  Qgida^  ^fuegog  yaka'Azog  A,ctzaGTca(ZzivA{, 

Plin.  XIX.  38.  . . et  ideo  lactucis  nomen  a lacte. 

Palladius  II.  14.  Lactuca  dicta  est,  quod  abundantia  lactis  exuberet. 
Isidor.  XVIL  10.  ii.  Lactuca  dicta  est,  quod  abundantia  lactis 
exuberet,  seu  quia  lacte  nutrientes  feminas  implet. 

Von  lac,  Milch,  wegen  des  milchigen  Saftes  der  Pflanze.  Daß  ihr  Ge- 
nuß die  Muttermilch  reichlicher  machen  soll,  ist  wohl  eine  der  Sig- 
naturlehre entsprechende  Annahme. 

Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


7 


98 


d.  Lattich,  von  lactua.  Salat,  von  lat.  sal:  Salz,  weil  das  Gericht 
gesalzen  wird. 

/.  Laitue  — Salade. 

e.  Lettuce  — Salad. 
n.  Latuw  — Sla. 


Lamium, 

von  lama,  hafiog:  Schlund,  wegen  des  Blütenrachens. 

d.  Saug,  weil  die  Bienen  aus  der  (ihnen  besonders  angepaßten)  Blüte 
Honig  saugen.  — Taubnessel,  weil  sie  nesselähnliche  Blätter  hat,  die 
aber  taub,  d.  h.  nicht  stechend  sind. 

y.  Lamier  — Ortie  blanche  et  rouge:  weiße  und  rote  Nessel,  wegen  der 
Blütenfarben. 

e.  Dead-nettle:  Totnessel. 

71.  Doovenetel:  Taubnessel. 

Lappa. 

Plin.  XXI.  64.  Lappa,  quae  adhaerescit.  XXIV.  68.  Philanthropen 
herbam  Graeci  appellant  nasute,  quoniam  vestibus  adhaerescat. 
nam  quae  canaria  appellata  lappa. 

Isid.  XVII.  9.  66.  Lappa  dicta  quod  habeat  caulem  ingentem  per 
terram  dispositam.  (?)  Haec  herba  a Graecis  q)LXavd^QC07tog  voca- 
tur,  quod  vestibus  hominum  inhaereat  ob  asperitatem. 

Vergl.  ferner  unter  Galium  Aparine. 

Lappa  wird  von  Xaßeiv:  ergreifen,  abgeleitet,  wegen  der  mit  Haken 
versehenen  Samenkapseln,  die  leicht  hängen  und  „kleben“  bleiben: 
daher  die  deutsche  Bezeichnung  „Klette“.  — Andere  bringen  Lappa 
mit  kelt.  lapp:  Hand,  in  Verbindung,  da  sich  die  Klette  wie  mit 
einer  Hand  festhält.  — Nach  dritter  Erklärung  ist  Lappa  von  XaTtr^, 
Schleim:  wegen  der  schleimgebenden  Wurzeln  abzuleiten. 

d.  Klette,  s.  oben. 

/.  Glouteron,  verwandt  mit  gluten,  Kleber,  gluant,  lat.  glutinosus:  klebrig. 
— Grat(t)eron:  von  gratter,  kratzen.  — Oreille  de  geant:  Riesenohr 
wegen  der  großen  Blätter.  — Bardane:  vom  spätlat.  bardane:  Be- 
deckung. Man  habe  die  breiten  Blätter  als  Hülle  um  die  Butter 
benutzt,  damit  sie  frisch  bleibe.  Sollte  das  Wort  nicht  mit  engl,  bur- 
dock verwandt  sein?  S.  u. 

e.  Bur,  ags.  burr,  dän.  borre,  schwed.  kardborre.  Ursprung  vielleicht  im 
irischen  borraim:  schwellen,  wegen  der  breiten  Blätter  — oder  ver- 
wandt mit  ital.  borra:  deutsch  Borste,  wegen  der  stachligen  Frucht- 
schale. — Burdock:  dock,  ags.  docce  ist  der  Name  von  vielen  breit- 
blättrigen Stauden.  Ursprung  unbekannt;  man  will  es  mit  dem  griech. 
davv.og  (Daucus)  in  Beziehung  bringen. 

71.  Klis:  Klette. 


99 


Larix, 

Isid.  XVII.  7.  44.  Larex,  cui  hoc  nomen  a castello  Laricino  indi- 
tiim  est,  ex  qua  tabulae  teguHs  affixae  flammam  repellunt,  neque 
ex  se  carbonem  ambustae  efficiunt. 

Doch  ist,  wie  aus  nachfolgendem  Zitat  hervorgeht,  Casteilum  Lari- 
cinum  nach  Larix  und  nicht  umgekehrt  benannt  worden: 

Vitruv.  II.  9.  Ea  autem  materies  quemadmodum  sit  inventa  est 
causa  cognoscere.  divus  Caesar  cum  exercitum  habuisset  circa 
Alpes  imperavissetque  municipiis  praestare  commeatus  ibique  esset 
castellum  munitum  quod  vocabatur  Larignum,  tune  qui  in  eo 
fuerunt  naturali  munitione  confisi  noluerunt  imperio  parere.  itaque 
imperator  copias  iussit  admoveri.  erat  autem  ante  eius  castelli 
portam  turris  ex  hac  materia  altuemis  trabibus  transversis  uti  pyra 
inter  se  composita  alte,  uti  possent  de  summo  sudibus  et  lapi- 
dibus  accedentes  repellere.  tune  vero  cum  animadversum  est  alia 
eos  tela  praeter  sudes  non  habere  neque  posse  longius  a muro 
propter  pondus  iaculari,  imperatum  est  fasciculos  ex  virgis  alligatos 
et  faces  ardentes  ad  eam  munitionem  accedentes  mittere.  itaque 
celeriter  milites  congresserunt.  posteaquam  flamma  circa  illam 
materiam  virgas  comprehendisset,  ad  caelum  sublata  effecit  opi- 
nionem,  uti  videretur  iam  tota  moles  concidisse.  cum  autem  ea  per 
se  exstincta  esset  et  requieta  turrisque  intacta  apparuisset,  admirans 
Caesar  iussit  extra  telorum  missionem  eos  circumvallari.  itaque 
timore  coacti  oppidani  cum  se  dedidissent,  quaesitum  unde  essent 
ea  ligna  quae  ab  igni  non  laederentur.  tune  ei  demonstraverunt 
eas  arbores,  quarum  in  his  locis  maximae  sunt  copiae,  et  ideo  id 
castellum  Larignum  uti  materies  larigna  est  appellata. 

Unzutreffend  dürfte  die  Annahme  sein,  L.  habe  nach  den  „lares“, 
den  Hausgöttern,  ihren  Namen  erhalten,  weil  sie  als  „Hausbaum“ 
vor  den  Häusern  angepflanzt  worden  sei.  — Larix  wird  auch 
mit  XaQog:  wohlriechend,  wegen  des  Harzduftes  in  Beziehung  ge- 
bracht. — Nach  anderer  Erklärung  stammt  L.  von  einem  aus  degeo: 
häuten,  abzuleitenden  ödgi^  her,  da  der  Baum  zur  Terpentingewinnung 
geschält  wurde.  — Schließlich  sei  noch  die  Ableitung  vom  kelt.  lar: 
fett,  vepeichnet;  wegen  des  Harzreichtums. 

d.  Lärche;  volksetymol.  Leerbaum. 

f.  Lareche  — Meleze,  verwandt  mit  lat.  mel,  griech.  piiXi  '.  Honig,  wegen 
des  Harzgehaltes;  oder  aus  dem  griech.  f^ieXtrj:  Mannaesche:  desgl; 
eventl.  aus  mel  und  lerce  kontrahiert.  — In  der  Languedoc  sagt  man 
bloß:  mel. 

e.  Larch. 

n.  Larkeboom. 

Lathraea, 

von  ?MS^Qalog,  verborgen,  wegen  der  unterirdischen  Vegetations- 
weise. 


7* 


lOO 


d.  Schuppenwurz,  wegen  der  schuppigen  Stengel. 

f.  Herbe  cachee,  verborgenes  Kraut.  — Amourette,  die  Frauen  ge- 
brauchten es  gegen  die  Sterilität.  — Herbe  ä la  matrice  = Gebär- 
mutterkraut; Madrate  wohl  verdorben  aus  matrice. 

e.  Toothwort,  wegen  der  schuppigen  Blättchen,  die  mit  einem  Zahn  ent- 
fernte Ähnlichkeit  haben,  oder  weil  es  gegen  Zahnschmerzen  ver- 
wandt wurde,  „Zahnkraut“  genannt. 

71.  Schubwortei. 

Lathyrus, 

von  IXavvEiv.,  treiben,  schwellen  und  Tür,  Klappe,  weil  die 

trockenen  Hülsenklappen  aufspringen. 

d.  Kicher,  vom  lat.  cicer  Erbse,  von  y.Qiv.og  runder  Körper  oder  yqlog 
Widder,  dem  yv  als  Reduplikation  oder  im  Sinne  des  Verbums  ziw 
aushöhlen  vorangesetzt  ist,  wegen  der  strotzenden  Hülse  oder  des 
einem  Widderkopf  ähnlichen,  rundlichen  Samens.  Aus  cicer  mit  k- 
Aussprache  des  c ist  Kicher,  mit  z- Aussprache  Zieser  geworden. 
Vergl.  Kaiser  und  Zar,  beides  aus  Caesar.  — Platterbse,  die  Frucht 
der  erbsenähnlichen  Pflanze  ist  abgeplattet. 

f.  Gesse  von  vesce  (Vicia,  s.  d.),  wegen  ihrer  Ähnlichkeit  mit  der  Wicke. 
— Pois  chiche:  Kichererbse. 

e.  Chick-pea;  Kichererbse.  Vetchling,  vergl.  unter  dem  Frz. 

n.  Sisser. 


Lavandula,  . 

vom  lat.  lavare,  baden,  weil  man  die  Pflanze  wegen  ihres  Wohl-  j 

geruchs  ins  Bad  tat.  i 

d.  Lavendel.  — Spike:  lat.  spica:  Ähre,  weil  die  Scheinquirle  eine  end-  « 

ständige  Ähre  bilden.  ^ 

f.  Lavande,  | 

e.  Lavender.  1 

71.  Lavendel.  i 

\ 

Lemna,  Uuva,  | 

vielleicht  von  Schuppe,  wegen  der  kleinen  runden  (linsen-  ^ 

förmigen)  Schwimmblättchen.  J 

d.  Wasserlinse.  — Entengros  und  Entengries:  s.  u.  j 

f.  Grenouillee:  Froschkraut:  weil  es  im  Wasser  wächst:  früher  glaubte  j 

man,  die  Frösche  würden  vegetabile  Nahrung  zu  sich  nehmen.  — 

Canille : von  cane  = Ente. 

e.  Duckweed:  Entenkraut. 

71.  Eendenkroos:  Entenkraut,  vergl.  unter  Callitriche;  vergl.  auch  die 
ostfr.  Namen  Aantenkrud  und  Aantengrön.  — Waterlinze. 


lOI 


Lens. 

Plin.  XVIII.  31.  Invenio  apud  auctores  aequammitatem  fieri  ves- 
centibus  ea. 

Isid.  etym.  XVII.  4.  5.  Lentis  vocata,  quod  humida  et  lenta  est, 
vel  quod  adhaereat  humi. 

Lens,  gen.  lentis,  verwandt  mit  lentus:  langsam,  oder  lenis:  mild, 
sanft,  da  ihr  Genuß  gleichmütig  mache  oder  weil  sie  langsam  im 
Wachstum  ist  und  sich  im  Vergleich  zu  anderen  Leguminosen  nur 
wenig  (15 — 30  cm)  über  den  Erdboden  erhebt.  — Nach  anderer 
Erklärung  verwandt  mit  Xrivog:  Wanne:  wegen  der  Hülsen. 

d.  Linse. 

/.  Lentille. 

e.  Lentil. 

71.  Linze. 

Leoutodon, 

von  'kUov'.  Löwe  und  oöovg’.  Zahn:  Löwenzahn:  wegen  der  Blätter, 
die  scharf  und  tief  gezähnt  sind. 

d.  Löwenzahn. 

f.  Liondent,  desgl.  — Pisse -chien:  Hundepisse,  verächtlicher  Name 
der  sehr  häufigen  Pflanze.  Vielleicht  hat  auch  die  deutsche  Bezeichnung 
Schißmelde  (Atriplex)  dieserhalb  ihren  Namen.  — Leontodon  hat 
mit  ihrer  nahen  Verwandten  Taraxacum  viele  Namen  gemeinsam. 

e.  Hawkbit:  Habichtsbiß,  wegen  der  wie  ausgebissen  erscheinenden  Blätter. 
71.  Hondsbloem:  wegen  ihrer  großen  Verbreitung. 

Leonurus, 

von  XUov  Löwe  und  ov^a  Schwanz:  wegen  des  langen  Blütenschweifs. 

d.  Herzgespann,  gegen  Herzspannen,  Herzklopfen  — Mutterkraut,  da 
es  gegen  Mutterleiden  gut  ist.  Mutterkraut  heißen  viele  Pflanzen 
aus  diesem  Grunde:  so  Matricaria,  die  echte  Kamille.  Glaux  mari- 
tima. Ledum  palustre,  Artemisia,  Alchemilla.  Marrubium.  Veronica 
teucrium,  Mellita  officinalis  usw. 

f.  Agripaume:  agger  = Feld;  paume  = palma  = flache  Hand:  „Feld- 
hand“, wegen  der  Battform. 

e.  Motherw'ort:  Mutterkraut. 

71.  Hertsgespan. 

Lepidium,  lemÖLov. 

Scrib.  Larg.  Comp.  med.  174.  Extra  itaque  ea  sunt  imponenda, 
quae  etiam  sana  corpora  exulcerant  ut  lepidium. 

Diosc.  II.  105.  A^Ttiöiov.  Jvva(.iLg  öe  egtl  tcov  cpulXtov  Sqi- 
elyicoTLA^.  oS-ev  loxiaöivMv  eaziv  87ti7tlaaf.ia  ajiivvTLy.cü- 
zaTOPj  Xeiov  gdv  hXeviov  QiZrj,  STCLzid'euevov  TCQog  Tezagrov 
wQag.  acpiGir^GL  de  /ml  Xe/tgag. 

Plin.  XX.  70.  Lepidium  inter  urentia  intellegitur.  sic  et  in  facie 


102 


cutem  emmendat  exulcerando,  ut  tarnen  cera  et  rosaceo  facile  sane- 
tur.  Sic  et  lepras  et  psoras  tollit  semper  facile  et  cicatricum  ulcera. 
Columella,  re  rust.  X.  — herba 

Deiectiira  quidem  fronti  data  signa  fugarum. 

Galen.  H.  XI.  8.  yteTzldiov  ez  rrjg  TeraQTiqg  iavl  rd^cog  tcov  S'Sq- 
jiiaivovTcov,  o(J.OLOV  TO)  VMQÖajLW)  YMTa  Tr^v  oG{,ir^v  v.al  Tr^v  yevGLV 
'Aal  TrjV  dvvaf.iLV  VTtaQyov,  t^ttov  ö avTov  ^r^QaivEi 
yieTTLÖLOv:  Diminut.  zu  Xercig:  Schale,  Schuppe,  wegen  der  Gestalt 
der  Schötchen  oder  weil  sein  Saft  auf  die  Haut  gerieben  diese  blasig 
macht  und  abschälte. 

d.  Kresse,  s.  unter  Nasturtium:  Lepidium  wie  Nasturtium  sind  als  Kruzi- 
feren nahe  verwandt. 

f.  Cresson  des  jardins:  Gartenkresse;  wird  in  Gemüsegärten  gezogen  — 
Cresson  alenois:  von  alenes:  Pfriemen:  die  feinen  Blätter  sind  scharf 
wie  Pfriemen  zugespitzt;  oder  verw.  mit  haleiner:  aus  dem  Munde 
riechen:  die  Pflanze  läßt  im  Munde  einen  üblen  Geschmack  zurück. 

e.  Cress. 

n.  Kruidkers  — Tuinders  von  tuin:  Garten. 

Lepturus, 

von  'kETtzog  dünn  und  ovqd  Schwanz;  wegen  der  langen,  dünnen 
Ähre. 

d.  Dünnschwanz. 

f.  Lepture. 

e.  Lepturus. 

71.  Dunstaart:  Dünnschwanz. 

Leucoiuni,  lEVAoiov. 

S.  unter  Matthiola,  einer  Kruzifere.  L.  ist  eine  Amaiyllidacee  und 
hat  ihren  Namen:  Kevaov  l'ov:  weißes  Veilchen,  wegen  der  weißen, 
duftenden  Blüten  erhalten. 

d.  Spork elblume:  Spurk,  Sporkei  ist  eine  frühere  Benennung  des 
spurigen:  d.  h.  schmutzigen  Februar:  Sporkelblume  = Februarblume, 
wegen  der  Blütezeit.  — Märzenbecher:  die  becherförmige  Blüte  blüht 
auch  im  März.  — Sommertürchen : da  sie  ein  Fmhlingsherold  ist.  — 
Titlose:  Zeitlose;  bei  Göttingen  so  genannt,  da  sie  noch  vor  der 
gewöhnlichen  Blütezeit  blüht;  s.  Galan thus,  aber  auch  Bellis  und 
Colchis. 

f.  Niveole:  niveus  =:  schneeig : blüht  am  Ende  des  schneeigen  Winters 
mit  weißer  Blume. 

e.  Snowflake:  Schneeflocken. 

71.  Lenteklokje:  Lenzglöckchen. 

Leyisticum,  kiyvGZLAov. 

Diosc.  III.  51.  ^lyvGTL'Aov  (fvEzai  j^iev  ttIeIgtov  ev  ylLyvQic^,  od^Ev 
Aal  zr^v  TtQOGOJVv/iiLav  eGyrf/.Ev,  ev  ztu  AaXovuEvco  udTZTtEvivto. 


103 


Plin.  XIX.  50.  Ligusticum  silvestre  est  in  Liguriae  suae  montibus. 
Isidor.  XVII.  9.  5.  Ligusticum  a regione  nomen  accepit.  Nascitur 
enim  plurimum  in  Liguria. 

Bei  Galen  XißvOTL'Aov  geschrieben,  als  ob  ylLßiri'.  Afrika  seine  Hei- 
mat wäre  — wahrscheinlich  jedoch  nach  Ligurien  genannt,  wo  es 
noch  heute  als  Volksarznei  im  Gebrauch  ist.  Die  modernen  Namen 
sind  auf  Levisticum  zurückzuführen. 

d.  Liebstöckel.  — Leberstock,  gegen  Leberleiden.  Assimiliert  aus  dem 
lat.  Namen. 

f.  Liveche. 

e.  Lovage. 

n.  Lavas,  Lubbestok.  — Manskracht:  Mannskraft,  als  vermeintliches 
Aphrodisiacum. 

Ligiistrum, 

von  Ligurien,  wo  der  Strauch  viel  wachsen  soll.  — Von  ligare,  binden, 
wegen  der  schmiegsamen  Zweige,  die  zu  Flechtwerk  verwandt  wurden 
— oder  verwandt  mit  ligula:  Züngelchen,  Löff eichen,  wegen  der  Blatt- 
form — event.  verwandt  mit  lignum:  Holz  — oder  mit  dem  homer. 
XvyoQ,'.  einem  Strauch. 

d.  Liguster  — Rainweide:  der  weidenblättrige  Strauch  wächst  häufig  an 
Rainen:  Ackergrenzen  — Hartriegel,  s.  unter  Comus. 

f.  Troene,  verwandt  mit  breton.  draen:  deutsch  dom,  engl,  thom. 
Dorn:  in  der  Bedeutung  Strauch.  Liguster  selbst  hat  bekanntlich 
keine  Domen.  Vergl.  engl,  broom,  das  eigentlich  auch  Domstrauch  be- 
deutet, für  den  domlosen  Besenstrauch.  — Nach  anderer  Erklärung 
habe  Troene  seinen  Namen  wegen  der  Ähnlichkeit  mit  dem  Schwarz- 
dom erhalten. 

e.  Privet,  prim,  primet,  primprint:  prim  bedeutet  soviel  als  schlank;  eine 
Erklärimg,  die  auf  das  zuweilen  als  Hochstämmchen  vegetierende 
schlanke  L.  zutreffen  mag. 

71.  Liguster. 

Lilium,  leiQiov. 

Varro  Ling.  Lat.  IV.  Item  Latina,  Lilium  arco  Xeiqid. 

Isid.  XVH.  9.  18.  Lilia  lactei  floris  herba,  unde  et  nuncupatur,  quasi 
liclia,  cuius  dum  candor  sit  in  foliis,  auri  tarnen  species  intus  effulget. 
).eLQLOv  wird  gewöhnlich  Lilium  candidum:  die  weiße  Lilie,  im  Gegen- 
satz zu  v^qIvov:  den  andersfarbigen,  lilienähnlichen  Pflanzen  genannt. 
Der  Name  ist  abzuleiten  von  XeiQog:  bleich,  zart,  schön,  wegen  der 
Blüte.  — Nach  anderen  Erklämngen  ist  XsIqlov  verwandt  mit  kelt. 
li:  weiß  und  lat.  lac:  Milch,  wegen  der  Blütenfarbe.  — Von  dem 
griech.  Namen  stammt  der  lat.  ab. 

d.  Lilie. 

/.  Lis. 

e.  Lily. 
n.  Lelie. 


104 


Limnantliemum, 

von  Xif.ivrj:  Sumpf,  Teich  und  avd^e/nov:  Blume:  eine  hübsche,  gelb 
blühende  Wasserpflanze. 

d.  Tauche:  von  tauchen,  wegen  ihres  Standorts  in  Gewässern;  vergl. 
niederl.  duikelaar  (Typha). 

/.  Limnantheme. 

e.  Limnanth. 

n.  Watergentiaan,  die  Pflanze  ist  eine  Gentianacee. 

Limosella^  sc.  herba. 

Dimin.  von  dem  Adj.  limosus:  zu  limus:  Schlamm,  wegen  ihres  Stand- 
orts: Schlammkraut. 

d.  Schlammkraut. 

f.  Limoselle. 

e.  Limosei. 

n.  Slijkgroen  = Schlammgrün. 

Linaria,  sc.  herba. 

Von  linus:  Lein,  wegen  der  Blattähnlichkeit. 

d,  Leinkraut.  — Drunt  (?). 

f.  Linaire  — Lin  sauvage:  wilder  Lein.  — Eperonniere:  Spornkraut, 
wegen  des  Blütensporns;  vergl.  unter  Delphinium. 

e.  Toadflax:  Krötenflachs,  eine  dem  Flachs  ähnliche,  aber  unnütze 
Waldpflanze. 

n.  Vlasbek  = Flachsrachen,  wegen  der  rachenförmigen  Blüte,  — Leeuwen- 
bek:  Löwenmaul;  auch  Name  des  nahverwandten  Antirrhinum.  — 
Vlaskruid:  Leinkraut  — Wilde  vlas. 


Linum,  Uvov,  neugriech.  XivaQt. 

Der  Name  findet  sich  in  den  Sprachen  verschiedenster  Herkunft. 

d.  Lein.  — (Flachs:  hierunter  versteht  man  mehr  die  aus  dem  Lein 
gewonnenen  Fasern:  Ableitung  von  tzMaelv:  schlingen,  flechten,  lat. 
plicare:  zusammenfalten;  oder  verwandt  mit  frz.  filasse:  von  fil:  Faden.) 

f.  Lin.  — (Filasse  de  lin.) 

e.  Flax.  — Unter  line  versteht  der  Engländer  einen  (ursprünglich  aus 
Flachs  gedrehten)  Strick. 

n.  Lijn  — (Vlas). 

Listera. 

Zu  Ehren  von  M.  Lister,  Arzt  und  Naturforscher  in  London,  im 
17.  Jahrh. 

d.  Zweiblatt,  wegen  der  zwei  ovalen,  bzw.  herzförmigen  Blätter. 

f.  Listera. 

e.  Twayblade. 

71.  Tweeblad. 


— 105  — 


Lithospermuni,  hd^caTtegf^wv. 

Diosc.  III.  148.  ^lS^oottequov  — exovoa  cpvlXa  ur/.oa,  jcao  olq 
ö7tiQ}.ia  XLO'tüdsQ.  — jJuvaj^dv  di  exei  t6  OTcigua  uez  öi'vov 
Xevy.ov  ziLvof^ievov  Xid-ovg  d^QVJtveLv  /ml  oiqa  ayeiv. 

Plin.  XXVII.  74.  Gerit  iuxta  folia  singulas  veluti  herbulas  et  in 
earum  cucuminibus  lapillos  candore  et  rotunditate  margaritarum, 
duritia  vero  lapidea.  ipsi  qua  pediculis  adhaerent  cavernulas  habent 
et  intus  seraen  — bis  lapillis  drachmae  pondere  potis  in  vinö  albo 
calculos  frangi  pellique  constat. 

Ableitung  von  Stein  und  a7t£Qf,ia,  Samen,  wegen  der  Steinhärte 

des  Samens  — oder  weil  sein  Same  mit  Wein  getrunken  die  Steine 
vertreibt  (s.  unter  Signaturlehre  in  der  Einleitung). 

d.  Steinsamen. 

f.  Gremil:  granum  milii,  sein  Samen  erinnert  lebhaft  an  den  von  Milium. 
— Perliere,  sein  Samen  ist  so  hart  und  glänzend  wie  Perlen.  — Herbe 
aux  Perles. 

e.  Gromwell,  vergl.  das  frz.  Gremil. 

n.  Parelkruid:  Perlkraut. 

Littorella,  sc.  herba. 

Dimin.  von  littoreus,  littoralis,  am  Gestade,  am  Ufer. 

d.  Strandling,  wächst  am  Strande  von  Teichen  und  Seen. 

f.  Littorelle. 

e.  Littorel. 

n.  Strandbloem. 

Lobelia, 

nach  M.  van  Lobei,  1538  zu  Rijssel  in  Flandern  geboren,  später  in 
London  wohnhaft.  1616  t. 

d.  Spleiße,  von  spleißen,  spalten,  wegen  der  auf  einer  Seite  der  Länge 
nach  gespaltenen  Blumenkrone. 

f.  Lobelie. 

e.  Lobelia. 

71.  Lobelia. 

Lolium. 

Ovid.  I.  Fast.  691.  Et  careant  loliis  oculos  vitiantibus  agri 
Vergil  Georgicon.  I.  153 — 154.  — interque  nitentia  culta  Infelix 
lolium. 

Plin.  XXII.  77.  Quin  et  ipsae  frugum  pestes  in  aliquo  sunt  usu. 
Infelix  dictum  est  a Vergilio  lolium  — — — XVII.  44.  Nam 
lolium  lappasque  inter  frugum  morbos  potius  quam  inter  ipsius  terrae 
pestes  numeraverim. 

Vielleicht  verv^andt  mit  dokiog^  falsch,  unecht:  der  Lolch  wächst 
unter  dem  Hafer  und  sieht  diesem  einigermaßen  ähnlich  — oder 


o6 


von  öoXiog  im  Sinne  von  treulos,  wegen  der  giftigen  Eigenschaften 
der  Samen  von  Lolium  temulentum;  event.  von  olkvf.ii  töten,  ouliog 
tötlich. 

ä.  Lolch,  aus  dem  Lat. 

Ivraie:  von  ivre  trunken,  s.  unter  Lolium  temulentum.  — Herbe  ä 
la  faucille:  Sichelkraut,  die  langen  Ähren  sind  eingekrümmt  wie 
Sicheln.  — Raygrass,  Ray  wird  fälschlicherweise  aus  Gray,  dem 
Namen  eines  engl.  Botanikers  erklärt,  s.  jedoch  unter  e. 

<f.  Raygrass  auch  Ryegrass,  e — rye  = Roggen,  also  ein  Gras,  das  dem 
Roggen  ähnlich  sieht.  — Cockle,  vom  frz.  coque  Schale,  weil  die 
Samen  in  Schalen  sind. 

71.  Raaigras. 

Lolium  temuleutum, 

betäubendes  L.,  wegen  seiner  Giftwirkung. 

d.  Taumelloch:  taumeln  = vor  Betäubung  schwanken.  — Tollkorn.  — 
Twalm  mhd.,  vergl.  holl,  bedwalmen  = betäuben.  — Schwindellolch, 
sein  Genuß  (im  Brot)  erregt  Schwindel. 

f.  Ivraie  enivrante,  trunkenmachender  Lolch. 

e.  Daniel,  altholl,  door,  töricht,  d.  Tor  = der  Narr,  dän.  daare,  desgl. 
schwed.  dar  betören:  event.  verwandt  mit  ndl.  tarwe  (u.  Triticum).  — 
Dolik,  verwandt  mit  d.  toll.  — Hondsdravik,  z.  d.  Hundstrespe.  Er 
ist  der  Trespe  nahe  verwandt,  aber  nicht  nur  nichts  wert,  sondern 
obendrein  giftig,  daher  die  verächtliche  Bezeichnung. 

Lonicera^ 

nach  A.  Lonicer,  f 1586,  Verfasser  eines  Kräuterbuchs. 

d.  Geißblatt,  die  Geißen  fressen  es  gern.  — Heckenkirsche,  wächst  an 
Zäunen,  Lauben  und  Hecken,  daher  auch  der  Name:  „Je  länger,  je 
lieber'^,  seine  Beeren  sind  kirschrot  — Zäunling. 

f.  Chevrefeuille  = Ziegenblatt.  — Chamecerisier,  xa(.iaL  am  Boden, 
cerisier  Kirschbaum,  vergl.  Camomilla. 

e.  Honeysuckle  = Die  Blüte  läßt  die  Bienen  „Honig  suckeln“. 

71.  Tuinling:  tuin  = Garten,  weil  er  in  Gärten  als  Laubenzierpflanze 
gehegt  wird.  — Geitenblad.  — Kamperfoelie:  wegen  des  starken 
Geruchs. 

Lotus,  hoTog. 

Unter  Xcozog  verstanden  die  Griechen  drei  verschiedene  Pflanzenabtei- 
lungen: Krautartige  Hülsenfrüchtler,  Obstbäume  aus  der  Familie  der 
Kreuzdorngewächse  und  die  Wasserlilien,  von  denen  Herodotll.  92  be- 
richtet, daß  die  Ägypter  sie  Lotos  nennen:  ra  ^lyvTtTLOL  v.aXeovoi 
XtOTOV.  Nach  neuerer  Erklärung  wird  der  Name  jedoch  mit  dorisch 
Xact),  wollen  in  Verbindung  gebracht.  Hiernach  bezeichnete  der 
Speise  liefernde  Lotus  soviel  als  etwas  Erwünschtes,  wie  Futter  und 
Nahrung.  Bemerkt  sei  an  dieser  Stelle,  daß  der  homerische  Lotos 
der  Lotophagen  wohl  nicht,  wie  allgemein  angenommen  wird,  ein 


07 


Baum,  sondern  lediglich  ein  Kraut  (vielleicht  Lotus  edulis)  war;  dafür 
spricht  auch  eine  Notiz  Strabos  im  4.  Kapitel  des  III.  Buchs,  wo 
gemeldet  wird,  daß  die  Lotophagen  Lotos  essen  sollen,  ein  gewisses 
Kraut  samt  der  Wurzel. 

d.  Schüchel,  Dimin.  von  Schuh,  wegen  der  Blüte;  vergl.  unter  Cyrope- 
dilium.  — Hornklee,  wegen  der  gekrümmten  Schote. 

f.  Lotier.  — Pied  d’alouette:  Lärchenfuß  und  Fourchette:  Gabel,  wegen 
der  Blätter. 

e.  Bird’s-foot-trefoil  = Vogelfußklee.  — Lady’s-slipper  = Frauenschuh. 
71.  Rolklaver.  Warum  Rollklee?  — Kleine  gehoornde  klaver  — Juffers- 

schoenen  = Weiberschuhe.  — Schoentjes  en  laarsjes:  Schuhe  und 
Pantoffeln. 

Llinaria,  sc.  herba, 

von  luna  Mond,  wegen  der  mondscheibenförmigen  Schoten  und  der 
inneren,  weißglänzenden  Membran. 

d.  Silberblatt,  wegen  der  erwähnten  Membran.  — Mond\’eilchen,  desgl. 
und  wegen  der  veilchenblauen  wohlriechenden  Blüten.  — Atlas- 
blume. — Judassilberling. 

f.  Lunaire  — Satin  blanc,  weißer  Atlas.  — Medaille.  — Monnaie  du 
pape:  Papstgeld.  — Herbe  aux  ecus:  Talergeld. 

e.  Honesty:  Ehrlichkeit,  wegen  der  blauen  Blüten,  s.  unter  Myosotis, 
oder  wegen  der  unschuldfarbenen  Membran  der  Schote. 

n.  Judaspenning. 

Lupinus. 

Isidor.  XVII.  4.  Lupinum  et  ipsum  Graecum  est  nomen,  de  quo 
Vergilius:  Tristisque  lupini,  quia  vultum  gustantis  amantudine  con- 
tristat,  linde  et  eos  prae  amaritudine  nec  vermis  nec  ullum  animal 
comedit. 

Von  'kvTt'Ti  Schmerz,  weil  die  Lupine  wegen  ihrer  Bitterkeit  Verdruß 
mache,  oder  von  lupus  Wolf,  etwa  Wolfsbohne,  wegen  der  rauhen, 
zottigen  Blätter. 

d.  Lupine. 

f.  Lupin  ‘ — Feve  de  loup:  Wolfsbohne. 

e.  Lupine. 

71.  Lupine. 

Lyclinis,  Ivyiit;, 

'kvyvog  heißt  jeder  leuchtende  Körper;  auch  die  Lampe  wird  so  ge- 
nannt. Die  Pflanze  hat  ihren  Namen,  weil  der  Samen  die  Form 
einer  antiquen  Lampe  hat,  oder  weil  ehemals  Lampendocht  aus  den 
Blättern  gemacht  wurde;  nach  dritter  Erklärung  wegen  der  feurig- 
roten Blumenfarbe;  verwandt  mit  lux:  Licht. 
d.  Licht,  Lichtnelke  — nelke  verwandt  mit  Nagel,  wegen  der  tief- 
röhrigen  nagelförmigen  Blume.  — Kuckukslichte  (L,  flos  cuculi).  An 


io8 


dem  Stengel  häufig  der  „Kuckuksspeichel“,  daher  auch  „Kuckuks- 
seife“  genannt,  der  Schaum  rührt  von  der  Larve  der  Schaumzikade 
her,  vergl.  unter  Cardamine.  — Maltheserkreuz,  wegen  der  schönen 
kreuzförmigen  Blüte  (auch  eine  Diatomee  wird  wegen  ihrer  Kreuz- 
form derart  genannt),  — Brennende  Liebe  und  Rubinchen  wegen 
der  roten  Blüte. 

f.  Fleur  de  coucou.  — Amourette:  wegen  der  roten  Blüte.  — Floquet: 
aus  Flos  cuculi  (Kuckuksblume)  verderbt.  — Lychnide. 

e.  Ragged  Robin,  zottiger  Robert.  Über  Robert  s,  unter  Geranium 
Robertianum,  zottig  wegen  der  behaarten  Blätter.  — Cuckoospit(tle) 
Kuckukspeichel,  toadspit  und  frothspit  Kröten-  und  Froschspeichel. 

71.  Koekoeksbloem.  — Vleeschbloem : Fleischblume:  wegen  der  roten 
Blüte.  — Pinksterbloem : Nelkensternblume.  — Roodsteerntje. 

Luzula, 

vom  ital.  luzuola,  lucciola,  wie  die  Italiener  L.  maxima  nennen.  Die 
Pflanze  gehört  zu  den  Binsengewächsen  und  wurde  als  Docht  ge- 
braucht. Luzula,  wie  lucciola  verwandt  mit  Lux,  Licht.  Lucciola 
heißt  im  Ital.  auch  der  Leuchtwurm. 

d.  Marbel  (?). 

f.  Luzule. 

e.  Woodrush:  Waldbinse,  wächst  in  Wald  und  Feld. 

71.  Veldbies  = Feldbinse. 

Lycium,  Ivyuov. 

Diosc.  I.  132.  (Dierai  dt  7tXeiOTOv  h Ka7t7ca6oyla  y.al  ytvyÄa 
-yai  iv  alXoig  xoTTOig  TtoXXölg. 

yluALOV  war  der  Name  von  Ruscus  hypophyllum,  das  in  Lycien 
häufig  sein  soll,  woher  L.  den  Namen  habe.  — Die  jetzige  Gattung 
hat  mit  dem  Xvy^LOv  der  Alten  die  Strauchform  und  Dornen  ge- 
meinsam. 

d.  Bocksdorn:  statt  Buchsdorn.  Übersetzung  des  griech.  Synonyms: 
7tv^dyavd^a : von  Til'^og  Buchs  und  dy.avd^a:  Spitze,  Dorn.  Vielleicht 
wurde  der  dornige  Strauch  wie  auch  die  jetzige  Gattung  statt  Buchs 
zu  Hecken  benutzt.  Teufelszwirn:  giftige,  wuchernde  Heckenpflanze. 
/.  Lyciet.  — Jasmin  bätard:  der  Strauch  erinnert  an  den  Jasmin. 

7’.  Teaplant(?).  Vielleicht  weil  die  Blätter  gewisse  Ähnlichkeit  mit  denen 
von  Thea  sinensis  haben?  Oder  sollte  man  aus  der  giftigen  Pflanze 
ein  unschädliches  Infus  bereitet  haben,  das  dieselbe  anregende  Wir- 
kung wie  der  Tee  hat? 

71.  Boksdoorn. 

Lycopsis, 

von  Xv^yog  Wolf  und  dilng  Gesicht.  Wegen  der  behaarten  Stengel 
und  Blätter. 


d,  Krummhals:  wegen  der  gebogenen  Blütenröhre. 

f.  Lycopside  — Face  de  loup  = Wolfsgesicht  — Grisette:  von  gris 
= grau:  wegen  des  grauen  Aussehens.  — Grippe  des  champs: 
Feldgreifer,  weil  seine  Blätter  sich  überall  ankrallen  (agripper). 

e.  Bugloss,  verwandt  mit  Anchusa,  s.  d. 
n.  Kromhals. 


Lycopus, 

von  Xv'Aog  Wolf  und  Ttovg  Fuß,  wegen  der  stark  gezähnten  Blätter, 
die  mit  einem  Wolfsfuß  verglichen  werden. 

d.  Wolfstrap:  Trap  (von  trappen  = laufen,  gehen)  = Fährte,  Fuß. 

f.  Lycope  — Pied  de  loup,  desgl. 

e.  Gipsy  wort:  Zigeunerkraut. 

11.  Wolfsfoot. 


Lysimachia,  l\:OLi.iayia. 

Plin.  XXV.  35.  Invenit  et  Lysimachus,  quae  ab  eo  nomen  retinet. 
— Folia  habet,  ut  salici  viridia.  Vis  enim  tanta  est,  ut  iumentis 
discortantibus  iugo  imposita  asperitatem  cohibeat. 

Die  Alten  verstanden  unter  Lysimachia  Lythrum  (salicarium),  s.  d. 
Lysimachia  aber  soll  seinen  Namen  nach  Lysimachus,  einem  Feld- 
herm  Alexanders  des  Großen,  erhalten  haben,  der  die  Pflanze  zuerst 
angewandt  haben  soll.  Nach  anderer  Meinung  aber  wurde  sie  TcaQO. 
TO  rag  uayag  Xveiv  so  benannt,  weil  sie  den  ,, Kampf  löst“:  denn 
Lythrum  blüht  blutrot,  und  Kämpfe  enden  blutig,  oder  weil  man  sie 
uneinigem  Ochsengespann  auf  das  Joch  band,  um  ihren  Streit  zu 
beenden. 

d,  Felberich:  auch  die  Weide  wird  so  genannt:  wächst  auf  dem  Feld. 
— Weiderich,  wegen  der  weidenähnlichen  Blätter,  s.  auch  unter  Epi- 
lobium. 

f.  Comulle,  von  corona,  da  sie  zu  Kränzen  gebunden  wird.  — Chasse- 
bosse: da  sie  Beulen  zur  Heilung  bringt. 
c.  Loosestrife:  Streitlöserin,  s.  o. 

n.  Wederik:  Weiderich.  — Wilde  wilg:  wilde  Weide. 


L.  nummularia, 

z.  d.  Münz  L.  wegen  der  runden  Blätter. 

d.  Münzkraut  — Wiesengeld  — Goldkraut,  Guldenpfennig,  da  es  gold- 
gelb blüht.  — Egelkraut  (?). 

f.  Nummullaire  — Monnayere:  Münzkraut. 

e.  Moneywort.  — Creeping  Jenny,  assimiliert  aus  creeping  penny:  Jenny 
ist  ein  Mädchenname.  Die  Pflanze  kriecht  am  Boden,  ihre  Blätter 
haben  die  Form  von  Pfennigen. 

n.  Penningkruid. 


1 


I IO  


Lythrum,  Iv^qov. 

Ableitung  von  Xvd'Qov  Blut,  wegen  der  rotblühenden  Ähren. 

d.  Blutweiderich,  s.  unter  Lysimachia:  wegen  der  weidenähnlichen  Blätter, 
oder  da  er  an  Weidengebüschen  wachsen  soll. 

/.  Salicaire,  von  salix,  Weide. 

c.  Purple  Loosestrife,  Rote  Lysimachia,  im  Gegensatz  zur  echten 
Lysimachia,  die  gelb  blüht. 

n.  Kattestaart:  Katzenschwanz,  wegen  der  langen  ährenförmigen  Blüte. 


Majanthemum. 

Bastardname  aus  lat.  Malus:  Mai  und  griech.  av&£fxcv,  Blüte:  blüht 
im  Mai. 

d.  Schattenblümchen:  da  es  an  schattigen  Stellen  wächst. 
f.  Maiantheme. 

e.  May-lily:  Maililie,  mit  der  Lilie  nahe  verwandt. 

n.  Dalkruid,  s.  unter  Convallaria,  mit  der  es  auf  das  nächste  verw^andt  ist. 

Malachium, 

von  jiialaKog:  weich,  wegen  der  weichen  Blätter  und  Stengel  der 
Wasserpflanze. 

d.  Weichkraut. 

f.  Malaquie. 

e.  Waterstarwort,  desgl. 

n.  Watermuur  = Wassermiere;  Miere  s.  unter  Stellaria,  der  sie  nah  ver- 
wandt ist. 

Malaxis, 

von  (xaXayiog:  weich,  eine  Sumpfpflanze  von  äußerst  zarter  Kon- 
sistenz. 

d.  Weichwurz. 

f.  Malaxis. 

e.  Bog- Orchis:  Sumpforchis:  eine  Orchidee. 

n.  Zachtwortel:  Weichwurz  (zacht  vergl.  d.  sacht). 

Malva,  ^aXayv^. 

Varro.  ling.  lat.  IV.  Malvo  a (AaXaxri. 

Diosc.  II.  144.  TO  de  aq)£ipr^f.ia  avz^g  fÄaXayiTiKOv 
voTSQag. 

Plin.  XX.  84.  Ab  emolliendo  ventre  dictam  putent  malachen. 

Cels.  de  medicina  II.  29.  De  his,  quae  alvum  movent  — malva  — . 
Isid.  XVII.  IO.  5.  Malva  ex  parte  graeco  vocabulo  appellatur  «tto  tov 
uaXaoaeiv,  eo  quod  molliendi  alvum  solvendique  naturam  habeat. 


1 1 1 


Von  f,iaXay,6g  weich,  f.ialaOGeiv,  erweichen,  da  Malva  ein  Purga- 
tivum  ist. 

d.  Malve  — Käsekraut,  da  die  Frucht  einem  Käse  nicht  unähnlich.  — 
Käsepappel,  ihre  Blätter  sind  wie  die  der  Weißpappel  mit  Haaren 
besetzt. 

/.  Mauve  — Herbe  ä fromage,  Käsekraut. 

e.  Mallow. 

71  Kaasjeskruid  — Malowe. 

Mandragora,  i.iavÖQay6Qag, 

Von  f^iavÖQa  Hürde  und  ayeiQCo  versammeln,  ein  Kraut,  das  die 
Herde  Zusammenhalte,  — oder  von  f.iavÖQCc  in  der  Bedeutung  Stall, 
Hof,  ein  Kraut,  das  um  das  Gehöft  herum  wachse  — event.  nach 
einem  Personennamen  MarSgayogag,  nach  MavSgag,  dem  Namen 
eines  kleinasiatischen  Ortsheiligen.  — Am  wahrscheinlichsten  aus  dem 
pers.:  Merdum-Giah,  das  Menschenpflanze  bedeutet,  assimiliert;  s.  u. 

d.  Alraun,  verwandt  mit  got.  runa  Geheimnis,  vergl.  schw.  alruna  Wahr- 
sagerin. Die  Wurzel  hat  ihren  Namen  von  der  ihr  zugeschriebenen 
magischen  Kraft.  Da  diese  spindelförmige  Wurzel  2 — 4 Ausläufer  hat, 
so  lag  der  Vergleich  mit  einem  menschenähnl.  Gebilde  ziemlich  nahe. 
Pythagoras  nannte  sie  daher  avd-QtonoiJiOQcpov,  und  Columella  be- 
zeichnete  sie  als  Hominiformen.  — Die  Zigeuner  spiegelten  dem 
gläubigen  Volke  vor,  die  Alräunchen  wachsen  im  Boden  unter  dem 
Galgen  aus  dem  Urin  oder  Samen  gehängter  Diebe.*)  Man  hat  die 
Pflanze  daher  als  Pissedieb  und  Galgenmännchen  bezeichnet.  — 
Auch  Erdmännchen,  Heinzelmännchen,  Glücksmännchen  und  Geld- 
männchen wird  die  Wurzel  benannt:  an  ihrem  Standort  sollen  Schätze 
verborgen  sein.  In  Westfalen  benennt  man  die  Wurzeln  Männeken 
und  Wibeken.  Die  Wurzel  wurde  im  Mittelalter  noch  menschen- 
ähnlicher zugestutzt  und  als  Hausgeist  verehrt.  In  alten  Kräuter- 
büchern finden  sich  viele  ,,stilisierte‘‘  Abbildungen,  vergl.  hierzu 
L.  Hopf,  Zwei  uralte  Pflanzenorakel.  Kosmos  1907,  p.  243. 

f.  Mandragore  — Alrune  — Anthropomorphon  — Maindegloire : Ruhmes- 
hand, volksetym.  aus  Mandragore. 

e.  Alruna  — Mandrake. 

71.  Alruin.  — Heksen-  en  tooverw'ortel,  auch  z.  d.  Hexen-  und  Zauber- 
wurzel genannt. 

Marrubium. 

Diosc.  III.  109.  ÜQaGiov,  (fvllcv  TtiAqov  rrj  yeiGSL. 

Isid.  XVII.  9.  58.  Marrubium  vocatum  propter  amaritudinem. 
Verwandt  mit  amarus  bitter,  wegen  des  Geschmacks  — oder  vom  hebr. 
marrob,  ein  bitterer  Saft  — oder  nach  der  Stadt  Marrubiumin  Latium. 

*)  Es  ist  ja  bekanntlich  eine  forensisch  wichtige  Tatsache,  daß  Erhängte  Samen 

bzw.  Urin  verlieren;  bei  ermordeten  und,  um  Selbstmord  vorzuspiegeln,  nachträglich 

aufgehängten  Personen  ist  das  nicht  der  Fall. 


I 12 


d,  Andorn,  ohne  Dorn,  ohne  Stachel,  da  sie  der  Nessel  ähnlich  sieht, 
ohne  aber  deren  Brennhaare  zu  besitzen.  — Gottesvergeß,  wegen 
des  Geschmacks  und  Geruchs;  s.  Ballote. 

f.  Marrube. 

e.  Hoarhound:  Grauer  Hund,  aus  erwähnten  Gründen  und  wegen  der 
filzigen  Blätter.  Der  Name  wird  auch  Horehound  geschrieben  und 
von  dem  ags.  harahune  abgeleitet,  wobei  har  dem  jetzigen  Kompo- 
nenten hoar:  grau-weiß,  entspricht,  hune  aber  der  Geschlechtsname 
dieser  Pflanzengruppe  war.  Der  Bestandteil  hound  wäre  demnach 
als  Assimilation  aufzufassen. 

n.  Malrove,  aus  dem  Lat. 

Matricaria,  sc.  herba. 

Von  matrix,  Gebännutter:  gilt  als  Heilmittel  gegen  Mutterleiden. 

d.  Kamille,  die  Pflanze  ist  nahverwandt  mit  Anthemis,  s.  d, 
f . Matricaire. 

c.  Matricary. 

n.  Kamille  — Moederkruid. 

Matthiola. 

Zu  Ehren  Matthioli’s,  eines  italienischen  Arztes,  genannt,  der  im 
i6.  Jahrh.  lebte  und  einen  Kommentar  zu  Dioscorides  schrieb. 
d Levkoje:  griech.  Xtvv.hv  Yov.  weißes  Veilchen:  Die  verschieden  ge- 
färbten Blüten  duften  wie  Veilchen. 

f.  Matthiole  — Giroflee,  vergl.  unter  dem  nächstverwandtei^Cheiranthus. 

e.  Stock:  vergl.  deutsch  Blumenstogk:  Die  Pflanze  ist  eine  beliebte  Topf- 
pflanze. — Gilliflower,  vergl.  frz.  giroflee. 

n.  Leukooi  — Violier. 

MedicagO,  Tcoa. 

Plin.  XVIII.  43.  Medica  externa  etiam  Graeciae  est,  ut  a Medis 
advecta  per  bella  Persarum. 

Strabo.  XI.  13.  7.  y.ai  ßoravriv  de  t'^v  f^ialtoza  tQiq)OvOav  Tovg 
iTtTtovg  aTtb  tov  TtXeovdKsLV  evvavd^a  idltog  Mrjör/.r^v  yalovfxev. 
Isid.  XVII.  4.  8.  Medica  dicta,  quia  a Medis  translata  est  in 
Graeciam,  tempore,  quo  eam  Xerxes,  rex  Persarum,  invasit. 

Die  Pflanze  wurde  von  Medien  nach  Griechenland  gebracht  und  hat 
daher  ihren  Namen  erhalten. 

d.  Schneckenklee,  wegen  der  ^/2  bis  9 fach  gewundenen  Hülsen  der  Arten. 

f.  Luzerne,  s.  unter  IMedicago  sativa. 

e.  Medick,  s.  oben. 

71,  Rupsklaver:  Raupenklee,  wegen  der  raupenähnlichen  Hülsen. 

Medicago  sativa: 

Saat-M.,  wird  angebaut. 

d.  Luzerne:  Kam  im  16.  Jahrh.  aus  Spanien  nach  Italien  und  wurde 
vornehmlich  in  der  Nähe  von  Clauserne  oder  Lauzeme  angebaut. 


woher  die  Bezeichnung:  Luzerner  Klee  und  welscher  Klee,  da  er 
uns  aus  romanischen  Ländern  her  bekannt  wurde.  Der  Name 
Luzerne  hat  also  weder  mit  Luzern,  noch  provenz.  lucerno,  das 
(außer  der  Pflanze)  auch  Leuchtwurm  bedeutet,  noch  mit  gall.  lysan: 
Kraut,  Verwandtschaft. 
f.  Luzerne. 

e.  Lucem  — Medick. 

n.  Luzerne  — Eeuwige  klawer  — Paarse  klaver,  fransche  klaver:  stammt 
aus  Persien  und  wurde  über  Frankreich  in  Holland  bekannt;  vergl. 
Walnuß  unter  Juglans. 

Melampyrum,  {,ieldfXTcvQoq. 

Theophr.  VIII.  8.  3.  r)  u U7]  xovxo  dXXd  (piXu  ys  f^idlLOxa  sv  xoig 
TtvQclg  ylveoS-ai  v^ad^dTteq  ymI  0 iLi€?MiLi7tvQ0g. 

Von  (.lelag:  schwarz  und  TtVQog'.  Weizen,  wegen  der  weizenkorn- 
ähnlichen  schwarzen  Samen. 

ä.  Wachtelweizen,  weil  die  Wachteln  die  Körner  fressen. 

f.  Melampyre.  — Fleur  de  chair:  Fleischblume,  wegen  der  rosafarbenen 
Blüten.  Ble  de  vache:  Kuhweizen,  da  das  Kraut  vom  Rind  ge- 
fressen wird. 

e.  Cowwheat:  Kuhweizen. 

n.  Zwartkoren:  Schwarzkorn,  — Wilde  weit. 

Melica,  sc.  herba, 

von  i.ii'ki'.  Honig,  das  Mark  soll  Honiggeschmack  haben,  oder  M.  von 
urjlcv:  Schaf,  da  die  Schafe  die  Pflanze  gern  fressen,  oder  von  f,irjXov: 
Apfel,  wegen  der  rundlichen  Ährchen,  daher  auch 

d.  Perlgras  — Flohgras. 

f.  Melique. 

e.  Melick. 

n.  Parelgras. 

Melilotus,  (UeA/Awrog, 

von  i.ih'ki'.  Honig  und  Xioxog'.  Lotus:  die  duftenden  nektarhaltigen 
Blüten  sind  von  den  Bienen  sehr  gesucht.  , 

d.  Honigklee,  eine  kleeartige  Pflanze.  — Steinklee:  auf  steinigem  Boden. 
— Unserer  lieben  Frau  Schühlein,  s.  unter  Cypripedilum  und  Cytisus. 
Unserer  lieben  Frau:  frz.  Notre  Dame,  engl.  Lady,  ndl.  Onze  vrouwen, 
ist  häufig  Pflanzennamen,  zu  Ehren  von  Maria  adjekti viert.  — Es  ent- 
spricht wohl  der  Signaturlehre  und  ist  daher  nicht  als  primäre  Er- 
klärung des  Namens  aufzufassen,  wenn  man  von  den  schuhähnlichen 
Blüten  eine  Linderung  der  Podagrabeschwerden  erwartete.  — Schab- 
zigerkraut: In  Graubünden  gibt  es  dem  Schabzigerkäse  zugesetzt  seinen 
Duft.  — Siebengeruch,  da  der  Geruch  je  nach  der  Witterung  verschieden. 

f.  Melilot  — Trefle  des  mouches:  Mückenklee:  soviel  als  unechter  Klee. 

e.  Melilot. 

71.  Honigklaver.  — Welriekende  Klaver. 

Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


8 


— II4  — 

Mentha,  fxlvd^a.  Plin.:  meiita. 

fxivd'Og'.  Menschenkot  und  f,iivd^a  (die  Pflanze)  sind  beides  Worte 
von  einem  Stamm,  dem  der  Begriff  des  Riechens  zugrunde  liegen  mag. 
— Falsch  ist  es,  wenn  Martin  dem  Plinius  eine  Erklärung  von  menta, 
durch  mensa  Tisch,  unterlegt,  weil  die  Pflanze  bei  ländlichen  Gast- 
mählern  als  Wohlgeruch  auf  den  Tischen  sei.  Plinius  gibt  nämlich  absolut 
keine  Erklärung,  sondern  konstatiert  XIX.  47  nur  diesen  Gebrauch: 
„Grato  menta  mensas  odore  percurrit  in  rusticis  dapibus.“  — Der 
Sage  nach  hat  die  Pflanze  von  der  Nymphe  Menthe  ihren  Namen, 
die  von  Proserpina  in  diese  Pflanze  verwandelt  worden  sein  soll. 
Vergl.  Ovid.  Metam.  X.  728 — 731: 

— An  tibi  quondam, 

Femineos  artus  in  olentes  vertere  menthas, 

Persephone  licuit:  „Nobis  linyreis  heros 
Invidiae  mutatus  erit?‘^ 

Und  Strabo  VIII.  344.  Ttqog  eco  IgtIv  cgog  tov  IllXov  TtXr^Giov 
ETZcovvLiov  Mivd^rig,  r^v  fxvd^evovoi  7taXXa'/.r(v  rov  ""[Aöov  yevouevriv 
aTtaTT^S-eXoav  vtlo  xr^^g  y,6Qrjg  elg  Tr(v  y.iiTtalav  f-iivd^r^v  i^eTaßalelv, 
r^v  TLveg  rfivoOfj.ov  vmXovol. 

d.  Minze. 
f.  Menthe. 

e.  Mint. 
n.  Munt. 

Mercurialis,  sc.  herba. 

Plin.  XXV.  18.  Mercuri  inventum  est,  ideo  apud  nos  omnes  Mer- 
curialem  vocant. 

Zu  Ehren  des  Merkur,  der  die  Pflanze  entdeckt  und  angewandt 
haben  soll. 

d.  Bingelkraut,  vergl.  unter  Callitriche.  — Gotteskraut,  wegen  seiner 
Heilwirkung. 

/.  Mercuriale.  — Vignoble,  auch  Weinland,  von  vignes:  Reben,  weil  es 
unter  den  Reben  wächst.  — Chou  de  chien,  die  Pflanze  ist  ein 
heftiges  Purgativ  und  wird  sogar  für  giftig  gehalten,  daher:  Hunds- 
kohl; oder  weil  es  gekocht  seine  Giftigkeit  verlieren  und  als  Kohl  ge- 
gessen werden  soll.  — Foirolle,  von  foire:  Durchfall.  — Ramberge, 
Sambarge  vom  griech.  {yvvo)'/,Qa/Lißr]  — (Hunds)kohl. 

e.  Mercury. 

n.  Bingelkruid. 


Mespilus,  f^doTtilov, 

Diosc.  I.  170.  Me07rLXov  öe  vmI  eTegov  Iotlv  eidog  iv  IxaXia 
yevvcofASvoVj  0 Ivlol  ercLixriXida  yaXovOiv,  dardgov  loxl  urß.ip 
encpegeg  ymI  xölg  cpvXXoig,  oxi  (xr^  fjLiy.QoxeQOv  — 


Isid.  XVIL  7.  14.  Mespila  arbor  spinosa,  fructii  similitudine  malorum, 
sed  paulo  breviori,  unde  et  appellata,  qiiod  pilulae  formam  habeant 
eius  poma. 

Von  (.leGog:  halb  und  Tcllog:  Kugel.  Die  beckenförmige  Frucht 
gleicht  einer  entzweigeschnittenen  Kugel  — oder  verderbt  aus 
e7tLf.iri?Jgj  wie  sie  auch  genannt  wurde,  durch  Umstellung  entstanden 
oder  wäre  eine  Pflanze,  die  „auf  den  Apfelbaum'^  herauskommt. 

STtt:  auf,  j,njXov:  Apfel;  vergl.  Epimedium  — oder  von  „nespolo“, 
von  non  spoliare,  nicht  rauben,  nicht  herausziehen,  wegen  der  tiefen 
und  langen  Wurzeln. 

Mispel,  ahd.  mespila. 

f.  Neflier,  aus  off.  Namen.  Norm,  noch  melier,  wallon.  mespli.  Im 
12.  Jahrhundert  meslier  (vergl.  span,  und  portug.  nespera,  altspan, 
niespero). 
e.  Medlar. 

71.  Mispel. 


Mibora, 

vielleicht  statt  Mybora  von  (xvq:  Maus  und  ßoQCc:  Futter:  Mäuse- 
futter, wegen  der  Kleinheit  der  Pflanze.  Wahrscheinlicher  ein  Phan- 
tasiename; s.  auch  Cicendia. 

Zwerggras. 
f.  Mibora. 
e.  Mibora. 

71.  Dwerggras. 


Milium,  iieUvt^ 

sind  die  Bezeichnungen  der  Alten  für  eine  Panicumart:  verwandt 
mit  mille  (kelt.  mil),  tausend,  wegen  der  vielen  Körner  — oder  ver- 
wandt mit  iiiXi'.  Honig,  wegen  der  gelben  Körnerfarbe.  Der  jetzige 
Gattungsname  ist  auf  die  Ähnlichkeit  von  Milium  mit  Panicum  zurück- 
zuführen. 

d.  Millgras* — Waldhirse:  wegen  des  Standorts. 

/.  Millet. 

e.  Milium. 

n.  Gierstgras:  verwandt  mit  Gerste  oder  Hirse.  — Hirsegras. 


Moenchia, 

nach  dem  Marburger  Botaniker  K.  Mönch,  t 1805. 

d.  Vierling,  wegen  der  vorherrschenden  Vierzahl  der  Blütenteile. 
f.  Moenquie. 

e.  Moenchia. 

71.  Vierling. 


— ii6  — 


Molinia  s.  Molinea. 

Zu  Ehren  des  1782  f spanischen  Botanikers  Molin. 

d.  Blaugras,  wegen  der  blauen  Ährchen.  — Pfeifengras : sein  Halm  : 

wurde  zum  Reinigen  der  Pfeifen  benutzt.  — Besengras,  zu  Besen 
verwandt. 

f.  Molinia. 

e.  Molinia.  ; 

n.  Bentgras:  s.  unter  Aera  und  Carex.  — Buntgaas  — Pijpdoorstekers.  '' 

— Smeeltjes:  Dimin.  zu  Schmiele  (Aera).  1 

Monotropa,  1 

von  iiovog,  allein  und  TQonog,  Lebensart,  da  sie  eine  Schmarotzer-  i 

pflanze  ist  — oder  von  TQOTzog  in  der  Bedeutung:  Form,  da  die 
Pflanze  mit  den  Blüten  einfarbig  ist  — oder  von  uovog  und  zgeTzto,  .1 

sich  wenden,  da  der  Stengel  zur  Blütezeit  am  oberen  Ende  nach 
abwärts  geneigt  ist.  7 

d.  Ohnblatt,  da  sie  keine  richtigen  Blätter,  sondern  nur  Schuppenblättchen  7 

hat.  — Fichtenspargel,  sie  wächst  im  Fichtenwald,  ihre  wachsgelben  7 

Sprossen  gleichen  Spargeln.  p 

f.  INIonotropa.  p 

e.  Yellow  bird’s-nest:  Gelbes  Vogelnest,  der  Wurzelstock  gleicht  einem  li 

Vogelnest. 

n.  Stofzaad:  Staubsaat,  wegen  des  staubförmigen  Samens,  der  von  dem 
Wind  aus  den  aufgesprungenen  Fruchtkapseln  geblasen  wird. 

Montia, 

nach  J.  G.  Monti,  Prof,  zu  Bologna,  f 1719. 

d.  Quellenkraut,  da  es  an  nassen  Stellen  und  Quellen  wächst.  — 

Greusel  (?). 

/.  Montia. 

e.  Blinks,  verwandt  mit  blinken,  glänzen,  wegen  des  stark  glänzenden 
Samens  einzelner  Arten.  — Water  Chickweed  =:  Wassermiere,  da  es 
mit  der  IMiere  (Stellaria)  entfernte  Ähnlichkeit  hat. 

71.  Montia. 

Monts,  1.10QOV,  i-itüQov, 

von  f^iegog,  Teil,  wegen  der  Sammelfrucht.  — Die  spätere  Form 
j^tcogov  soll  aus  Assimilation  entstanden  sein,  da  (.itogog  unschmack- 
haft, fade  bedeutet;  eine  Assimilation,  die  in  Anbetracht  der  wohl- 
schmeckenden Frucht  doch  wohl  kaum  anzunehmen  oder  höchstens 
per  antiphrasim  zu  erklären  ist.  — Nach  anderer  Meinung  soll 
uavQog,  dunkelfarbig,  kelt.  mor,  schwarz,  dem  Worte  zugrunde  liegen, 
was  auf  die  schwarzfrüchtige  Maulbeere  und  die  Brombeere*),  die 

*)  Vergl.  Ovid,  Metam.  I.  105.  et  in  duris  haerentia  mora  rubetis. 

Plin.  XV.  27.  nascuntur  (mora)  et  in  rubis  muUium  differente  callo  und 
XXIV'.  73.  mora  quae  in  bis  (sc.  rubis)  nascuntur.  ■ 


— II7  — 

beide  unter  Morus  verstanden  werden,  wohl  paßt,  nicht  aber  auf  die 
gelbfrüchtige  Maulbeere,  für  die  dann  wohl  ein  besonderer  Name  ge- 
prägt worden  wäre.  Da  dies  aber  nicht  der  Fall,  wird  letztere  Ety- 
mologie in  Abrede  gestellt. 

d.  Maulbeere,  aus  dem  Lat. 

/.  Mürier. 

(?.  Mulberry. 

n.  Moerbezie. 

Muscari. 

Der  Name  sei  orientalischen  Ursprungs  und  beziehe  sich  auf  den 
Moschusgeruch  der  Pflanze,  arab.  soll  die  Pflanze  muschirumi  lauten, 
verwandt  mit  griech.  lat.  muscus,  deutsch  Moschus;  vergl. 

die  Artbezeichnung  M.  moschatum  — oder  von  muscarius  (Adj. 
von  musca,  Fliege),  Fliegenwedel,  wozu  man  Ochsen-  und  Pferde- 
schwänze benutzte;  die  Pflanze  wäre  demnach  wegen  ihres  länglichen 
Blütenstandes  benannt. 

d.  Träubel,  Dimin.  von  Traube,  wegen  des  traubenförmigen  Blüten- 
standes. 

/•  Muscari  — Ail  ä toupet  = Büschelknoblauch;  die  in  bezug  auf  Blätter 
und  Zwiebel  knoblauchähnliche  Pflanze  trägt  einen  Büschel  schöner 
blauer  Blüten. 

c.  Grape-hyacinth : Traubenhyazinthe,  wegen  der  Ähnlichkeit  des  Blüten- 
standes mit  dem  einer  Hyazinthe. 

?i.  Druifhyacinth : Traubenhyazinthe. 


Myosotis,  .wt'og  uTiq, 

Diosc.  II.  214.  Mvdg  wTa  cuvcf-iaGTai  de  ccTto  tov  exeiv  f.iv6g 
ojxLOtg  ofÄOLa  za  (piXka. 

Plin.  XXVII.  8.  Alsine,  quam  Myosoton  appellant,  musculorum  aures 
imitatur  foliis. 

Galen,  H XII.  27.  Mvog  wrlg.  Ivioi  de  (xvdg  (Lza. 

Myosotis  von  ^vg:  Maus  und  ovg:  Ohr:  Mäuseöhrchen,  wegen  der 
behaarten  Blattform. 

d.  Vergißmeinnicht,  wegen  der  kleinen,  bescheidenen  schönen  Blüte,  oder 
wegen  der  blauen  Blütenfarbe,  die  als  ein  Symbol  der  Treue  und 
der  Freundschaft  gilt.  — Krötenäuglein. 

/.  Ne-m’oubliez-pas:  Vergißmeinnicht.  — Aimez-moi:  Liebt  mich!  — 
Plus  je  vous  vois,  plus  je  vous  aime:  Je  mehr  ich  dich  sehe,  um 
so  mehr  liebe  ich  dich.  — Souviens -toi- de -moi.  Erinnere  dich 
meiner!  — Norm.  Les  yeux  de  l’enfant  Jesus:  Die  Augen  des  Christ- 
kindes. 

e.  Forget-me-not. 
n.  Verget-mij-niet. 


Myosurus, 

von  ^v<^\  Maus  und  ovqd:  Schwanz,  wegen  des  langen  Fruchtträgers. 
d.  jNIäuseschwanz. 
f.  Queue  de  souris,  desgl. 
c.  Mousetail,  desgl. 
n.  Muizestaart,  desgl. 

Myrica, 

Isid.  XVII.  7.  49.  Myrice,  quam  Latin!  tamaricem  vocant,  ex  amari- 
tudine  nommata.  Gustus  enim  eins  nimis  amarus  est. 

]M}Tica  ist  ein  Strauch  von  aromatischem  Geruch,  dieserhalb  auch 
frz.  Myrte  bätard,  engl.  Wild-Myrtle,  niederl.  Brabantsche  Myrte 
genamit.  Die  offizielle  Bezeichnung  Myrica  ist  mit  uvQivLr^  nicht 
identisch:  die  Griechen  verstanden  hierunter  Tamarix  gallica.  Tamarix, 
das  wegen  seines  Geschmacks  vielleicht  mit  amarus,  bitter,  verwandt 
sein  soll,  ist  möglicherweise  mit  /Livgr/.ri  von  gleichem  Stamm.  Nach 
Rossius:  Etym.  Aegypt.  p.  263  aus  xa  (articul.  femin.)  und  /.ivQLKr^ 
entstanden.  In  Griechenland  wird  überdies  die  Tamarix  gallica  heute 
[.ivGLYua  oder  aQuvQiYi]  genannt.  Oder  es  ist  der  griech.  Name  aus 
jiivg:  I\Iaus  und  eQeiv.r^  (Erica  arborea)  gebildet,  um  einen  der  Erica 
arborea  ähnlichen  Strauch  damit  zu  bezeichnen;  vergl.  hierzu  Plinius 
XXIV.  41.  Myricen  iam  ericam  vocat  Lennaeus  similem  scopis 
Armerinis.  Der  griech.  Name  wurde  auf  die  jetzige  Gattung,  wegen 
der  Ähnlichkeit  von  TamarLx  und  Myrica,  übertragen.  — Nach 
anderer  Erklärung  wird  Myrica  wegen  ihres  aromatischen  Geruchs 
mit  Myrtus  und  Myrrha  in  Verbindung  gebracht.  [I.  Myrrha,  deutsch 
Myrrhe,  ist  die  offizielle  Bezeichnung  des  wohlriechenden  Harzes 
einer  in  Arabien  einheimischen  Baumgattung:  Commiphora,  der 
sogen,  arabischen  Myrte.  Auch  die  Griechen  und  Römer  bezeich- 
neten  mit  myrrha  bzw.  i.ivqqa  = fxvQOv  = OfAcgva  (vergl.  f.uXa^  = 
OfxlXa^)  vornehmlich  das  Produkt  des  Baumes.  Der  Name  dürfte 
kaum  griech.  Ursprungs  sein,  trotzdem  wird  er  mit  fivQco,  fließen,' 
wegen  des  aus  einem  Längsschnitt  des  Baumes  hervorquellenden 
Harzsaftes,  in  Verbindung  gebracht.  Im  Hebr.  hieß  die  Myrrhe:  mor 
und  dürfte  hiernach  (ivqqa  mit  hebr.  und  arab.  mor,  lat.  amarus, 
bitter,  wegen  des  bitteren  M}’Trhenharzes  in  Konnex  stehen.  11.  Myrtus, 
deutsch  M}Tte,  griech.  (.ivQXog  = fxvQxlvr^  = uvoalvr]  = f.ivQQivrp 
dürfte  wahrscheinlich  von  vorgenanntem  myrrha,  fivQQa^  bzw.  (jlvqov 
abzuleiten  sein,  welch  letztere  Form  nicht  nur  Myrrhe  im  engeren, 
sondern  auch  jedweden  Parfüm  im  weiteren  Sinne  bezeichnet:  die 
IMyrte  (Myrtus)  zeichnet  sich  bekanntlich  durch  leichten  aromatischen 
Geruch  aus.  Hesychios  verwechselt  bereits  (.ivqxAri  mit  fLitQQa,  wenn 
er  in  seinem  Lexikon  sagt:  MvQLKrj  udog  öhöqov,  ovO(j.aoS-ev  arco 
Tov  ^ivqeod^ai  xr(v  elg  avxb  fiexaßaXovGav  yiaxd  xovg  fj,v&ovg  Klvv- 
Qov  ^vyaxega.  Nach  Ovid,  Metam.  X.  598  f.  aber  heißt  die  sagen- 
hafte Königstochter,  die  in  einen  Myrrhenbaum  verwandelt  worden 
sein  soll,  Myrrha,  die  IMutter  des  Adonis. 


d,  Gagelstrauch:  M.  gale:  von  yaler^:  Wiesel,  wegen  des  Geruchs  der 
Pflanze. 

f.  Bois-sent-bon : Holz  riecht  gut.  — Myrte  bätard,  s.  oben. 

e.  Gale,  altengl.  gawl,  ags.  gagel.  — Wild-Myrtle. 

n.  Gagel.  — Brabantsche  Myrte.  — Vlooienkruid,  Luiskruid:  wie  alle 
aromatisch  riechenden  Pflanzen  gegen  Ungeziefer  verwandt. 

Myriophyllum^  /nvQLocpvlXov. 

Diosc.  IV.  113.  MvQLOcpvXXov,  01  de  ar^aTicoTix^,  ol  öe  AyiXXuoq^ 
^PtoLiaioL  f,iiXXeq)6XLOvu  — tcsqI  ov  (sc.  vMvXiöv.ov)  g)iXXa  jtoXXa’ 
od^Ev  ymI  wvofxaGxaL.  (pvezai  ev  eXcoSegl  TorcoLq.  zovro  ziqQel 
acpXeyfj.avTa  zä  veozQcoza  zwv  eXywv. 

Plin.  XXIV.  95.  Myriophyllon,  quod  nostri  millefolium  vocant,  caulis 
est  teneri,  plurimis  foliis,  unde  et  nomen  accepit.  nascitur  in  palu- 
stribus,  magnifici  usus  ad  vulnera  cum  aceto. 

Galen,  H.  XII.  29.  MvQLccpvXXov  ^r^QavziÄ^g  egzlv  elg  zoGovzo 
dvvafXEcog  cog  v.oXXäv  zqav^iaza. 

Vergl.  unter  Achillea,  die  ebenfalls  Tausendblatt  genannt  wird,  desgl. 
unter  Hottonia.  Alle  drei  dienen  als  Wundkräuter. 

MvQLocpvXXov,  von  uvqloi,  io 000,  oder  (xvQLog^  unzählig  und  (pvXXov, 
Blatt:  v/egen  der  quirligen,  fiederteiligen  Blätter. 

d.  Tausendblatt  — Wassergam  — Wassertanne;  vergl.  unter  Hippuris, 
dem  M.  nächst  verwandt. 

/.  Myriophylle  — Fil  d’eau,  Wasserfaden,  wegen  der  fein  zerteilten 
Blätter. 

e.  Water-milfoil. 
n.  Duizendblad. 

Myrrhis,  {-ivqqlg. 

Die  von  den  Alten  auch  smyrriza,  ja  myrrha  selbst  genannte  Pflanze 
ist  wahrscheinlich  der  jetzigen  Art  Scandix  odorata  identisch.  Scandix 
odorata,  eine  Umbellifere,  ist  M;yTrhis  nächst  verwandt,  welch  letztere, 
auch  im  Deutschen  als  Myn’he  bezeichnet,  ihren  Namen  auf  IMyrrha, 
wegen  .ihres  myrrhenähnlichen  Geruches,  zurückführt.  Betreffs  Myrrha 
s.  unter  Myrica,  betreffs  Namensusurpationen  s.  die  Einleitung. 

d.  IMyrrhe  — M\Trhenkerbel : M.  ist  wie  Chaerophyllum  bzw.  Anthriscus 
eine  Umbellifere. 

/.  Cerfeuil  musque:  Moschuskerbel,  wegen  des  aromatischen  Geruchs 
der  Pflanze. 

e.  Cicely,  aus  lat.  seselis,  s.  dieses;  griech.  gegeXl'.  Myrrhis  und  Seseli 
sind  Umbelliferen,  daher  nahe  verwandt. 

n.  Roomsche  Kervel:  Römischer  Kerbel,  da  er  von  Italien  aus  bekannt 
wurde. 


120 


N. 

Najas, 

vaLag:  fließend,  schwimmend:  Wassernymphe,  Wassernixe:  weil  die 
Pflanze  auf  der  Wasseroberfläche  ihre  Blätter  ausbreitet. 
d.  Nixkraut. 

/.  Naiade. 

<?.  Naiad. 
n.  Nymfkruid. 

Narcissus,  vaQy.iöGog. 

Plin.  XXI.  75.  et  a narce  narcissum  dictum,  non  a fabuloso  puero. 
Plut.  Symp.  3.  I.  cog  af.ißXvvcüv  za  vevqa  yal  ßaQvzrjzag  efATZoicuv 
vaQycüöeig. 

Unter  vaQXKJGog  verstanden  die  alten  Griechen  Narc.  Tazetta,  die 
noch  heute  in  den  Gebirgen  von  Hellas  wächst.  Der  Name  wird 
abgeleitet  von  vagyrj,  Betäubung,  wegen  des  starken  Duftes,  oder 
von  (ÄaguTtOy  agica^co,  ergreifen:  da  der  Duft  die  Aufmerksamkeit 
auf  sich  lenkt. 

Betreffs  der  Narkissussagen  vergl.  Ovid,  Metam.  III.  339 — 510,  wo- 
nach Narcissus,  ein  Sohn  des  Cephisus,  sein  Ebenbild  in  einem  Quell 
erblickte  und  vor  Sehnsucht  und  Liebe  nach  diesem  Phantom  zu- 
sammenschrumpfte: 509 — 510: 

Nusquam  corpus  erat,  croceum  pro  corpore  florem 
Inveniunt  foliis  medium  cingentibus  albis. 

Vergl.  ferner  Ovid,  Fast.  V.  225 — 226: 

Tu  quoque  nomen  habes  cultos,  Narcisse,  per  hortos 
Infelix,  quod  non  alter  et  alter  eras. 

Pausanias  berichtet  IX.  31.  7.  dieselbe  Sage;  31.  8.  aber  die  schönere 
Variation,  wonach  Narcissus  eine  gleichgestaltete  Zwillingsschwester 
gehabt  und  in  diese  sich  verliebt  habe.  Das  Mädchen  aber  sei  ge- 
storben; um  seinen  Gram  zu  stillen,  sei  N.  aber  an  die  Quelle  ge- 
gangen, um  dort  durch  sein  Schattenbild  sich  das  Bild  seiner 
Schwester  im  Wasser  widerspiegeln  zu  lassen.  Betreffs  der  Blume 
N.  knüpft  Pausanias  31.  9.  daran  die  folgenden  Erv^ägungen:  Nag- 
YdOGOv  Ö£  avd-og  yr]  vmI  Ttgozegov  ecpvev  e/Aol  doyetv^  el  zdlg 
Ilajiicpco  Tey/LialgeGd^aL  ygrj  tl  r^(.iäg  £7ieGi  yeyovcug  yag  TtolXoig 
7cg6Tegov  IzeGiv  ^ NagyuGGog  0 QeGTtievg,  yogr^v  t^v  J'i^iirycgtg 
cpr^GLV  agTtaGd^Yivai  TtalCovGav  yal  avd'rj  GvXXiyovGav  agTtaG^zivcti 
öi  oty  ooig  aTtccTTjd^elaaVy  aXla  vagyiGGOtg. 


I2I 


Schließlich  sei  noch  die  diesbezügliche  Erklärung  Isidors  gegeben: 
Isid.  XVII.  9.  16.  Narcissus  herba  fabulose  impositum  nomen  habet 
a quodam  puero,  cuius  membra  in  hunc  florem  transierunt,  qui 
et  nomen  Narcissi  in  appellatione  custodit  et  decus  pulchritudinis 
in  candore  retinet  foliorum. 

d.  Narzisse. 

f.  Narcisse  — Notre-Dame  des  pres:  Marias  Wiesenblume:  die  Pflanze 
wächst  auf  Hochwiesen  und  ist  wiegen  ihrer  Schönheit  Marien  ge- 
weiht. 

e.  Narcissus. 

n.  Narcis. 

Nardus,  vaq6o(;. 

Im  Altertum  der  Name  vieler  wohlriechenden  Pflanzen,  besonders 
der  indischen  Narde,  aus  derem  ährenförmigen  Blütenstand  das  wohl- 
riechende Nardenöl  bereitet  wurde.  Im  Indischen  soll  nar  in  zu- 
sammengesetzten Wörtern  soviel  als  wohlriechend  bedeuten.  Da  im 
Altertum  auch  eine  Grasart  Nardus  genannt  wurde  (wahrscheinlich 
eine  Andropogon:  Mannsbart- Art,  wegen  des  bartähnlichen  Habitus  der 
Pflanze;  vergl.  die  folgenden  Namen),  wurde  der  Name  auf  die  jetzige 
Gattung  übertragen. 

d.  Borstengras,  Bocksbart,  Hirschhaar,  wegen  des  Habitus  der  Pflanze. 

f.  Nard.  — Barbe  de  vieillard:  Greisenbart,  auch  wegen  der  graugrünen 
Farbe  so  benannt. 

e.  Matgrass:  Mattengras.  (?) 

n.  Borsteigras  — Zwijnehaar. 

Narthecmm,  vadd^r^ALov. 

Diminutiv  von  dem  Namen  einer  Staude  mit  markvollem 

Stengel,  in  welchem  bekanntlich  Prometheus  den  Feuerfunken  vom 
Himmel  herabholte.  (Hesiod.  Opera  et  dies  52.  Theogonia  567.) 
Mit  dem  widerstandsfähigen  Stengel,  der  auch  als  Stock  zum  Schlagen 
benutzt  wurde,  schienten  die  alten  Ärzte  Knochenbrüche,  weshalb 
auch  vaqd^ri'Mto)  diese  medizinische  Handlung  genannt  wird.  — Oder 
anagrammatisch  aus  avd^eQi'AOg,  av^egiB,  worunter  man  vornehmlich 
den  Asphodelosstengel  verstand.  Narthecium  und  Asphodelus  sind 
nächstverwandte  Liliaceen.  [Asphodelus:  aocpodelog,  die  jetzige  Art 
A.  ramosus  hat  kleine  Wurzelknollen,  die  gegessen  wurden;  ccGcpoöeXog 
aus  a intensivum  und  aq)6vövXog,  womit  verschiedene  runde  Körper 
bezeichnet  wurden;  so  auch  der  Kopf  der  Artischocke;  dacpoöelog 
hat  demnach  seinen  Namen  den  Wurzelknollen,  wegen  deren  er  ja, 
wie  gesagt,  besonders  geschätzt  wmrde,  zu  verdanken.] 

d.  Beinheil:  vielleicht,  daß  man  seinen  Schleim  auf  Knochenbrüche 
applizierte,  um  sie  zur  Heilung  zu  bringen,  event.  lediglich  eine 
vermeintliche  Übersetzung  von  N.;  möglicherweise  aber  auch  per 
antiphrasim  so  genannt,  denn  im  Schwäbischen  nennt  man  N. 


122 


Beinbrechgras,  da  es  als  Weidfutter  Knochenbrüchigkeit  verur- 
sachen soll. 
f.  Narthecium. 

c.  Bog- Asphodel : Sumpf-Asphodel,  s.  oben.  Die  Pflanze  wächst  auf 
sumpfigem  Terrain. 

11.  Gele  wateraffodillen,  wegen  der  innen  gelben  Blüte.  — Beenbreek.  — 

Cip eigras  (?). 

Nastürtium,  vMQdafxov. 

Plin.  XX.  50.  Nasturtium  a naso  torquendo. 

Isid.  XVII.  IO  17.  Nasturtium  sapor  appellavit,  quod  acrimonia  sui 
nasum  torqueat. 

Von  nasus,  Nase  und  torquere,  drehen,  quälen  abzuleiten,  wegen 
das  stechenden  Geschmacks  des  Krautes;  nach  anderer  Ansicht  aber 
von  avaOTVcü,  wegen  der  stimulierenden  Wirkung. 
if.  Kresse,  i.  von  crescere,  wachsen,  wegen  ihres  üppigen  Wachstums; 

2.  verwandt  mit  kratzen,  wegen  des  scharfen  Geschmacks;  oder  3.  ^ 

vom  griech.  ‘^.aQÖaf^iov,  das  aus  dem  Persischen  stammen  soll.  Mit  | 

deutsch  Kresse,  frz.  cresson  usw.  werden  viele  Kruziferen  bezeichnet:  I 

s.  unter  Cardamine,  Lepidium,  Nasturtium,  Thlaspi  usw.  — Brunnen-  | 

kresse,  da  sie  an  Quellen  und  in  Gräben  wächst.  — Kreissig:  ver-  1 

wandt  mit  Kresse.  J 

f.  Nasitort  — Cresson  — Cresson  d’eau:  Wasserkresse  — Cresson  de  1 

fontaine:  Brunnenkresse.  ^ | 

e.  Watercress. 
n.  Waterkers. 

Neottia, 

veoTTia  = Nest,  weil  der  Wurzelstock  vogelnestartig  ist. 

(/.  Nestwurz. 

/.  Neottie  — Nid  d’oissau:  Vogelnest. 

e.  Bird’s-Nest,  desgl.  i 

Vogelnest.  / 

Nepeta,  \ 

nach  der  Stadt  Nepet  in  Etrurien,  wo  eine  Art  vorkommt.  | 

d.  Katzenkraut,  s.  Valeriana.  i 

f.  Chataire,  desgl.  1 

c.  Catmint:  Katzenminze,  gehört  wie  die  Minze  (Mentha)  zu  den  1 

Labiaten.  t 

n.  Kattenkruid. 


Nigella,  jj-eXard-iov. 

Diosc.  III.  83.  OTtsQfxa  fieXav. 


123 


Nigellus  Diminutiv  von  niger,  schwarz,  wegen  des  Samens. 

d.  Nigelle. 

j.  Nigelle. 

e.  Nigelle. 

n.  Nigelle. 

Nigella  damascena. 

Damaszener  Nigelle;  man  glaubt,  sie  stamme  aus  der  Gegend  von 
Damaskus,  daher  auch  zu  deutsch  türkische  Nigelle  genannt. 

d.  Die  Blüten  sind  von  einer  vielteiligen  grünen  Hülle  umgeben,  daher 
die  Namen:  Braut  in  Haaren,  Gretchen  im  Busch,  Jungfer  im  Grünen, 
Nonne. 

f.  Barbe  de  capucin  = Kapuzinerbart.  — Cheveux  de  Venus,  Venus- 
haare. 

e.  Devil-in-the-bush  = Teufel  im  Busch. 

fl.  Juffertje  in  het  groen. 

Nliphar,  s.  unter  Nymphaea, 

aus  einem  mutmaßlichen  Diminutivum  zu  vvjLicpaQLoy  ver- 

derbt — oder  aus  arab.  nilufar,  pers.  nilufer  kontrahiert. 

d.  Nixblume,  s.  unter  Nymphaea.  — Wassermuhme,  Mummel  als  Kose- 
namen für  die  schöne  Pflanze.  Mummel,  desgl.  Mumme,  ist  überdies 
auch  eine  Bezeichnung  für  Gespenst  (vergl.  vermummt,  d.  h.  mas- 
kiert, und  vergl.  den  Namen  des  vielbesungenen  Mummelsees  im 
Schwarzwald).  „Mummel“  könnte  daher  ebensogut  wegen  der  märchen- 
haften Schönheit  Nixblume  bedeuten. 

f.  Jaunet  d’eau:  von  jaune,  gelb:  Wassergelbling,  wegen  der  gelben 
Blüte.  ■ — Baratte,  Butterfaß,  auch  im  Deutschen  so  genannt,  wegen 
Farbe  und  Form  der  Blüte. 

c.  Yellow  Waterlily  — gelbe  Wasserlilie.  — Brandy -bottle,  Schnaps- 
flasche, wegen  des  Geruchs  der  Blüte  und  der  Form  der  Frucht. 

//.  Gele  plomp,  s.  unter  Nymphaea. 

Nymphaea,  s.  auch  unter  Nuphar. 

Plin.  XXV.  37.  Nymphaea  nata  traditur  nympha  zelotypia  erga 
Herculem  mortua. 

Von  vvixcpri,  Nymphe,  da  es  eine  Wasserpflanze  ist;  der  Sage  nach 
sind  es  in  Pflanzen  verwandelte  Nymphen;  oder  weil  die  Nixen  unter 
ihnen  lauem  und  im  Mondschein  auf  ihren  Blättern  schaukeln. 

d.  Seerose,  wegen  der  rosenähnlichen,  weißen  Blüte.  — Maarrose:  in 
der  Eifel,  weil  sie  auf  den  Maaren,  den  Eifelseen  wächst  — wegen 
ihrer  starken,  dicken  Wurzel:  Keulen wurz  und  Herkuleswurz  be- 
nannt. 

f.  Nymphe  des  eaux:  Wassernymphe.  — Lime  d’eau : Wassermond,  wegen 
der  weißen  Blüte  und  der  breiten  runden  Blätter.  Desgl.  norm, 
parapluie  = Regenschirm. 


124 


e.  White  Waterlily  = weiße  Wasserlilie,  wegen  ihrer  schönen  Blüte. 
n.  Witte  plomb,  auch  in  Schlesien  Plompen  benannt.  Woher  der  Aus- 
druck stammt,  ist  unklar.  Unter  Plumpe,  wie  die  Pflanze  im  Deutschen 
genannt  wird,  versteht  man  auch  Pumpe.  Die  Etym.  scheint  daher 
auf  Wasser  wegen  des  Standorts  Bezug  zu  nehmen. 


0. 

Oenanthe,  olvard-ri. 

Plin.  XXL  38.  Odor  idem  ei  qui  germinantibus  uvis,  atque  unde 
nomen. 

Von  olvog,  Wein,  avd-og,  Blüte,  weil  die  Blüte  an  Geruch  die  Blüte 
des  Weins  nachahmt. 

ä.  Pferdesaat,  soviel  als  Pferdefutter.  — Pferdefenchel,  wegen  der  Ähn- 
lichkeit mit  Foeniculum  (ebenfalls  Umbellifere).  — Rebendolde. 
f.  Oenanthe  — Fenouil  d’eau:  Wasserfenchel,  wächst  im  Wasser. 
c.  Oenanth  — Waterfenkel. 

n.  Torkruid:  Käferkraut,  wegen  des  Aussehens  der  reifen  Frucht;  vergl. 
Schneckenklee,  n.  Rupsklaver  (Medicago). 

Oenothera,  olvoS-riQag. 

Theophr.  IX.  19.  'H  de  xov  olvod'T.^a  qita  dod-etaa  Iv  omn, 
TtQaoTEQOv  TtOLsl  '/mI  llaQcoTSQOv  TO  — otei  ös  avavöeloa 

tbOTceq  öi'vov. 

Diosc.  IV.  II 6.  ^'OvayQa,  ol  öe  ovod'tiQav.  — r^Tig  (sc.  QL^a) 
^r^Qavd^ELGa  ol'vov  oaimqv  aTtoöidtoGL.  /dwaf^nv  de  Eyu  to  cctzo- 
ßQEyiLiavijg  QiCrjg,  vtco  tclv  aygltov  ^aicov  tclvolievov  r^fXEqovv  avrd. 
yiaTaTtXaGd^El^Ga  de  TtQavvai  xd  d^rjQcuörj  eIt]. 

Plin.  XXVI.  69.  et  oenothera  sive  onear,  hilaritatem  adferens  in 
vino  — longa  radice,  et  cum  siccata  est,  vinum  olente.  Haec  in 
potu  data  feras  quoque  mitigat. 

Die  jetzige  Oenothera  (biennis;  zweijährig)  ist  1614  aus  Virginien 
nach  Europa  eingeführt  worden.  Die  Alten  verstanden  unter  Oeno- 
thera das  Epilobium,  dem  es  als  Onagracee  nächst  verwandt  ist.  Man 
leitet  den  Namen  von  olvog,  Wein  ab,  weil  die  Wurzel  dem  Wein 
zugesetzt  wurde  oder  weil  sie  getrocknet  nach  Wein  riechen  soll.  — 
Nach  anderer  Erklärung  von  olvog  und  (lat.  fer),  wildes  Tier, 

weil  sein  Saft,  mit  Wein  gemischt  wilden  Tieren  eingegeben,  diese 
besänftigen  würde.  — Nach  dritter  Erklärung  von  ovog,  Esel  und 
^^r^Qa,  Beute:  d.  h.  Eselsfutter;  vergl.  das  griech.  Synonym  ovovQig: 
6vog\  Esel  und  olgd:  Schwanz,  wegen  des  Blütenstandes.  — Nach 
vierter  Erklärung:  verwandt  mit  oiwvog,  olvid^:  Vogel  und  d'Xiqdo)'. 
jagen:  weil  der  mit  Haarschöpfen  versehene  Samen  der  Pflanze  wie 
ein  Vogel  durch  die  Luft  jagt. 


25 


d.  Nachtkerze:  die  hellgelben  Blüten  öffnen  sich  nur  am  Abend  und  sind 
tagsüber  welk  und  geschlossen:  daher  auch  der  Name  Siebenschläfer. 

f.  Onagre:  vergl.  das  griech.  Synonym  ovayga:  etwa  von  ovog:  Esel 
und  ayQLog:  wild;  s.  jedoch  oben.  — Raiponce  rouge:  rote  Rapunzel: 
von  rapa:  Rübe.  Die  rötliche  Wurzel  wird  gegessen. 

e.  Evening  primrose:  Abendprimel:  Unter  Primrose  versteht  man  die 
ebenfalls  gelb  blühende  Primel. 

n.  Nachtkaars:  Nachtkerze  — St.  Teunisbloem  (?). 

Omphalodes, 

von  6j.ig)al6g,  Nabel:  cf^cpaXcodrig,  nabelartig.  Die  Höhlen  der 
Samenkapseln  haben  ein  nabelähnliches  Aussehen. 

d.  Denkmein,  Gartenvergißmeinnicht:  wegen  der  tiefblauen  Blümchen; 
s.  unter  Myosotis. 

f.  Omphalodes. 

e.  Omphalodes. 

n.  Gedenk  mij. 

Onobrychis, 

von  orog,  Esel  und  ßQvyco,  mit  den  Zähnen  knirschen,  oder  von  ßgvyiCOy 
verschlingen,  weil  es  ein  Eselsfutter. 

d.  Esparsette,  vom  span,  esparcilla,  span,  esparcir,  sich  ausbreiten,  weil 
die  Pflanze  viel  Stengel  bildet.  — Hahnenkamm,  wegen  des  roten 
Blütenstandes  oder  der  zackigen  Kelchzipfel. 

f.  Esparcet(te),  auch  eparcet,  neuprovenz.  esparcet,  esparceto.  — Sain- 
foin  = gesundes  Heu.  — „Bourgogne“,  da  dort  die  Pflanze  zuerst 
kultiviert  wurde. 

e.  Esparcet  — Sainfoin. 

n.  Esparcette  — Hanekammetjes. 

Ononis,  ovcovlg, 

von  cvog,  Esel,  mit  Reduplikation  — oder  von  ovog,  Esel  und  ovv^^i, 
nützen,  weil  die  Esel  es  fressen  — oder  von  lovri^i  und  a priv.  — 
denn  es  wird  auch  anonis  geschrieben.  In  dieser  Erklärung  hieße 
es  dann  etwa  ein  Kraut,  das  zu  nichts  nütze  ist. 

d.  Hauhechel;  das  Kraut  wurzelt  so  tief,  daß  man  es  mit  Hauen  heraus- 
hacken muß.  — Hechelkraut;  wegen  der  vielen  Domen  und  Stacheln 
sieht  es  einer  Flachshechel  ähnlich.  Heuhechel,  entweder  verderbt 
aus  Heuhacke,  wegen  der  Dornen,  oder  weil  das  Heu  an  dem 
Kraut  hängen  bleibt.  Stallkraut,  da  es  das  Vieh  stallend  macht, 
d.  h.  harnen  läßt,  daher  auch  Harnkraut  genannt.  — Kuhscheiße, 
wegen  seiner  purgativen  Wirkung.  — Weiberkrieg,  Weiberklatsch,  Weiber- 
zorn, wegen  der  Dornen;  vergl.  Echium.  — Unserer  lieben  Frauen 
Bettstroh:  das  dornige  Kraut  soll  die  Leiden  Mariens  symbolisieren. 

f.  Borigrane,  Bugrane,  von  bucranium,  ßovuQctVLOv,  worunter  Diosc.  und 
Apulej.  eine  dem  Ochsenkopf  ähnlich  gestaltete  Pflanze  verstanden 


haben.  — Arrete-boeuf,  weil  seine  tiefen  Wurzeln  in  der  Egge 
hängen  bleiben  und  den  Ochsen  anhalten. 

e.  Restharrow:  rest:  Zurückbleiben,  harrow:  Egge. 

11.  Stalkruid  (s.  oben). 

Onopordon,  ovono^^ov. 

Plin.  XXVII.  87.  Si  comederunt,  asini  crepitus  reddere  dicuntur. 
Ableitung  von  Esel  und  TtogÖT],  Furz.  Es  soll  Blähungen 

oder  Knistern  verursachen,  wenn  das  distelartige  Gewächs  von  den 
Eseln  gefressen  wird. 

d Distel,  Wolldistel,  wegen  des  weißen  filzigen  Überzugs.  — Eselsfurz. 

f.  Pet  d’äne:  übersetzt  aus  dem  Griech.  — Onoporde. 

e.  Cotton-thistle  = Wolldistel. 

11.  Wegdistel,  da  sie  an  Wegen  wächst. 

Ophrys,  h(fqvi. 

Von  den  Erklärungen,  denen  ocpQvg  in  der  Bedeutung  Augenbraue 
zugrunde  liegt,  kann  man  wohl  wegen  der  Gesuchtheit  dieser  Ety- 
mologie absehen.  — Der  Name  der  Pflanze,  die  vornehmlich  auf 
Hügeln  gedeiht,  dürfte  wohl  auf  ocpQvg  in  der  Bedeutung  Hügel 
zurückzuführen  sein. 

d.  Ragwurz:  die  Pflanze  ist  eine  Orchidacee,  deren  Vertreter  wegen  der 
beiden  hodenförmigen  Wurzelzwiebeln  der  Signaturlehre  entsprechend 
als  Aphrodisiaca  betrachtet  wurden:  man  glaubte,  daß  der  Genuß 
der  O. -Zwiebel  den  Penis  erigiere:  daher  also  die  Bezeichnung:  Rag- 
wurz. Die  eigenartige,  sammetne  Blume  ist  allerhand  Vergleichen 
ausgesetzt  worden:  Jungferli,  Sammetweibli,  Sammetschühli,  Frauen- 
träne, Teufelsangesicht.  Wegen  der  insektenähnlichen  Blume  je  nach 
der  Art:  O.  apifera:  wörtlich  die  bienentragende  O. : Bienenblume, 
Hummelblume.  O.  aranifera:  Spinnenblume.  O.  muscifera:  Fliegen- 
blume genannt. 

f.  Abeille:  Biene;  Araignee:  Spinne;  Mouche:  Fliege. 

e.  Bee-,  Spider-,  Fly-Ophrys. 

n.  Oogenbruin,  s.  oben  — Bijen-Vliegen-0. 

Orchis, 

Theophr.  IX.  18.  3.  Iv  di  Tolg  rjueTigotg  ocouaGL  ytoqig  icov  nqcg 
uyteiav  nat  vooov  vmI  d'avavov  y.at  7ZQog  aXXa  öwcc/ueig  eyeiv 
(paotv  ov  Liovov  TCüv  ocofxaTLVMv  aXXä  vmI  twv  T^g  ipvxrjg. 
yiiyo)  di  acouarr/Mv  Tceql  to  yevvav  /ml  ayoveiv.  Kat  evia 
ye  cLTtd  rov  avzov  Ttoieiv  ajLig)co  /Md^ccTveg  i/tl  tov  OQyetog  vmXov- 

f.iivov  dvelv  yaq  ovtcov  tov  fxiv  /.leydlov  tov  di  f.ir/qov  tov 
luiv  fuiyav  evsQ'^OTVQov  Ttoteiv  Ttgcg  zag  ofXiXiag  iv  yaka/zi  df- 
dofxevov  alyog  oq£lv6/.iov,  tov  di  iXazzio  aiveod-ai  vml  %toXv£Lv. 
— IX.  18.  5.  ^'Evia  d*£ivai  vmI  dg  zd  d^qevoyovelv  ^ di]Xv- 


27 


yovelvy  ölo  vmI  vmIocol.  cpvD^ov  to  f.iev  aq^evoyCvov  vo  di 
d-ijlvyovov’  ojLioia  di  ymI  a/^icpco  ^0Qcpr(v  eyovxa  dm^ov.  o di  vmq- 
Tidg  TOv  f.iiv  ^rjlvycvov  Yad^drieQ  iXdag  ßgvov  coygoTegov  di. 
Tov  d* ccQQSvoyovov  OLOV  TC8Q  iXda  orav  (xqtl  cpvriTai  iv.  xdv  ßgvov, 
di/,goov  di  uloTteg  ogyeig  ard-gcorccov. 

Diosc.  III.  13 1.  ^'Og%Lg.  o\  di  y.vvog  ogyiv  ymXovglv  — glCa  — 
Y.at  Tvegl  xavTrig  di  loTogelxai,  xr^v  f.iiv  ueiCova  gl'Cav  vtvo 
dvdgcüv  iod-LOiuivriv  aggevoyovov  eivai,  xr^v  di  iXdxxova  vjtd 
yvvarMüv,  d-riXvydvov.  TtgoGLOxogeixai  di  ymI  xdg  iv  QexxaXia 
yvvalYMg  xdv  fxiv  ajtaXdv  ixexd  alyeiov  ydla/.xog  TtoxiCeiv,  cog 
TxagiGxdv  xd  acpgodiGxa’  xdv  di  ^rigdv  Txgdg  iTxiGyßGLv  /.al 
hiXvGiv  xd)v  dcpgodiGLOJV  dvaXvsGd^ai  xe  xdv  exegov  vxzd  xov  exigov 

TXlVOfXSVOV. 

Plin.  XXVI.  62.  gemina  radice  testiculis  simili,  ita  ut  maior  sive,  ut 
aliqui  dicunt,  tenuior  ex  aqua  pola  excitet  libidinem,  minor,  sive 
mollior  e lacte  caprino  inhibeat. 

Galen.  XV.  17.  ogyig  — dX?i  ^ f.iiv  pLeiCov  glKa  noXX^v  toiYXV 
tyBiv  vygdxrixa  Txegixxcofxaxr/.riv  xe  ymI  (pvGwdrp  did  xovxo  ymI 
Tigdg  dcpgodLGLa  Tvivof-iivrj  TtgoxgaiteL.  rj  (f  exiga  iXdxxtov  e/,«- 
TtaXiv  YMXELgyaGfxivrj  r/Mvovg,  tag  eivat  xr^v  Y.gaGLv  avxijg  etiI 
xd  ^Egfxdxegcv  xe  ymI  ^r^gdxegov  gijxovGav  od-ev  ov  /liovov  ov  Ttgo- 
xgETxEi  xdg  Txgdg  GvvovGLag  cgpidg  ri  di  i]  gita,  aXXd  /.al  xov- 
vavxLov  (XTtav,  ettexel  xe  /al  /axaGxiXXaL.  Desgl.  Aetius  in  ab- 
gekürzter Form. 

dgxig,  Hoden,  von  ogiyio,  begehren.  S.  unter  Ragwmrz  (Ophrys). 
Mit  der  stärkeren,  saftigeren  der  beiden  Knollen  hatte  es  nach  den 
alten  Schriftstellern  die  Bewandtnis,  wenn  man  sie  aß,  Knaben  zeugen 
zu  können,  daher: 

d.  Knabenkraut.  — Als  Aphrodisiacum  hatte  O.  die  Namen:  Heirats- 
blume und  Himmelsschlüssel  erhalten.  — Kuckucksblume,  weil  sie  zur 
Zeit  des  Kuckucks  blüht.  — Orche.  — Glückshändchen,  wegen  der 
Wurzelform. 

f.  Orchis  — Herbe  ä la  couleuvre,  Nattemkraut,  wegen  der  schwarzen 
Flecken  auf  den  Blättern  (vergl.  O.  maculata,  die  gefleckte  O.)  oder 
weil  sie’  zur  Nattemzeit,  auf  besonnten  Wiesen,  wo  Schlangen  sich 
gerne  aufhalten,  blüht. 

e.  Orchis. 

n.  Orchis  — Mannetjes  — Koekoeksbloem. 

Orchis  militaris, 

zu  deutsch  Soldaten-0.,  wegen  der  helmförmigen  Blüte. 

d.  Soldaten-0.  — Helm-O. 

f.  O.  militaire  — O.  guerrier:  Krieger-0. 

e.  Military- O. 

n.  Soldaat-0. 


28 


Orchis  Morio, 

morio  griech.  /nwQog:  Narr,  wegen  der  bunten,  grüngestreiften  Blüte. 

d.  Salep-Orchis:  aus  dem  Wurzelmehl  vieler  Orchideen  gewinnt  man 
durch  Abkochen  mit  Wasser  ein  Getränk  „Salep“,  das  spez.  in  der 
Türkei  warm  feilgeboten  wird. 

f.  O.  bouffon:  Narren-0. 

e.  Green-winged  O. : grüngeflügelte  Orchis. 

n.  Harlekijns.  — Volg  mij  na:  wegen  der  eigenartig  bunten  Blume. 
Origanum,  oqiyavov, 

von  cqog:  Gebirge  und  javif-iai:  sich  freuen,  yavog,  Freude,  weil  es 
auf  Bergen  wächst  und  Freude  und  Mut  mache  — oder  im  Gegen- 
satz zu  Tciqyavov  (Ruta  graveolens).  Hiernach  hätte  man  zwischen 
Bergganon  und  Quellenganon : {Ttr'yr]  = Quelle)  zu  unterscheiden. 
In-ganon  aber  liege  der  Begriff  y.vdco:  kratzen,  weil  beide  bitter  von 
Geschmack  seien.  Origanon  hieße  demnach  soviel  als  Bergbitterling. 
— Nach  dritter  Erklärung  ist  der  Name  aber  mit  oqüv:  sehen  und 
yavoto:  glänzend  machen,  in  Verbindung  zu  bringen,  weil  es  als 
Augenmittel  diente. 

d.  Orant,  aus  dem  offiziellen  Namen.  — Wohlgemut,  s.  oben.  — Dost: 
soviel  als  Büschel,  wegen  der  Dolde.  — Majoran,  spätlat.  majorana, 
frz.  maijolaine  für  marjoraine,  span,  mayorana,  portug.  maiorana,  ver- 
wandt mit  amarus,  d/AaQay.og,  bitter. 

/.  Origan  - — Marjolaine  — Thym  de  berger:  Hirtenthymian.  Sowohl 
Thymian  als  Majoran  haben  beide  starken  gewürzhaften  Geruch  und 
sind  als  Labiaten  einander  verw^andt. 

e.  Marjoram. 

71.  Orego.  — Marjolein,  marjoraan. 

Ornithogalum,  oqvi^byalov. 

Diosc.  II.  174.  dvd^T]  e^cod-ev  (xev  ßoravcodr],  diavoiyd^evTa  de  yaXa- 
yTitovTa. 

von  oQVig:  Vogel  und  ydXa:  Milch,  wiegen  der  (innen)  milchweißen 
Blüte.  Vogelmilch,  um  anzudeuten,  daß  es  eine  merkwürdig  schöne 
Pflanze  ist;  vergl.  unser:  „w^eißer  Rabe“. 

d.  Hühnermilch  — Vogelmilch  — Milchstern  — Siebenschläfer,  die 
Blume  öffnet  sich  erst  gegen  Mittag;  vergl.  zu  Oenothera. 

f.  Ornithogale  — Dame  d’onze  heures,  ii  Uhr-Dame;  vergl.  unter 
Anagallis. 

e.  Star-of-Bethlehem  ~ Stern  von  Bethlehem. 

?i.  Morgenster,  s.  vorher.  — Vogelmelk. 

Ornithopus, 

von  OQVigy  Vogel  und  Ttovg,  Fuß,  wegen  der  eingekerbten  Gestalt 
und  Stellung  der  Hülsen. 


129 


d.  Vogelfuß.  — Sardellen  von  (spätlat?)  seradella,  zu  deutsch  Sägelein, 
wegen  der  eingekerbten  Hülsen. 

f.  Omithope. 

e.  Bird’s-foot,  desgl. 

71.  Vogelpootje. 

Orobanche,  oQoßayyri. 

Theophr.  VIII.  8.  4.  ^via  de  xal  cpavegcog  eazi  viOLva  Ttleiovcov 
aXXa  öia  TO  f^ialiOTa  ev  tiglv  evd'eveiv  i'öia  tovtcov  cpaiveTai 
VMd^dneq  ^ oQoßdyxi]  twv  OQoßwv  — rrj  OQoßdyyr]  enißdllsiv  7,al 
VMTtyeiv  oXov  wöTtSQ  TcXerdvaig  anoTtvvyei  yd^  ovTtog  oS^ev  ymI 
Tovvofia  elXr^cpE. 

Diosc.  II.  171.  öoxel  öe  cpvoixevov  ev  oOTtqioLg  tlol  Ttviyeiv  aurd. 

o&ev  vMi  TT^v  7tQ0Gwvvf.iiav  eöyrfYE. 

Plin.  XVIII.  44.  Est  herba  quae  cicer  enecat  et  ervum  circum- 
ligando  se,  vocatur  orobanche.  — XXII.  80.  Orobanchen  appella- 
vimus  necantem  erv'um  et  legumina. 

Von  ^oqoßogy  Erbse  und  dy%w,  würgen,  da  sie  als  Schmarotzer  auf 
den  Wurzeln  anderer  Pflanzen,  speziell  von  Saatpflanzen  gedeiht  und 
dadurch  Schaden  anrichtet.  Die  Orobanche  der  Alten  ist  unsere 
heutige  Cuscuta,  s.  diese. 

d.  Sommerwurz;  in  Sommertagen,  meist  im  Juli,  treibt  die  Pflanze  ihre 
oberirdischen  Blütensprosse.  — Kleeteufel;  auf  Klee.  — Hanftod:  auf 
Hanf,  desgl.  Hanfmännchen.  — Stierkraut,  da  sein  Genuß  die  Stiere 
geil  machen  soll.  — Böser  Heinrich. 

f.  Orobanche.  — Fausse  asperge,  falsche  Spargel,  ihr  Sproß  gleicht 
einem  Spargelschoß.  — Boyaux  du  diable:  lat.  viscera  diaboli: 
Teufelseingeweide.  — Norm.  Gambe  (jambe)  rouge,  rotes  Bein,  wegen 
der  Form  der  Pflanze  und  wegen  der  rötlichen  Blüten. 

e.  Broomrape,  von  broom:  Sarothamnus  und  rape:  Raub,  da  sie  auf 
den  Wurzeln  von  Sarothamnus  schmarotzt. 

71.  Bremraap,  desgl. 

Orjza,  oqiX,a. 

Das  Wort  ist  asiatischen  Ursprungs:  hindostanisch : arese. 
d.  Reis. 

f.  Riz,  prov.  ris,  ital.  riso,  walach.  urez,  pers.  orz,  arab.  arrozz.  Unter 
Agglutination  des  arab.  Artikels  entstand  der  span.  - portug.  Name 
arroz. 

€.  Rice. 

71.  Reisz  und  Ries. 

Oxalis^  o '^alig. 

Plin.  verstand  hierunter  Rumex  acetosa;  von  l'^vg:  scharf,  sauer,  wegen 
des  säuerlichen  Geschmacks  der  Blätter,  der  auch  der  jetzigen  Gattung 
O.  eigen. 

Kanngiesser,  Etymologie  usw. 


9 


(i.  Sauerklee,  wegen  der  kleeförmigen  Blätter.  — Buchampfer,  da  er 
wie  Rumex  acetosa,  der  Sauerampfer,  schmeckt  und  in  Buchenwäldern 
wächst.  — Gauchklee,  soviel  als  falscher  Klee.  — Kuckuksbrot:  die 
Blätter  sind  eßbar. 

/.  Petite  oseille,  kleiner  Sauerampfer.  — Trefle  aigre:  Sauerklee.  — 
Surelle:  Säuerling. 
e.  Wood-sorrel:  Waldsäuerling. 
n.  Klaverzuring : Kleesäuerling. 


P. 

Paeonia,  TtaLcovla. 

Plin.  XXV.  IO.  Vetustissima  inventu  Paeonia  est  nomenque  auc- 
toris retinet. 

Apulejus.  med.  herb.  64.  Paeonia  nomen  inventoris  retinet. 

Isid.  XVII.  9.  48.  Paeon  quidam  medicus  fuit,  a quo  Paeonia 
' herba  perhibetur  inventa,  ut  Homerus  dicit  Ilias  V 401.*) 

Von  Paion,  dem  Götterarzt,  mit  Bezug  auf  den  Gebrauch  als  Arznei- 
pflanze**) — oder  von  Ttaiav,  heilen. 
ä.  Paeonie  — Pfingstrose,  da  sie  um  Pfingsten  blüht,  und  zwar  in 
Farbe  wie  Form  einer  Rosenblüte  ähnlich.  — Gichtrose,  gegen  Gicht. 
f.  Peone  — Pivoine. 

c.  Peony  — Primet:  vergl.  unter  Primula. 
n.  Pioenroos. 

Panicum. 

Plin.  XVIII.  IO.  Panicum  a paniculis  dictum,  cacumine  languide 
nutante. 

Isidor.  XVII.  3.  13.  Panicium  dictum,  quod  multis  in  regionibus  ex 
eo  panis  vice  homines  sustentantur,  quasi  panificium. 

Von  paniculum,  Büschel,  wegen  der  büschelförmigen  Ähren  — oder 
von  panis,  Brot,  weil  aus  seinen  Samen  Brot  gebacken  wird. 

d.  Hirse.  Ursprung  aus  dem  Armenischen;  verwandt  mit  der  griech. 
Bezeichnung:  vdyQXog’,  vergl.  vMvvaßig  und  Hanf. 

f.  Millet,  mil,  span,  mijo,  ital.  miglio;  vergl.  den  Artnamen  P.  milia- 
ceum  und  s.  unter  Milium. 

e.  Hirse  — Millet  — Panic-grass. 

n.  Hirs  — Heerze.  — Gierst  (s.  unter  Milium).  — Vingergras;  J'hgi- 
taria:  Die  Ähren  sind  wie  die  Finger  einer  Hand  angeordnet. 

*)  Homer  Ilias  V.  401  ist  von  der  Entdeckung  der  Heilpflanze  durch  Paeon 
keine  Rede.  Es  heißt  daselbst  nur:  Tw  d'lnX  nciLr\(ov  Ioövvi](fcaa  (paQjuaxa  näaaojv 
HxEOaT  . 

**)  Paeon  ist  erst  in  späteren  Zeiten  mit  Apollo  identifiziert  worden.  Homer  und 
Hesiod  haben  ihn  noch  von  Apollo  unterschieden. 


Papaver, 

aus  apio  (capio),  aTtxw:  fassen  mit  Vorgesetztem  p.  Papaver  be- 
deutete daher  in  etymol.  Hinsicht  soviel  wie  das  deutsche  Wort  Faß 
und  hätte  seinen  Namen  von  der  tonnenähnlichen,  viele  Samen 
fassenden  Mohnkapsel  erhalten  — oder  verwandt  mit  kelt.  papa  == 
Brei.  Die  Mohnkörner  werden  auch  heute  noch  von  gewissenlosen 
Eltern  unter  den  Brei  gemischt,  um  die  Kinder  einzuschläfem ; aus  ähn- 
lichem Grunde  bringt  man  das  Wort  mit  papen:  essen  in  Verbindung. 
d.  Mohn,  althd.  Mago,  bedeutete  auch  Magen:  wegen  der  magenförmigen 
Frucht.  — Mohn,  bzw.  altdeutsch  mago,  kann  aber  auch  mit  griech. 

verwandt  sein,  das  sowohl  Mohn  als  die  Blase  der  Tinten- 
fische bezeichnete,  so  daß  ^iiqyMV  sich  wohl  auch  auf  die  Form  der 
Samenkapsel  beziehen  dürfte. 

_/!  Pavot,  vom  Lat.  — Ponceau,  von  puniceus,  q)OLvly.eog,  scharlachrot, 
phönizisch:  die  Phönizier  lieferten  den  besten  Purpur;  ponceau  also 
wegen  der  scharlachroten  Blüte  genannt.  Ponceau  wird  auch  als 
verderbt  aus  Papaver  erklärt,  oder  aus  Paeonia,  mit  dessen  Blüte  die 
Mohnblüte  eine  gew.  Ähnlichkeit  hat. 

■i.  Poppy,  aus  dem  Lat. 

.n.  Maankop  = Mohnkopf,  wegen  der  Samenkapsel.  — Klaproos,  s.  unten 
unter  Klapperrose.  — Heul,  verwandt  mit  frz.  huile,  deutsch  Öl, 
wegen  der  ölhaltigen  Samen. 

Papaver  Ehoeas. 

Diosc.  IV.  64.  Mriytüv  QOiag,  ojvof-iaOTai  de  Sia  xb  xayeißg  to 
avS-og  ajtoßdXXeLV.  — IV.  65.  Mrfy.wv  rj  xig  eoxLV  rj- 

l.(€Qog,  V7t  evLtüv  de  qoiag  y.ai  avTrj  did  vb  qbTv  e^  avrrg  xbv 
OTcbv. 

Plin.  XIX.  53.  Rhoeas.  Flore  rufo  et  protinus  deciduo  unde  et 
nomen  a Graecis  accepit. 

Galen.  Ff.  XII.  13.  Mrfy.wv  rj  /.lev  xig  qoiag  ovofAaterai,  dicXL 
zayetog  avTi\g  ccjcoqqeX  xb  ard-og. 

Rhoeas,  von  qelv,  fließen,  wegen  des  Milchsaftes  der  Papaveraceen,  oder 
■von  {d.'TCoq)Qelv,  abfließen,  abfallen,  weil  P.  Rhoeas  die  Blütenblätter 
rasch  -verliert  — oder  verwandt  mit  Qovaiog,  lat.  ruber,  rot,  wegen 
der  Blütenfarbe  — oder  entlehnt  von  Qoia,  Qoa,  der  Granatbaum, 
Granatapfel,  da  die  Blüte  von  P.  Rhoeas  ebenso  rot  ist  wie  die 
Frucht  des  Granatbaums,  oder  seine  Samenkapsel  ebenso  samenreich 
wie  der  Granatapfel  [der  ja  daher  seinen  Namen  hat:  von  granum  = 
Kom,  Samen]  — oder  von  gelv,  fließen,  da  er  den  Samen  aus  der 
reifen  Kapsel  nur  so  herausfließen  läßt,  bzw.  herausschüttet. 
d,  Klatschrose:  Die  Kinder  legen  die  zarten  Blütenblätter  auf  den  durch 
Daumen  und  Zeigefinger  gebildeten  Ring,  schlagen  darauf  und  er- 
freuen sich  an  dem  klatschenden  Schall  — oder  verwandt  mit 
glitzern,  ahd.  clitzinon,  daher  die  Pflanze  auch  Klitsche  genannt 
wurde,  wegen  der  glänzend -roten  Blütenfarbe.  — Klapperblume  wegen 

9* 


132 


des  Rasseins  der  reifen  Samen  in  der  Kapsel.  — Im  Württemberg. 
Fackel,  wegen  der  Blütenfarbe. 

f.  Coquelicot.  Var.  von  coqnericot,  das  eine  Nachahmung  des  Hahnen- 
Schreis  ist.  In  der  Languedoc  heißt  cacaraca  und  in  der  Picardie 
coqriacot  sow’ohl  Hahnenschrei  als  P.  Rhoeas.  Das  Tertium  compa- 
rationis  ist  der  Begriff  „rot“.  Nach  anderer  Erklärung,  die  etymo- 
logisch der  ersten  nicht  zu  widersprechen  braucht,  ist  coquelicot  aus 
dem  Gallischen  abzuleiten;  vergl.  Marcellus  Empiricus:  Papaver  sil- 
vestre,  quod  gallice  calocatonos  dicitur.  VergL  irländ.  codlaineam, 
codalan.  — Pavot  des  champs:  Feldmohn,  wächst  im  Feld. 

e.  Field  Poppy,  Com  Poppy,  wächst  unter  dem  Kom. 

n.  Klaproos,  s.  vorher.  — Komroos.  — Kankerbloem,  gegen  den  cancer 
(Krebs). 

Parietaria^  sc.  herba. 

Parietarius  zur  Wand,  Mauer  gehörig:  paries  die  Wand,  Mauer.  Die 
Pflanze  'wächst  auf  Mauern. 

d.  Treufkraut  (?).  — Glaskraut,  dient  zum  Reinigen  von  gläsernen  'wie 
metallenen  Gefäßen,  hieß  daher  lat.  auch  Vitriaria:  von  vitrum, 
Glas»  — Tag  und  Nacht,  da  die  Blätter  durchscheinend  punk- 
tiert sind. 

f.  Vitriole:  Glaskraut.  — Aumure,  auf  der  Mauer.  — Herbe  aux  nonnes 
= Nonnenkraut,  da  es  auf  den  hohen  Klostermauem  wächst.  — 
Parietaire. 

e.  Pellitory  aus  dem  Lat.  verderbt. 

n.  Glaskruid. 

Paris, 

von  par,  paris,  gleich,  wegen  der  vier  gleichen  Blätter,  oder  zu  Ehren 
von  Paris,  des  trojanischen  Preisrichters.  Die  vier  Blätter  stellen  Paris 
und  die  drei  Göttinnen  dar,  die  Beere  in  der  Mitte  den  Streitapfel; 
vergl.  Stiefmütterchen  (Viola  trieolor). 

d.  Einbeere,  Stengel  nur  einblütig  und  einbeerig. 

f.  Parisette  — Herbe  ä Paris  — Etrangle-loup  = Wolfswürge,  da  sie 
giftig  ist. 

e.  Herb- Paris. 

n.  Eenbes. 

Parnassia« 

Diosc.  IV.  32.  dh  Iv  tcT  Uagraoow  yevvcofitevr^  ayqoyOTig. 

Diese  oder  eine  ihr  sehr  ähnliche  Pflanze  w'ächst  zahlreich  auf  dem 
Parnaß,  einem  Berge  Griechenlands,  und  hat  daher  den  Namen  er- 
halten. 

d.  Studentenröschen,  Studentenkraut,  da  es  auf  dem  Musenberg  Par- 
nasses wmebs.  — Eisblume,  wächst  in  den  Alpen  nahe  dem  Eis 
(Söhns).  — Herzblatt,  wiegen  der  Blattform.  — Leberblümchen,  s.  Hepatica. 


133 


f.  Parnassie.  — Hepatique  blanche,  weißes  Leberblümchen;  blüht  weiß, 
im  Gegensatz  zur  blau  blühenden  Hepatica.  — Gazon  du  Parnasse: 
Parnaßrasen.  Die  Pflanze,  eine  Saxifragacee,  tritt  meist  in  Massen 
auf  und  bildet  Rasen. 
e.  Grass  of  Parnassus. 
n.  Parnaskruid. 

Fastinaca. 

Isid.  XVII.  IO.  6.  Pastinace  vocata,  quod  eins  radix  praecipuus  potus 
sit  hominis. 

Von  pastus,  Weide,  Futter;  die  Wurzel  ist  eßbar  — oder  von 
alles  und  «zog:  Heilmittel  — oder  von  pastinum,  Hacke,  da  ihre 
Wurzel  ausgehackt  wird. 

d.  Pastinak. 
f.  Pastanade. 

e.  Parsnip,  aus  altfrz.  pastenaque;  aus  k-Laut  wird  ein  p-Laut;  vergl. 
quinque  aus  rcEiiTtt. 

n.  Pastinaak. 

Pedicularis,  sc.  herba. 

Pedicularis,  zu  den  Läusen  gehörig,  von  pediculus,  Laus:  ein  Mittel 
gegen  Läuse. 

d.  Läusekraut.  — Rodel,  wegen  der  roten  oder  rot  gezeichneten  Blumen- 
krone. 

f.  Pediculaire  — Herbe  aux  poux:  Flohkraut. 

e.  Lousewort  — (Red)  Rattle,  vergl.  Rodel. 

n.  Luiskruid  — Kartelblad,  kartel  ==  Einschnitt,  wegen  der  fein  zerteilten, 
gekerbten  Blättchen. 


Peplis^  TTBTzXig 

hieß  Euphorbia  Peplis,  vielleicht  wegen  der  Hülle,  die  mit  dem  niicXogy 
einem  Überkleide,  Ähnlichkeit  haben  mochte. 

d.  BurgeL  verderbt  aus  Portulaca,  mit  dem  sie  große  Ähnlichkeit  hat; 
vergl.  die  Artbezeichnung  P.  Portula. 

f.  Peplide. 

e.  Water  purslane,  vom  lat.  porcilaca  aus  portulaca.  Die  Pflanze  wächst 
an  feuchten  Stellen. 

n.  Water  porselein. 


Persica,  /m^lea  TceQar/.ri. 

Plin.  XV.  13.  In  totum  quidem  Persica  peregrina  etiam  Asiae  Graeciae- 
que  esse  ex  nomine  ipso  apparet  atque  ex  Perside  advecta. 

Isid.  XVII.  7.  7.  Malum  persicum.  Persicum  vocatur,  quod  eam 
arborem  primus  in  Aegypto  severit  Perseus.  Haec  in  Persida 


134 


fructum  generat  interfectiorum,  apud  nos  autem  iucundum  ac 
suavem. 

Zu  Ehren  von  Perseus  oder  nach  seinem  persischen  Vaterlande. 

d.  Pfirsich. 

f.  Peche  — Pecher  (der  Baum).  — In  Persicot  (Pfirsichbranntwein)  ist 
der  Ursprung  von  Peche  noch  deutlich  zu  erkennen. 

e.  Peach. 
n.  Perzik. 

Petasites,  TceTaolrii^g, 

Diosc.  IV.  io6.  TrexaGLTrig  /uoaxov  IgtI  /aeiKcov  Tcr^yEiog^  ecp  ob  cpvllov 
TtETaGtodeg  f.ieya. 

Von  TteraGog,  einem  breitrandigen  Hut  der  Griechen  und  Römer^ 
wegen  der  sehr  breiten  Blätter  so  genannt:  dieserhalb  hat  sie  auch 
viele  Namen  mit  den  ebenfalls  breitblättrigen  Gattungen  Lappa, 
Tussilago  imd  Lactuca  gemein. 

d.  Pestwurz.  Entweder  verderbt  aus  dem  offiziellen  Namen,  oder  wegen 
des  unangenehmen  Geruchs  der  Blätter  oder  weil  die  Wurzel  als  Heil- 
mittel gegen  die  Pest  gebraucht  wurde  (vielleicht  bloß  auf  die  Namens- 
ähnlichkeit hin,  wie  ja  noch  häufiger  die  Gestalt  oder  Eigenschaft 
einer  Pflanze  Veranlassung  zu  ihrer  Verwendung  wurde;  vergl.  Saxi- 
fraga gegen  Steinleiden,  Vesicaria  gegen  Blasenleiden,  Chelidonium 
wegen  des  gelben  Saftes  gegen  Gelbsucht.  Vergl.  unter  Signaturlehre 
in  der  Einleitung.) 

f.  Petasite  — Herbe  aux  teigneux:  Grindkraut,  die  Blätter  fanden  gegen 
Grind  Anwendung. 

e.  Butterbur,  wegen  der  buttergelben  Blumen  einzelner  Arten.  Über  — 
bur  vergl.  unter  Lappa. 

71.  Pestwortei. 

Petroselinum,  tcet^ogeXivov. 

Plin.  XX.  47.  Alio  genere  Petroselinum  quidam  appellant,  in  saxis 
natum. 

Apulejus  med.  herb.  136.  nascitur  in  petris. 

Isidor.  XVH.  1 1 . 2 . Petroselinon  vocatum,  quod  sit  similis  apio  et 
nascatur  in  petris  montibusque  praeruptis,  quod  nos  petrapium  dicere 
possumus.  ^eXivov  enim  Graece  apium  dicitur. 

Von  TtevQogj  Fels  und  geXivov,  Eppich,  also  etwa  Felseneppich,, 
Steineppich,  da  er  auf  steinigen  Orten  wachsen  soll  oder  — wohl 
sekundär  — gegen  Steinleiden  angewandt  wurde.  Der  Eppich,  Apium^ 
ist  gleichfalls  eine  Umbellifere. 

d.  Petersilie. 

f.  Persil. 

e.  Parsley. 

n.  P(i)eterselie. 


135 


Peiicedanum,  7iEv'/,edavov, 

von  7tEvy.£Öav6g,  bitter,  wegen  des  bitteren  Geschmacks  der  Pflanze, 
oder  von  Tievv.rj,  Kiefer,  Fichte,  weil  ihre  feinen  Blättchen  Kiefer- 
nadeln ähnlich  sehen,  oder  weil  die  Wurzel  gewisser  Arten  mit  gelb- 
lichem, harzig  riechendem  Saft  gefüllt  ist  (event.  von  Ttetyiq  und 
vavvog,  Zwerg). 

d.  Haarstrang,  die  Stengel  sind  strangförmig,  die  feinen,  zarten  Blättchen 
wie  Haare. 

/.  Persil  des  marais:  Sumpfpetersilie.  Die  Pflanze  ist  wie  die  Petersilie 
eine  Umbellifere,  eine  Art  (palustre)  wächst  in  Sümpfen.  — Fenouil 
de  porc,  Schw'einefenchel ; auch  Fenchel,  Foeniculum,  ist  eine  Um- 
bellifere, F.  de  porc:  entweder  verächtlich,  oder  weil  die  Schweine 
seihe  Wurzeln  fressen.  — Encens  d’eau:  Wasserw'eihrauch,  wegen 
der  aromatischen  Wurzeln.  — Tisselin,  von  opfern,  räuchern 

und  aeXivov,  Eppich:  Weihrauch eppich:  Eppich  ist  ebenfalls  eine 
Umbellifere.  • 

e.  Hog’s-fennel  = Schweinefenchel. 

?i.  Varkenskervel  = Schweinekerbel.  Kerbel  (Anthriscus)  gleichfalls  Um- 
bellifere. 

PhalariSj  cpalaglg, 

von  (falr^Qog,  blank,  glänzend,  wegen  des  Silberglanzes  seiner  Ähren. 

d.  Glanzkraut,  desgl. 

f.  Alpiste,  da  die  Pflanze  auf  steilen  Orten  wächst. 

e.  Canary  grass:  Kanariengras,  der  Same  dient  als  Vogelfutter. 

n.  Kanariegras. 

Phaseolus,  cpaor^og. 

Isidor.  XVH.  lo.  14.  Phaselos  vocari  a Phaselo  insula  (?)  Graeciae, 
ubi  non  procul  mons  Olympus  est. 

Verwandt  mit  cpaoyavov:  Schwert,  wegen  der  schwertförmigen  Hülse. 
Daß  (pdarjXog  auch  einen  schmalen  Kahn  oder  schnellsegelndes 
Schiff  bedeutet,  dürfte  wegen  der  Ähnlichkeit  mit  der  Schote  von 
Ph.  wohl  als  eine  sekundäre  Bildung  aufzufassen  sein.  Möglicher- 
weise stammt  die  lat.  Bezeichnung:  faba  von  cpdor]log. 

d.  Bohne:  russ.  bob,  got.  babuna,  kelt.  ffaen  aus  dem  lat.  faba. 

f.  Bis  zum  17.  Jahrhundert  war  feve:  von  faba  der  gebräuchliche 
Name,  danach  trat  „Haricot“  an  seine  Stelle:  wahrscheinlich  ver- 
wandt mit  dem  griech.  d^av.og,  dem  Namen  einer  Hülsenfrucht.  Im 
Altfrz.  verstand  man  unter  haricot  wie  unter  dem  arab.  hali-grote 
ein  Hammelsragout,  zu  dem  Bohnen  vielleicht  als  Beispeise  gehörten, 
so  daß  man  letztere  schlechthin  oder  scherzweise  als  das  Ragout 
selbst  bezeichnete;  vergl.  hierzu  die  Verblendung  des  Namens  perdrix, 
bzw.  chapon  auf  ail  (Allium).  Nach  anderer  Erklärung  soll  der  An- 
blick einer  Platte  Bohnen  an  die  kleinen  geschnittenen  Fleisch- 
stückchen eines  Hammelsragoüts  erinnern.  Wenn  auch  die  letzteren 


— 136  — 

Erklärungsversuche  schon  etwas  abenteuerlich  erscheinen,  so  sei  doch 
noch  schließlich  die  Erklärung  von  Menage  angegeben:  faba,  fabarius, 
fabaricus,  fabaricotus,  haricotus:  Scheler  schreibt  hierzu:  Unglück- 
licherweise hat  Menage  versäumt,  uns  auf  der  Karte  die  verschiedenen 
Etappen  seiner  langen  Route  anzugeben,  die  von  faba  nach  haricot 
führt.  — In  der  Normandie  wird  der  weiße  Bohnensamen  noch  jetzt 
feve  blanche  genannt. 

e.  Bean. 

n.  Boon. 

Philadelphus. 

Zu  Ehren  des  Königs  Ptolomäus  von  Äg}'pten,  der  den  Beinamen 
Philadelphus  führte. 

d.  Pfeifenstrauch,  die  geraden  Zweige  werden  als  Pfeifenrohren  verarbeitet. 

f.  Philadelphe. 

e.  White  Syringa:  Blüht  weiß  und  in  Rispen  wie  die  Syringe.  Duftet 
ebenfalls  stark. 

n.  Jasmijn.  Im  Duft,  aber  nicht  in  der  Gestalt  dem  Jasmin  ähnlich:  er 
hat  dessen  Namen  usurpiert  wie  Robinia  Pseudacacia  den  Namen 
der  echten  Akazie  und  wie  Cladium  und  Cyperus  den  Namen  Gal- 
gant sich  angeeignet  haben;  vergl.  Einleitung. 

Phleum,  (pXetog, 

eine  Graminee,  unter  deren  Namen  man  im  Altertum  eine  Arundoart 
oder  Typha  verstand.  Im  Ionischen  bezeichnet  cplovg  sowohl  diese 
Pflanze  als  Bast;  die  Pflanze  dürfte  daher  von  ihrem  Gebrauch  zum 
Binden  den  Namen  erhalten  haben. 

d.  Lieschgras,  s.  unter  Carex. 

f.  Phleole,  Fleau  — Marsette,  korr.  aus  masse,  s.  unter  Typha.  — 
Queue  de  renard,  de  rat  = Fuchs-,  Rattenschwanz,  wegen  der  Ähren- 
form. 

e.  Cat’s-tail:  Katzenschwanz.  — Timothygrass:  In  England  als  Futter- 
kraut im  Jahre  1765  zuerst  von  Timothy  Hanson  kultiviert,  daher 
auch  deutsch  Timotheusgras,  frz.  Thimotee. 

71.  Doddegras  = Dostgras,  s.  unter  Typha. 

Phragmites,  vAXaaog  (pQayjiUTijg, 

ffqay^izrjg,  als  Zaun  dienlich,  von  qjgay^ta,  Zaun,  weil  das  Rohr  zur 
Ausflechtung  von  Zäunen  benutzt  wird.  Diosc.  I.  12 1.  *^[AXif.iog^ 
S-a^vog  iad  (foaytÄiT7]g, 

d.  Rohr,  verw'andt  mit  frz,  roseau,  vom  got.  raus,  altfrz.  und  proven- 
zalisch  desgl.,  norm,  ros;  entw^eder  verwandt  mit  rauschen,  wiegen  des 
Spiels,  das  der  Wind  mit  den  Rohrhalmen  und  Ähren  treibt,  oder 
verw’andt  mit  Röhre,  w’egen  der  hohlen  Stengel.  Doch  dürfte  Röhre 
wahrscheinlich  eine  sek.  Bildung  sein.  — Schilf,  \^erwandt  mit  scir- 
pus,  s,  dieses. 


137 


f.  Roseau  — norm,  catcoue:  von  chat:  Katze  und  queue:  Schwanz, 
wegen  des  Blütenstandes. 
e.  Reed,  s.  unter  Carex. 

11.  Riet. 

Physalis,  q^vaallg. 

Diosc.  IV.  72.  eOTL  vmI  Iregov  avgvxvov.  0 IdUog  aXivAvMßov  vm- 
?^ovoiv,  Ol  de  (puaaXiöa.  — '/mq^vov  öe  eyei  ev  d'V?.ayJoig  tveql- 
(fegeOLv,  ouoiov  q>voGaig,  Ttvqqov,  Txeqiqteqrj,  Xeiov,  cog  qäya 
OTaq^vlr^g. 

Plin.  XXI.  105.  halicacabon  vocant,  nostri  autem  vesicariam,  quo- 
niam  vesicae  et  calculis  prosit.  Frutex  est  surculosus  verius  quam 
herba,  folliculis  magnis  latisque  et  turbinatis  grandi  intus  acino,  qui 
maturescit  Novembri  mense. 

Von  q)i:aa,  Blase;  die  Frucht  ist  von  einem  roten,  aufgetriebenen, 
blasenförmigen  Kelch  umgeben,  lat.  daher  vesicaria  — oder  so 
genannt  (aber  wohl  erst  sekundär),  weil  sie  gegen  Blasenleiden  be- 
nutzt wurde. 

Ph.  Alkekengi, 

vom  arab.  al  kakendj,  das  wiederum  aus  dem  griech.  alr/My.(yC)aßog 
(s.  Diosc.)  entstellt  sein  soll,  wie  denn  überhaupt  viele  arabische 
Pflanzenbezeichnungen  wiederum  auf  das  Griech.  zurückzuführen  sind, 
da  ja  die  Araber  in  der  Pflanzenkunde  Schüler  der  Griechen  w'aren. 
alr/A'/Mßog:  aus  aZg,  Salz  und  VM'/Mßog^  Topf,  wiegen  des  salzigen 
Geschmacks  der  Beere  und  des  großen  diese  umhüllenden  Kelchs. 

d.  Schlutter  (?)  — Judenkirsche,  wegen  der  orangenen,  roten,  bis  kirsch- 
großen Beeren  und  wegen  des  roten  Kelches,  der  der  Kopf- 
bedeckung ähnelt,  wie  sie  im  Mittelalter  von  Judenfrauen  getragen 
wurde. 

/.  Coqueret,  von  coque,  Schale,  wiegen  des  Kelches.  — Cerises  d’hiver: 
Die  eßbaren  Früchte  reifen  zur  Winterszeit.  — Amour  en  cage, 
Liebe  im  Käfig,  w'egen  der  roten  Frucht,  die  in  rotem  Kelch  ein- 
geschlossen. — Pommes  d’amour:  Liebesäpfel. 

e.  Winter- cherry,  Winterkirsche. 

«.  Jodenkers  — Lampionplant,  da  der  aufgetriebene,  scharlachrote  Kelch 
einem  Lampion  ähnelt. 

Phyteuma,  (pvTsvua. 

Diosc.  IV.  128.  cpvTEVLia  — qi^T^  avayqdcpovol  rivEg  Evd^eruv  Ttqdg 
(pLXxqov. 

Plin.  XXVII.  99,  Phyteuma  quäle  sit,  describere  supervacuum  habeo, 
cum  sit  USUS  eius  tantum  ad  amatoria. 

Von  (fVTEvw,  zeugen,  sie  wmrde  als  Aphrodisiacum  benutzt  (s.  Diosc. 
und  Plin.)  — oder  von  qtvzEvco,  pflanzen,  cpvrevfxa,  das  Gepflanzte, 
Pflanze. 


138 


d.  Triftwurz,  wächst  auf  Triften,  Wiesen.  — Rapunzel,  Diminut.  von 
rapa,  Rübe,  wegen  der  rübenförmigen  Wurzel. 

f.  Raiponze,  Raponcule. 

e.  Rampion. 
n.  Rapunzel. 


Picea,  vergl.  unter  Pinus. 

von  pix  i/tioöa),  Pech,  Teer,  weil  dieses  aus  ihr  gewonnen  wird. 

d.  Fichte,  verwandt  mit  feucht,  wegen  des  Harzgehaltes,  oder  verwandt 
mit  P. 

y.  Epicea,  vom  Lat. 

e.  Spruce,  verwandt  mit  deutsch  Sproß,  wegen  des  hohen,  schlanken 
Wuchses  oder  der  vielen  Seitensprosse.  — Unter  (Spruce  =)  Pruce 
verstand  man  auch  Preußen,  vielleicht,  daß  die  in  England  nicht 
einheimische  Fichte  über  Preußen  in  England  eingeführt  wurde  und 
daher  ihren  Namen  erhalten  hat;  s.  unter  Juglans:  Walnuß. 

n.  Spar,  s.  imter  Abies. 


Picris,  TtLAQLq. 

Plin.  XIX.  38.  Pessimum  autem  genus  cum  exprobatione  amari- 
tudinis  appellavere  TtrAgida.  — XXII.  31.  ab  insigni  amaritudine 
cognominatus. 

Unter  picris  verstanden  die  Alten  verschiedene  Cichoriaceen.  Die 
heutige  Gattung  Picris  ist  nicht  besonders  bitter  {Ttiv.Qog). 

d.  Bitterich,  Bitterkraut. 

/.  Picride. 

e.  Picris. 

71,  Bitterkruid. 


Pimpinella 

wurde  Poterium  sanguisorba  genannt,  wegen  ihrer  becherförmigen 
Blüten  von  ttIvco,  bibere,  trinken.  Wegen  der  Ähnlichkeit  dieser 
Pflanze  mit  P.  saxifraga  sei  der  Name  auf  die  gesamte  Gattung 
übertragen.  — Oder  aus  pipemella,  weil  die  Wurzel  einen  pfefferähn- 
lichen Geschmack  habe.  — Oder  Dimin.  von  bipennis,  d.  h.  doppelt- 
geflügelt, weil  die  Blätter  an  den  Zweigen  immer  paarweise  stehen; 
vergl.  auch  unter  Anagallis. 

d.  Bibemell. 

/.  Boucage,  Persil  de  bouc:  Bockspetersilie,  wegen  des  starken  Geruchs 
oder  weil  die  Pflanze  von  Böcken  gefressen  wird.  P.  ist  wie  die 
Petersilie  eine  Umbellifere. 

<?.  Pimpinel. 

7i.  Bevemel  — Pimpemel. 


139 


Pinguicula. 

Diminutivum  von  pinguis,  fett,  wegen  der  fettglänzenden,  fleischigen 
Blätter. 

d.  Fettkraut. 

f.  Grassette,  von  gras:  fett. 

e.  Butterwort,  desgl. 

71.  Vetblad,  desgl. 

Pinus,  Ttev'/.rj,  s.  jtLrvg. 

Isidor.  XVII.  7.  31.  Pinium  autem  aliam  pitin,  aliam  Graeci 
TztvKVjV  vocant,  quam  nos  piceam  dicimus,  ex  quo  desudat  picem. 
Pinus  und  Picea  sind  sprachlich  wie  botanisch  häufig  verwechselt 
worden,  als  dritte  im  Bunde  Abies;  ebenso  Ttevxri  und  Ttizvg, 
worunter  die  Griechen  bald  Pinus  Aleppica,  bald  Pinus  Laricio  ver- 
standen. Betreffs  der  Etymologie  von  Pinus  ist  die  unter  Picea  ge- 
gebene Erklärung  möglich  — man  leitet  es  auch  aus  pic-nus  ab, 
um  es  auf  Picea  bequemer  zurückführen  zu  können  — oder  von 
ffOLVog,  braunrot,  wegen  der  Borkenfarbe  {cpoivL^  phönizisch  rot,  s. 
unter  Papaver)  — oder  verwandt  mit  kelt.  pen,  Kopf,  wegen  der 
kopfförmigen  Krone. 

d.  Kiefer,  aus  Kienföhre  kontrahiert,  nordböhm.  Kimfer,  frk.  kinfir,  ihr 
Holz  wird  zu  Kienspänen  benutzt.  — Eöhre  verwandt  mit  Feuer, 
da  die  Kienspäne  zu  Leuchtfackeln  benutzt  wurden,  oder  verwandt 
mit  Quercus;  s.  d. 

/.  Pinasse,  Pin. 

€.  Pine. 

71.  Pijn. 

Pirola  (Pyrola). 

Diminutivum  von  pirus,  Birne,  wegen  der  birnenblattähnlichen,  glänzenden 
Blätter. 

d.  Birnkraut.  — Wintergrün,  da  die  Blätter  über  Winter  grün  bleiben. 

f.  Pyrole.  — Verdure  d’hiver,  Wintergrün. 

e.  Wintergreen. 

7t.  Wintergroen. 


Pirus  (Pyrus). 

Isidor.  XVII.  3.  15.  Pirus  vocata  videtur,  quod  in  ignis  speciem 
deformata  est.  nam  hoc  genus  pomi  ab  amplo  incipit  et  in  angustum 
finit,  sicut  ignis. 

Von  Ttvq.,  Feuer,  da  die  Frucht  der  Birne,  die  der  gesamten  Gattung 
den  Namen  gegeben,  wie  das  Feuer  von  unten  nach  oben  sich  ver- 
schmälert — oder  verv'andt  mit  Ttltov,  fett,  wegen  der  fettglänzenden 
Blätter  im  Gegensatz  zu  den  rauheren,  leicht  behaarten  Apfelblättem, 
die  jenem  den  offiziellen  Namen  gegeben. 


140 


Pirus  communis^ 

gewöhnliche  P. 

d.  Birne,  aus  dem  Lat. 
f.  Poire  — poirier. 

e.  Pear-(tree). 

n.  Peer,  Pereboom. 

Pirus  malus. 

Vergl.  griech.  jiirilov,  das  wie  das  hebr.  peri  erst  Frucht,  dann  Apfel 
bezeichnete.  Griech.  urjXov  heißt  auch  Schaf  und  wird  die  Ety- 
mologie für  beide  Bedeutungen  in  uakvg:  (wollig)  gesucht,  wegen  der 
wolligen  Apfelblätter,  bzw.  des  Tierpelzes. 
d^  Apfel,  verw'andt  mit  Obst;  vergl.  aber  auch  kelt.  eppilew:  sprossen, 
wonach  Apfel  vielleicht  „Gewächs“  im  allgemeinen  bedeuten  würde. 
yi  Pomme,  Pommier,  vom  lat.  pomum;  Obst. 

Apple  — crab-apple,  von  ags.  scrabb:  Gebüsch;  der  unter  crab-apple 
verstandene  Wildapfel  wächst  strauchartig. 
n.  Appel. 

Pirus  s.  Sorbus. 

Sorbus  von  sorbere,  absorbieren,  zusammenziehen,  wegen  der  An- 
wendung als  Adstringens  bei  Diarrhöen,  oder  wegen  des  zusammen- 
ziehenden Geschmacks  der  Früchte;  event.  vom  kelt.  sor  = rauh, 
wegen  der  Früchte. 

Pirus  domestica  (Sorbus  d.); 

domestica,  häuslich,  da  sie  kultiviert  wird. 

d.  Spierling,  Speierling  von  sper,  spar,  dürre  Frucht,  die  erst  nach  dem 
Liegen  genießbar  wird. 

f.  Cormier.  Wenn  Littre  cormier  vom  com  um,  dem  lat.  Namen  des 
Baumes,  ableitet,  so  ist  dies  eine  Verv^echslung  mit  der  Cornel- 
kirsche,  die  der  Lateiner  mit  cornum  bezeichnete.  Cormier  bezeich- 
nete der  Lateiner  mit  Sorbus.  — Der  Ursprung  von  Cormier  ist 
unklar. 

e.  Service-tree,  von  cerevisia,  eine  Art  Bier,  da  man  berauschende  Ge- 
tränke aus  der  Fmcht  macht  — oder  verderbt  aus  Sorbus.  — 
Chequer  - tree,  chequer  alte  Aussprache  von  choker,  ersticken,  ver- 
schlucken, da  die  unschmackhafte  Fmcht  geeignet  sei,  einen  Er- 
stickungsanfall auszulösen;  oder  von  chequered,  scheckig,  wegen  der 
scheckigen  Frucht,  event.  wegen  des  geflammten  Holzes. 

n.  Peer  Lijsterbes  ==  Bimen-Elsbeere,  s.  unter  P.  torminalis. 

P-  s.  S.  auctiparia, 

von  aucupari,  auf  den  Vogelfang  ausgehen.  Die  Beeren  werden  zum 
Vogelfang  benutzt. 


d.  Vogelbeerbaum,  die  Vögel  fressen  seine  Beeren  gern.  — Quietsch- 
beere, verwandt  mit  quick:  lebhaft,  frisch,  da  sie  selbst  auf  ärmerem 
Boden,  z.  B.  als  Überbaum,  leicht  und  gut  gedeiht.  — Eberesche 
aus  Aberesche,  das  sich  zu  Esche  verhält  wie  Aberglaube  zu  Glaube, 
also  falsche  Esche;  s.  d.  Folgende. 

f.  Sorbier  des  oiseaux  = Vogelsorb us.  — Sorbier  des  oiseleurs  = Vogel- 
fängersorbus. 

e.  Mountain  ash : Gebirgsesche,  wächst  im  Gebirge,  sie  hat  mit  der  Esche 
die  Fiederteiligkeit  der  Blätter  gemeinsam.  — Rowan-tree,  altnordisch 
runa,  Zauber,  der  Baum  wurde  gegen  Verzauberung  angepflanzt; 
runtafas  waren  Stäbe,  die  von  dem  „Rowan“  geschnitten  wurden. 
Seine  Zweige  wairden  an  die  Viehställe  gehängt,  um  die  Tiere  vor 
Verhexung  und  Krankheit  zu  bewahren.  — Fowler’s-service  = Vogel- 
fängers Sorbus.  — Quickbeam,  weil  die  Blätter  immer  in  Bewegung 
sind;  s.  jedoch  oben  und  unter  Juniperus.  — Witchwood,  Witchen, 
andere  Form  von  cwic,  quick;  s.  aber  auch  unter  Ulmus. 

n.  Lijsterbes,  lijster  = Drossel,  bes  = Beere;  vergl.  Krammetsbeere  für 
Juniperus. 

P.  s.  S.  torminalis. 

Plin.  XV.  23.  Sorbus.  quartum  genus  torminale  appellant,  remedio 
tantum  probabile. 

Torminalis : zur  Ruhr  gehörig;  P.  torminalis  wurde  gegen  Ruhr  angewandt. 

d.  Elsbeere,  w’egen  der  Holzfarbe;  s.  unter  Ainus,  die  ebenfalls  Else, 
poln.  olsza  genannt  wird.  — Mehlbeerbaum,  s.  unter  P.  Aria. 

f.  Alisier,  alise,  altfrz.  alis  = süß,  wegen  der  Frucht,  v^hrscheinlich  aber 
verw’andt  mit  dem  deutschen  Namen.  Die  Akademie  schreibt  alizier. 

e.  Wild  service-tree,  wilder  Speierling  (P.  domestica). 
n.  P.  torminalis. 

Pirus  s.  Sorbus  Aria. 

Welche  Holzpflanze  die  Griechen  unter  aola  verstanden  haben,  ist 
zweifelhaft,  es  wurde  dieser  Pflanzenname  von  Linne  willkürlich 
zur  binären  Nomenklatur  verwendet. 
d.  Mehlbeerbaum.  Die  Frucht  ist  mehlig. 

f.  Alisier,  s.  unter  S.  torminalis. 

c.  Beam-tree,  beam:  Baum,  tree:  desgl.  Erklärung  zu  allgemein,  um 
richtig  sein  zu  können. 

n.  Sorbepeer  = Sorbusbime.  — Meelbes. 

Pisum,  TtiooVj  s.  Erv'um, 

von  7t{T)iooio,  lat.  pinsere,  zerreiben,  zerstoßen,  weil  die  Frucht  bei 
der  Zubereitung  zerstoßen  wird. 

d.  Erbse,  s.  Ervum. 
f.  Pois  vom  Lat. 

c.  Pea. 


142 


n.  Peulen,  von  peul,  Hülse,  mnd.  pöle,  Topf,  Schale,  wegen  der 
Schoten.  — Doperwten  = dop-erwten:  dop  = Schale,  erwt  s.  unter 
Ervum. 

Flantago,  agvoyli^oGov, 

Ableitung  von  planta:  Fußsohle,  wegen  der  Ähnlichkeit  der  Blätter, 
oder  von  planta:  Pflanze,  um  Plantago  somit  als  ein  sehr  verbreitetes 
oder  sehr  heilsames  Kraut  zu  bezeichnen. 

d.  Wegerich:  weil  es  in  Wegen  wächst.  — Heudieb:  weil  es  dem  Gras 
den  Platz  raubt;  vergl.  Milchdieb  (Euphrasia).  — Schafzunge,  lingua 
agnina,  Übersetzung  des  oben  erwähnten  griech.  S)monyms.  — Es 
sei  an  dieser  Stelle  erwähnt,  daß  die  Indianer  Plantago  maior 
„Fußtapfen  des  Weißen“  nennen.  Der  Same  bleibt  an  den 
Kleidern  der  Einwanderer  hängen  und  wird  so  von  diesen  im  Innern 
Nordamerikas  verbreitet.  (W.  Rattke:  Verbreitung  der  Pflanzen, 
1884.  p.  31.) 

f.  Plantain  — Langue  d’agneau:  Lammzunge. 

e.  Plantain. 

n.  Weegbree:  Wegebreit.  — Hondetong:  Hundszunge.  — Platvoet. 
Platauus,  7t?^avavog.*) 

Isidor.  XVII.  7.  37.  a latitudine  scilicet  foliorum,  vel  quod  ipsa 
arbor  patula  sit  et  ampla. 

Von  TtXaxvg:  breit,  wegen  des  breitwüchsigen  und  breitblättrigen 
Baumes.  — Nach  anderen  Erklärern  soll  das  Wort  iranischen,  d.  h. 
persischen  Ursprungs  sein. 

d.  Platane. 

f.  Platane. 

e.  Plane,  aus  Platanus  in  Anlehnung  an  plane,  flach,  wiegen  der  breiten 
Blätter  und  des  ziemlich  flach  sich  ausbreitenden  Laubdachs;  amerikan. 
Buttonweed,  wiegen  der  knopfförmigen  Frucht. 

n.  Plataan. 

Poa,  Ttoa. 

Theophr.  IX.  8.  i.  vmIoZolv  yag  ymI  rcöav  (herbam.  Kraut)  l.via  twv 
(paQiia'ÄOÖtüV  01  QlCoTOt^lOL. 

Ttoa  war  im  Griechischen  ein  Kollektivum  für  Kräuter  und  Gräser; 
vergl.  II.  14.  347:  Kraut  und  Od.  18.  370:  Gras. 

d.  Rispelgras,  wegen  der  Rispenäste. 

f.  Päturin,  päture,  von  pascere,  wieden,  da  es  eine  gute  Weidpflanze  ist. 

e.  Poa. 

n.  Beemdgras:  Auen-  oder  Wiesengras. 

*)  Nicht  zu  verwechseln  mit  dem  homer.  nlaraviGTog,  wie  dies  z.  B.  durch 
Herodot  7.  31.  geschieht.  In  dem  Gespr.  des  Sokr.  mit  Phädr.  wird  die  Platane 
jikciTavog  genannt  und  ihrer  als  Krankheitserregers  gedacht.  Ihre  Blatthaare  rufen  be- 
kanntlich Augenentzündung  und  Kratzen  im  Halse  bei  dafür  empfindlichen  Personen 
hervor. 


43 


Polemonium,  TToleucoviov. 

Plin.  XXV.  28.  Polemoniam  ab  certamine  regum  inventionis  ap- 
pellant. 

Von  TtoXe/iiog,  Krieg,  Streit,  den  Könige  um  die  Entdeckung  der 
Pflanze  gehabt  hätten  (Plin.).  Nach  anderer  Meinung  Polemon,  einem 
König  von  Pontus,  zu  Ehren  so  benannt.  Nach  dritter  Meinung 
nach  Polemonium,  einer  Stadt  Kappadociens.  Nach  vierter  Meinung 
schließlich  aus  tvoXv:  viel  und  /.lovog:  allein,  wegen  der  vielpaarig 
gefiederten  Blätter. 

d.  Sperrkraut:  wegen  der  speerförmigen  Blätter,  oder  von  sperricht,  aus- 
einandergespreizt, wegen  der  dichtbuschigen  Grundblätter.  — Himmels- 
leiter, wegen  der  Anordnung  der  Stammblätter. 

y.  Polemoine. 

e.  Greek  Valerian  (?).  Jacob’s-Ladder:  Jacobsleiter. 
n.  Speerkruid. 

Polygala,  TtolvyaXov. 

Diosc.  IV.  140.  Uolvyalov.  7to&ev  öe  vmI  tovto  yaXa  öov.el  TtXeiov 

TtOLUV. 

Plin.  XXVII.  96.  Quae  pota  lactis  abundantiam  facit. 

Galen  0 XVI.  27.  IloXvyaXov.  Soxel  de  Ttivc/neva  yaXa  yevvav. 
Von  TtoXv^  viel  und  yaXa,  Milch,  Genuß  des  Krautes  soll  die  Milch 
vermehren. 

d.  Ramsel  {?).  Allium  ursinum  und  Erysimum  alliaria  werden  ebenso 
genannt.  — Kreuzblümchen  (?). 

f.  Laitier,  von  lait:  Milch. 

e.  Milkwort. 

71.  Kruisbloem  = Kreuzblume. 

Polygonatum,  TtoXvydvarov. 

Diosc.  IV.  6.  üoXvyovavov.  — gll^av  de  TcoXvydvarop  — 

Plin.  XXVII.  91.  TtoXvydvarov  ali  polygonaton  a frequentia  geni- 
culorum. 

Von  TtoXvg:  viel  und  ydvv:  Knie;  ein  Kraut,  dessen  Wurzel  viele  Kniee, 
Knoten  hat;  es  sind  dies  die  Narben  des  Wurzelstocks,  auf  denen 
die  vorjährige  Pflanze  gewachsen  war. 

d.  Weißwurz,  wegen  der  Wurzelfarbe.  — Salomonssiegel,  wegen  der 
Narben,  die  wie  Siegel  ausseh en;  vergl.  Convallaria. 

f.  Genouillet,  von  genou,  Knie.  — Sceau  de  Salomon:  Salomonssiegel. 

e.  Solomon-seal. 

71.  Salomonszegel. 

Polygonum,  jtoXvyovov, 

Diosc.  IV.  4.  YLoXiyovov'  Ttoa  eorl  yMovag  e'xovaa  ydvaoL  Ttegiei- 
Xrjf.i(Aevovg.  eyei  de  vmqtcov  Ttag  tyaarov  cpvXXov,  od-ev  ymI  aogev 
yaXeXxaL. 


144 


Plin.  XXVII.  91.  Polygonum  appellarique  a multitudine  seminis 
aut  densitate  fruticis,  ali  polygonatum  a frequentia  geniculonim. 
Von  TcoXv^  viel  und  yovv,  Knie,  ein  Kraut,  das  viel  Knie,  Knoten 
hat,  der  Stengel  ist  gliedweise  verdickt,  oder  von  tzoXv,  viel  und  yovogy 
Frucht,  wegen  seines  Samenreichtums. 

d.  Knöterich:  von  Knoten.  — Hansel  am  Weg  (Österr.),  da  er  oft  am 
Weg  wächst. 

f.  Renouee,  noue  geknotet,  renouee,  die  wiederholt  geknotete  Pflanze. 

e.  Knotweed  — Knot-grass. 

11.  Duizendknoop. 

Populus. 

Isid.  XVII.  7.  45.  Populus  dicta,  quod  ex  eius  calce  multitudo 
nascatur. 

Verwandt  mit  Tiolvy  viel,  wegen  des  raschwüchsigen,  ergiebigen 
Holzes:  Populus  wäre  somit  eine  Reduplikationsform  — oder  von 
TtaiTtaX'kw,  sich  rasch  bew^egen,  beben,  wegen  der  vom  Wind  leicht 
bewegbaren  Blätter  — oder  von  populus,  Volk,  weil  er  auf  öffent- 
lichen Plätzen  angepflanzt  wurde.  — Vielleicht  ist  populus  asiat.  Ur- 
sprungs; vergl.  indisch:  pipala.. 

d.  Pappel. 

f.  Peuplier. 

e.  Poplar. 

n.  Rutteler,  vei-wandt  mit  deutsch  rütteln,  wegen  des  Bebens  seiner 
Blätter.  — Populier. 

P.  tremula. 

d.  Zitterpappel,  s.  oben.  — Espe.  Ursprung  unklar,  espen  soll  zittern 
bedeuten,  doch  vielleicht  erst  sekundär. 

f.  Peuplier  tremble:  Zitterpappel. 

e.  Aspen,  vergl.  deutsch  Espe,  isl.  ösp,  schwed.  und  dän.  asp. 

71.  Espenboom.  — Ratei  populier,  s.  unter  Rutteler  (Populus).  — 
Vrouwentongen:  weil  die  Blätter  immer  in  Bewegung  sind;  vergl. 
unter  Briza. 

Portulaca  (porculaca). 

Dimin.  von  porta:  Tür,  deutet  auf  die  abführende  Wirkung  oder  auf 
die  Querspalte,  mit  der  die  Samenkapsel  sich  öffnet.  — Nach  anderer 
Meinung  von  porcus,  Schwein,  vulgärlat.:  Scham  abzuleiten,  da  die 
Alten  möglicherweise  Chenopodium  unter  portulaca  verstanden  hätten. 
— Nach  dritter  Meinung  aus  porta  und  lactuca  kontrahiert. 

d.  Portulak,  Burgel,  Bürzel,  aus  dem  Lat. 

f.  Pourpier,  volksetymologisch  poulpied:  Hühnerfuß. 

e.  Purslane. 

71.  Porselein. 


145 


Potamogeton,  Tcoxa^ioyeiTtov. 

Diosc.  IV.  99.  noTai.ioyeircüv  covof-iaaraL  ds  dia  tc  ev  riXfxaoi 
ymI  iviSgoig  roTioig  (pveod^aL. 

Von  7toxaf.i6g'.  Fluß  und  yelxcov:  benachbart;  wächst  am  Wasser. 
ä.  Laichkraut,  desgl. 

f.  Epi  d’eau,  Wasserähre,  wegen  des  ährenförmigen  Blütenstandes. 

e.  Pondweed:  Teichkraut. 

?i.  Fonteinkruid:  Brunnenkraut. 

Potentilla, 

von  potentia,  Macht,  potens,  mächtig:  Diminutivform.  Wegen  der 
Heilwirkungen. 

d.  Fingerkraut,  die  Blätter  sind  fünfzählig  gefingert.  — Silberkraut, 
wegen  der  unterseits  weißen  Blätter.  — Gänsekraut,  Gänse  fressen 
die  jungen  Blüten. 

f,  Pontentille.  — Anserine,  von  lat.  anser,  Gans;  herbe  aux  oies: 
Gänsekraut. 

e.  Potentil  — Silverweed. 

71.  Ganzerik  — Zilverschoon. 

Primula. 

Diminutiv  von  prima:  erste,  da  sie  als  Frühlingsbote  auf  den  Wiesen 
blüht.  Finne  faßte  unter  Primula  veiis  Primula  officinalis  und  elatior 
zusammen.  Betr.  der  Bezeichnung  officinalis,  die  häufig  wiederkehrt, 
vergl.  H.  Wagner,  Malerische  Botanik,  1861:  „Die  Mehrzahl  unserer 
einheimischen  Gewächse,  die  noch  als  ehrwürdiges  Andenken  an  ver- 
gangene ,bessere‘  Zeiten  den  Namen  officinalis:  arzneilich  tragen,  sind 
als  unbrauchbar  beseitigt,  eine  andere  Zahl  ist  zwar  noch  beibe- 
halten; wer  möchte  auch  alle  Säulen  eines  alten  Gebäudes  mit 
einem  Male  einreißen,  besonders,  wenn  das  neue  noch  nicht 
fertig  ist.“ 

d.  Primel.  — Himmelsschlüssel:  als  Frühlingsblume  so  genannt;  nach 
Ansicht  des  Volks  öffnen  die  Blüten  die  Himmelstüre.  — Betr.  der  Be- 
zeichnung: Heiratsschlüssel  s.  unter  Ophrys  und  Orchis,  denen  der- 
selbe Name  zukommt. 

f.  Primevere:  prima  veris:  die  erste  des  Frühlings. 

e.  Primrose:  erste  Blüte. 

n.  Sleutelbloem : Schlüsselblume.  — St.  Pieterskruid : Petrus  ist  der  Be- 
wahrer des  Himmelsschlüssels. 

Prunus^  TtQovvog. 

Isidor.  XIX.  6.  7.  Pruna  est,  quam  diu  ardet;  pruna  autem  per- 
urendo  dicta. 

Prunus,  von  perurere,  weil  sein  Holz  „lange  brennt  und  glimmt“  — 
oder  von  TcvQLVog,  feurig  — oder  von  TCQOvvog,  dem  Namen  eines 

Kanngiesser,  Etymologie  usw.  10 


46 


wilden  Obstbaumes,  von  TZQtouog:  frühzeitig,  da  seine  Früchte  noch 
im  Hochsommer  reifen. 

d.  Pflaume,  aus  dem  Lat.  durch  Erweichung  des  r-Lautes:  im  mhd. 
und  in  manchen  Dialekten  ist  das  r noch  erhalten;  im  ii.  Jahrh. 
phrumä;  bei  Aachen  Prumm. 

f.  Prune  — prunier  (der  Baum). 

e.  Plum. 
n.  Pruim. 


Pr.  armeniaca. 

Galen.  XII.  i8.  IMr^Xia^AquEviv.r^.  Tavrr^g  l/XihEinTai  xo  rcaKaiov 
ovoLia.  y.alovoi  yao  uuavztg  v.al  tov  yagitov  y,al  xd  devöoov 
TtQSyJy.yuov  (desgl.  Aetius). 

Isid.  XVII.  7.  7.  jMalum  Armeniacum  dicitur,  quod  primum  genus 
ad\'ectum  sit  ab  Armenia.  Horum  aliud  praecoquum  vocatur. 
x\rmeniaca:  armenisch,  stammt  aus  Armenien. 

d.  Aprikose,  vom  arab.  Al-Berkuk,  vom  lat.  praecox:  frühzeitig,  mit  Vor- 
gesetztem arab.  Artikel  „al“.  Der  Baum  trägt  schon  im  Hoch- 
sommer Früchte.  Jedenfalls  nicht  zutreffend  ist  die  Ableitung  von 
apricus:  sonnig.  Im  byzant.  Griech.  wurde  Pr.  arm.  ßegLyoyyiov 
genannt. 

f.  Abricot,  span,  albercocca,  portug.  albricoque,  ital.  albicocco. 

e.  Apricot. 

71.  Abrikoos. 

Pr.  aThim. 

Avium  gen.  plur.  von  a\is,  Vogel,  die  Vögel  fressen  seine  Früchte. 

d.  Vogelkirsche,  Süßkirsche  im  Gegensatz  zur  Sauerkirsche,  Kirsche  s. 
unter  Pr.  cerasus. 

f.  Cerisier  des  oiseaux:  Vogelkirschbaum;  cerise  des  oiseaux:  Vogel- 
Idrsche. 

e.  Gean,  vergl.  frz.  guigne,  verwandt  mit  Weichsel;  s.  unter  Pr.  IMahaleb. 
n.  Zoete  Kers:  Süßkirsche. 


Pr.  cerasus,  yJgaaov. 

Isid.  XVII.  7.  16.  Cerasus  a Ceraso  urbe  Ponti  vocata.  Nam 
Lucullus  cum  Cerasum  urbem  Ponti  delevisset,  hoc  genus  pomi 
inde  advexit,  et  a civitate  cerasum  appellavit. 

Soll  benannt  sein  nach  der  Stadt  Cerasus,  von  wo  Lucullus  sie  nach 
Italien  eingeführt  habe.  Sehr  leicht  möglich  aber  hat  die  Stadt  Cerasus 
sekundär  von  Pr.  cerasus  den  Namen  und  war  die  Kirsche  schon 
vorher  in  Italien  bekannt.  Das  Vaterland  von  Pr.  cerasus  ist  wahr- 
scheinlich das  pontische  Gebirge,  wo  die  Kirsche  heute  noch  kirahs 


47 


genannt  wird.  Keqaoov  und  y.Qaveiov:  (Comus  mascula)  sollen  ety- 
mologisch gleichen  Ursprungs  sein. 

d.  Sauerkirsche. 
f.  Cerisier. 

e.  Cherry. 

n.  Zure  Kers. 

Prunus  domestica. 

d.  Hauspflaume  — Zwetsche,  Quetsche,  weil  man  den  Kern  heraus- 
quetschen kann,  oder  verwandt  mit  Quitte  (Cydonia). 

f.  Prunier  domestique.  — Prune  (de  damas):  Damaskener  Pflaume,  da 
sie  von  Damaskus  aus  bekannt  geworden  sein  soll. 

e.  Damson. 

n.  Kwets.  — Gewone  pruim. 

Prunus  italica. 

d.  Italienische  Plaume,  da  sie  von  Italien  aus  bekannt  wurde.  — Reine 
Claude,  zu  Ehren  von  Claudia,  einer  französischen  Königin  des 
i6.  Jahrhunderts. 

f.  Reine  Claude  = Königin  Claudia. 

e.  Greengage:  wegen  der  grünen  Frucht,  gage  vielleicht  verwandt  mit 
engl.  Gean  (Pr.  avium)  und  frz.  Guigne  (Pr.  mahaleb). 

71.  Italiaansche  pruim. 

Prunus  mahaleb. 

Mahaleb:  arab. : hartes  Holz. 

d.  Weichselkirsche,  poln.  wisnia,  lit.  vyszna.  Ursprung  unklar. 

f.  Guigne,  ver\vandt  mit  Weichsel.  — Bois  de  St.  Lucie  = St.  Luciaholz, 
der  Baum  wird  in  der  Umgegend  des  Klosters  St.  Lucie  in  Lothringen 
gebaut  und  verarbeitet. 

e.  Mahaleb. 

71.  Weichselboom. 

Pr.  padus,  7r«dog. 

Herkunft  unklar. 

d.  Traubenkirsche,  weil  die  Blüten  in  großen  Trauben  stehen.  — „Silber- 
regen“ vird  der  weißblütige  Baum  im  Gegensatz  zum  Goldregen 
(Cytisus)  genannt. 

f.  Cerisier  Putiet:  aus  Padus  verderbt. 

e.  Birdcherry:  Vogelkirsche. 

71.  Vogelkers.  — Wilde  sering. 

Pr.  spinosa. 

Spinosus,  dornig. 

d.  Schlehe,  verwandt  mit  oberd.  schlähe,  herb,  wegen  des  Geschmacks 
der  Frucht,  oder  mit  schleichen,  weil  es  ein  niedriges,  dorniges  Ge- 
büsch ist,  oder  mit  sla,  schlagen;  vergl.  die  ags.  Bezeichnung:  slaga, 

10* 


148 


da  der  dornige  Strauch  leicht  verwundet.  — Schwarzdorn,  wegen  dei 
schwarzen  Rinden-  und  Beerenfarbe  im  Gegensatz  zum  Weißdorn 
(Crataegus). 

f.  Epine  noire,  desgl.  — Buisson  noir:  Schwarzstrauch. 

e.  Sloe  — Blackthorn:  Schwarzdom. 

71.  Slee(doorn). 

Pulicaria,  sc.  herba. 

Isid.  XVII,  9.  54.  quod  semen  simile  pulici  habeat,  unde  et  eam 
Latin!  herbam  pulicarem  vocant. 

Von  pulex,  Floh:  da  der  Same  Farbe  und  Gestalt  eines  Flohs  habe, 
oder  weil  es  zur  Vertreibung  von  Ungeziefer  benutzt  wurde. 

d.  Flohkraut. 

f.  Chasse-puce:  Jagefloh.  — Pulicaire.  — Herbe  de  St.  Roch:  St.  Roch 
ist  der  Beschützer  des  kranken  Viehs.  Das  Kraut  wird  in  Viehställen 
zur  Vertreibung  des  Ungeziefers  aufgehängt. 

e.  Fleabane:  Flohbann. 

71.  Vlookruid. 

Pulmonria,  sc.  herba. 

Von  pulmonarius:  Adjektivum  zu  pulmo,  Lunge:  ein  Kraut,  das 
gegen  Lungenkrankheiten  verwandt  wurde. 

d.  Lungenkraut,  wurde  der  Signaturlehre  entsprechend  wegen  der  Blüten- 
farbe gegen  Lungenleiden  benutzt.  — Die  ungleichen  Schwestern 
(Aargau):  wegen  der  roten  und  blauen  Blumen  an  einer  Pflanze. 

f.  Pulmonaire.  — Herbe  aux  poumons:  Lungenkraut.  — Sauge  de 
Jerusalem:  Salbei  von  Jerusalem,  s.  unter  Salvia.  — Herbe  au  lait 
de  Notre-Dame:  Liebfrauenmilchkraut,  wegen  der  weißgefleckten 
Blätter. 

e.  Lungwort. 

71.  Long(en)kruid. 

Pulsatilla, 

von  pulsare,  treiben,  stoßen,  anschlagen,  läuten:  weil  die  Pflanze  auf 
freien  Höhen  wächst,  wo  der  Wind  mit  ihr  sein  Spiel  treibt  (auch 
herba  venti  = Windkraut  genannt;  vergl.  unter  Anemone,  mit  der 
sie  nahe  verwandt)  — oder  wegen  des  raschen  Wachsens  der  Car- 
pelle — oder  endlich  wegen  der  glockenförmigen,  hängenden  Blüten. 

d.  Schelle,  desgl.  Küchenschelle  aus  Kuhschelle,  wie  Schüchel  aus  Schuh. 
— Wildemannskraut  (Schweiz),  wegen  des  federigen  Fruchtstands. 

f.  Fleur  des  Päques,  Osterblume,  da  sie  um  Ostern  blüht.  — Herbe 
au  vent:  Windkraut.  — Coquerelle,  von  coque,  Schale,  der  die 
Blüte  gleicht. 

e.  Pasque-flower,  vergl.  frz.  Fleur  des  Päques. 

/i.  Paarse  Anemoon:  violette  Anemone,  wegen  der  Blütenfarbe.  — Wilde- 
rn anskruid. 


149 


Q. 

Quercus. 

Isid.  XVII.  7.  38.  Quercus  sive  quernus,  quod  ea  soliti  erant  dii 
gentium  quaerentibus  responsa  praecanere. 

Verwandt  mit  quaerere,  fragen,  da  die  Götterorakel  sich  unter  Eichen 
befanden  — oder  verwandt  mit  yiQazogf  Kraft,  Stärke;  vergl.  auch 
das  Synonym  robur,  das  tatsächlich  von  dem  kräftigen  Wuchs  des 
Baumes  den  Namen  hat;  auch  verwandt  mit  skrt:  karkara,  hart: 
danach  wegen  des  harten  Holzes  so  benannt.  — Im  Kelt.  bedeutet 
kaer,  quez,  Baum;  die  Eiche  wurde  also  vorzüglich  mit  dem  Namen 
„Baum“  belegt,  um  sie  als  die  kräftigste  unter  allen  Bäumen  zu  kenn- 
zeichnen. 

Eiche,  verwandt  mit  aesculus,  s.  diese,  oder  mit  alylXcoip,  wie  bei 
Theophrast  eine  Eichengattung  genannt  wurde.  — Ags.  hieß  die 
Eiche  ac;  zuvor  mag  man  unter  ac  nur  die  Erucht  der  Eiche  ver- 
standen haben;  engl,  acorn,  Eichel,  verwandt  mit  griech.  a%vXog, 
Eichel,  verwandt  mit  deutsch  Ecker,  welche  Bezeichnung  wir  für  die 
Frucht  der  Buche  reserviert  haben;  engl,  acorn  aus  ac  und  corn,  das 
Korn,  die  Frucht  der  Eiche. 
f.  Chene,  norm,  quene,  von  quernus  (Isid.)  = quercus. 

<?.  Oak. 
n.  Eik. 


R. 

Radiola. 

Diminutiv  von  radius,  Strahl;  wegen  der  strahlenförmig  angeordneten 
Zähne  der  Samenkapsel. 

d.  Haarkraut,  w'egen  des  fadenförmigen,  vielästigen  Stengels.  — Lauter- 
kom,  wiegen  des  Samenreichtums.  — Zwerglein,  die  Pflanze  wird 
2 — 5 cm  hoch  und  ist  dem  Lein  (Linum)  nächst  verwandt. 

f.  Faux-lin;  falscher  Lein.  — Radioie. 

e.  Allseed;  Alles  Samen. 

n.  Straal-stengeltje:  Strahlenstengelchen. 

Ranuncülus. 

Diminutiv  von  rana,  Frosch;  übersetzt  aus  dem  griech.  ßarqdxLOv: 
von  ßdrQayog,  Frosch:  Froschkraut,  da  viele  Arten  an  feuchten  Orten 
wachsen. 

d.  Hahnenfuß,  wegen  der  Blattform. 

f.  Renoncule. 


e.  Crowfoot,  vergl.  die  lat.  Bezeichnung  pes  corvinus:  Krähenfuß.  — 
Buttercups:  Butterschalen,  wegen  der  gelben,  schalenförmigen  Blüten. 
71.  Boterbloem  — Kikkerplant:  Froschpflanze. 

Kanunculus  ficaria, 

von  ficus.  Feige,  wegen  der  kleinen  Wurzelknollen,  oder  von  ficus  in 
der  Bedeutung  Feigwarze,  da  das  Kraut  gegen  diese  verwandt  wurde; 
doch  dies  wohl  sekundär,  wegen  der  Ähnlichkeit  der  Wurzelknöllchen 
mit  Feigwarzen. 

d.  Feigwurz  — Scharbockskraut,  d.  h.  Skorbutkraut,  gegen  den  Skorbut. 
— Österr.  Erdgerste  und  Himmelsbrot,  wegen  der  gelben,  gersten- 
ähnlichen AVurzelknöllchen,  die  nach  starkem  Regen  zuweilen  frei 
zutage  liegen. 

y.  Petit  bassinet,  kleines  Becken,  wegen  der  konkaven  Blüte.  — Pot  au 
beurre,  Buttertopf,  desgl.  und  wegen  der  gelben  Blütenfarbe.  — Herbe 
aux  hemorroides,  sekundär  wegen  der  Wurzelknöllchen  gegen  Hämor- 
rhoiden angewandt. 

e.  Figwort  — Besser  Celandine,  kleineres  Chelidonium;  mit  Chelidonium 
hat  R.  f.  entfernte  Ähnlichkeit,  aber  keinerlei  Verwandtschaft.  — 
Pilewort:  pile  (vom  lat.  pila:  Ball),  die  Hämon'hoide. 

71.  Speenkruid.  Speen  ist  die  goldene  Ader:  die  Hämorrhoide;  vergl. 
Herbe  aux  hemorroides.  [Unter  Speen  versteht  man  im  Niederl. 
auch  die  Mutterbrust,  der  Begriff  speen  ist  mit  spannen  verwandt, 
das  Wort  speen  ist  im  deutschen  Wort  Spanferkel  enthalten,  worunter 
man  Schweinchen  versteht,  die  noch  an  der  Mutterbrust  liegen.] 

Baphanus,  qacpavog, 

von  QccÖLOg,  leicht  und  qtalvco,  erscheinen,  weil  der  Rettich  bald  auf- 
geht, nachdem  er  gesät  ist  — oder  von  rapa:  Rübe. 

d.  Rettich,  ahd.  ratih,  von  lat.  radix,  Wurzel,  wegen  der  starken,  rüben- 
förmigen Wurzel. 

f.  Radis,  desgl.  — Raifort  aus  rave,  Rübe  und  fort,  stark. 

e.  Radish. 

71.  Radijs.  — Ramenas  aus  raphanus  verderbt. 

R.  sativus  radicula. 

Saatrettich  mit  kleiner  Wurzel. 

d.  Radieschen. 

f.  Radix,  petite  rave:  kleine  Rübe. 

e.  Spanish  Radish,  weil  es  von  Spanien  aus  in  England  bekannt  wurde. 
71.  Radijsje. 

B,  raphanistrum, 

raphanistrum : dem  Raphanus  ähnlich. 
d.  Heide-Rettich,  wächst  nicht  auf  Heideland,  sondern  auf  Äckern:  der 


— I5I  — 

Name  ist  wohl  aus  Hederich  assimiliert,  wie  er  wegen  der  „hadernden“, 

d.  h.  in  einzelne  Teile  zerfallenden  „Gliederschoten“  genannt  wird.  — 
Ackerrettich. 

f.  Radis  Raven  eile : Raven  eile : von  Raphanus,  oder  Dimin.  zu  rave : Rübe. 

e.  Wild  Radish:  ein  Ackerunkraut.  — Jointed  Charlock:  verbundener 
Ch.  wegen  der  perlenschnurförmig  zusammengefügten  Schote.  Betr. 
Ch.  s.  unter  Sinapis,  dem  R.  raphan.  nächst  verwandt  ist. 

71.  Wilde  Radijs.  — Herik;  Hederich. 

Reseda, 

von  resedare,  sedare,  beschwichtigen;  diente  als  Heilmittel. 

R.  luteola, 

gelbe  Reseda,  wegen  der  Blütenfarbe;  überdies  diente  sie  zum  Gelb- 
färben. 

d.  Färberresede.  — Wau(d)  vergl.  unter  Isatis. 

f.  Gaude,  norm,  vaude. 

Weid. 

71.  Wouw. 

R.  oder  ata, 

duftende  Reseda. 

d.  Reseda. 

f.  Reseda.  — Herbe  d’amour:  Liebeskraut,  da  sie  wegen  ihres  ange- 
nehmen Duftes  ein  geschätztes  Pflänzchen  ist.  — Herbe  maure,  da 
es  von  den  Mauren  über  Spanien  nach  Frankreich  eingeführt 
worden  sei. 

e.  Mignonnette,  da  es  ein  zierliches  kleines  Pflänzchen  ist.  Mignon  ist 
verwandt  mit  Minne:  Liebe. 

Rhamnus,  qaiiivog. 

Diosc.  I.  119.  Pdi^ivog,  qdßdovg  tycov  Iq&dg  vmI  o^elag  d/Mvd'ag. 
Von  odßdog,  Stab,  wegen  der  stabförmigen  Zweige  — oder  verwandt 
mit  QdTVTto,  nähen,  stechen,  wegen  der  Dornen. 

Rb.  catharticiis, 

von  /.ad^aiQO),  reinigen,  seine  Früchte  wurden  als  Purgiermittel  benutzt. 

d.  Kreuzdorn,  wegen  der  axselständigen  Dornen.  — Tinten-  und  Grün- 
beere, wegen  des  schwarzgrünen  Saftes  der  Beeren. 

f.  Cathartique.  — Nerprun,  von  noir,  schwarz  und  prunum,  Pflaume, 
wegen  der  pflaumenähnlichen,  schwarzen  Frucht.  — Epine  de  cerf: 
Hirschdorn,  da  er  im  Wald  wächst. 

e.  Buckthom,  s.  unter  Frangula. 

71.  Wegedoorn,  wächst  häufig  am  Weg.  — Duinbessen  = Dünenbeere, 
wächst  in  den  Dünen.  — Nertpruim:  frz.  Nerprun. 


152 


Bheum.  'P«,  q^ov. 

Diosc.  III.  2.  "P«,  o\  de  gijor  VM^ovat,  yevvaiai  ev  Toig  VTreg 

BoGTtOQav  TOTCoig  od-ev  vmI  ^ofxiCeTat. 

Galen,  0 XVII.  3.  Pijov,  evioi  de  TcqoaayoQevovGiv  avzo  ga. 
Aetius,  Sermo  I.  Peov  TCovrLy.6v,  evLOi  de  gäov  TtQOGayoQEvovGiv. 
Isid.  XVII.  9.  40.  Reubarbarum,  quod  trans  Danubium  in  solo 
barbarico  colligitur,  nominatum.  Reu  autem  dictum,  quod  sit  radix, 
quasi  radix  barbara. 

Von  einem  pontischen  Namen  ga  für  die  Pflanze  — oder  von  radix, 
Wurzel,  die  vornehmlich  als  Purgativum  gebraucht  wurde  — oder 
von  Pa,  Wolga,  an  der  sie  beheimatet  sein  sollte. 

d.  Rhabarber  = Rha  barbarum,  eine  barbarische,  d.  h.  eine  aus  der 
Fremde  eingeführte  Pflanze. 

f.  Rhubarbe. 

e.  Rhubarb. 
n.  Rabarber. 

ßhyncliospora, 

von  g^eyyßg,  Schnabel  und  Gitoga,  Korn,  Grcogog,  Samen,  wegen  der 
geschnäbelten  Frucht. 

d.  Semde,  ahd.  semida,  verwandt  mit  got.  siman,  binden;  vergl.  Juncus. 

f.  Rhynchospora. 

e.  Beaksedge  = Schnabelsegge;  vergl.  Carex,  mit  dem  sie  als  Cyperacee 
verw'andt  ist. 

71.  Grasbies:  Grasbinse,  s.  unter  Juncus,  ebenfalls  Monokotyle,  mit  der 
sie  der  Gestalt  nach  Ähnlichkeit  hat. 

Kibes. 

Der  Name  ist  angeblich  arab.  Herkunft  (Ribes  rubrum  wird  auch 
R.  Arabum  genannt)  oder  verwandt  mit  Rubus,  s.  dieses. 

Ribes  grossularia. 

Grossulus  ist  Dimin.  von  grossus,  worunter  man  die  kleinen  sich 
bildenden  oder  nicht  gereiften  Feigen  verstand;  wegen  gewisser  Ähn- 
lichkeit der  Früchte  so  benannt. 

d.  Stachelbeere,  wegen  des  stachligen  Strauches.  — Kräusel,  verderbt 
aus  grossularia  oder  verwandt  mit  Graus,  gruseln,  da  der  Strauch 
dicht  mit  Dornen  besetzt  ist.  — Christbeere  assimiliert  aus  grossularia. 

f.  Groseille  verte,  grüne  Stachelbeere.  — Groseiller  epineux:  dornige 
Grossularia.  — Groseiller  ä maquerau,  die  Makrelensauce  wird  mit 
Stachelbeeren  gewürzt. 

e.  Gooseberry  aus  grossularia. 

7t.  Kruisbes  — Stekelbes  — Doombes. 

Ribes  rubrum, 

rotes  Ribes,  wegen  der  roten  Beeren. 


153 


d.  Johannisbeere,  da  die  Beeren  um  die  Johanniszeit  zu  reifen  beginnen. 
f.  Groseillier  rouge.  — Gadelier,  von  breton.  gardiz,  rauh,  scharf, 

wegen  des  säuerlichen  Geschmacks  der  Frucht.  — Groseiller  ä 
grappes,  Trauben -Johannisbeere,  da  ihr  Fruchstand  einer  Traube 
gleicht. 

e.  Red  currant ; von  Korinth,  von  w’o  man  ihre  H erkunft  annahm,  abzuleiten. 
n.  Roode  aalbes,  vergl.  unter  Ainus. 

Eibes  nigrum, 

schwarzes  Ribes,  wegen  der  schwarzen  Beeren. 

d.  Schwarze  Johannisbeere.  — Wanzenbeere,  wegen  des  Geruches  der 
Beeren.  — Gichtbeere.  — Ahlbeere. 

f.  Groseillier  noir,  schw’arze  J.  — Cassis,  von  cassia,  womit  die  Griechen 
eine  aromatische  Pflanze  bezeichneten. 

e.  Black  currant,  schwarze  J. 

71.  Zw'arte  aalbes. 

Rosa^  QcSov. 

Varro.  Ling.  Lat.  IV.  Item  ex  Graecis  vocabulis  — Qodov  commutata 
una  littera  — rosa. 

Isidor.  XVII.  9.  17.  Rosa  a specie  floris  nuncupatur,  quod  ruti- 
lanti  candore  (andere  Lesart:  colore)  rubeat. 

Entweder  oriental.  Ursprungs  — oder  verwandt  mit  sanskr.  vrad, 
sich  beugen,  wegen  der  hängenden  Zweige  — oder  von  qaco,  fließen, 
wegen  des  Wohlgeruchs,  der  der  Blüte  entströmt  — oder  von 
gecü,  fließen  in  der  Nebenbedeutung  von  sprießen,  blühen,  mit  Bezug 
auf  die  Zweige,  bzw.  die  Blüten  — oder  von  e-gvd^Qog,  lat.  ruber, 
ital.  rosso,  frz.  roux,  deutsch  rot,  rötlich.  — Die  Griechen  sollen  nur 
die  Blüte  mit  goöov  bezeichnet  haben,  während  sie  den  Strauch 
ßavog  nannten,  ebenso  wie  die  Lateiner  rosa  und  rubus  unterschieden. 
— Auch  sollen  die  Griechen  godov  als  Kollektivbezeichnung  für 
große  Blüten  gebraucht  haben,  während  sie  kleine  Blüten  mit  Yov, 
Veilchen  bezeichneten. 

d.  Rose. 

/.  Rose.  . 

e.  Rose. 

7t.  Roos. 

Rosmarinus. 

G.  Plinii  Caecili  Sec.  Epistul.  II.  17.  Gestatio  buxo  aut  rore  marino, 
ubi  deficit  buxus,  ambitur:  nam  buxus,  qua  parte  defenditur  tectis, 
abunde  viret;  aperto  coelo  apertoque  vento  et  quamquam  longin- 
qua  aspergine  maris  inarescit. 

Die  Lateiner  schrieben  das  Wort  getrennt:  ros  marinus,  zu  deutsch 
Meertau,  da  die  Pflanze  am  Meer  gedeiht,  wo  sie  von  i\Ieerwasser 
bespritzt  wird;  vergl.  hierzu  die  Stelle  aus  den  Briefen  des  jüngeren 


Plinius.  Möglicherweise  ist  diese  Auffassung  der  Römer  ebenso  volks- 
etymologisch entstanden,  wie  die  deutsche  Bezeichnung  Rosenmarie 
und  engl.  Rosemary.  IMan  leitet  nämlich  R.  von  qcLip,  niederes  Ge- 
büsch und  f.nQQa,  Myrrhe  her,  Rosmarin  hieße  demnach  nur  soviel 
als  stark  duftender  Strauch. 

d.  Rosmarin. 
f.  Rosmarin. 

e.  Rosemary. 

n.  Rosmarijn,  Rozemarijn. 

Eubia. 

Diosc.  III.  150.  ^Eqvd^qodavov.  ’^Pcof.iaLOi  qovßia'  qita  de  Iötlv 
eqvd^qd,  ßacpr/.r^. 

Isid.  XVII.  9.  68.  Rubia  dicta  quod  radix  eins  sit  rubra,  unde  et 
colorare  lanas  perhibetur. 

Von  ruber,  rot,  wegen  der  roten,  zum  Rotfärben  dienenden  Wurzel. 
Strabo  nennt  die  Wurzeln  von  Rubia  tinctorum  13.  4.  14  schlecht- 
weg QLCal,  so  allgemein  waren  und  sind  sie  auch  heute  noch  in  der 
Färberei  gebräuchlich,  wo  man  sie  jetzt  QLtdqLOV  nennt;  vergl.  Gros- 
kurd:  Strabos  Erdbeschreibung  1831.  p.  631. 

d.  Röte  — Färberröte  — Krapp,  verwandt  mit  engl,  crop:  abschneiden, 
da  die  Wurzel  von  der  Pflanze  vor  der  Verwendung  abgeschnitten 
werden  muß  — oder  von  Krap  in  der  Bedeutung  Haken,  wiegen  der 
Borsten  der  Pflanze. 

f.  Garance,  vom  niederlat.  varentia  von  verus,  wahr,  da  seine  Farbe 
echt  und  gut  ist,  oder  verwandt  mit  der  anderen  Bezeichnung  grappe; 
s.  deutsch  Krapp. 

e.  Madder.  Ursprung  unklar.  Es  wird  mit  mater,  Maria,  oder  mit  skrt. 
madhura:  süß,  zart  in  Verbindung  gebracht. 

n.  Meekrap,  aus  Medekrap.  Betr.  mede  vergl.  engl,  madder. 

Rubus 

war  im  Lat.  ein  Kollektivum  für  allerhand  Sträucher;  vielleicht  ver- 
wandt mit  qctTZXio,  nähen,  stechen,  so  daß  unter  Rubus  vornehmlich 
dornige  Sträucher  zu  verstehen  sind.  Oder  verwandt  mit  kelt.  rub 
und  lat.  ruber,  rot,  wegen  der  roten  (nicht  reifen)  Frucht. 

d.  Brombeere,  mhd.  brame:  Dorn,  verwandt  mit  hd.  Pfriem.  Brom- 
beere hieße  daher  soviel  als  stachliges,  beerentragendes  Gewächs. 

f.  Ronce,  verwandt  mit  rouge:  rot,  s.  vorher.  — Mures,  von  f.i£Qog: 
Teil  oder  f.iavQ6g:  schwärzlich,  wegen  der  geteilten  oder  schwärzlichen 
Frucht;  s.  auch  Morus,  desgl.  die  Anmerkung  daselbst. 

e.  Bramble:  Diminutivum  von  brom.  — Blackberry:  Schwarzbeere. 

11.  Brambes,  brambezie. 

Rubus  Idaeus. 

Diosc.  IV.  38.  Bdzog  löala  ev.lrid^ri  f.iiv  did  to  iv  rfj 

^'löri  ysvvdod'aL. 


155 


Plin.  XXIV.  75.  Idaeus  Rubus  appellatus  est,  quoniam  in  Ida  non 
alius  nascitur. 

Vom  Berge  Ida,  wo  der  Strauch  vornehmlich  gedeihen  soll,  so  ge- 
nannt. 

d.  Himbeere,  schles.  Hindbeere:  Hirschkuhbeere,  soviel  als  Waldbeere. 
f.  Framboise,  verwandt  mit  deutsch  Brombeere,  s.  oben. 

c.  Raspberry,  von  rasp,  raspeln,  schaben,  kratzen,  wegen  der  stach- 
ligen Zweige,  aber  nicht,  wie  zuweilen  angegeben  wird,  wegen  der 
Rauheit  der  Frucht. 

71.  Framboos,  s.  frz. 

Kumex. 

Unter  Rumex  verstanden  die  Römer  auch  ein  Geschoß,  Lanzenspitze: 
die  Pflanze  sei  also  wegen  der  spitzen  Blätter  so  genannt  — ■ oder 
verwandt  mit  rupex:  Bauer,  da  R.  auf  dem  Feld  wächst,  bzw.  die 
Bauern  von  ihm  Gemüse  bereiten. 

d.  Ampfer,  verwandt  mit  lat.  amarus,  bitter,  wegen  des  Geschmacks  der 
Blätter. 

f.  Oseille,  von  Oxalis,  s.  daselbst.  — Patience,  Geduld:  als  Mittel  gegen 
langwierige  Hautleiden  so  genannt,  oder  entstellt  aus  Lapathum,  einem 
lat.  Synonym  für  Rumex. 

e.  Dock,  norm,  doque,  vielleicht  kelt.  Ursprungs;  s.  unter  Lappa. 

71.  Amper  — Zuring. 

Riippia. 

Nach  H.  B.  Ruppius.  Lebte  zu  Beginn  des  18.  Jahrhunderts  und 
verfaßte  eine  Flora  von  Jena. 
d.  Saide,  wächst  an  und  in  salzhaltigen  Seen. 

/.  Ruppia. 

c.  Ruppia. 

11.  Ruppia. 

Kuta,  ^vTr^. 

Diosc.  HI.  45.  Thqyavov  Ttivof-iEva  '/.oiliav  igtwgl  — ÄLvei  öe  vmI 
VMzaf.i'qvLa,  za  de  l'f-ißQva  (pd^eiqei. 

Die  Griechen  nannten  die  Pflanze  gewöhnlich  rcrp/avov  (s.  unter 
Origanum),  das  Synonym  qvtt^  findet  sich  bei  Nikander.  Ruta  wird 
abgeleitet  von  gvotiai,  retten,  zurückhalten,  hemmen:  wegen  der 
Heilwirkungen,  speziell  gegen  Diarrhöe  — oder  von  Qelvy  fließen:  als 
Emmenagogicum. 

d.  Raute. 

f.  Rue.  — Herbe  de  gräce:  Gnadenkraut. 

e.  Rue. 

11.  Ruit. 


— 15^  — 


S. 

Sagina, 

von  saginare,  mästen:  das  Kraut  wurde  den  Kühen  gegeben,  um  ihre 
iSIilch  reichlicher  zu  machen.  Zur  Viehmast  kann  das  einzige 
Kräutchen  wohl  kaum  beitragen,  so  daß  angenommen  wird,  es  habe 
den  Namen  per  antiphrasim  erhalten;  vergl.  Holosteum,  Evonvmus  usw. 

d.  Knebel  (?). 
f.  Sagine. 

e.  Pearlwort,  Perlkraut,  wegen  der  runden  Samen. 

n.  Vetmuur:  Fettmiere,  s.  vorher:  Die  Pflanze  ist  wie  die  jNIiere  (Stellaria) 
eine  Alsinee. 

Sagittaria,  sc.  herba, 

von  sagitta:  Pfeil,  wegen  der  Blätter,  die  einer  Pfeilspitze  ähnlich 
sehen. 

d.  Pfeilkraut. 

/.  Sagittaire  — Fleche  d’eau:  WasserjDfeil,  wächst  im  Wasser. 

e.  Arrowhead:  Pfeilkopf:  Pfeilspitze. 

71.  Pijlkruid. 

Salicornia, 

von  sal:  Salz;  das  Kraut  wächst  an  salzigen  Stellen  und  hat  einen 
salzigen  Geschmack;  und  von  cornu,  wegen  der  gebogenen  Zweige, 
die  an  ihrem  Fnde  verdickt  sind  und  bockshomartige  Gestalt  an- 
nehmen. 

d.  Glasschmalz:  aus  seiner  Asche  wird  Glas  gemacht. 

f.  Salicot,  vom  Lat.  — • Boucart,  von  bouc:  Bock,  s.  vorher. 

e.  Samphire:  aus  frz.  Herbe  de  St.  Pierre:  St.  Peterkraut  (?). 

7t.  Zeekraal:  Seekoralle,  wächst  am  Meer  und  ist  oft  rot  überlaufen.  — 
Krabbenstruik : wächt  am  Fangort  der  Krabben. 

Salix. 

Isidor.  XVII.  7.  47.  Salix  dicta,  quod  celeriter  saliat,  hoc  est  velo- 
citer  crescat. 

Nach  JMartin  soll  auch  Plinius  salix  von  salire,  springen  ableiten,  wegen 
des  raschen  Wuchses.  Bei  der  Lektüre  des  Plinius  habe  ich  aber 
hiervon  keine  x\ndeutung  gefunden.  Buch  XVI,  Kap.  68,  wo  Plinius 
im  besonderen  von  der  Weide  spricht,  gibt  er  keine  Erklärung  ihres 
Namens.  — Salix  wird  auch  abgeleitet  vom  kelt.  sal  lis:  nah  am 
Wasser.  — Eine  dritte  Ableitung  ist  vom  griech.  das  etwas 

Windendes  oder  Gewaindenes  bezeichnet,  da  die  Weidenzweige  zu 
Flechtarbeiten  benutzt  werden.  Unter  als  Pflanzennamen  wird 


157 


im  Griech.  eine  Efeuart,  event.  überhaupt  ein  Schlinggewächs  ver- 
standen, aber  niemals  eine  Weidenart. 

d.  Weide,  verwandt  mit  winden. 

f,  Säule,  aus  dem  Lat.  — Osier,  vom  griech.  olova:  Weide.  Die  lat. 
Formen  oseria  usw.  sind  frankosiertes  Latein.  Littre  will  die  direkte 
Ableitung  vom  Griech.  nicht  anerkennen,  da  die  Übergangsformen 
im  eigentlichen  Latein  wie  im  Italienischen  fehlen.  Demgegenüber 
wäre  aber  doch  zu  bemerken,  daß  durch  die  um  600  v.  Chr.  ge- 
gründete phokäische  Kolonie  JMaooaXia  (Marseille)  sicherlich  ein 
hellenischer  Einfluß  Gallien  durchzogen  hat;  vergl.  hierzu  Strabo  IV.  i. 

c.  Willow,  ags.  welig,  verw’andt  mit  willing:  willig,  wegen  der  geschmei- 
digen Zweige. 

?L  Wilg. 

Salsola.  '"'Ej.iTteTQov. 

Diosc.  IV.  178.  EfATcezQOv  ip  TtaqaUoig  cfvezaiy  aXvv.ov  rfj 
yevosL. 

Die  Griechen  nannten  es  Empetron;  Salsola  ist  von  Geschmack  salzig 
und  wächst  in  salzhaltigem  Boden,  am  Meer. 

d.  Salzkraut.  — Glasschmalz,  s.  unter  Salicornia,  mit  dem  es  nahe  ver- 
wandt. 

f.  Salsola  — Herbe  au  verre:  Glaskraut. 

e.  Saltwort. 

n.  Loogkruid:  Laugenkraut,  da  seine  Asche  zur  Herstellung  von  Laugen 
verwandt  wird. 

Salvia, 

von  salvus:  gesund,  wegen  der  Heilwirkungen. 

d.  Salbei,  mecklenb.  assimiliert  zu  Sophie. 

f.  Sauge.  — Serve;  altfrz.  von  servare,  retten,  bewahren. 

e.  Sage:  in  Anlehnung  an  sage,  klug,  weise,  aus  dem  Lateinischen  ent- 
nommen. 

n.  Salie. 


Sambucus, 

von  Gajiißvy,r],  Flöte,  die  aus  seinem  hohlen  Holz  gemacht  worden 
sei,  oder  von  äol.  Gdf.ißv^  für  Gdvöv^:  roter  Farbstoff,  bzw.  eine 
zum  Rotfärben  dienende  Pflanze  (vergl.  GavdaQdyrj,  eine  rote  Farbe, 
GavraXov,  Sandelholz,  sanguis,  Blut).  Sambucus  hätte  demnach' 
seinen  Namen  von  dem  rotfärbenden  Saft  der  Beeren  (S.  nigra)  oder 
wegen  der  scharlachroten  Beeren  von  S.  racemosa. 

S.  nigra, 

schwarze  S.:  wegen  der  schwarzen  Beeren. 
d.  Holunder,  von  hohl,  wegen  der  breiten  Markröhre  des  Holzes,  und  ahd. 


tar,  engl,  tree,  deutsch:  Baum  — oder  ein  der  Göttin  Holla  ge- 
weihter Baum  — oder  verwandt  mit  halt  (?)  in  der  Bedeutung  brechen, 
wegen  der  Brüchigkeit  der  Zweige.  — Flieder:  verwandt  mit  flattern, 
wegen  der  Blätter,  die  vom  Winde  leicht  bewegt  werden,  oder  wegen 
der  massenhaft  die  Luft  durchfliegenden  Blütenblättchen  des  Baumes. 
Neuerdings  versteht  man  unter  Flieder  vielfach  Syringa. 
f.  Sureau,  aus  dem  Lat.  — Arbre  de  Judas:  Judas  soll  sich  an  einem 
Holunderbaum  aufgehängt  haben. 

e.  Eider,  vom  ags.  eher  und  ellarn;  das  Wort  schien  anzünden  zu  be- 
deuten, weil  durch  die  ausgehöhlten  Stämmchen  von  S.  hindurch  das  F euer 
angeblasen  und  angefacht  wurde;  vergl.  im  übrigen  die  Erklärungen 
unter  Holunder.  — Nord  engl.  Bourtree  von  bore:  bohren,  da  sein  Stamm 
infolge  des  leicht  herausnehmbaren  Marks  wie  durchbohrt  erscheint. 
n.  Vlier.  Vledder  s.  unter  Flieder. 

S.  Ebulus, 

von  ^'EßovGog,  einer  spanischen  Insel,  oder  nach  Euböa  (vergl. 
Apulej.  91.  Ebulus  alii  euboicen)  als  Heimat  der  Pflanze.  — Von 
der  abenteuerlichen  Erklärung  mit  ebrius  kann  wohl  abgesehen  werden. 

d.  Attich,  vom  griech.  av.xia:  Holunder:  von  ayivfii,  brechen,  s.  vorher. 
— Zwergholunder,  vergl.  Diosc.:  yaf.iaLay.Tri  {yafial:  am  Boden); 
kleiner  als  die  S.  nigra. 

f.  Petit  sureau:  kleiner  Holunder.  — Hieble.  Yeble:  von  Ebulus. 

e.  Danewort,  vergl.  lat.  sanguis  danicus;  man  glaubte,  S.  E.  sei  aus  Dänen- 
blut entstanden.  — Dwarf-elder:  Zwerg-H. 

n.  Lage  vlier:  niedriger  Flieder. 

Samolus. 

Plin.  XXIV.  63.  Druidae  Samolum  herbam  nominavere  — et  hanc 
sinistra  manu  legi  a jejunis  contra  morbos  suum  boumque,  ne 
respicere  legentem  — 

Von  hebr.  semol,  sambl,  links,  weil  sie  mit  der  linken  Hand  ge- 
gesammelt  werden  mußte  (vergl.  Plin.)  — oder  vom  kelt.  san,  ge- 
sund und  mos,  Schwein,  da  sie  gegen  Krankheiten  der  Schweine 
angewandt  wurde  (vergl.  desgl.  Plin.)  — oder  nach  der  Insel  Samos, 
vielleicht  wegen  der  topfförmigen  Blüten,  genannt;  Samos  war  berühmt 
durch  seine  Töpferfabrikate. 

d.  Bunge:  ahd.  bungo,  ob  verwandt  mit  bulbus:  Wurzelknollen? 

f.  Mouron  d’eau:  Wassermiere:  der  Anagallis  nächstverwandt;  s.  daselbst. 

e.  Brookweed:  Bachkraut;  wächst  an  Bächen  und  feuchten  Standorten. 
n.  Waterpunge. 

Sanguisorba, 

von  sanguis:  Blut  und  sorbere:  schlürfen,  absorbieren.  Die  Pflanze 
galt  als  blutstillendes  Mittel,  vielleicht  wegen  der  roten  Blüten. 
d.  Kölbel,  wegen  der  Blütenkölbchen.  — Wiesenknopf,  die  Blüten  sind 


159 


zu  Köpfchen  vereinigt.  — Blutstropfen,  wegen  der  rot(braunen)  ei- 
förmigen Blütenkölbchen. 
f.  Sanguisorbe. 

e.  Burnet  (?). 

71.  Gewoon  Sorbenkruid:  von  sorbere,  s.  vorher. 

Sanicula, 

von  lat.  sanus:  gesund,  sanare:  heilen,  wegen  der  Heilkraft. 

d.  Sanikel.  — Heil  aller  Welt.  — Heil  aller  Schäden. 

f.  Sanicle. 

e.  Sanicle. 

n.  Breukkruid:  Bruchkraut,  vergl.  Hemiaria. 

Sapoiiaria>  sc.  herba, 

von  sapo,  Seife.  Wird  der  Wurzelstock  mit  Wasser  gerieben,  so 
schäumt  er  wie  Seife.  Er  wird  daher  zum  Reinigen  von  Leinwand 
und  Seide  benutzt. 

d.  Seifenkraut. 

f.  Herbe  ä savon. 

e.  Soapwort. 
n.  Zeepkruid. 

SarotliamnilS,  vergl.  unter  Genista  und  Ulex. 

Von  Besen  und  d'duvog^  Busch;  aus  seinen  Zweigen  werden 

Besen  gemacht. 

S.  scoparius, 

scoparius,  ein  Auskehrer,  scopae,  Besen. 

Spartium  scoparius  sive  Sarothammis  scoparius. 

Ableitung  von  sparus,  einem  kleinen  Speer,  mit  dem  man  die  Ruten- 
zweige dieser  Pflanze  verglichen  haben  mag.  — Nach  anderer 
Meinung  von  OTceiQeo&aLj  sich  ausbreiten,  wegen  ihrer  Ubiquität. 
— ^TzaQTiov,  OTtaQTOVj  öTTCiQXog  war  der  Name  mehrerer  Sträucher 
und  bihsenartiger  Gewächse  und  der  daraus  hergestcllten  Seile  und 
Flechtwerke.  [Auch  das  span.  Espartogras  Stipa  tenacissima,  das 
von  öTcdQZOV  seinen  Namen  ableitet,  verstand  man  darunter.]  Vergl. 
Diosc.  IV.  155.  ^TtOLQTLOv,  alg  (sc.  Qaßöoig)  Tag  df.i7relovg 
dea^-ievovoiv.  Plin.  XXIV.  40.  Genista.  Dubito  an  haec  sit  quam 
Graeci  auctores  sparton  appellavere,  cum  ex  ea  lina  piscatoria  apud 
eos  factari  docuerim,  et  numquid  hanc  designaverit  Homerus,  cum 
dixit  navium  sparta  dissoluta.  Galen,  0 XVIH.  34.  ^TzaQTrj,  ii 
Tag  d}.i7teXovg  Ttaq  rif.uv  öeOf.iouOLV. 
d.  Besenstrauch.  — Auch  häufig  wegen  seiner  Ähnlichkeit  mit  Genista 
Ginster  genannt. 


i6o 


f.  Geriet  ä balais:  Besenginster. 

e.  Broom,  ags.  brom,  verw’andt  mit  bramble;  s.  unter  Rubus;  bröom 
bezieht  sich  dann  etymologisch  auf  den  dornigen  Ginster.  S.  selbst 
hat  keine  Dorne.  — Broom  in  der  Bedeutung:  Besen,  der  früher 
aus  Sp.  sc.  hergestellt  wurde,  ist  eine  sekundäre  Bildung. 

n.  Bezenkruid.  Brem. 

Satureja, 

verwandt  mit  saturare,  sättigen,  da  es  als  Speisezutat  verwandt  wird 
— oder  wie  der  Pflanzenname  Pulegium  aus  TtoXiov^  so  Satureja 
aus  oazvQLOv,  einem  griech.  Planzennamen,  abgeleitet.  In  diesem 
Fall  vergl. : 

Diosc.  III.  133.  ^axvQLOv.  (paot  yaQ  avTrp>  vmI  OQfiriv  ‘Mvelv  t^v- 
£7tt  avvovolq. 

Galen,  0.  XVIII.  5.  ^axvQiov  TteQLTTwi-iaTL'Ar^v  f^evTOi  '/,al  cpvocoör] 
xrp>  vyQOTTjTa  vJ/.r^xau  y.ai  öia  xovxo  TcaqoQ^q  xtQcq  acpqodioicx. 
Satyrion  galt  als  Aphrodisiacum  und  ist  nach  Waldgöttern,  den  Satyrn, 
benannt,  die  wiegen  ihrer  Geilheit  bekannt  waren. 

d.  Pfefferkraut,  hat  einen  pfefferartigen  Geschmack  — Bohnenkraut, 
da  es  zum  Würzen  der  Bohnen  benutzt  wird. 

f.  Sarriette,  aus  dem  Lat. 

e.  Savory,  desgl. 
n.  Boonenkruid. 

Saxifraga. 

Diosc.  IV.  15.  l^a^LcpQayov,  ev  Tcexgaig  ymI  xqayeai  xoTxoLg  pvc- 
/iiEvov.  Jvvaqiv  de  eyet  ’kid'ovg  xe  xovg  ev  yvoxel  S^qvtcxelv.^ 
PKn.  XXII.  30.  Calculos  e corpore  mire  pellit  frangitque,  qua  de 
causa  potius  quam  quod  in  saxis  nasceretur  a nostris  saxifragum 
appellatum  crediderim. 

Apulejus  97.  Nascitur  in  locis  saxosis. 

Isidor.  XVII.  9.  42.  Saxifraga  vocata,  quod  semen  eius  petras  in 
vesica  frangat  atque  comminuat. 

Von  saxum:  Fels  und  Längere:  brechen,  weil  es  auf  Felsen  wächst 
und  diese  gleichsam  zerklüftet  — oder  (vielleicht  sekundär)  weil  es 
gegen  Steinleiden  angewandt  wird;  möglicherweise  gaben  zu  diesem 
Gebrauch  nicht  nur  der  Standort,  sondern  auch  die  Wurzelknöllchen 
von  S.  granulata*)  die  Veianlassung,  event.  (ebenfalls  der  Signatur- 
lehre entsprechend)  die  Kalkausschwitzung  der  Blätter. 

d.  Steinbrech. 

f.  Casse-pierre  — Saxifrage. 

e.  Saxifrage. 

71.  Steenbreek. 


')  Vergl.  die  holländische  Bezeichnung:  Haarlems  Klokkenspel. 


6i  — 


S.  umbrosa, 

umbrosus:  beschattet;  wächst  an  schattigen  Stellen. 

d.  Schatten-Steinbrech. 

/.  S.  u. 

e.  London-pride,  Londons  Stolz,  da  es  selbst  in  dem  vegetationsarmen, 
rauchigen  London  wächst.  — None-so-pretty : Keine  so  schön;  wegen 
der  Blüte. 

71.  Porseleinbloempje:  wegen  der  Ähnlichkeit  des  Pflänzchens  mit  Portu- 
laca,  s.  d. 

Scabiosa, 

von  scabies:  Krätze,  weil  es  gegen  Krätze  benutzt  wird,  oder  von 
scaber:  rauh,  schäbig,  wegen  der  rauhen  Stengel.  Vielleicht  ist  die 
Verwendung  gegen  die  Krätze  erst  sekundär;  s.  unter  Hepatica,  Saxi- 
fraga usw. 

d.  Grindkraut. 

f.  Scabieuse  — Bonnet  bleu:  blaue  Mütze:  wegen  der  Form  der  blauen 
Blüte. 

e.  Scabious. 

71.  Schurftkruid,  von  schürft:  Schorf,  Grind,  Krätze. 


Scandix,  a/MvÖL^y 

verwandt  mit  Gx^tto,  stechen,  wegen  der  Früchte  dieses  Krautes, 
die  wie  Nadeln  aussehen  und  so  dicht  wie  Kammzähne  aneinander 
stehen.  Vergl.  Plin.  XXIV.  114.  Veneris  pectinem  appellant  a 
similitudine  pectinum.  — gkccvÖi^  event.  verw^andt  mit  ^aivUj  kratzen, 
kämmen  (wegen  der  Gestalt  und  Stellung  der  Früchte). 

d.  Hechelkamm;  Hechel  ist  ein  Handwerkszeug,  um  Flachs  oder  Hanf 
zu  reinigen.  — Nadelkörbel,  wegen  der  Frucht  und  der  Verwandt- 
schaft mit  Kerbel:  Chaerophyllum ; beides  Umbelliferen.  — Venus- 
kamm. 

/.  Peigne  de  Venus,  desgl.  — Aiguilles:  Nadeln.  — Aiguilles  de  berger: 
Hirtennadeln.  — Cerfeuil  ä aiguillette:  Nadelkerbel. 

e.  Venus’s-comb  — Shepherd’s-needle : Schäfersnadel,  Hirtennadel. 

71.  Naaldekervel  — Kranebek:  Kranichschnabel;  Ooievaarsbek : Storch- 
schnabel; vergl.  Geranium  und  Erodium. 


Scbeuchzeria. 

Nach  J.  J.  Scheuchzer,  1672  — 1733,  hat  eine  Naturgeschichte  der 
Schweiz  geschrieben. 

d.  Spinnling  (?). 

f.  Scheuchzeria. 

e.  Scheuchzeria. 

71.  Scheuchzeria. 


Kanngiesscr,  Etymologie  usw. 


11 


102 


Schoenus,  oyolvog,  auch  oylvog, 

Plin.  XIX.  9.  Junco  Graecos  ad  funes  usos  nomini  credamus  quo 
herbam  eam  appellant. 

oyoivog,  Binse,  Strick,  Tau;  Gylvog  verwandt  mit  oyeco,  l'oyco,  halten, 
wegen  der  Zähigkeit  der  Halme,  vergl.  Scilla. 

Schmerle,  Schmeele;  vergl.  Aera.  — Knopfgras,  wegen  des  mit  einer 
Hülldecke  versehenen  Blütenkopfs. 
f.  Choin,  vom  Lat.-Griech. 

<r.  Bog-rush,  z.  deutsch  Sumpfried;  vergl.  unter  Juncus. 

71.  Knopbies:  Knopfbinse,  s.  oben. 

Scilla,  O'/Jllri, 

vom  arab.  asquye  — oder  verwandt  mit  yieXXcOj  vJXXto:  bewegen, 
wegen  der  kugligen  Zwiebel  — oder  von  oyivog,  wie  sie  und  der 
Mastixbaum  genannt  wurden;  beiden  wäre  der  zähe  Saft  gemeinsam; 
abzuleiten  von  oyeco  : halten  — oder  Sc.  von  oyitco:  spalten,  wegen 
der  sich  ablösenden  Zwiebelschuppen. 

d.  Zille,  aus  dem  Lat.  — Meerzwiebel,  ihre  Heimat  sind  die  Küsten 
des  Mittelländischen  Meeres.  — Schalenwurz,  aus  Scilla  abgeleitet, 
oder  wegen  der  Zwiebelschalen. 

f.  Scille,  squille.  — Stipoule,  von  stipula:  Hähnchen,  wegen  der  halm- 
artigen Blättchen. 

e.  Squill  — Bluebell:  Blauglöckchen,  wegen  der  schönen  Blüte. 

71.  Sterhyacint,  auch  zu  deutsch  Stemhyazinthe,  wegen  der  sternförmigen 
Blumen  und  der  hyazinthenähnlichen  Blätter;  beide  Pflanzen  sind 
Liliaceen. 

Scirpus. 

Die  Lateiner  verstanden  darunter  binsenartige  Pflanzen.  Scirpus 
vielleicht  verwandt  mit  qixp:  Flechtwerk,  da  die  Halme  zu  Flecht- 
werken benutzt  werden  — oder  von  scirpo,  binden,  das  aber  viel- 
leicht eine  sekundäre  Bildung  ist;  vergl.  kelt.  cirs:  Binse. 

d.  Binse,  verwandt  mit  binden.  — Rusch,  s.  unter  Juncus,  dem  die 
Pflanze  verwandt  und  ähnlich  ist. 

f.  Jonquine  — Jone  des  chaisiers,  des  tonneliers:  Stuhlmacher-  und 
Faßbinderbinse,  da  sie  von  diesen  Handwerkern  technisch  ver- 
wendet wird. 

e.  Bent,  vergl.  Binse  (Juncus),  ags.  beonet. 

71.  Bies,  desgl. 

Scleranthus, 

von  oyXr^qbg:  hart,  trocken,  dürr  und  avd'og:  Blume;  weil  sie  an 
dürren  Stellen  wächst,  oder  weil  ihre  vertrocknete  Blüte  erst  mit  dem 
Samen  abfällt,  also  lange  dürr  dasteht,  bzw.  wegen  der  membranösen 
Kelchblätter. 


163 


d.  Knäuel,  wegen  der  Blütenknäuel.  — Blutkraut,  die  Wurzel  trägt  häufig 
die  rote  oder  poln.  Cochenille:  Coccus  polonicus. 

y.  Gnavelle,  vom  Deutschen. 

e.  Knawel,  vom  Deutschen. 

n.  Hardbloem,  s.  vorher.  — Knawel. 


Scorzornea, 

aus  dem  ital.  scorca  nera:  schwarze  Rinde  — oder  aus  dem  span, 
scurzonera:  scurza  bedeutet  Schlange:  ein  Kraut,  das  gegen  Schlangen- 
biß gut  sei;  vergl.  die  lat.  Bezeichnung  viperaria:  Schlangenkraut.  — 
Nach  Martin  aus  dem  ital.  escuerzo,  ein  Wort,  das  in  italienischen 
Lexiken  nicht  aufzufinden  war. 

d.  Schwarzwurz,  wiegen  der  schwarzen  Wurzel. 

f.  Scorzonere  — Salsifis  d’Espagne,  wurde  von  Spanien  aus  nach  Frank- 
reich eingeführt.  Ursprung  von  Salsifis  ist  dunkel,  man  bringt  es 
mit  dem  ital.  Sassefrica  (Tragopogon),  dem  nächsten  Verwandten 
von  Scorzonera,  in  Verbindung.  (Der  erste  Bestandteil  von  Sasse- 
frica ist  auf  sasso,  lat.  saxum,  Stein,  Fels,  zurückzuführen,  da  gewisse 
Arten  auf  trocknen,  steinigen  Plätzen  wachsen.)  — Oder  verderbt 
aus  Saxifraga. 

e.  Scorzonera  — Viper-grass. 

71.  Schorseneer. 


Scrophularia,  sc.  herba, 

von  scrophula:  Halsdrüsengeschwulst;  die  Pflanze  wurde  wegen  ihrer 
knotigen,  knolligen  Wurzeln  gegen  Halsdrüsen  (und  Hämorrhoiden) 
angewandt;  vergl.  den  Artnamen  Sc.  nodosa:  knollige  Sc. 

d.  Braunwurz,  wegen  des  dunkelgefärbten  Wurzelstocks.  — Droßwurz  (?). 
/.  Scrofulaire  — Herbe  aux  hemorrhoides. 

e.  Figwort:  Feigenwurz,  wegen  der  knolligen  Wurzeln. 

71.  Helmkruid:  wegen  der  Form  der  Blüte,  bzw.  der  Samenkapsel.  — 
Speenkruid  (s.  unter  Ranunculus  Ficaria). 


Scutellaria,  sc.  herba. 

Dimin.  von  scutra:  Schüssel,  wegen  der  schalenförmigen  Oberlippe 
oder  w-egen  der  Samenkapsel. 

d.  Helmkraut,  wegen  der  helmförmigen  Oberlippe. 

f.  Toque:  Unter  ital.  tocca,  span,  toca  versteht  man  eine  Hut- 
bedeckung, der  frz.  Name  ist  aus  erwähnten  Gründen  auf  die  Pflanze 
übertragen  worden.  — Tertianaire  gegen  die  Febris  tertiana:  Wechsel- 
fieber. 

e.  Skullcap:  Becherkappe,  Sturmhaube,  wegen  der  Blütenform;  vergl.  unter 
Aconitum. 

71.  Glidkruid.  Glid  = Glätte  (?). 


11* 


164 


Secale, 

verwandt  mit  secare:  schneiden,  weil  das  Korn  zur  Erntezeit  abge- 
schnitten wird.  — Kelt.  segal:  Korn,  sega:  Sense. 

d.  Roggen,  verwandt  mit  Reis. 

/.  Seigle,  aus  dem  Lat.;  prov.  seguel,  ital.  segale. 

e.  Rye,  s.  Roggen. 
n.  Rogge. 

Sedum^ 

von  sedeo:  sitzen,  niederkauem,  wegen  der  dem  Substrat  dicht  an- 
geschmiegten Pflanze  — oder  von  sedare:  beschwichtigen,  stillen; 
vergl.  Reseda  — eventl.  von  sedare  in  der  Bedeutung  abhalten, 
nämlich  die  Gewitter,  weswegen  es  von  den  Bauern  noch  heutzutage 
auf  den  Torsteinen  angepflanzt  und  Donnerkraut  genannt  wird;  s.  aber 
auch  unter  Inula  vulgaris. 

d.  Sede,  Sade,  vom  Lat.  — Fettblatt,  Fetthenne,  Knorpelkraut,  wegen 
der  fleischigen  Blätter.  — Mauerpfeffer,  wegen  des  Wachsens  auf 
Mauern  und  des  pfefferartigen  Geschmacks  der  Blätter  (ein  LFmstand, 
der  der  Pflanze  als  Schutz  gegen  Schneckenfraß  zugute  kommen  soll; 
tatsächlich  ist  der  pfefferartige  Geschmack  jedoch  kaum  merklich).  — 
Donnerkraut. 

f.  Sedon:  vom  Lat.  — Feuille  grasse:  Fettblatt.  — Orpin,  aus  auri 
pigmentum:  Gold-Farbe,  wegen  der  Blüte.*)  — Gazon  d’or:  Gold- 
rasen. — Mousse  jaune:  Gelbmoos,  da  die  Pflanze  wie  Rasen  oder 
Moos  die  Unterlage  überzieht.  — Poivre  des  murailles:  Mauerpfeffer. 
— Herbe  ä la  coupure:  gegen  Schnittwunden. 

e.  Stonecrop:  Steinkropf,  da  es  auf  Steinen  wächst  und  dicke  Blätter  hat. 
n.  Vetkruid  — Muurpeper. 

Selinum,  oihvov. 

Die  Griechen  verstanden  darunter  Apium  graveolens,  das  gern  in 
feuchten  Niederungen  wächst,  man  bringt  es  daher  in  Beziehung  zu 
flog:  Sumpf.  — Nach  anderer  Meinung  ist  der  Name  abzuleiten 
von  sXloGco  : wickeln,  wegen  des  krausen  Aussehens  der  fein  zerteilten 
Blättchen. 

d.  Silge,  aus  dem  offiziellen  Namen. 

/.  Selin. 

e.  Milk-parsley;  Milch-Petersilie,  eine  der  Petersilie  sehr  ähnliche,  als 
Umbellifere  verwandte  Pflanze,  mit  weißgespitzten  Blattzipfeln. 

n.  Sehe. 

Sempervivum.  ^Aeltwov, 

Theophrast  VII.  15.  2.  oiov  vmI  rj  zov  det^coov  cploig  z6  Sia- 

*)  Auch  das  Schwefelarsen,  das  zum  Goldgelbmalen  benutzt  wurde,  war  ehe- 
mals so  genannt;  vielleicht  direkt  aus  dem  Französischen  von  or:  Gold  und  peindre: 
malen,  abzuleiten. 


i65 


l^ieveiv  vygdv  aei  /,ai  xltogovj  q)illov  oagyicoSeg  txov  ‘/.ai  lelov 
'A,al  Ttgof^iriyieg  i 

Diosc.  IV.  88.  ^Aeltwov  rd  [Asya  tovoi^iaaraL  did  ro  deid^aXig 
Twv  (pvlXtov,  — fv  oOTQa'/LOLg  l'noL  (pvrevovaiv  avxo  etiI 
Twv  oi/irpjdvajv, 

Apulej.  123.  Sempervivum  nomen  suum  sumpsit,  quod  sit  semper 
viridis  atque  vigens. 

d.  Hauswurz,  wird  auf  den  Hausdächern  oder  Torsteinen  angepflanzt, 
um  das  Gebäude  vor  Blitz  zu  bewahren;  vergl.  Sedum,  mit  dem  es 
viele  Bezeichnungen  gemeinsam  hat.  — Hauslauch,  verderbt  aus 
Hauslaub. 

/.  Joubarbe:  Jupittersbart;  viele  rotgelb  blühenden  Pflanzen  werden  so 
genannt;  span,  jusbarba,  prov.  barbajol  (durch  Inversion),  ital.  barba 
di  Giove,  vom  lat.  Jovis  barba,  womit  in  Plin.  XVI.  3 1 aber  eine 
ganz  andere  Pflanze  bezeichnet  wird,  event.  sprachlich  verwandt  mit 
dem  gallischen  Namen  lovfxßaqovfJ.,  wie  er  sich  Diosc.  IV.  16  vor- 
findet, doch  auch  hier  wird  eine  ganz  andere  Planze  darunter  ver- 
standen. — Herbe  au  couvreur:  Dachdeckerkraut;  vergl.  vorher. 

e.  Houseleek,  s.  oben. 

n.  Huislook  — Donderbaard. 


Senecio 

war  der  lat.  Name  für  r^Qiyiqiov  (Erigeron,  s.  d.),  beides  jetzt  Gattungs- 
namen von  Kompositen.  Senecio,  von  senex:  Greis,  wegen  des 
grauen  Pflaums  der  Früchtchen. 

d.  Senwurz,  aus  dem  Lat.  — Kreuzkraut,  wegen  der  kreuzweise  zer- 
schnittenen Blättlein,  oder  mißverstanden  aus  Greiskraut. 

f.  Herbe  de  Jacob,  auch  zu  deutsch  Jakobskraut.  Der  heil.  Jakob 
wurde  in  Schlachten  angerufen,  das  Kraut  wurde  als  Wundkraut  be- 
nutzt. — Herbe  doree:  Goldkraut,  wegen  der  goldgelben  Blumen. 
— Toute  venue:  „Ganz  von  selbst  gekommen“,  da  sie  ungesät 
wächst  und  wuchert.  — Herbe  ä la  chardonnerette : Distelfink- 
kraut, da  diese  die  Körner  fressen. 

e.  Groundsel,  aus  groundswell,  d.  h.  ground  - swallow ; swallow  altengl. 
swelgan,  deutsch  schwelgen;  Gr.  heißt  also  etwa  soviel  als  Bodenwucherer; 
vergl.  frz.  Toute  venue.  Das  Kreuzkraut,  das  an  und  für  sich  eine 
hübsche  Pflanze,  wird  in  Gärten  deshalb  nicht  gezogen,  weil  es  infolge 
seines  Samenreichtums  den  Garten  förmlich  überwuchert. 

n.  Kruiskruid;  Kreuzkraut.  — Kanariekruid  vergl.  Herbe  ä la  chardon- 
nerette. — Grintkruid. 

Serratula. 

Diminut.  von  serra:  Säge,  serratus:  gesägt,  zackig,  wegen  der  scharf 
gesägten  Blätter. 

d.  Scharte,  wegen  der  schartigen  Blätter.  — Gilbe,  wird  zum  Gelbfärben 
benutzt. 


i66 


f.  Sarrete  (des  teinturiers) : (Färber-)Serratula. 

e.  Sawwort:  Sägekraut. 

71.  Zaagblad. 

Seseli(s),  aioEli 

war  der  Name  mehrerer  Umbelliferen,  aus  aeXivov  (s.  Selinum)  mit 
Reduplikation. 

d.  Sesel. 

f.  Seseli. 

e.  Seseli. 

71.  Seseli. 

Sherardia. 

Nach  W.  Sherard  (1695 — 1728),  Botaniker  zu  Oxford. 

d.  Nolde  (?). 

f.  Sherardia. 

e.  Madder,  gehört  wie  Rubia  (s.  diese)  zur  Familie  der  Stellaten. 

71.  Sherardia. 


Silaus, 

verwandt  mit  oehvov  (s.  Selinum)  oder  von  oslag:  Glanz,  wegen  der 
glänzenden  Blätter. 

d.  Silau. 

f.  Persil  bätard:  falsche  Petersilie  (ebenfalls  Umbellifere).  — Cumin  des 
pres:  Wiesenkümmel  (desgl.). 

e.  Silaus. 

71.  Weidekervel:  vergl.  Cumin  des  pres.  Kervel  (ebenfalls  Umbellifere). 
Die  Umbelliferen  sind  auch  für  den  Fachmann  sehr  schwer  von- 
einander zu  unterscheiden.  Es  ist  daher  nicht  zu  verwundern,  wenn 
im  Volk  die  einzelnen  Bezeichnungen  der  Doldenblütler  miteinander 
in  Beziehung  gebracht,  bzw.  verwirrt  werden. 

Silene. 

Nach  den  Silenen,  den  Waldgöttern  und  Begleitern  des  Bacchus  — 
oder  von  oiaXov:  Geifer,  weil  der  nahverwandten  Lychnis  flos  cuculi 
(s.  diese)  häufig  der  Kuckucksspeichel  anhaftet  — oder  von  aeXrjrrj: 
Mond(göttin),  weil  sie  abends  besonders  schön  blühen. 
d.  Leimkraut;  der  Stengel  ist  unten  mit  einer  stark  klebenden  Masse 
überzogen;  vergl.  Viscaria.  — Taubenkropf,  wegen  des  bauchig  auf- 
geblasenen Kelches.  — Klöpferli  (Luzern),  wegen  der  in  der  Kapsel 
klappernden  Samen. 

f.  Silene.  — Behen,  vom  arab.  behmen.  — Claquet,  verwandt  mit 
deutsch  Klatschen,  wegen  des  Geräusches  der  in  der  Kapsel  einge- 
schlossenen Samen.  — Comillet,  von  corne:  Horn,  wegen  der  horn- 
förmigen Schuppen  am  Schlunde  der  Blumen. 


6; 


e.  Campion,  von  Champion:  Kämpfer;  wurde  vielleicht  als  Wundkraut 
benutzt;  unter  Champions  versteht  man  heutzutage  auch  die  bei  Aus- 
stellungen mit  einem  Preis  bedachten  Blumen.  — Ragged  Robin, 
zerlumpter  Robert,  wegen  des  ausgefransten  Kelchrandes  und  mit 
Bezug  auf  die  sehr  nahverwandte  Lychnis;  vergl.  auch  unter  Geranium 
Robertianum. 
n.  Lijmkruid. 


Sinapis.  ^IvaTCi,  alvr^Tti,  varcv. 

Nie.  Alex.  430.  Naiteia. 

Diosc.  II,  183.  ^ivrjTtL  ^ vdjtv,  — l de  yuAog  avxov  ovv  juelsTL 
aq^otei  TtQug  re  djußXvcoTtlag. 

Plin.  XIX.  54.  Athenienses  Napy  vocant. 

Isidor.  XVII.  10.  9.  Sinapis  appellatur,  quod  foliis  sit  similis  napis. 
Thesaur.  Graec.  VII.  p.  262.  Etymologici  vocatum  aiunt  jiaqd  tu 
aiveod^at  Tovg  WTzag  i.  e.  jtaQa  %o  ßXaTcxeiv  xovg  ocp^alj^ioyg: 
laedit  enim  oculos.  Itidem  et  Zoilus  ap.  Athen,  g.  init.  oivrjTXi 
dictum  tradit,  6t i oiverai  Tovg  cüTtag  ev  rfj  olveGd^ai. 

(Vergl.  im  Gegensatz  Diosc.,  wonach  es  den  Augen  sogar  zuträg- 
lich sein  sollte!) 

Von  öivEöd^ai  : schädigen,  da  es  den  Augen  schädlich  sei  — oder 
aus  napus,  verwandt  mit  rapus:  Rübe,  wegen  der  starken  Wurzel, 
oder  von  vri^  einem  Negativum,  und  tcvco:  faulen,  da  die  Kruziferen 
gegen  zersetzende  Krankheiten,  wie  den  Skorbut,  angewandt  wurden; 
die  Vorsilbe  gl,  die  unwesentlich  sei,  da  vaTteia  und  vccTtv  allein 
schon  GLvaTti  bedeuten,  heiße  soviel  als  G^Tog  und  besage,  daß  das 
Kraut  zu  den  Speisen  verwandt  werde  — oder  vom  hebr.  san  für 
sanän:  schärft  und  aph:  Nase;  wegen  seines  scharfen  Geruchs. 

d.  Senf,  vom  offiziellen  Namen.  — Mostrich,  der  mit  Most  angemachte 
Senf,  aus  mustum:  Most  (und  ardens:  brennend). 

f.  Seneve.  — Moutarde. 

e.  Mustard.  — Charlock  (?)  betr.  lock,  s.  unter  Ceratophyllum. 

71.  Mosterd. 

Sisymbrium,  GLGvfxßQiov. 

Varro  ling.  lat.:  Susimbrium  arco  GiGVfißQta. 

Aus  GLTog:  Speise  und  Gvf^ißQiov,  das  aus  eQVGii.iov  (Erysimum)  ent- 
standen sei,  mit  dem  es  als  Kruzifere  verwandt  ist. 

d.  Rauke,  vergl.  unter  Eruca;  gleichfalls  Kruzifere.  — Schuttkresse: 
wächst  gern  auf  Schutt;  betr.  Kresse,  womit  viele  Kruziferen  be- 
zeichnet werden,  vergl.  unter  Cardamine,  Nasturtium  und  Lepidium. 

f.  Roquette. 

e.  Rocket. 

71.  Raket. 


i68 


Sium^  oiovy 

vielleicht  abgekürzt  aus  oehvovy  beides  Doldenpflanzen  — oder  von 
oeLw:  wackeln,  weil  das  Kraut  vom  leisesten  Windhauch  bewegt 
wird  — oder  verwandt  mit  ^dco:  säugen,  als  milchvermehrende 
Pflanze.  (?). 

(/.  IMerk,  w’egen  der  markigen  Wurzel. 

f.  Berle,  vom  lat.  berula  des  Marc.  Emp.  Die  Etymologie  ist  unklar. 

c.  Water-parsnip:  Wasser- Pastinak,  wächst  in  Sümpfen,  an  Bächen  usw. 

und  sieht  als  Umbellifere  dem  Pastinak  ähnlich. 
n.  Watereppe:  Wassereppich,  desgl.  s.  Apium. 


Solanum^ 

von  solari:  stärken,  kräftigen,  trösten,  wegen  der  medizinischen  Ver- 
wendung. — Oder  von  solo : (von  sol : Sonne)  den  Sonnenstich 
verursachen,  verrückt  machen,  wegen  der  Giftwirkung  der  Beeren. 

d.  Nachtschatten,  d.  h.  schwarzer  Schaden. 

f.  Morelle,  spätlat.  morella,  (kelt.  mor:  schw^arz,  frz.  more:  Mohr,  griech. 
fiiavQog:  dunkel),  w'egen  der  schwarzen  Beeren. 

e.  Nightshade. 
n.  Nachtschade. 

8.  dulcamara. 

d.  Bittersüß,  wegen  des  Geschmacks  der  Pflanze. 

f.  Douce-amere,  desgl.  — Vigne  de  Judee:  Judasrebe;  giftige  Schling- 
pflanze. — Feu  sauvage:  Wildfeuer  (Irrlicht,  gew.  feu  follet),  wegen 
der  scharlachroten  Beeren. 

e.  Bittersweet,  desgl. 

11.  Bitterzoet,  desgl. 

8.  tuberosum, 

knolliges  S. 

d.  Kartoffel,  verderbt  aus  Erdapfel.  — Die  Italiener,  zu  denen  die 
Kartoffel  früher  gelangte  als  zu  den  nordischen  Völkern,  nannten  sie 
wegen  ihrer  Ähnlichkeit  mit  der  Trüffel  tartufo,  daraus  auch  die 
deutsche  Bezeichnung  Tartuffel  (Tuften),  aus  welchem  Namen  nach 
anderer  Erklärung  Kartoffel  hervorgegangen  sein  soll. 

f.  Pomme  de  terre:  auch  zu  deutsch  Erdapfel. 

e.  Potato,  soll  haitischen  Ursprungs  sein;  vergl.  jedoch  den  französischen 
Namen. 

n.  Aardappel. 

8olidago, 

von  solidare,  solidum  agere,  fest  machen,  gesund  machen,  wiegen 
der  Heilwirkungen  so  benannt. 


169 


d.  Goldrute,  wegen  der  aufrechten,  mit  goldgelben  Blumensträußen  ver- 
sehenen Pflanze. 

f.  Verge  d’or,  desgl.  — Solidage. 

e.  Goldenrod. 

n.  Guldenroede. 

Sonchus,  ooyyog, 

von  ooi^iffog:  mürbe,  locker,  hohl,  wegen  des  hohlen,  leicht  zerbrech- 
lichen Stengels. 

d.  Sonche.  — Gänse-  mid  Saudistel;  Gänse  und  Schweine  fressen  das 
distelähnliche  Kraut.  — Milchdistel,  wegen  des  Milchsaftes. 

f.  Lait(e)ron,  von  lait:  Milch. 

e.  Sowthistle. 
n.  Melkdistel. 

Sorbus,  s.  unter  Pirus. 

Sparganiuin,  OTtaQyaviov; 

unter  OTtagydvLOV  versteht  man  eine  Windel,  Wickel;  wegen  der 
bandförmigen  Blätter  wurde  die  Pflanze  so  genannt. 

d.  Igelskolben,  wegen  der  runden  stachligen  Fruchtstände. 

/.  Ruban  d’eau:  Wasserband.  — Rubanier. 

e.  Bur-reed:  Stachel-,  Borstenried;  vergl.  unter  Lappa  und  Carex.  Mit 
reed  werden  verschiedene  halmartige  Wasserpflanzen  bezeichnet. 

n.  Egelskop.  — Duiker,  s.  unter  Typha. 


Sporgula,  aus  dem  Latein  des  Mittelalters:  aspergula, 

von  spergere:  verbreiten,  eine  an  Samen  ergiebige  Pflanze  — oder 
von  dem  deutschen  Sperk,  Spergel,  s.  dieses,  bzw.  Dimin.  von 
Asparagus. 

d.  Sperk,  Spergel,  Spark,  wegen  der  Ähnlichkeit  des  Krauts  mit  dem 
des  Spargels. 

f.  Spergule,  auch  spargoute  und  espargoute.  — Genouilliere,  von  genou: 
Knie,  wegen  des  knotigen  Stengels.  — Fourrage  de  disette:  Hungers- 
notfutter. 

e.  Spurry,  vergl.  die  deutschen  in  der  INIark  gebräuchlichen  Namen 
Spurgis,  Spurk. 

n.  Spurre. 

Spergularia 

ist  mit  Spergula  als  Alsinee  nahe  verwandt. 

d.  Spärkling. 

f.  Spergulaire. 

e.  Sandspurry,  wächst  auch  auf  sandigem  Boden. 
n.  Spurriekruid. 


70 


Spinacia, 

von  spina:  Dom,  wegen  seiner  spitzgezackten  Blätter,  oder  wegen 
der  Stacheln  der  Frucht  — oder  orientalischen  Ursprungs  vom  pers. 
ispanas,  arab.  esbanach,  sebanach,  mittelgriech.  öTtavayiiov ; (wallon. 
spinä,  prov.  espinar,  ital.  spinace,  span,  espinaca,  port.  (e)spinafre, 
vom  lat.  spinifer,  d.  h.  dornen  tragend.) 

d.  Spinat. 

f.  Epinard,  von  epine:  Dom,  s.  oben.  — Balai  de  l’estomac:  Magen- 
besen, angewandt  gegen  verdorbenen  Magen. 

e.  Spinage,  Spinach. 

71.  Spinazie. 

Spiraea^  OTtuqua.^ 

von  öTTELQa'  Drehung,  wegen  der  zuweilen  gewundenen  Früchtchen, 
oder  wegen  der  Biegsamkeit  der  Zweige,  die  in  der  Tat  doch  eigentlich 
ziemlich  brüchig  sind,  so  daß  letztere  Erklärung  wohl  kaum  als  die 
zutreffendere  anzimehmen  ist. 

d.  Spierstrauch. 

f.  Spiree. 

e.  Spiraea. 

71.  Spirea. 


Sp.  filipendula, 

von  filum:  Faden  und  pendulum:  aufgehängt,  wegen  der  an  zarten 
Fäden  den  Wurzeln  anhängenden  Knöllchen. 

d.  Wiesenkönigin,  hlädesüß  = Mattensüß,  ist  eine  Wiesenpflanze  mit  an- 
genehmem Geruch. 

/.  Filipendule.  — Barbe  de  chevTe:  Ziegenbart;  vergl.  filipendula. 

e.  Dropwort:  Tropfenkraut,  desgl. 

71.  Knollige  Spirea. 


Sp,  ulmaria, 

ulmenblättrige  Sp. 

d.  Mädesüß,  s.  vorher. 

f.  Pied  de  bouc:  Bocksfuß,  die  Stengelblätter  sollen  einem  Bocksfuß 
entfernt  ähnlich  sehen.  — Ulmaire.  — Reine  des  pres:  Wiesen- 
königin. — Herbe  aux  abeilles:  Bienenkraut,  von  den  Bienen  auf- 
gesucht. 

e.  Queen  of  the  meadow:  Wiesenkönigin.  — Meadow-sweet:  Wiesensüß. 
71.  Moeras  spirea:  Morastspiree,  wächst  an  sumpfigen  Stellen. 

Spirantlies, 

von  OTteiQu:  Drehung  und  avd-og:  Blume,  wegen  des  spiralig  auf- 


geballten  Blütenstandes,  bzw.  wegen  des  gedrehten  Fruchtknotens, 
der  allen  Orchideen  charakteristisch  ist. 

d.  Drehwurz. 
f.  Spiranthe. 

e.  Lady’s  Tresses:  hlarienhaarflechten,  wegen  des  Blütenstandes. 

71.  Draaiaar. 

Stachys,  otaxvg, 

von  (j'TöYuc:  Ähre,  da  die  Blüten  wie  in  einer  Ähre  stehen. 

d.  Ziest.  (?) 

f.  Epiaire,  von  epi:  Ähre.  — Ortie  morte:  tote  Nessel;  die  Blätter  sind 
nesselähnlich,  aber  ohne  Brennhaare.  — Ortie  puante:  stinkende 
Nessel,  da  die  zerriebenen  Blätter  riechen. 

e.  Woundwort,  als  Wundkraut  benutzt. 

71.  Andoorn,  d.  h.  ohne  Dorn,  ohne  Brennhaare;  vergl.  unter  Marru- 
bium. 


Staphylaea, 

von  OTacpvlri:  Traube;  die  Blüten  sitzen  traubenartig  an  langen 
Stielen. 

d.  Klappernuß,  wegen  der  wider  die  Kapsel  anschlagenden  reifen,  harten 
Samen.  — Pimpernuß,  von  pimpern,  rasseln.  — Totenköpfchen,  wegen 
der  Gestalt  der  Samenkapsel. 

f.  Staphylier. 

e.  Bladder-nut:  Blasennuß,  wegen  der  aufgetriebenen  Samenkapsel. 

71.  Pimpernoot. 


Statice,  oTaxiAii. 

Plin.  XXVI.  33.  alvom  sistit  et  Achillea.  eosdem  effectus  praestat  et 
statice. 

Von  OTax  17.6g'.  hemmend,  von  Yoxr^f^i,  lat.  sistere:  zum  Stehen  bringen, 
wegen  der  adstringierenden,  obstipierenden  Wirkung. 

d.  Wiederstoß,  sie  stößt  aus  ihrer  Wurzel  eine  hlenge  zarter  Blätter 
hervor.*  (?) 

f,  Lavande  de  mer:  INIeerlavendel;  sie  sieht  der  Lavendel  entfernt  ähn- 
lich, ohne  aber  mit  dieser  Labiate  verwandt  zu  sein;  die  St.  Arten 
sind  vornehmlich  Küstengewächse. 

e.  Sea  lavender. 

71.  Schapenoor:  wegen  der  Blattform. 


Stellaria,  sc.  herba, 

von  Stella:  Stern,  wegen  der  Blütenform. 
d.  Miere,  s.  unter  Anagallis.  — Vogelmiere,  da  sie  von  den  Vögeln 
gern  gefressen  wird. 


72 


f.  Mouron,  desgl.  — Mouron  des  oiseaux;  Vogelmiere.  — Bec  de 
moineau:  Spatzenschnabel,  s.  unter  Anagallis.  — Langue  d’oiseaux: 
Vogelzunge,  desgl.  — Morgeline,  desgl. 
e.  Starwort:  Sternkraut.  — Chickweed,  da  man  junge  Hühnchen 
(chicken)  damit  füttert.  — Stitchwort:  Nähkraut,  weil  sein  ausge- 
breitetes Wurzelwerk  das  Ackerland  durch„sticht“  (?). 

71.  Muur  — Sterre  muur  — Vogelkruid. 

Stipa, 

verwandt  mit  lat.  stipula:  Hahn,  wegen  der  Blatthalme  — oder  von 
arvTvri:  Faden,  Werg,  bzw.  vom  lat  stipo,  mit  Werg  u.  dergl.  aus- 
stopfen, wegen  der  weichen  Grannenhaare:  die  Granne  ist  bis  20  cm 
lang  und  mit  abstehenden,  zarten  Haaren  gefiedert. 

Pfriemgras. 

/.  Stipa. 

e.  Feathergrass,  Federgras,  wegen  der  haarförmigen  Granne. 

71.  Priemgras. 

Stratiotes,  GtQaTiWTrjg. 

Diosc.  IV.  100.  ^TQavLwrrigj  0 STti  ztov  vödrwv  (pv6f.ievog'  ol  ds 
TtozafiLov  GTQazicoTijv  '/.alovGiv.  'Qv6f.iaGTaL  öe  did  t6  eTtivr^- 
XeGd^ai.  Tolg  vöggl  %(xl  Qitriv  tr^v.  ZQavfÄazd  re  dcpXe- 

Xf^iavra  TTjqet, 

Plin.  XXIV.  104 — 105.  Militarem  vocant,  quoniam  vulnus  ferro 

factum  nullum  non  intra  dies  quinque  sanat  ex  oleo  imposita. 
Celebratur  autem  et  a Graecis  stratiotem,  sed  ea  in  Aegypto  tan- 
tum  et  vulnera  sanat  ex  aceto  inlita. 

Galen.  0.  XVHI.  40.  ^zqaTuuzrjg.  cugt€  Sid  tovto  ymI  zqav- 
(.lava  övvaGd^ui  %oXXav. 

Von  GTQaTitoxr^g:  Soldat,  wegen  der  schwertförmigen,  stachligen  Blätter. 
Wurde  gegen  Verwundungen  angewandt;  vergl.  unter  Signaturlehre  in 
der  Einleitung. 

d.  Wasserschere,  Krebsschere,  wegen  der  Form  der  Blütenscheide.  — 
Sumpfaloe,  s.  d.  f. 

f.  Faux-aloes:  Falsche  Aloe,  wegen  der  aloeartigen,  fleischigen  Blätter. 

c.  Watersoldier:  Wassersoldat. 
n.  Scheeren  — Krabbeschaar. 

Süaeda, 

arab.  Ursprungs,  von  Soda,  das  die  arab.  Benennung  für  Salsola 
sein  soll,  mit  dem  Suaeda  nächstverwandt  ist;  oder  vom  lat.  solida; 
vergl.  unter  Solidago. 

d.  Sode. 

f.  Soude,  altfrz.  soulde,  ital.,  span,  und  portug.  soda. 

e.  Suaeda. 

71.  Witte  Kali:  Weißes  Kali,  die  Pflanze  enthält  Kali  und  Soda. 


I 


73 


Subularia,  sc.  herba, 

von  subula:  Pfriemen,  wegen  der  pfriemlichen  Blätter. 

d.  Pfriemkraut. 
f.  Subulaire. 

e.  Awlwort:  Ahlkraut,  Pfriemkraut. 

71.  Priemkruid. 


Succisa, 

von  succidere:  unten  abschneiden,  da  das  Rhizom  an  seinem  Ende 
abfault  und  wie  „abgeschnitten“,  abgebissen  erscheint. 
d.  Abbiß:  Teufelsbiß. 

f.  Mors  du  Diable,  desgl.  — Tete  de  loup:  Wolfskopf,  wegen  des 
stachligen  Fruchtstandes. 
r.  Devil’s  bit. 

71.  Blauwe  knoop,  wegen  der  blauen,  knopfförmigen  Blüte. 


Symphytum,  ov^icpvTov. 

Diosc.  IV.  9.  2vf.icpuTov  7TeTQa7ov  '/,oXXa  Kat  veoTQioxa.  Kal  ra 
KQta  de  övi.i7triTtTai  eipt^ievov  ovv  avToig.  — 10.  2vf.iq^vTov 
aXXo.  QLLai  öe  vtteiol  fuev  ETCLcpavELav  f-ieXaivai,  evÖo&ev 
ÖS  XevKal  Kat  yXloxgai.  Kat  za  vEOTQCoza  KoXXwoi  KavaTtXaaGo- 
l^ievoi.  Kat  Ta  KQea  de  ovvediofievaL  ovvdyovGiv. 

Plinius  XXVI.  28.  Symphyton  ad  cicatricem  celerrime  perducit. 
XXVII.  24.  ossibus  quoque  fractis  medetur. 

Isidor.  XVII.  9.  61.  Symphytos  Graece  dictus,  eo  quod  tantam 
in  radice  virtutem  habeat,  ut  frustra  camis  aspersa  in  cacabo 
coagulet. 

Aspyrt.  Hippiatr.  p.  18 1.  ex  Thes.  Graec.  IduoTai  de  ov(,icpvTOv, 
Kat  MaKEdoveg  coteokoXXov  r;v  Kat  cpaot  Gvvrnfir^f.tEvriv  diai^iE- 
/üEQiGfXEvoig  KQEaGiv  EVLOvv  aiTCL'  dto  Kat  Gvf^icpvTog  Xeyeuai. 

Von  GviAcpvw:  zusammenfügen,  weil  sein  Wurzelsaft  bei*  Beinbrüchen 

und  Wunden  zur  Heilung  aufgetragen  wurde. 

d.  Beinwell:  Knochenwohl.  — Wallwurz,  entweder  aus  Wohlwurz,  oder 

weil  sie  wie  eine  Welle,  Walze  aussehe. 

f.  Consoude,  aus  lat.  consolida,  s.  Solidago  und  Günsel  (Ajuga). 

e.  Comfrey,  altfrz.  cumfirie.  (?)  — Wallwort. 

71.  Waalwortei  — Smeerwortel,  wegen  des  schmierigen  Wurzelsaftes. 


74 


T. 


Tanacotum,  s.  unter  Chrysanthemum  vulgare. 

Taraxacum, 

entweder  arab.  Ursprungs  von  tarachakün,  tarascön;  eine  cichorien- 
ähnliche Pflanze.  Cichorie  und  Taraxacum  sind  Kompositen,  pers. 
tarkhaskqun  in  ähnlicher  Bedeutung  — oder  verwandt  mit  TaQa^ig 
einer  Augenkrankheit,  oder  somat.  Störung  im  allgemeinen,  und 
a%WfxaL:  heilen:  der  Name  deutet  hiernach  auf  den  medizinischen 
Gebrauch. 

d.  Kettenblume,  weil  die  Kinder  durch  Ineinanderstecken  der  hohlen 
Blütenstengel  Ketten  bilden.  — Lichter,  Lampen,  wegen  der  Frucht- 
stände. — Kuhblume,  als  Weidepflanze.  — Pustblume,  weil  man 
die  mit  Flugapparaten  versehenen  Samen  wegpusten  kann.  — Löwen- 
zahn, wegen  der  ausgezackten  Blätter;  vergl.  unter  Leontodon.  — 
Mönchshaupt,  wegen  der  kahlen  Fruchtplatte.  — Milchkraut,  wegen 
des  Milchsaftes.  — Pißblume;  das  Kraut  dient  als  harntreibendes  Mittel; 
event.  verächtlich  so  genannt  wegen  der  Ubiquität  der  Pflanze. 

f.  Dent  de  lion:  Löwenzahn.  — Couronne  de  moine:  Mönchskrone,  s. 
vorher.  — Pissenlit:  Piß  ins  Bett,  s.  o. 

e.  Dandelion,  vergl.  frz.  dent  de  lion. 

n.  Kettingbloem  — Pissebloem  — Paardenbloem : Pferdeblume  (?). 

Taxus,  oyiXkal. 

Isid.  XVII.  7.  40.  Taxus  venenosa  arbor.  Unde  et  toxica  venena 
exprimuntur. 

Der  Baum  heißt  im  Griech.  (z.  B.  Diosc.)  Of.ula^;  Diosc.  erwähnt, 
daß  die  Römer  ihn  Tcc^og  nennen,  und  im  Lexikon  des  Hesychios 
wird  der  letztere  Name  ebenfalls  erwähnt.  Taxus  ist  verwandt  mit 
TO^ov:  Gift,  weil  der  Baum  giftig  ist  — oder  mit  xcL^ig\  Ordnung, 
wegen  der  regelmäßigen  Verteilung  seiner  Nadeln  an  den  Zweig- 
spitzen. — Event,  verwandt  mit  %a^og\  Bogen,  weil  sein  Holz  zur 
Herstellung  von  Bogen  benutzt  wurde. 

d.  Eibe;  betr.  der  Etymologie  vergl.  unter  Hedera.  Im  Nordischen  heißt 
die  Eibe  auch  eda,  jeda,  das  Gift  bedeutet,  desgl.  auch  id  und  aida, 
das  Glut  bedeutet:  wegen  der  Verwendung  des  Eibenholzes,  um 
Feuer  in  Glut  zu  erhalten;  event.  wegen  der  roten  Farbe  des  Holzes; 
vergl.  unter  Juniperus.  — Betr.  der  Bezeichnung:  Daxenstrauch,  die 
wohl  von  Taxus  abzuleiten,  vergl.  ebenfalls  unter  Juniperus. 

f.  If,  span,  und  portug.  iva. 

e.  Yew,  ags.  ifig,  iw. 

n.  Venijnboom,  von  venijn:  lat.  venenum:  Gift. 


175 


Teesdalia. 

Nach  dem  engl.  Botaniker  R.  Teesdal. 

d.  Rahle  (?). 
f.  Teesdalie. 

e.  Teesdalia. 

n.  Kleintaschjeskruid:  nächster  Verwandter  von  Capsella,  s.  d. 

Teucrium,  tcvkqlov. 

Plin.  XXV.  20,  Invenit  et  Teucer  Teucrion. 

Nach  dem  griech.  Fürsten  Teucer  vor  Troja,  der  die  Pflanze  entdeckt 
und  angewandt  haben  soll. 

d.  Gamander,  verderbt  aus  griech.  x^f.ia[dQvg,  zu  deutsch  Erdeiche, 
wegen  der  niedrigen  Pflanze,  die  in  gew.  Arten  (z.  B.  T.  Botrys) 
eichenähnliche  Blätter  hat;  vergl.  Isidor.  XVII.  9.  47.  Chamaedrys 
a Graecis  appellata,  quod  sit  brevis  et  per  terram  strata  et  minuta 
foliis  parvissimis. 

f.  Germandree.  — Petite  ebene,  Chenette:  kleine  Eiche. 

e.  Germander.  — Speedwell:  Glückliche  Reise,  weil  die  Pflanze  häufig 
am  Weg  wächst;  vergl.  hierzu  unter  Clematis  und  ferner  Urania  speciosa, 
die  am  Grunde  des  Blattstiels  eine  hohle  Scheide  bildet,  die  sich 
mit  trinkbarem  Wasser  anfüllt.  Durch  einen  Stich  in  dieselbe  ent- 
leert sich  das  Wasser  und  gewährt  dem  Wanderer  Labung,  weshalb 
der  Baum:  der  Baum  der  Reisenden,  engl,  the  traveller’s-tree,  ge- 
nannt wird. 

n.  Gamander. 

Thalictrum,  d^dlL'Ä,TQov, 

von  d^dXXiO'.  grünen,  blühen,  weil  es  im  Frühling  besonders  schön 
grünt  — oder  von  d^dXXio:  desgl.  in  der  Bedeutung  wachsen  und 
LKTaQ:  rasch,  eine  rasch  wachsende  Pflanze.  Doch  ist  gegen  diese 
Erklärung  einzuwenden,  daß  l'ytuaQ  zugleich,  zu  gleicher  Zeit,  aber 
nicht  sogleich,  rasch  bedeutet.  — Nach  anderer  Erklärung  von 
^dlTtto:  erwärmen  abzuleiten,  da  es  als  Erwärmungsmittel  verwandt 
worden  sein  soll. 

d.  Amstel  ‘(?)  — Wielandskraut  (?). 

f.  Pigamon,  ital.  pigamo,  vom  griech.  7tr(favov\  Ruta,  wegen  der  Ähn- 
lichkeit der  Blätter.  — Rue  de  bois:  Waldraute,  desgl.  — Rhubarbe 
des  paysans:  Bauernrhabarber,  weil  Blätter  und  Wurzeln  abführend 
wirken. 

e.  Meadow  rue:  Wiesenraute. 

n.  Ruit:  betr.  Namensusurpation  vergl.  die  Einleitung. 

Thesium,  ^rjoeiov. 

Die  Pflanze  soll  zu  Ehren  von  Theseus  benannt  sein;  sie  sei  eine 
der  Blumen  aus  der  Krone,  die  Theseus  der  Ariadne  anbot.  Die 


76 


Pflanze  wird  nur  von  Theophrast  (VII.  12.  3.)  und  Plin.  XXL  67 
und  XXII.  31,  erwähnt,  ohne  daß  daselbst  eine  Erklärung  des 
Namens  gegeben  würde. 

d.  Vermeinkraut,  Vermainkraut  (?).  — Frauenhaar,  wegen  der  schmalen, 
länglichen  Blättchen.  — Leinblatt,  da  es  dem  Lein  ähnlich  sieht. 

f.  Thesion. 

e.  Bastard  toadflax,  vergl.  unter  Linaria. 
n.  Thesium. 

Thlaspi,  ^laöTti, 

Diosc.  11.  185.  d^XaOTCL  — /mI  tceqI  oXov  atrov  VMQTXog  VTtcTtXazvg 
ay.QOv,  Iv  c[)  OTtequaTiov  ejucpegig  VMQÖaLUo,  öioy^oeidig,  01- 
ovel  IvzeS^Xaof^ivoVj  ov  ymI  t6  ovoua  eGxrfyev. 

Plin.  XXVII.  113.  Peltarum  specie  semine  incluso  lenticulae  effigie 
nisi  quod  infringitur,  unde  nomen. 

Galen.  De  antidot.  I.  14.  ymI  oiov  ev&XaGiud  ri  (.ilyqov,  dcp  ov 
vmI  covojudod^ri  d^Xdorti. 

Von  ^Xdo)\  zusammendrücken,  quetschen,  wegen  der  abgeplatteten, 
scheibenförmigen  Frucht. 

d.  Klasper,  wohl  aus  der  offiziellen  Bezeichnung  verderbt.  — Heller- 
oder Pfennigkraut,  wiegen  der  Früchte;  vergl.  unter  Lunaria  und 
Lysimachia  nummularia. 

f.  Teraspic,  Taraspic,  aus  dem  Lat.  — Monnoyere:  Kleingeld.  — 
Medaille  de  Judas.  — Tabouret:  Dim.  von  tabour,  altfrz.  für  tambour: 
Trommel,  wegen  der  Form  der  Früchte. 

e.  Penny cress,  vergl.  unter  Nasturtium. 

11.  Boerenkers:  Bauernkresse.  [Es  sei  an  dieser  Stelle  bemerkt,  daß  im 
Niederländischen  Kers  sowohl  Kresse  als  auch  Kirsche  bedeutet.]  — 
Taschjeskruid,  vergl.  Capsella. 

Thymus,  d^^iog. 

Isid.  XVII.  9.  12  und  13.  Thymum  appellatur,  quod  flos  eius  odorem 
refert.  — Nam  flos  graece  thymum  vocatur  (?). 

Von  d'VELv:  duften,  weil  die  Pflanze  wohlriechend  ist  und  deshalb 
beim  Opfern  (desgl.  d-veiv)  verwandt  wurde  (vergl.  Thuja). 

d.  Thymian  — Quendel,  vom  griech.  vMviXrj,  lat.  cunila  (?). 

f.  Thym. 

e.  Thyme. 

71.  Thym,  Thijm. 

Tilia. 

Isid.  XVII.  7.  46.  Tiliam  dicunt  vocatam  eo,  quod  utilis  sit  ad 
usum  telorum  nitore  et  levitate  iaculandi.  Est  enim  materiae  genus 
levissimae. 

Tilia  verwandt  mit  telum:  Wurfgeschoß,  Pfeil,  der  aus  ihrem  Holz 
verfertigt  wurde  — oder  verwandt  mit  tigillum:  kleiner  Balken;  sein 


77 


Holz  wird  zu  Schreinerarbeiten  verwendet  — oder  verwandt  mit 
talea:  Setzreis,  Balken,  Stab  — oder  verwandt  mit  xllog:  Faser,  s. 
unten  — oder  verwandt  mit  dem  griech.  Namen  für  Linde:  q)LXiQrj, 
das  auch  Bast  heißt,  seinerseits  verwandt  mit  cpXoog:  Bast,  s.  unter 
Phleum  — oder  aus  TtzeXia:  Ulme  entstanden,  das  mit  cpeXXog: 
Rinde  und  neXa:  Fell  verwandt  ist.  (Ulmus  suberosa:  Korkulme). 

d.  Linde,  im  Isländ.  heißt  lind:  Baum;  Linde  verwandt  mit  schwed. 
linda:  winden,  Schweiz,  linte:  Flachs  oder  Hanfbast:  der  Bast  der 
Linde  wurde  schon  früh  zu  Stricken  verarbeitet.  — Linde  event.  aus 
lin-ter:  Leinbaum  (ter  verwandt  mit  engl,  tree)  von  line:  Lein,  wegen 
des  Bastes.  Bast  heißt  im  Altd.  und  noch  heute  in  der  Wetterau: 
lind.  (Leine  ist  der  aus  lin  gedrehte  Strick.) 

/.  Tilleul,  aus  dem  Lat. 

e.  Lime. 

71.  Linde. 

Tillaea. 

Nach  M.  A.  Tilli,  ital.  Botaniker,  1653 — 1740,  gab  eine  Beschreibung 
des  botanischen  Gartens  zu  Pisa. 

d.  Tilläe. 

/.  Tillee. 

e.  Tillaea. 

ti,  Mosbloempje:  Moosblümchen:  die  nur  3 — 5 cm  hohe  Pflanze  hat 
moosähnliche  Gestalt  und  wächst  wäe  Moos  an  feuchten  Stellen. 

Torilis. 

Der  Name  ist  unbekannter  Herkunft  oder  verderbt  aus  Tordylium: 
toqöI'Xlov,  dem  Namen  einer  anderen  Umbellifere:  von  ytoodiXioVy 
Diminut.  zu  '/.OQÖvXtj:  Keule,  herzuleiten,  wegen  der  angeschwollenen 
Stengelgelenke  — oder  aus  gleichem  Grunde  von  torus:  Wulst.  — 
Event,  von  TOQog:  scharf,  wegen  des  Geschmacks  oder  wegen  der 
stachligen  Frucht. 

d.  Börstel,  Borstdolde,  die  Pflanze  ist  eine  Doldenpflanze  mit  stachligen, 
borstigen  Fojchten  und  behaartem  Stengel. 

f.  Torilis.^ 

e.  Hedge  parsley:  Heckenpetersilie,  eine  petersilienähnliche,  an  Hecken 
wachsende  Pflanze. 

71.  Doomzaad. 

Tragopogon,  TQayoTccoytov. 

Diosc.  11.  172.  TgayoTtcoycov  STtl  öe  tov  vmvXov  ymXvB  usyag,  y.at 

^ ' 3 J r V \ 3/  3/ 

axQOv  7i(X7t7cog  fj,eyag,  acp  ov  yml  to  ovofia  eoyev. 

Von  TQayog:  Bock  und  jtwywv:  Bart,  wegen  der  langhaarigen  Samen- 
bärte, daher  auch  Barba  seni(li)s:  d.  h.  Greisenbart,  genannt. 
d.  Bocksbart.  — IMilchkraut,  wegen  des  süßen  Saftes. 

f.  Salsifis,  aus  dem  ital.  sassefrica  in  gleicher  Bedeutung  — oder  ver- 

Kanngiesser,  Etymologie  usw.  12 


78 


dorben  aus  Saxifragum,  wegen  derselben  Wirkung  (?).  Vergl.  unter 
Scorzonera,  die  ebenso  genannt  wird,  die  Wurzeln  der  beiden  nahe 
verwandten  Pflanzen  werden  gegessen. 

e.  Salsify.  Goat’s-beard:  Bocksbart,  Geißbart. 
iu  Boksbaard.  — Salzafy. 

Trientalis, 

von  triens:  Drittel,  weil  die  Länge  der  Blumenstiele  von  T.  europaea 
ein  Drittel  der  Pflanzenhöhe  betrage. 

d.  Siebenstern,  der  Stengel  trägt  (6)  7 Blätter  und  eine  7 blättrige,  weiße 
Blumenkrone. 

f.  Trientalis. 

e.  Trientale. 
n.  Zevenster. 


Trifolium,  Tqlq)vllov. 

Diosc.  III.  113.  xqlffivlXov.  l(p  lov  (pvldka  xqia  yiad^ symGtTjV 
ßXaOTrjGiv. 

Isidor.  XVII.  9.  72.  Trifolium  est,  quod  Graeci  xqlcpvXXov  vocant, 
quod  foliis  trinis  sit  per  singulas  adnationes. 

Dreiblatt,  wegen  der  drei  Blätter. 

d.  Klee,  vergl.  niederl.  klooven  und  engl,  cleave,  das  spalten  bedeutet; 
wegen  der  drei  getrennten  Blätter. 

/.  Trefle,  aus  dem  Lat. 

e.  Clover. 
n.  Klaver. 


Triglochin, 

von  TQEig,  in  zusammengesetzten  Worten  tql  : drei  und  yXco%iv’.  Spitze, 
Ecke,  wegen  der  dreikantigen  Frucht,  die  aus  drei  Teilfrüchten  be- 
steht, die  nach  der  Basis  spitz  auslaufen. 

d.  Dreizack,  desgl. 

f.  Troscart,  scheint  den  Begriff  tres,  trois,  drei  zu  enthalten. 

e.  Arrow-grass;  Pfeilgras,  wegen  der  Pfeilspitzenform  der  Frucht. 

71.  Zoutgras:  Salzgras,  weil  es  im  salzigen  Brackwasser  wächst. 

Trigonelia, 

von  TQiyo)vog,  dreieckig,  wegen  der  dreieckigen  Blumenkrone. 

d.  Bockshorn,  von  starkem  Geruch  und  mit  langen,  homförmig  ge- 
bogenen Hülsen.  — Siebengezeit,  weil  es  seinen  Geruch  siebenmal 
am  Tage  ändern  soll  (vergl.  unter  Melilotus). 

f.  Trigonelle. 

e.  Trigonei. 

n.  Hoomklaver:  Hornklee,  eine  dem  Klee  verwandte  Pflanze. 


179 


Triticum,  TtvQog. 

Varro  Ling.  lat.  5.  Triticum,  quod  tritum  e spicis. 

Von  tero,  trivi,  tritum:  reiben,  weil  des  Getreide  gemahlen,  d.  h. 
gerieben  wird,  um  Mehl  daraus  zu  gewinnen  — oder  von  terere 
in  der  Bedeutung  treten,  weil  das  Getreide  zunächst  ausgetreten,  aus- 
gedröschen  wird.  Die  griech.  Bezeichnung  TtvQog  wird  wegen  der 
gelben  Farbe  des  Samenkorns  mit  tzvq:  Feuer  in  Beziehung  ge- 
bracht. 

d.  Weizen,  verwandt  mit  weiß,  wegen  der  Farbe  des  aus  dem  Weizen 
gewonnenen  Mehls. 

f.  Ble,  vom  spätlat.  bladum : Korn,  von  ablata  (neutr.  plur.) : weggeführt, 
geerntet.  Catalon.  blat,  ital.  biada,  piemont.  biava.  — Ble  soll  nach 
anderer  Ansicht  mit  dem  angelsächs.  blaed:  Frucht  verwandt  sein. 
— Vergl.  ferner  kelt.  kymr.  blawd  und  niederbreton.  bleud  für  Mehl.  — 
Froment:  aus  frumentum:  Nahrung:  als  die  zuerst  gangbar  gewordene 
Getreideart  wird  ble  meist  mit  diesem  Kollektiv  benannt. 

e Wheat,  vergl.  Weizen. 

n.  Weit.  — Tarwe,  verwandt  mit  skrt.  dürva,  einer  Getreideart,  und 
dem  engl.  Tare,  einem  Unkraut  unter  dem  Getreide,  Lolch,  auch 
damel  genannt;  doch  werden  unter  tare  im  Engl,  auch  Erbsen  und 
Wickenarten  verstanden.  — Sollte  tarwe  nicht  mit  dem  lat.  triticum 
verwandt  sein? 


Triticum  repens, 

kriechender  Weizen,  wegen  seiner  Vegetationsweise. 

d.  Quecke,  vergl.  unter  Jmiiperus:  wegen  des  raschen  und  kräftigen 
Wachstums. 

/.  Chiendent  rampant:  kriechendes  Tr.,  Chiendent:  Hundszahn,  weil  die 
kranken  Hunde  es  fressen  sollen  (Littre).  — Nach  Ansicht  anderer 
ist  die  Etymologie  dieses  Wortes  ziemlich  dunkel,  zu  deutsch  wird 
es  auch  Hundsgras,  ebenso  engl,  doggrass  genannt,  wohl  verächtliche 
Bezeichnung,  um  die  Pflanze  als  Unkraut  zu  charakterisieren. 

e.  Quitsch(-grass)  — Kwich. 

11.  Kweekgras. 


Trollius, 

verv^andt  mit  altfrz.  truiller:  bezaubern,  wegen  der  Schönheit  der 
Blüte  — oder  von  trullium:  rundes  Gefäß,  wegen  der  Form  der 
Blüte.  — Event,  von  frz.  tröler,  deutsch  trollen,  engl,  troll,  das 
rollen  bedeutet,  wegen  der  Kugelform  der  Corolla. 

d.  Trollblume. 

/.  Trolle. 

e.  Globe-flower:  Kugelblüte. 
n.  Trollius. 


12* 


8o 


Tulipa, 

vom  türk,  tolipend,  tulband,  pers.  dulbend,  das  um  die  Mütze  ge- 
wickelte Tuch,  der  Turban,  wegen  der  Form  der  Blüte. 

d.  Tulpe. 
f.  Tulipe. 

e.  Tulip. 
n.  Tulp. 

Tussilago.  Br^xLov. 

Diosc.  III.  II 6.  BrfXLOv  VTtod^v^oj^eva  de  elg  ajrovMTtvLGudv, 

Tovg  VTto  ^r^Qccg  ßr^yog  vmI  OQd'OTtvoiag  oyXoviievovg  d^egaTTsiei, 
ozav  yavovTeg  t6v  vmttvIv  tcu  öTOf-iaxL  öe^covrai  vmI  ymzu- 
GTthjJOi. 

Galen.  Z.  II.  7.  Br^yiov  cov6fJ.aOTai  /nev  ovTtog  cltzo  tov  ue- 
TtiGzevd^ai  Brixag  re  ymI  o^d-onvolag  tvqeXelv.  ei  xig  rjTot  tu  q)lXXa 
^rjQa  XaßcoVj  7]  qiLav  en  av&QdY.cov  d^avfxtaGag,  eiGTiveoi  rr^v 
dvacpeQOfxevrjv  Xiyvhv. 

^^on  tussis:  Husten;  betreffs  ago  als  Endbestandteil  von  Pflanzen- 
namen s.  unter  der  Einleitung.  Ein  Kraut,  das  gegen  den  Husten 
angewandt  wurde;  griech  ßryxLov,  von  griech.  ß'^jXog-  Husten. 

T.  farfara, 

von  xGQ(xGGco : scharf  und  rauh  machen,  oder  von  yagyagl^o) : gurgeln, 
event.  von  yaQyaXlCo):  Reiz  empfinden,  aus  obigem  Grunde.  — Mit 
farfara  sollen  die  Alten  die  Weißpappel  benannt  haben.  T.  farfara 
habe  seinen  Namen  daher,  weü  seine  Blätter  denen  der  Weißpappel  ^ 
einigermaßen  gleichen,  nur  größer  sind;  vergl.  Plin.  XXIV.  85.  Cha- 
maeleucen  apud  nos  farfarum  sive  farfugium  vocant,  folio  populi,  sed 
ampliore.  Das  lat.  von  Plinius  erwähnte  farfugium  ist  wohl  eine 
volksetymologische  Entstellung  des  den  Lateinern  unverständlichen 
Begriffs  farfara:  farfugium  aus  farina:  Getreide,  Mehl  und  fugere: 
fliehen,  da  die  Pflanze  als  lästiges  Unkraut  unter  dem  Getreide 
wächst;  vergl.  unter  Plantago  „Heudieb“.  — Was  die  Angabe  anbe- 
langt, daß  farfara  auch  Weißpappel  bedeuten  soll,  so  konnte  diese 
Bedeutung  in  keinem  der  eru’ähnten  Lexika  gefunden  werden. 

d.  Huflattich,  wegen  der  Ähnlichkeit  seiner  großen,  lattichähnlichen  Blätter 
mit  einem  Huf. 

f.  Tussilage.  — Pas  d’äne:  Eselsfuß,  sein  Blatt  ähnelt  den  Konturen 
eines  Eselfußes.  — Herbe  de  St.  Quirin:  Quirin  wird  gegen  aller- 
hand Leiden  angerufen. 

e.  Colt’s-foot:  Fohlenfuß;  vergl.  pas  d’äne. 

n.  Hoefblad,  vergl.  unter  Petasites,  mit  dem  es  als  Komposite  nächst- 
verw'andt  ist. 

Typha,  Tvq>r]. 

Isid.  XVII.  9.  17.  Typhe  vero,  quae  se  ab  aqua  inflat.  Unde 


— i8i  — 

etiam  ambitiosorum  et  sibi  placentium  hominum  tiimor  typhus 
dicitur. 

Von  Tvcpoco:  Rauch  machen,  da  die  Pflanze  bei  ihrer  Verbrennung 
viel  Rauch  von  sich  gibt.  — Da  xvcf  ow  im  übertragenen  Sinne  auch 
stolz  machen,  aufblasen  bedeutet  (vergl.  Tvcpog:  die  Einbildung),  wollte 
Isidor  den  Namen  als  eine  vom  Wasser  aufgeblähte  „stolze“  Pflanze 
erklären;  vergl.  hierzu  die  niederl.  Bezeichnung  Lischdodde:  Dodde 
zu  deutsch  Dost  (aufgedost  = aufgedunsen). 
ä.  Rohrkolben:  wegen  des  kolbenförmigen  Fruchtstandes;  betr.  Rohr  s. 
unter  Phragmites. 

f.  Massette:  von  masse:  Stab,  Zepter,  wegen  des  stabförmigen  Wuchses 
mit  dem  endständigen  Blütenkolben.  — Quenouille:  Spinnrocken, 
wegen  des  Blütenkolbens.  — Roseau  des  etangs:  Weiherschilf,  s. 
unter  Phragmites.  — Canne  de  jonc:  Binsenrohr,  s.  unter  Cannabis 
und  Juncus. 

e.  Reedmace:  mace  = frz.  masse;  betr.  reed  s.  unter  Carex. 
n.  Lischdodde:  Lieschdost;  betr.  Liesch  s.  unter  Carex.  Betr.  Dost 
s.  oben.  — Duikelaar,  von  duiken:  sich  ducken,  untertauchen;  Typha 
ist  eine  Wasserpflanze. 


U. 


Ulex,  s.  auch  unter  Genista  und  Sarothamnus. 

Ableitung  von  vXr^'.  Wald,  Buschwerk,  da  es  im  Wald  als  stachliger 
Busch  wächst  — oder  von  oda^:  stechend,  ähnlich  wie  lat.  Ulysses 
aus  ^OvÖGOSvg.  Immerhin  bleibt  die  Ableitung  von  Ulex  ziemlich 
unklar,  denn  oöd^  bedeutet  eigentlich  beißend,  von  oöovg:  Zahn  und 
ddv.vco’.  beißen. 

d.  Hecksamen:  w’eil  er  an  Waldhecken  w'ächst,  oder  mit  Haken:  Dornen 
versehen  ist.  — Gaspeldom,  von  Gaspe:  Nestel,  Spange,  w’egen  der 
Dornen. 

f.  Ajonc:  entw'eder  verdorben  aus  Genista,  der  Ulex  nahe  verw^andt  ist, 
oder  von  Juncus:  Binse,  mit  anlautendem  a;  siehe  dieserhalb  unter 
Spartium,  da  unter  öttcxqtlov  von  den  Griechen  auch  binsenartige 
Gewächse  verstanden  wmrden.  Doch  wird  es  auch  mit  kelt.  ec,  ac, 
das  Spitze  bedeutet,  in  Verbindung  gebracht.  — Vignon,  verderbt 
aus  geniot,  dieses  aus  genista.  — Piquet,  von  piquer:  stechen.  — 
Genet  epineux:  stachliger  Ginster.  — Sainfoin  d’hiver:  heiliges  Winter- 
heu: In  Hungersnöten  als  Viehfutter  verw^andt. 

e.  Furze,  ags.  fyrs;  das  engl,  „f“  entspricht  dem  kelt.  „p“;  gael.  und  ir. 
preas,  gen.  prearis,  venvandt  mit  engl,  briar:  dorniger  Strauch.  Das 
Verb  vom  Stamm  preas  heißt  soviel  als  flechten,  runzeln,  in  Falten 


i82 


legen;  furze  wäre  demnach  ein  durch  seine  Dornen  unebener,  rauher 
Strauch.  — Gorse,  ags.  gorst,  gost  verwandt  mit  genista. 
n.  Gaspeldoorn  — Doornstruik. 

ülmtis. 

Isid.  XVII.  7.  43.  Ulmus  nomen  accepit,  quod  uliginosis  locis  et 
humidis  melius  proficit.  Nam  in  montanis  et  asperis  minus 
laeta  est. 

Ulmus,  von  uliginosus:  sumpfig,  da  die  Ulme  den  feuchteren  Stand- 
ort einem  trockeneren  vorziehen  soll.  — Vom  europ.  Sprachstamm 
al,  wachsen,  ernähren,  wegen  des  hohen,  geraden  Wuchses  — oder 
verwandt  mit  engl,  arise:  erheben,  das  r kehrt  z.  B.  in  frz.  orme 
wieder  — oder  von  Zozrcg:  Rinde,  oXbuxto:  schälen,  wegen  der 
Korkulme  (U.  suberosa)  — oder  von  lupus:  Wolf,  mit  Vorgesetztem 
verstärkendem  o,  wegen  der  scharfgezähnten  Ulmenblätter. 

d.  Ulme,  waldeck.  Eime.  — Rüster,  verwandt  mit  arise,  s.  vorher,  oder 
von  ahd.  ruz:  rotbraun,  wegen  der  Holzfarbe,  deshalb  auch  mecklen- 
burg.  Ibenbaum,  Iper,  schles.  Effe  genannt,  da  das  Eibenholz  gleich- 
farbig ist;  vergl.  niederl.  Yp. 

f.  Orme,  ormeau.  — Tortillard,  von  tortille;  gedreht,  wegen  der  Dreh- 
wüchsigkeit des  Stammes. 

e.  Elm,  ags.  alm.  — Wych-Elm;  Witch-Hazel:  Hexenhasel:  Die 
Blätter  sehen  denen  der  Hasel  ähnlich.  Ihre  Zw^eige  wurden  viel- 
leicht, ebenso  wie  die  der  Hasel,  als  Wasserfinder  und  Wünschelruten 
benutzt. 

n.  Olm.  — Jep,  Yp,  s.  oben. 

Urtica. 

Isid.  XVII.  9.  44.  Urtica  ex  eo  vocata,  quod  tactus  eius  corpus 
adurat.  Est  enim  igneae  omnino  naturae,  et  tactu  perurit.  unde 
et  pruriginem  facit. 

Von  urere:  brennen,  wegen  der  Brennhaare. 

d.  Nessel,  verwandt  mit  oberd.  nezze:  Zwirn.  Die  aus  der  Nessel  gewonnenen 
Fäden  werden  zu  dem  sogen.  Nesseltuch  verwandt.  — Brennessel. 

f.  Ortie  mechante:  böse  Urtica.  — Grieche:  zänkisches  Weib. 

e.  Nettle. 

71.  Brandnet(t)el. 

Utricularia,  sc.  herba, 

von  utriculus.  Dimin.  von  uter : Schlauch;  die  Blätter  sind  mit  Schläuchen, 
bzw.  Blasen  versehen,  in  die  die  Blattzipfel  zuweilen  umgewandelt  sind. 

d.  Wasserhelm,  Wasserschlauch.  Die  Wasserpflanze  wird  aus  erwähnten 
Gründen  so  benannt. 

f.  Utriculaire. 

e.  Bladderwort:  Blasenkraut. 
n.  Waterblaaskruid. 


i83 


V. 

Yaccinium, 

von  vacca:  Kuh,  der  es  als  Futter  gereicht  werden  soll.  — Die  ver- 
breitetste, deswegen  aber  wohl  kaum  auch  zutreffendste  Erklärung 
ist  die  Herleitung  von  einer  aus  lav.ivd'og  gebildeten  Diminutivform: 
va/Jvd^LOV,  woraus  Vaccinium  verderbt  sein  soll.  Beide  Pflanzen 
sind  zum  Rotfärben  benutzt  worden;  vergl.  Vitruv.  VII.  14.  Eadem 
ratione  vaccinium  temperantes,  et  lac  miscentes,  purpuram  faciunt 
elegantem.  Plin.  XXI.  97.  i.  Hyacinthus  in  Gallia  maxime  provenit, 
hoc  ibi  fuco  hysginum  tingunt.  Wegen  dieser  Eigenschaft  beider 
Pflanzen  sei  der  Name  von  Hyacinthus  mit  geringfügiger  Abänderung 
auf  Vaccinium  übertragen  worden.  Zur  Begriffsüberleitung^  auf  die 
heutige  Gattung  aber  wird  die  rote  Farbe  der  Beere  von  Vacc.  vitis 
Idaea  angenommen.  — Dürfte  Vaccinium  nicht  von  baccinium  her- 
zuleiten sein?  In  diesem  Wort  ist  alsdann  bacca:  Beere  enthalten  und 
hieße  V.  demnach  soviel  als  Beerenstrauch.  Daß  V.  in  B.  mutiert, 
ist  sehr  häufig;  vergl.  Scribon.  Larg.  Comp.  Med.  rec.  et  notis  illu- 
stravit  J.  Rhodius.  Patavii  1655.  Anm.  p.  104:  „Notius  enim,  quam 
ut  multis  probem,  veteres  B in  V commutasse.“  Vergl.  Verbascum 
aus  barbascum,  ßeQßaoyiXovf^i,  vicia  aus  ßiyJov^  Baldrian  aus  Valeriana 
und  Betonica  aus  Vetonica. 


Y.  vitis  Idaea. 

Diosc.  IV.  44.  ^Idala  QiCa  o^v/iivQolvrj  za  q)vlXa  l'oLye.  — IV.  144. 
MvQoivri  aygla  ol  de  o^vi^ivgolvr^  [ Pw^-ioLOi  QOVGy.ovin]  zc  f.iev 
cpvXlov  f,ivQGLvr]  eyßi  ouoiov. 

Vitis  Idaea:  Weinstock  vom  Berge  Ida.  Die  Pflanze,  deren  Beeren 
in  Träubchen  stehen,  soll  mit  der  ^löala  des  Dioskorides 

identisch  sein;  vergl.  unter  Rubus  Idaeus. 

d.  Preißelbeere,  auch  Preuschelbeere  genannt;  breusch  bedeutet  brüchig, 
mürbe.  Die  Beere  könnte  als  mürbe  bezeichnet  sein,  wie  eine  Art 
Erdbeere:  Brösling  von  dieser  Eigenschaft  den  Namen  hat.  Vergl. 
jedoch  auch  unter  V.  uliginosum,  Rauschbeere,  von  ruscum,  das  auch 
pruscum  geschrieben  wird.  Preißelbeere  könnte  mit  dem  letzteren 
Begriff  verwandt  sein.  — Bergbuchs,  wächst  auf  Bergen  und  hat 
buchsähnliche  Blätter.  — Krunsbeere  (?). 

f.  Airelle,  port.  airella,  verw'andt  mit  aigre:  sauer,  wegen  der  säuerlichen 
Beeren.  — Airelle  ponctuee:  wegen  der  Drüsenpünktchen  der  Blatt- 
unterseite. — Herbe  rouge:  rotes  Kraut,  wegen  der  roten  Beereu. 

e.  Cowberry:  Kuhbeere,  s.  oben.  — Red  Whortleberry,  von  ags.  wyrtil: 
kleiner  Strauch;  Dimin.  von  wort:  Kraut,  deutsch  wurz. 

n Roode  boschbes:  rote  Buschbeere. 


— 184  — 


Yacc.  Myrtillus. 

Dimin.  von  myrtus.  Die  Pflanze  erinnert  an  eine  kleine  Myrte; 
vergl.  Diosc.  IV.  144  unter  V.  vitis  Idaea. 

d.  Heidelbeere  = Heidebeere,  wie  Fichtelgebirg  aus  Fichtengebirg;  wächst 
auf  der  Heide.  — Blaubeere,  wegen  der  (schwarz-)blauen  Farbe  der 
Beeren.  — Bickbeere;  vergl.  niederl.  pik,  pechschwarz;  vergl.  engl, 
pitchblack,  niederl.  pikdonkel. 

f,  Myrte.  — Myrtille  anguleux,  wegen  der  winkligen  Verzweigung.  — 
Raisin  des  bois:  Waldtraube.  — Bleuets:  Blaubeeren.  — Maurets: 
Dunkelbeeren;  vergl.  unter  Morus.  — Brambell  es,  brimbelles,  ver- 
wandt mit  Brombeere,  die  ebenfalls  schwarz  ist. 

Bilberry,  dän.  böllebaer  (?)  vielleicht  verwandt  mit  blau.  — Blae- 
berry,  vergl.  frz.  bleuets,  deutsch  Blaubeere.  — Whortleberry,  s.  vorher. 
n.  Blauwe  boschbes. 

Yacc.  oxycoccus, 

von  scharf,  bitter  und  zo/czog:  Beere. 

d.  Moosbeere.  Moos  = Moor,  wächst  in  moorigem  Gebiet.  — Torf- 
beeren, weil  sie  auf  torfigem  Gelände  wachsen.  — Kranichbeere, 
weil  die  Kraniche  sie  fressen;  vergl.  unter  Juniperus. 

f.  Canneberri,  engl,  can,  deutsch  Kanne,  berri  engl,  berry,  deutsch  Beere; 
wegen  der  Fruchtform.  — Canneberge,  desgl.  Beide  Namen  event. 
aus  dem  engl.  Cranberry  verderbt.  — Coussinet  de  marais:  Sumpf- 
kissen, wegen  der  dichten  Verzweigungen. 

e.  Cranberry:  für  craneberry:  Kranichbeere,  s.  oben.  — Mossberry.  — 
Moorberry. 

n.  Veenbes:  Sumpfbeere,  Moorbeere;  auch  in  der  Mark  Feenbeere  ge- 
nannt. 

Yacc.  uliginosum, 

uliginosus:  sumpfig;  wächst  auf  sumpfigem,  moorigem  Boden. 

d.  Sumpfheidelbeere.  — Trunkeibeere  und  Rauschbeere,  weil  die  Beeren 
berauschende  Wirkung  hätten.  Rauschbeere  wird  auch  vom  lat. 
ruscum,  pruscum,  dem  Mäusedorn,  abgeleitet;  ruscum  soll  mit  ^r^Qog: 
trocken,  wegen  seines  dürren  Aussehens  verwandt  sein,  dasselbe  trifft 
für  V.  uliginosum  zu;  vergl.  Diosc.  IV.  144  unter  Vacc.  vit.  Id. 

f.  Airelle  des  marais:  Sumpfpreißelbeere. 

e.  Bog  Vaccinium,  desgl. 

n.  Rijsbes:  Reiserbeere,  Strauchbeere. 

Yaleriana, 

von  valeo,  sich  wohl  befinden;  wegen  der  Heilkraft  — oder  zu  Ehren 
von  Plinius  Valerianus,  einem  römischen  Arzt.  (Die  diesem  zuge- 
schriebene Pflanzenbeschreibung  soll  jedoch  nicht  von  ihm,  sondern 
von  Mönchen  im  Mittelalter  verfaßt  worden  sein.) 
d.  Baldrian:  b und  v wechseln  häufig;  das  d ist  des  Wohllauts 


I 


- i85  - 

wegen  eingeschoben;  vergl.  Fähndrich,  — Katzenkraut,  die  Katzen 
lieben  den  Geruch  des  Wurzelstocks. 
f.  Valeriane.  — Herbe  aux  chats:  Katzenkraut.  — Guerit-tout:  heilt 
alles. 

e.  Valerian.  — All-heal;  vergl.  guerit-tout. 

71.  Valeriaan.  — Faldriaan.  — Koortswortel : Fieberw’urzel,  gegen  Fieber. 


Yalerianella. 

Dimin.  von  Valeriana,  der  es  sehr  nahe  verwandt  ist. 

d.  Rapünzchen,  mittelalterl.  Rapontica,  aus  rapa:  Rübe,  wegen  der 
Wurzelform.  — Lämmerlattich,  die  Pflanze  wird  von  den  Lämmern 
gefressen,  die  Blätter  werden  wie  Lattich  zu  Salat  benutzt. 

/.  Valerianelle.  — Mache,  von  machen  kauen,  s.  Lämmerlattich.  — 
Doucette,  von  doux:  süß,  milde,  desgl.  — Salade  royale:  königlicher 
Salat.  — Boursette,  kleine  Tasche,  wegen  der  ovalen,  aufgeblasenen 
Früchtchen,  s.  unter  Capselia. 

e.  Lamb’s-lettuce : Lämmerlattich.  — Cornsalad,  wächst  auf  Kornfeldern. 
71.  Veldsla:  Ackersalat. 

Terbascum,  cploixog. 

Diosc.  IV.  102.  Olo/Liog  [''Pcof.ialoL  ßeQßaoxloviLi]. 

Verbascum  soviel  als  Barbascum,  verw^andt  mit  barba:  Bart,  weil  das 
Blatt  filzig  ist  — oder  verderbt  aus  herba:  Kraut.  — 0l6f.iog,  die 
griech.  Bezeichnung  für  Verbascum,  kommt  von  cpHyouat^  cpXoyiCofÄai’. 
leuchten,  weil  der  Stengel  der  Königskerze  zu  Lampendochten  ver- 
wandt wurde.  Daher  die  Bezeichnung  Candella  regia:  Königskerze. 

d.  Königskerze.  Vielleicht  auch  so  genannt,  weil  die  Spitze  der  pyra- 
midenförmig aufgebauten  Pflanze  von  einem  kerzenartigen  Blüten- 
stande gebildet  wird.  — Himmelbrand  — Wollkraut. 

f.  Molene,  von  mollis,  frz.  mou:  weich.  — Bonhomme:  Biedermann, 
wegen  seiner  Heilkraft. 

e.  Mull  ein. 

71.  Koningskaars.  — Toortskruid:  Fackelkraut;  vergl.  deutsch  Toortschen- 
kraut. 

Terbena. 

Verbena  war  im  Lat,  eine  Kollektivbezeichnung  für  Zweige  ver- 
schiedener Gesträuche;  vergl.  auch  Celsus:  Myrtus,  hedera  aliaeque 
similes  verbenae.  Das  Eisenkraut  selbst  wird  Plin.  XXV.  59  und 
Apul.  med.  herb,  „verbenaca“  genannt.  Verbena  steht  wahrschein- 
lich für  herbena:  von  herba:  Kraut,  oder  es  ist  entstanden  aus  Herba 
Veneris:  Venuskraut.  — Event,  verwandt  mit  viriditas:  das  Grün 
oder  mit  kelt.  terfaen,  sanskr.  vardh,  wachsen. 
d.  Eisenkraut,  man  glaubte  mit  seinem  Saft  Eisen  besonders  gut  härten 
oder  durch  Eisen  verursachte  Wunden  rascher  zum  Schließen  bringen 


86 


oder  gar  mit  dem  Kraut  „hieb-,  stich-  und  schußfest“  machen  zu 
können. 

f.  Verveine,  aus  dem  offiziellen  Namen.  — Herbe  sacree:  heiliges  Kraut, 
herbe  ä tous  maux:  Kraut  gegen  alle  Schmerzen. 

e.  Vervein. 

n.  Ijzerhard,  vergl.  unter  Eisenkraut. 

Yeronica, 

verderbt  aus  Vettonica:  eine  im  Gebiet  der  Vettonen,  einer  spanischen 
Völkerschaft,  heimische  Pflanze  — oder  aus  vera  unica:  die  einzig 
wahre,  wegen  der  Heilwirkungen.  — Nach  anderer  Meinung  der 
heil.  Veronica  zu  Ehren  benannt,  von  der  erzählt  wird,  daß  Jesus 
das  Abbild  seines  Gesichts  auf  ihr  Schweißtuch  gedrückt  habe. 
Vielleicht  ging  der  Gattungsname  von  Veronica  polita,  der  glatt- 
blättrigen Veronica,  aus,  deren  viereckige  Blütenumrisse  mit  Saftmalen 
versehen  sind.  Dieserhalb  leitet  man  Veronica  auch  von  vera  unica 
icon:  das  einzig  wahre  Bild,  ab. 

d.  Ehrenpreis,  wegen  der  Heilwirkungen.  — Heil  aller  Welt,  desgl.  — 
Im  Elsaß:  Ereschegiggele,  von  gucken:  sehen:  Froschäuglein,  wegen 
der  kleinen,  hübschen  Blüte. 

f.  Veronique.  — Herbe  bleue:  Blaukraut,  wegen  der  Blütenfarbe.  — 
Herbe  aux  ladres:  Aussätzigenkraut.  — Famine:  Hungersnot,  es 
wuchert  in  schlechten  Getreidejahren  auf  den  Äckern. 

e.  Speedwell,  s.  unter  Teucrium.  — Eye-bright:  Augenhell,  s.  unter 
Euphrasia.  — Cat’s-eye:  Katzenauge. 

71.  Eereprijs. 

Yesicaria, 

von  vesica:  Blase,  wegen  der  Blasenschötchen  dieser  Kruzifere;  vergl. 
unter  Physalis. 
d.  Blasenschötchen. 

f.  Vesicaire. 

c.  Vesicaria. 

71.  Vesicaria. 

Yiburnum. 

von  viere,  da  V.  zum  „Flechten,  Binden“  diente;  aus  jungen  Trieben 
werden  Körbchen  geflochten.  — Vergl.  vibex:  Riemen,  vimen:  Rute, 
vibro:  schwingen;  — oder  verwandt  mit  verberare:  schlagen. 

Yiburnum  Lantaua. 

Lantana  verderbt  aus  lanata:  wollig,  wegen  der  graufilzigen  Blätter 
— oder  verwandt  mit  lentare:  beugen,  wegen  der  biegsamen  Zweige. 

d.  Wolliger  Schneeball,  wegen  der  graufilzigen  Blätter  und  der  weißen 
dichten  Trugdolde.  — Widenbaum  (Berner  Oberl.),  wegen  der  weiden- 
artig biegsamen  Äste.  — Schlingbaum,  desgl. 


i87 


f.  Viorne  Lantane,  aus  dem  offiziellen  Namen.  — Mancienne,  aus  Lan- 
tana.  — Cochene  (?)  ist  aus  comme  ebene:  wie  eine  Eiche,  erklärt, 
weil  es  ^yie  die  Eiche  im  Wald  wächst,  oder  als  biegsamer  Strauch  im 
Gegensatz  zum  starren  Eichbaum  per  antiphrasim  so  genannt.  — 
Aubourne,  vergl.  engl,  auburn:  rotbraun,  wegen  der  Farbe  des  Frucht 
saftes,  oder  aus  alburnum:  weißes  Holz;  vergl.  unter  Cytisus  Laburnum. 

e.  Wayfaring(man’s)-tree:  Wanderers  Baum,  wächst  an  Wegen;  vergl. 
unter  Teucrium.  — Mealy-tree:  mehliger  Baum.  — Cotton -tree: 
Wollbaum.  — Cottoner.  — White -wood:  Weißholz.  — Lithe-wort, 
lithy-tree,  von  lithe:  geschmeidig,  biegsam.  — Twist -wood,  von 
twist:  drehen,  da  die  Zweige  zu  Flechtwerk  benutzt  werden. 

n.  Wollige  Sneeuwbal. 

Yiburnum  Opulus. 

Opulus  war  die  lat.  Bezeichnung  für  Acer  campestre  und  wurde  wegen 
der  Blattähnlichkeit  auf  V.  O.  übertragen. 

d.  Wasser-Schneeball,  wächst  in  feuchten  Gebüschen.  — Kallinkenbaum 
(schles.),  aus  slav.  Kalinka:  V.  O. 

y.  (Viorne)  Obier,  aus  dem  Lat.  — Boule  de  neige:  Schneeball.  — 
Sureau  d’eau:  Wasserholunder,  die  Zweige  sind  markig  wie  die  des 
Holunders,  der  ebenfalls  an  feuchten  Stellen  wächst  und  gleichfalls 
weiße  Blumenballen  bildet.  — Rose  de  Gueldre,  eine  Garten varietät: 
wurde  wahrscheinlich  zuerst  in  Geldern  (Holland)  gezüchtet. 

e.  Guelder  Rose.  — Water-elder:  Wasserholunder.  — King’s-crown: 
Königskrone;  der  Maikönig  wird  mit  seinen  Blättern  und  Blüten  ge- 
schmückt. 

n.  Geldersche  Roos.  — Sneeuwbal. 


Yicia,  ßrMOVf  vergl.  auch  unter  Pisum,  Ervum  und  Faba. 

Varro:  de  re  rustic.  I.  31.  Vicia  dicta  a vinciendo,  quod  item  capreolos 
habet,  ut  vitis,  quibus  cum  sursum  vorsum  serpit  ad  scapum  lupini, 
aliumve  quem,  ut  haereat,  id  solet  vincire. 

Isidor.  X.  2.  II.  Antiqui  viciam  dicebant,  quam  nos  victoriam; 
Credo  quod  inde  dicatur  herba  vicia,  id  est  victorialis.  — XVH. 
4.  9.  Vicia  dicta  quod  vix  ad  triplicem  perveniat  fructum,  cum 
alia  legumina  proventum  habeant  fertilem. 

Von  vincire:  umschlingen,  wegen  der  Ranken,  mit  denen  sich 
die  Wicke  anklammert  — vom  griech.  ßiyJov,  von  ßlyiog:  Gefäß, 
Hülsenfrucht. 


d.  Wicke 
f.  Vesce 
c.  Vetch 
n.  Wikke 


aus  dem  Lateinischen. 


i88 


Tinea, 

von  vincire:  umschlingen,  als  Schlingpflanze,  oder  von  vincere:  (Krank- 
heiten) besiegen,  lat.  auch  pervinca  genannt,  lat.  per:  griech.  Ttegi: 
ringsumher;  zur  Verstärkung  des  Begriffs  vincire. 

d.  Immergrün,  wegen  des  immergrünen  Laubes.  — Senegrün,  Singrün, 
sene,  sin  soviel  als  immer,  ewig;  vergl.  Sinnau,  Sintau  für  Drosera. 
— Winkelkraut,  volksetymologisch  aus  Vinca.  — Jungfernkraut,  der 
Tubengrund  der  Blüte  ist  durch  Schuppen  geschlossen. 

f.  Pervenche,  aus  pervinca.  — Violette  des  sorciers:  Zauberers  Veilchen, 
blüht  blau  wie  das  Veilchen  und  wurde  von  Zauberern  benutzt.  — 
Pucelage:  Jungfrauschaft,  s.  oben. 

e.  Periwinkle. 

71.  Maagde(n)palm : Mädchenpalme,  s.  oben. 

Viola,  \ov. 

Isidor.  XVII.  9.  19.  Viola  propter  vim  odoris  nomen  accepit. 
Verwandt  mit  vis:  Kraft,  wegen  des  starken  Geruchs  der  Blüte  — 
oder  als  Diminutiv  des  griech.  Tov,  das  von  levat,  Part,  icvv  abzu- 
leiten sei  und  soviel  als  die  zuerst  „kommende“  Blume  bedeute.  — Der 
Sage  nach  ist  die  Pflanze  aus  der  Erde  hervorgesprossen,  um  die  in 
eine  Kuh  verwandelte  Königstochter  Io  zu  ernähren,  nach  dieser  habe 
sie  ihren  Namen  erhalten. 

d.  Veilchen. 

f.  Violette. 

e.  Violet. 

71.  Viooltje. 

T.  tricolor, 

dreifarbige  Viole:  wegen  der  Blütenfarbe. 

d.  Stiefmütterchen,  wegen  der  Verteilung  der  Kelch-  und  Blumenblätter. 
Das  größte  und  bunteste  Blütenblatt,  die  Stiefmutter,  sitzt  bequem 
auf  zwei  Kelchblättern,  die  zwei  ihm  nächsten  Blumenblätter,  die 
Kinder  der  Stiefmutter,  haben  je  ein  Kelchblatt,  die  zwei  letzten 
Blumenblätter  aber,  die  Stieftöchter,  müssen  sich  zusammen  mit  einem 
Kelchblatt  begnügen.  Vergl.  hierzu  unter  Paris.  — Dreifaltigkeits- 
blume: die  Blütenkrone  scheint  auf  den  ersten  Blick  nur  aus  drei 
Blättern  zu  bestehen;  event.  wegen  der  dreierlei  Farben  der  Blume 
so  genannt. 

f.  Pensee,  von  penser:  denken,  die  meist  blau  blühend  kultivierte 
Pflanze  wird  als  Symbol  der  Erinnerung  betrachtet;  vergl.  Myosotis 
und  Omphalodes.  — Herbe  de  la  trinite : Dreifaltigkeitskraut,  s.  vorher. 

e.  Pansy,  s.  vorher.  — Heart’s-ease:  Herzruhe:  wegen  der  Schönheit  oder 
annähernden  Herzform  der  Blüte.  Dieserhalb  fand  die  Pflanze  viel- 
leicht gegen  Herzkrankheiten  Verwendung. 

71.  Pensee.  — Drievuldigheids-bloempje,  s.  oben. 


189 


Yiscum,  l^og. 

Viscum,  auch  viscus,  vom  griech.  i^og,  das  entweder  von  Xöyio:  fest- 
halten  herzuleiten,  oder  mit  '/.iGOog:  Efeu  verwandt  ist:  Viscum 
hätte  demnach  seinen  Namen  von  der  parasitischen  Lebensweise  er- 
halten. — Viscum  in  der  Bedeutung  Leim  ist  als  sekundäre  Bildung 
etymologisch  nicht  zu  verwerten;  diese  Bedeutung  ist  dadurch  ent- 
standen, daß  aus  den  Mistelbeeren  Vögelleim  zum  Vogelfang  herge- 
stellt wird,  s.  unten. 

d.  Mistel,  als  Diminutiv  zu  Mist,  da  die  Pflanze  durch  den  Mist  der 
Vögel  übertragen  wird.  Nach  anderer  Erklärung  verwandt  mit  engl, 
mist:  Nebel,  da  sie  zur  nebligen  Winterszeit  und  Weihnachten  ver- 
ehrt und  mit  ihren  grünen  Blättern  auf  den  entlaubten  Bäumen  be- 
sonders schön  sichtbar  wird;  s.  Virg.  Aen.  VI.  205 — 206.  „brumali 
frigore  fronde  nova“.  — Wintergrün.  — Hexenbesen,  Donnerbesen, 
welche  Namen  sie  mit  gewissen  (zuweilen  durch  Taphrina  bedingten) 
abnormalen  Baumverzweigungen  gemeinsam  hat.  — Affolter,  weil  die 
Mistel  auf  Apfelbäumen  gedeiht.  — Wispel  (bei  Darmstadt),  verderbt 
aus  Mistel  und  Viscum,  unter  Anlehnung  an  Mispel  (Mespilus); 
einander  ähnlich  klingende  Namen  werden  häufig  verwechselt.  — 
Baummarder:  wegen  der  parasitischen  Lebensweise. 

f.  Gui,  norm,  vi,  ital.  und  span,  visco,  katalon.  vesc  vom  lat.  viscum. 

e.  Mistletoe,  ags.  mistel(tan),  isl.  mistelteinn,  dän.  mistel(teen).  Die  engl. 
Endung  - toe  findet  sich  wieder  in  ags.  tan  und  isl,  teinn,  das 
Zweig  bedeutet;  vergl.  holl,  teen,  worunter  gewöhnlich  der  (Weiden-) 
Zweig,  wie  überhaupt  jeder  zum  Flechten  verwendbare  Zweig  ver- 
standen wird. 

n.  Vogellijm,  vergl.  Plautus:  „ipsa  sibi  avis  mortem  creat,  cum  viscum 
serat,  quo  postmodum  ab  aucupibus  capiatur“  und  die  spätere  Lit. : 
„turdus  ipse  sibi  cacat  malum.“  (Aus  C.  v.  Tubeuf.  Über  die  Be- 
ziehungen zwischen  unseren  Misteln  und  der  Tierwelt.  Naturw.  Ztschr. 
für  Forst-  und  Landwirtschaft,  1908,  p.  52).  — Maretakken:  Alp- 
zweige, weil  die  Mistel  wie  der  Mahr,  bzw.  Alp  dem  Menschen,  so 
dem  Baum  aufsitzt  und  Schaden  bringt. 

Yitis. 

Varro.  Ling.  lat.  Vitis  a vino,  idque  a vi. 

Isidor.  XVII.  5.  2.  Vitis  dicta,  quod  vim  habeat  citius  radicandi. 
Alii  putant  vites  dictas,  quia  se  invicem  vittis  inectant  vicinisque 
arboribus  reptando  religentur. 

Vitis  verwandt  mit  vis:  Kraft,  weil  die  Rebe  ein  kräftig  gedeihendes  Ge- 
wächs ist,  dessen  Zweige  als  Stecklinge  die  Kraft  besitzen,  rasch  Wurzeln 
zu  schlagen.  Nach  anderer  Erklärung,  weil  der  aus  seinen  Trauben  ge- 
wonnene Wein  Kraft  verleihe.  — Doch  wird  auch  Vitis  mit  vincire: 
binden  in  Beziehung  gebracht:  da  der  Weinstock  an  Pfähle  ange- 
bunden wird,  bzw.  sich  vermittelst  seiner  Ranken  selbst  bindet;  oder 


er  ist  nach  vincire  wegen  der  Geschmeidigkeit  seiner  Zweige  benannt. 
Lat.  vinum,  griech.  oivog,  hebr.  jajin,  arab.  äthiop.  wain,  deutsch  Wein, 
frz.  vin,  engl,  wine,  niederl.  wijn  ist  selbstredend  mit  vitis  verwandt 
und  findet  sich  wie  Linum  und  Cannabis  mit  leichten  Modifikationen 
wohl  in  allen  Kultursprachen  wieder, 
t/.  Weinstock. 

/.  Vigne. 
e.  Vine. 

/7.  Wijnstok. 


X. 

Xanthium,  ^avd'iov. 

Diosc.  IV.  136.  JvvavaL  ös  0 y.aoTcbg  — ^avd'ag  TQiyag  Ttoieiv. 
— /Moncov  de  — dyavd^cüöi]. 

Von  ^ap&og:  goldgelb,  blond,  da  es  die  Haare  blond  färbt. 

d.  Spitzklette,  wegen  der  spitzen  Blätter  und  Stengelstacheln.  Die  Frucht- 
hüllchen  sind  ebenfalls  stachlig,  s.  unter  Galium  Aparine. 

f.  Glouteron,  grateron,  petite  bardane;  vergl.  unter  Lappa  und  Galium 
Aparine.  — Grapelles,  von  grappe:  Traube,  wegen  der  traubenförmigen 
Anordnung  der  Früchte.  — Herbe  aux  ecrouelles,  wurde  als  „Kraut 
gegen  Skrofeln“  gebraucht;  nach  anderer  Erklärung  sollen  unter 
ecrouelles  strumaartige  Erkrankungen  verstanden  werden. 

e.  Burweed,  s.  unter  Galium  Aparine. 

71.  Stekelnoot:  Stachelnuß. 


Z. 

Zannichellia. 

Nach  J.  H.  Zannichelli,  1662 — 1729;  hat  eine  Flora  von  Venetien 
geschrieben. 

d.  Teichfaden,  wegen  der  fadenförmig  flutenden  Stengel. 

f.  Zannichelle. 

e.  Homed  Pondweed:  Gekrümmtes  Teichkraut,  wegen  der  leicht  ge- 
krümmten Karpelle. 

n.  Zannichellia. 


Zea, 

^£0,  Zeia  hieß  eine  Triticumart:  von  leben. 

d.  Mais,  die  Pflanze  wurde  von  Kolumbus  nach  Europa  gebracht.  Auf 
Haiti  wird  sie  mahiz,  mahis  genannt. 

f.  Mays. 

e.  Maize. 

«.  IMais. 


Zostera, 

von  tcootr^Q'.  Gürtel;  wegen  der  sehr  langen,  bandförmigen  Blätter. 

d.  Seegras,  weil  es  im  Meer  wächst.  — Wasserriemen,  s.  vorher.  — Wier  ndl. 
= Draht.  — Seeball,  Meerpille,  da  es  durch  die  Wellen  zu  Kugeln 
verfilzt  wird.  — Tang,  verwandt  mit  dehnen. 

f.  Pailleuse,  von  paille:  Stroh,  da  es  getrocknet  als  Matratzeneinlage 
benutzt  wird.  — Verdiere,  von  vert,  wegen  der  grünen  Rasen,  die 
es  bildet.  — Rubans:  Bänder.  — Crin  vegetal:  Pflanzenhaar,  im 
Gegensatz  zu  Crin,  Roßhaar,  womit  ebenfalls  die  hlatratzen  gefüllt 
werden. 

e.  Grass-wrach,  unter  wrach  versteht  man,  was  das  hleer  auswirft. 
n.  Zeegras  — Zeewier  — Wiert.